Luftschadstoffe im Wohnraum

Welche Luftschadstoffe im Innenraum vorkommen, wie sie vermieden werden bzw. wie man sich dagegen schützen kann.

Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens in Innenräumen, zumindest in der westlichen Kultur. Deshalb sollte die Innenraumluft frei von Stoffen sein, die unsere Gesundheit beeinträchtigen. Da ich aufgrund meiner Messungen in den letzten 25 Jahren eine Verringerung der Luftwechselrate in Wohnungen beobachtet habe, schlussfolgere ich, dass die Anzahl und Konzentration von Luftschadstoffen in Innenräumen zugenommen hat.

Ich zähle in diesem Zusammenhang zu den Luftschadstoffen alle Inhaltsstoffe, mit denen wir mittel- oder unmittelbar durch die Wohnraumluft in Kontakt kommen, und die dass Potential haben, unsere Gesundheit zu beeinträchtigen. Daher werden auch unverdächtige Stoffe, wie z.B. Kohlendioxid und Wasserdampf zu Schadstoffen, wenn sie ab einer bestimmten Konzentration zu Problemen führen können. Zum Beispiel zu einer allergischen Reaktion.

Unter dem Titel „Allergien auf dem Vormarsch“ schreibt Dr. Oliver Larbolette, Freiburg, auf der Seite Spektrum.de, dass… „…heute über 30 % der erwachsenen Bevölkerung in England und den USA an Heuschnupfen leiden, während diese Erkrankung dort noch vor 200 Jahren praktisch unbekannt war. Noch deutlicher ist der Trend bei Asthma. Hier hat sich die Zahl der Erkrankungen innerhalb der letzten 20 Jahre mehr als verdoppelt, so dass Asthma heute die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter ist. Interessanterweise ist der Zuwachs an Allergien jedoch nicht überall gleichmäßig, sondern steht in starker Abhängigkeit von Lebensart und Lebensraum. So sind z.B. Heuschnupfen und Asthma in ländlichen Gegenden von Afrika, Russland oder von Entwicklungsländern deutlich seltener als in entwickelten Industrieländern mit „westlichem“ Lebensstil.“

Man darf, glaube ich, aus dieser Entwicklung ableiten, dass die Qualität der Innenraumluft und ihre ggf. enthaltenen Luftschadstoffe einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen hat. Forscher und Sachverständige sind davon überzeugt, dass eine Reihe von Gesundheitsstörungen und allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe der Raumluft, mikrobielle Ursachen und Schimmelpilzgifte zurückzuführen sind bzw. diese verstärken.

Fühlen Sie sich im Freien besser als zu Hause?

Für die Belastung der Raumluft mit gasförmigen Luftschadstoffen kommen u.a. in Frage:

  • Biozide (Mittel gegen Algen, Pilze, Bakterien, Insekten u.a., z.B. auch Mücken- oder Ameisenspray);
  • Holzschutzmittel (ältere, wie PCP, DDT, Lindan) und Geruchsstoffe (z.B. Hexanal, Terpene bei OSB-Platten);
  • Lösungsmittel aus Farben, Lacken, Klebstoffen, Reinigungsmitteln;
  • Konservierungsstoffe (Formaldehyd, z.B. aus Mobiliar);
  • Weichmacher, z.B. aus PVC-Fußbodenbelägen und Beschichtungen (Vinyl -Tapeten), wie Phthalate (siehe auch Informationen Umweltbundesamt),
  • bromierte Flammenschutzmittel in Kunststoffen (für Computer und Fernsehgeräte, z.B. Verbindungen wie HBCD oder Phosphorsäureesther TCEP;
  • Stabilisatoren in Kunststoffen (wie Organozinnverbindungen, DBT);
  • Bestandteile der Abgase aus der Verbrennung (z.B. Stickstoffoxide, Kohlenmonoxid aus Gasherden, atmosphärische Verbrennung, Kerzen, Kaminöfen, offene Kamine mit Gasfeuer);
  • Gasförmige Stoffe aus der Staubverschwelung auf heißen Oberflächen (wie z.B. Kaminöfen, elektrische Heizkörper);  
  • Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen in Symbiose mit verschiedenen Bakterien, z.B. Aflatoxine;
  • Ozon, z.B. aus Laserdruckern;
  • Ausgasungen von Tonermaterial beim Fixieren;
  • Duftstoffe aus Waschmitteln, Seifen, Kosmetika, Reinigungmittel u.a.
  • Geruchsstoffe zur Maskierung anderer Gerüche (Wunderbaum, Raumspray, Duftlampen, Räucherstäbchen, „Aromatherapie“-Produkte;
  • Wischlappen; 
  • Gewürze;
  • Radon-Quellen (Erdreich in bestimmten Regionen)

Luftschadstoffe vermeiden

Zahlreichen Belastungen, vor allem aus Baumaterialien, Möbeln, Farben u.a. kann man von vornherein aus dem Weg gehen. Belastungen aus Geruchs- und Duftstoffen lassen sich durch Verbrauchsvermeidung beseitigen. 

  • Zahlreiche Problemstoffe wie Lösungsmitteldämpfe, Konservierungsstoffe oder Holzschutzmittel können durch konsequente Nichtanwendung vermieden werden.
  • Schlechte Innenraumluft sollte nicht mit Duftstoffen überdeckt werden. Besser ist, die Quellen unangenehmen Geruchs zu beseitigen, die Wohnung regelmäßig zu lüften und zu reinigen.
  • Verzichten Sie auf lösungsmittelhaltige Farben und Reinigungsmittel und verwenden sie ausschließlich giftfreie Holzschutz- bzw. Oberflächenbehandlungsmittel.
  • Nutzen sie Bauprodukte, die mit dem blauen Engel gekennzeichnet sind.
  • Lassen Sie sich beraten, ob bestimmte Mittel, z.B. Holzschutzmittel, überhaupt benötigt werden.
  • Am besten ist es von vornherein nur Baustoffe einzusetzen, die keine gesundheitlichen Risiken durch Emissionen (Ausgasungen, Fasern) mit sich bringen. Lassen Sie sich dazu die Volldeklarationen der Baustoffe zeigen.
  • Schimmelpilzbelastungen können durch geeignete Maßnahmen vermieden werden. 

Zur weiteren Verbesserung der Luftqualität und zur Minderung der Auswirkungen von Luftschadstoffen eignet sich vor allem eine hygieneorientierte mechanische Lüftungsanlage. Durch sie können Geruchs- und Schadstoffe abgesaugt und über Dach entsorgt werden. Die Frischluftzufuhr kann bedarfsabhängig eingestellt werden.

Umweltbedingte Erkrankungen zu erkennen ist eine Sache der Umweltmedizin. Auskunft über niedergelassene Ärzte mit dieser Zusatzqualifikation geben die Landesärztekammern. Hinweise geben auch die umweltmedizinischen Beratungsstellen der Gesundheitsämter.