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Sinn und Ausführung luftdichter Konstruktionen

14.11.2017 | 32 x | von: now | Kategorie: Luftdichtheit | Druckansicht Druckansicht

Sinn und Ausführung luftdichter Konstruktionen
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Alles Wichtige über Notwendigkeit, Bedeutung sowie die Art und Weise der Ausführung luftdichter Konstruktionen beheizter Gebäude.

Ich sehe keinen Widerspruch darin, eine sorgfältige Ausführung luftdichter Konstruktionen beheizter Gebäude zu fordern, andererseits aber gleichzeitig auf ausreichende Be- und Entlüftung hinzuweisen. Denn das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Allerdings ist mir schon bewusst, dass viele Bauleute und Bauherren die Herstellung einer luftdichten Gebäudehülle ablehnen. Sie sind der Auffassung, dass unsere Gebäude angesichts mancher Bauschäden schon viel zu „dicht“ seien. Aber ist das wirklich so?

Unbestritten ist: einen Luftaustausch muss es geben. Durch den Aufenthalt von Menschen und Tieren bedingt, muss der für die Atmung wichtige Sauerstoff zu- und Stoffwechselprodukte, wie Wasserdampf und Kohlendioxid, abgeführt werden. Über die dabei auszutauschenden Luftmengen gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen. Ich halte mich da an die Empfehlungen der Lufthygieniker, die einen Frischluftbedarf von etwa 30 m³ pro Stunde pro Person bei leichter Tätigkeit angeben. Stellt sich die Frage, wie soll diese Luftmenge in den Raum kommen? Auf welchem Weg soll die verbrauchte Luft wieder nach außen abgeführt werden?

Druck - und Strömungsverhältnisse und mögliche Luftundichtheiten
Druck – und Strömungsverhältnisse und mögliche Luftundichtheiten

Nun, ich denke, bei genauerem Hinsehen löst sich der scheinbare Widerspruch auf. Denn die Gegner luftdichter Häuser befinden sich offenbar lediglich im Unklaren darüber, welche Wege des Luftaustausches akzeptabel, und welche aus hygienischen und bautechnischen Gründen unbedingt zu vermeiden sind. Schließlich möchte niemand frische Luft über einem feuchten, vielleicht mit Schimmel belasteten Keller beziehen. Ebenso wenig ist eine qualitativ hochwertige Frischluftversorgung über die Mineralwolledämmung im Dachgeschoss denkbar.

Bei der Ausführung luftdichter Konstruktionen geht es also ganz und gar nicht darum, die hygienische Lüftung zu unterdrücken. Vielmehr soll verhindert werden, dass sich der Luftaustausch unkontrolliert und über dafür nicht geeignete Bauteile vollzieht. Denn die möglichen negativen Folgen von Undichtheiten können gravierend sein. Sie

  • führen bei übermäßigem, allein durch Thermik angetriebenen Luftaustausch zu einem erhöhten Heizenergieverbrauch,
  • können Bauschäden durch Tauwasser- und Schimmelbildung nach sich ziehen,
  • verschlechtern in vielen Fällen die Behaglichkeit (kalte Oberflächen, Zugerscheinungen im Winter, Überhitzung im Sommer) und
  • setzen die Luftqualität (durch Freisetzung von Fasern, Stäuben, Schimmelpilzsporen oder den Transport von Gerüchen) herab.

Der Luftwechsel, bei dem in einer bestimmten Zeitspanne Raumluft („verbraucht“) gegen Außenluft (frisch) ausgetauscht wird, muss trotz Luftdichtheit erhalten bleiben.

Keine Frage, luftdichte Konstruktionen verlangen einen bewussteren Umgang mit dem Thema Lüftung. Vernünftiges Lüften geht auch mittels Fenster, jedoch sind einfache Lüftungsanlagen für einen kontrollierten Luftwechsel zu bevorzugen. Mehr dazu finden Sie im Abschnitt Raumklima und frische Luft.

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