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Kerndämmung und Sanierung von Hohlwandmauerwerk

19.03.2018 | 112 x | von: now | Kategorie: Kerndämmung, Wände | Druckansicht Druckansicht

Kerndämmung und Sanierung von Hohlwandmauerwerk
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Infos und Tipps zum Neubau mehrschaliger Wände mit Kerndämmung und zur Sanierung von Hohlwandmauerwerk im Altbau mit Einblasdämmung.

Bei einem Wandaufbau mit Kerndämmung befindet sich die wirksame Wärmedämmung in dem Raum zwischen zwei separat errichteten Mauern, der tragenden Innenschale und der dem Wetterschutz dienenden Außenschale. Die äußere Mauerschale wird daher mit besonders langlebigen, wasserabweisenden Materialien, wie z.B. hart gebrannten Ziegeln (Klinker) ausgeführt. Sie wird durch Anker auf Abstand gehalten. Für die Innenschale werden normale oder, in jüngeren Jahren, besser wärmedämmende Ziegel verwendet.

Kerndämmung von mehrschaligem Mauerwerk
Kerndämmung von mehrschaligem Mauerwerk
Der zwischen den beiden Schalen an- bzw. eingebrachte Dämmstoff wird in den letzten Jahren ohne Luftschicht montiert. Lange Zeit wurden mehrschalige Konstruktionen meist mit einer zusätzlichen, belüftenden Luftschicht ausgeführt. Dieser Belüftungsraum zwischen Dämmstoff und Außenschale wurde als bauphysikalisch notwendig und als besonders effizient und langlebig angesehen. Heute wissen wir, dass auf die Belüftung verzichtet werden kann, da dies keine bauphysikalischen Nachteile mit sich bringt. Stattdessen kann der gesamte zur Verfügung stehende Raum mit Dämmstoff verfüllt werden.
Belüftungsöffnungen für Hohlwandmauerwerk
Belüftungsöffnungen für Hohlwandmauerwerk
Einström- bzw. Ausströmöffnungen zwecks gezielter Belüftung des Hohlraumes weisen auf Konstruktionen mit Kerndämmung und Belüftungsebene hin. Der Betrachter findet solche Konstruktionen besonders im norddeutschen Raum. Die Öffnungen befinden sich an den Fußpunkten der äußeren Mauerwerksschale, unter den Fensterbänken, und über den Fensterstürzen. Gelegentlich finden sich auch noch solche belüfteten Wandkonstruktionen aus den 70er und 80er Jahren, die lediglich einer Dämmschicht von 4 bis 6 cm zwischen den Mauerwerksschalen aufweisen.
Kerndämmung mit 5 cm Mineralwolle und 4 cm Luftschicht
Kerndämmung mit 5 cm Mineralwolle und 4 cm Luftschicht
Diese Konstruktionen haben, nach heutigen Gesichtspunkten beurteilt, eine viel zu schwache Dämmwirkung. Das führt oftmals zu unbehaglichen Wohnsituationen. Diese Konstruktionen sollten daher modernisiert werden. Dazu müssen die Belüftungsöffnungen für die Hohlraumbefüllung verschlossen werden, was aber bei trockenen Wänden (funktionsfähige horizontale Sperrschicht) zu keinem Nachteil führt.

 

Hohlwandmauerwerk modernisieren

Bei der beabsichtigten Modernisierung von Gebäuden trifft man in einigen Gegenden Deutschlands auf unbelüftetes, zweischaliges Hohlwandmauerwerk ohne Dämmschicht. Bei dieser Konstruktion sind zwei separate, tragende Wände gemauert, die meist einen Abstand von etwa 6 cm haben. Zur Stabilitätsverbesserung wurden auch quer liegende Steine oder Anker in bestimmten Abständen eingezogen. Gelegentlich sind die Außenecken, immer aber Laibungen und Stürze vollständig ausgemauert.

Lückenloses Verfüllen des Hohlraumes im Hohlwandmauerwerk mit Dämmstoff stoppt Luftzirkulation
Lückenloses Verfüllen des Hohlraumes im Hohlwandmauerwerk mit Dämmstoff stoppt Luftzirkulation
Die Einführung des Hohlwandmauerwerkes vor rund 100 Jahren folgte dem Gedanken, dass eine ruhende Luftschicht eine zusätzliche Verbesserung der Wärmedämmung der Wand bewirken würde. Herausgestellt hat sich, dass die gewünschte Verbesserung von maximal 20% nur eintrat, wenn die Luftschicht sich weitgehend ruhig verhielt. In der kalten Jahreszeit ist die Luft im Spalt jedoch infolge der Temperaturunterschiede heftig in Bewegung, sodass eine Verbesserung der Wärmedämmung nicht in nennenswertem Maße eintritt. Bringt man nun jedoch die Luft durch das Einfüllen eines Dämmstoffes zur Ruhe, kann eine erhebliche Verbesserung des U-Wertes der Wand beobachtet werden.

Hohlraum verfüllen mit einblasfähigen Dämmstoffen

Blick in den einblasfähigen Hohlraum mit Hilfe eines Endoskops
Blick in den einblasfähigen Hohlraum mit Hilfe eines Endoskops
Das Verfüllen geschieht mittels Einblasen, um so auch die entlegeneren Abschnitte noch sicher zu erreichen. Als Dämmstoffe eignen sich einblasfähige Materialien, wie Mineralwollekügelchen, Perlite oder Blähglas (siehe auch einblasfähige Dämmstoffe). Ob sich die Wand selbst für diese Methode eignet, kann nur eine Endoskopie zeigen. Das Einblasen ist möglich, wenn
  • die Luftschicht in der Hohlwand durchgängig (d.h. nicht durch Binderziegel unterbrochen) ist;
  • nicht allzu viel Mörtel und Ziegelbruch am Boden der Wand liegt;
  • innere und äußere Mauerschale auf einem trockenen Fundament stehen (funktionierende Sperrschicht);
  • die äußere Schale sicher Regen abweist
  • die Luftschicht mindestens 4 cm breit ist;

einblasen_von_daemmstoffZum Einblasen wird in die Außenwand in bestimmten Abständen ein entsprechend großes Loch gebohrt, durch dass mittels Schlauch und Gebläse Dämmstoff eingeblasen werden kann. Bei verklinkerten Fassaden kann dazu auch ein Stein herausgenommen werden.

Die wärmedämmende Wirkung der befüllten Wand wird sich in etwa verdoppeln. Für die Behaglichkeit bedeutet dies einen Anstieg der Oberflächentemperatur auf der Innenseite bei – 5°C Außentemperatur von etwa 12°C auf 17°C. Die Oberflächentemperatur erhöht sich jedoch nicht auf allen Abschnitten des nachträglich gedämmten Hohlwandmauerwerkes.

Einige Schwächen bleiben

Wurden z.B. die Außenwandecken vollständig ausgemauert, fehlt nach dem Ausblasen dort die Dämmung. Daher verbleiben dort die für diese Bereiche gefürchteten Wärmebrücken. Ähnliches gilt für die Fenster- und Türlaibungen, sowie für die Sturzträger. Trotz dieser an einen kleinen Teil der Wand bleibenden Wärmebrücken ist die Befüllung des Hohlraumes eine effiziente Möglichkeit zur Verbesserung der Behaglichkeit und zur Verringerung der Heizkosten verringert. Zumal sich Maßnahme einfach und preisgünstig realisieren lässt.

Die Verfüllung des Hohlraumes zweischaliger Wandkonstruktionen verbessert die Behaglichkeit durch Erhöhung der inneren Oberflächentemperatur und führt zu einer auf die Wandfläche bezogenen Energieeinsparung um 20% bis 30%.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mir sind keine Schadensfälle bekannt, die auf nachträgliche Kerndämmung zurückgehen. Frostschäden wurden nicht beobachtet. Zwar werden, wie bereits dargestellt, durch die Maßnahme nicht alle Wärmebrücken beseitigt, sie werden jedoch auch nicht verstärkt, wie einige Bauleute behaupten. Belüftungs- bzw. Entwässerungsöffnungen “stören nicht“. Sie sollten jedoch verschlosssen werden.

Wände, die von unten wegen einer defekten horizontalen Sperrschicht durchfeuchtet sind, sollten nicht gedämmt, sondern zunächst trocken gelegt werden. Putzmängel sind zuerst auszubessern. Risse sollten bei fehlendem Regenschutz (Sichtmauerwerk) verfugt werden.

Überprüfung des Ausgangszustandes bzw. des Resultates

Typisches Wärmebild eines zweischaligen Hohlwandmauerwerkes mit "Wolken" und "Fahnen"
Typisches Wärmebild eines zweischaligen Hohlwandmauerwerkes mit “Wolken” und “Fahnen”
Für einen “Vorher-nachher-Vergleich” kann die Gebäudethermografie gute Dienste leisten. Mit Hilfe dieser Methode kann der Ausgangszustand bezüglich der Wärmeverluste (Thermografie von außen) und der inneren Oberflächentemperaturen (Thermografie von innen) gut bestimmt werden. Für die Bearbeitung der Wärmebilder und deren Interpretation ist jedoch reichlich Übung nötig. Nach meiner Erfahrung sind nur wenige Besitzer einer Thermografiekamera in der Lage, aus den Bildern, die ein Hohlwandmauerwerk liefert, seriöse Schlussfolgerungen abzuleiten. Helfen kann dem Bauherren natürlich auch ein versierter Energieberater, der z.B. den Hohlraum endoskopiert, und der aus den Wandparametern (Steinart, Wärmeleitfähigkeit, Flächen) die Verbesserungsmöglichkeit ausrechnet.

Nach der EnEV von 2014 “…ist ein Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,045 W/(m·K) einzuhalten, soweit Dämm-Materialien in Hohlräume eingeblasen…” werden. Die oben erwähnten Materialien sind also geeignet.
Ob eine solche Maßnahme förderfähig ist, kann bei der Förderbank KfW nachgefragt werden.

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