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Von Glasbausteinen trennen

15.10.2018 | 11 x | von: fegonnow54 | Kategorie: Glasbausteine | Druckansicht Druckansicht

Von Glasbausteinen trennen
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Ältere Glasbausteine verursachen erhebliche Wärmeverluste und verschlechtern die Behaglichkeit. Lernen Sie Alternativen und Verbesserungsmaßnahmen kennen.

Glasbausteine waren in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stark in Mode. In einigen Gegenden Deutschlands, insbesondere im süddeutschen Raum, sieht man diese fast an jedem Haus aus dieser Zeit. Häufig sind es die Treppenhäuser oder Eingangsbereiche, die durch die Glasbausteine belichtet werden sollten. In anderen Fällen sollen Glasbausteinwände Sichtschutz gegenüber neugierigen Nachbarn auch im Wohnbereich sichern. Eines haben alle diese Glasbausteine gemeinsam: Wärmetechnisch gesehen sind sie nach heutigen Gesichtspunkten ausgesprochen schwach, wobei Veränderungsbedarf nur bei solchen Flächen besteht, bei denen die dahinter liegenden Räume auch beheizt werden.

Glasbausteine im Treppenhaus und auf dem Balkon
Glasbausteine im Treppenhaus und auf dem Balkon

Die thermische Behaglichkeit lässt im Winter in der Nähe der Glasbausteinwände stark zu wünschen übrig, so dass man  sich lieber heute als morgen davon trennen möchte. Ursache dafür ist die massive Bauart der Glasbausteine. Die Steine bestehen aus zwei Pressglasschalen, die miteinander verschmolzen wurden. Innenseite und Außenseite sind also durch massive Glasstege miteinander verbunden. Es gibt keine thermische Trennung zwischen der Innen- und Außenseite. Das eingeschlossene Luftvolumen hat keine nennenswerte Wirkung, weil die Anzahl der Verbindungsstege bzw. Mörtelfugen sehr hoch ist. Eine weitere Verschlechterung der Wärmedämmung ist auf die enthaltenen Bewehrungseisen zurückzuführen, die bei höheren oder längeren Glaswänden erforderlich sind, um die Stabilität zu sichern.

Der so genannte U-Wert der veralteten Konstruktionen ist unterschiedlich und hängt von der Glasbausteintiefe, der Vermörtelung, der Bewehrung, u.a. Faktoren ab. Er liegt aber keinesfalls besser als etwa 3,5 W/m²K und wird in den meisten Fällen etwa 4 W/m²K erreichen. Zum Vergleich: Moderne Fenster mit Dreischeibenverglasung und Edelgasfüllung in gut wärmedämmenden Rahmen bringen es auf Werte deutlich unter 1 W/m²K. Anders ausgedrückt: Wenn eine Glasbausteinwand durch ein gleich großes Fenster moderner Bauart ersetzt wird, verringert sich der Wärmeverlust von innen nach außen auf weniger als 30% des Ausgangsniveaus. Gleichzeitig verbessert sich die thermische Behaglichkeit durch den Austausch erheblich, da die inneren Oberflächentemperaturen bei gleichen Witterungsverhältnissen deutlich ansteigen. Der gefürchtete „Kaltluftfall“ vor der verglasten Fläche wird erheblich verringert.

Ich rate daher dazu, im Rahmen einer Modernisierung die Glasbausteine durch ein oder mehrere moderne, so genannte passivhaustaugliche Fenster zu ersetzen. Diese Fenster haben U-Werte unter 0,85 /m²K. Solche Fenster können Sie mit Holz- und Kunststoffprofilen beziehen, aber auch z.B. mit aufgesetzten Aluminiumprofilen. Welche Fenster-Hersteller passivhaustaugliche Zertifizierungen besitzen, erfahren Sie unter https://database.passivehouse.com/de/components/list/window 

Wenn die Glasbausteine als gestalterisches Element verbleiben sollen, können die vorhandenen Glasbausteine gegen neue Iso-Glasbausteine ersetzen. Mir sind Produkte aus Österreich http://www.glasbausteine.at bekannt, die einen U-Wert von 1,5 W/m²K erreichen. Ob die fertige Wand (Fugen!) ebenfalls auf 1,5 W/m²K kommt, darf bezweifelt werden. Eine maximale Energieeinsparung erreicht diese Lösung aber nicht, wie man an den Zahlen erkennen kann.

Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der bestehenden Situation hat man (ohne Eingriffe in die bestehende Bausubstanz von außen vornehmen zu müssen) durch den Einbau einer zusätzlichen Verglasungsebene von innen. Wer sich für diese Lösung entscheidet muss wissen, dass trotz optimaler Abdichtung der Eintrag von Wasserdampf in den Hohlraum zwischen der Glasbausteinwand und dem neuen, verglasten Bereich nicht ausgeschlossen werden kann. Ursache ist, dass selbst bei sehr hoher Luftdichtheit der vorgesetzten Konstruktion die Wasserdampfdiffusion über das Mauerwerk im Laibungsbereich (Flanken) und über den Rahmen nicht zu verhindern ist. Daher müsste eine Lösung gesucht werden, bei der ein gelegentlicher Kondensatanfall im Zwischenraum beseitigt werden kann. Also muss das von innen eingesetzte Glasteil zumindest teilweise und zweitweise geöffnet werden können. Auch die Reinigungsmöglichkeit ist zu beachten. Das von innen eingesetzte Glasteil muss sicher nicht den strengen Anforderungen genügen, wie ein alleiniges Fenster. Es wäre hier schon eine Standard-Verglasung mit U-Wert 1,1 und warmer Kante  (Glasabstandsleiste) als ausreichend zu bewerten. Der Rahmen sollte jedoch hohen Anforderungen genügen und keinen schlechteren U-Wert als 1,2 besitzen. Die innere Fenster-Konstruktion sollte möglichst nahe den Glasbausteinen eingebaut werden, weil zu große Abstände eine unerwünschte Eigenzirkulation der eingeschlossenen Luft ermöglicht. Hilfreich wäre es auch, wenn die Laibungen vor dem Einbau mit einer etwa 2 cm starken Innendämmung aus PU-Schaum versehen werden. Eine dauerhafte Belüftungsmöglichkeit des Hohlraumes vorzusehen halte ich nicht für sinnvoll. Ebenso wenig sinnvoll ist es, nach Möglichkeiten absoluter Dichtheit zu suchen.

Möglich ist es auch die alten Glasbausteine gegen transparente Bausteine bzw. Flächen aus einem anderen Material zu ersetzen. Denkbar sind bsw.  Mehrkammer- Stegplatten aus Polykarbonat. Jedoch sind solche Lösungen wärmetechnisch in jedem Falle schlechter als eine moderne 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung.