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Relative oder absolute Luftfeuchte: Was ist für mich wichtig?

Die Begriffe relative und absolute Luftfeuchtigkeit fallen häufig, wenn es um ein gesundes, behagliches Raumklima, die Vermeidung von Bauschäden und Schimmelbildung geht. Die folgende Erläuterung erklärt Ihnen die grundlegende Bedeutung beider Begriffe.

#Übersicht

Kondensierender Wasserdampf über dem Topf, links mit Deckel, Bildquelle pixabay.com
Kondensierender Wasserdampf über dem Topf, links mit Deckel, Bildquelle pixabay.com
  • Absolute Luftfeuchte: Das tatsächliche Gewicht des Wasserdampfes in einem Kubikmeter Luft. Sie wird aus dem Messwert eines Taupunktsensors errechnet und in g/m³ angegeben.
  • Relative Luftfeuchte: Das Verhältnis der absoluten Luftfeuchte zur maximal möglichen Wasserdampfmenge bei gleicher Temperatur. Sie wird in % angegeben und mit einem Hygrometer gemessen.
  • Temperaturabhängigkeit: Die relative Feuchte ist – anders als die absolute Feuchte – temperaturabhängig.

#Beispiel zur absoluten Luftfeuchte

Anschaulich: Nehmen wir eine absolute Luftfeuchte von 10,4 g/m³ an. In einem Raum mit 20 m² Grundfläche und 2,5 m Höhe sind das insgesamt 520 Gramm Wasser – etwas mehr als ein halber Liter. In einer 100-m²-Wohnung entspricht das rund 2,5 Liter Wasser als Wasserdampf.

Steigt der Dampfgehalt weiter, wird irgendwann die Sättigungsgrenze erreicht. Dann kann die Luft keinen weiteren Wasserdampf aufnehmen. Es scheidet sich tropfenförmiges Wasser ab – auch Tauwasser oder Kondensat genannt.

Zeigt ein Hygrometer bei 20 °C Raumluft eine relative Feuchte von 50 % an, entspricht das einer absoluten Feuchte von 8,7 g/m³. Die Luft ist noch nicht gesättigt: Bei 20 °C könnte sie bis zu 17,3 g/m³ aufnehmen (siehe Tabelle).

#Beispiel zur relativen Luftfeuchte

Zusammenhang zwischen relativer und absoluter Luftfeuchtigkeit
Zusammenhang zwischen relativer und absoluter Luftfeuchtigkeit

„Relativ" bedeutet: ein Anteil von etwas, ausgedrückt als Prozentwert.

Im Wohnraum zeigt das Hygrometer die relative Luftfeuchte an. Bei 50 % und 20 °C Raumtemperatur enthält die Luft 8,7 g/m³ Wasserdampf. Das sind 50 % des maximal möglichen Wertes von 17,3 g/m³. Als Formel: 8,7 / 17,3 = 0,5 = 50 %.

Enthält die Luft statt 8,7 g/m³ nun 10,4 g/m³, steigt die relative Feuchte auf 60 % (10,4 / 17,3 = 0,6). Die Luft könnte dann noch 6,9 g/m³ aufnehmen, bevor sie gesättigt ist.

Der Wert der relativen Luftfeuchte ist nur zusammen mit der zugehörigen Temperatur aussagekräftig.

Nutzen Sie für eigene Berechnungen den sehr einfachen „Absolute Feuchte Rechner", den sie hier finden:

energytools.rechner: Absolute Feuchte - Rechner

#Woher kommt die Luftfeuchte?

Hohe Luftfeuchtewerte kommen im Winter nicht von draußen. Die Raumluftfeuchte steigt durch Reinigen, Kochen, Backen, Duschen und ähnliche Aktivitäten. Senken lässt sie sich nur durch gezieltes Lüften.

Ausführlich in energytools.de: Ein Eimer Wasser täglich

#Welche Luftfeuchtewerte sind im Wohnraum ideal?

Ein angenehmes Raumklima stellt sich bei einer relativen Luftfeuchte zwischen 35 % und 55 % ein.

Ausführlich in energytools.de: Ich empfehle 35 bis 55 %

#Beeinflusst die Luftfeuchte die Entstehung von Bauschäden?

Prinzipdarstellung Kondensatbildung bzw. Tauwasserausfall auf der Außenwand
Prinzipdarstellung Kondensatbildung bzw. Tauwasserausfall auf der Außenwand

Steigt die Raumluftfeuchte deutlich über 55 %, kann es bei schlecht gedämmten Gebäuden zu Kondensat und Schimmelbildung kommen. Betroffen sind vor allem Außenwände, Außenwandecken, Fensterlaibungen und Fensterstürze.

Ausführlich in energytools.de: Baumängel als Schadensursache

#Warum steigt die relative Luftfeuchte, wenn es kühler wird?

Kühlt sich ein Raum ab, bleibt die Wasserdampfmenge in der Luft gleich. Die absolute Feuchte ändert sich nicht. Jedoch sinkt die maximale Aufnahmekapazität der Luft – kühlere Luft kann weniger Wasserdampf halten als wärmere. Dadurch steigt die relative Luftfeuchte.

Wichtig: Das gilt auch in der Nähe kühler Bauteile wie Fenster oder Außenwände. Dort kann die relative Feuchte so stark ansteigen, dass Schimmelpilze optimale Wachstumsbedingungen vorfinden. Ihre Startfeuchte liegt bei etwa 80 %. Dieser Wert wird erreicht, wenn sich 20 °C warme Raumluft mit 50 % relativer Feuchte auf etwa 11 °C abkühlt. Beschlagene Fensterscheiben im Winter sind ein sichtbares Zeichen genau dieser Situation.

#Warum sinkt die relative Luftfeuchte, wenn es wärmer wird?

Wärme allein bringt keinen zusätzlichen Wasserdampf in die Luft. Die absolute Feuchte bleibt gleich. Trotzdem sinkt die relative Feuchte, weil wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann.

Die relative Luftfeuchte sinkt durch Erwärmung an folgenden Stellen:

  • durch die Heizung,
  • an warmen Bauteilen (Innenwand, Fußboden, Decke),
  • an Möbeln,
  • am menschlichen Körper (ca. 37 °C),
  • durch Sonneneinstrahlung,
  • durch Abwärme elektrischer Geräte (Fernseher, Beleuchtung, Netzteile, Computer u. a.).

#Wie misst man die relative Luftfeuchte?

Hygrometer zur Anzeige der relativen Luftfeuchtigkeit mit Alarmfunktion
Hygrometer zur Anzeige der relativen Luftfeuchtigkeit mit Alarmfunktion

Dafür brauchen Sie ein spezielles Messgerät: das Hygrometer. Es zeigt die relative Luftfeuchte bei verschiedenen Temperaturen an. Funktion, Auswahl und Umgang mit Hygrometern werden in einem eigenen Abschnitt erklärt.

Ausführlich in energytools.de: Hilfreiche Hygrometer

#Praktische Beispielszenarien

  1. Im Schlafraum herrschen 20 °C. Das Hygrometer zeigt 60 % relative Feuchte. Draußen sind seit Tagen −10 °C. An der Innenseite der Außenwand (Bauweise 1960) stellen sich etwa 7 °C ein. Laut Tabelle enthält die Raumluft bei 60 % und 20 °C rund 10,4 g/m³ Wasser. Kühlt sich diese Luft an dieser Wandoberfläche auf 10 °C ab, sinkt die Sättigungsgrenze auf 9 g/m³. Die Luft muss 1,4 g/m³ Wasser abgeben. Es bildet sich Kondensat - die Wand wird feucht.
  2. Im Wohnraum herrschen ebenfalls 20 °C und 60 % relative Feuchte (10,4 g/m³). Draußen sind es 0 °C. An der Innenseite der Fensterscheibe (modernisiert 1995) stellen sich etwa 15 °C ein. Die Sättigungsgrenze liegt dort bei 13 g/m³ – und damit über den 10,4 g/m³ der Raumluft. Es bildet sich kein Kondensat.
  1. Im Bad sind es 25 °C und ebenfalls 60 % relative Feuchte. Laut Tabelle enthält die Luft dabei 13,8 g/m³ Wasser. Die Fensterscheibe kühlt die Luft auch hier auf 15 °C ab. Die Sättigungsgrenze liegt bei 15 °C jedoch nur bei 13 g/m³. Die Luft hat einen Wasserüberschuss. Es bildet sich Tauwasser auf der Scheibe: winzige Tröpfchen, die zu größeren Tropfen werden und die Scheibe herunterlaufen.
Soll ich bei Regenwetter lüften? Ja
Soll ich bei Regenwetter lüften? Ja
  1. Wieder im Wohnraum: 20 °C, 70 % relative Feuchte. Draußen sind es 0 °C, es regnet seit Stunden. Die Außenluft ist nahezu gesättigt (knapp 100 % relative Feuchte). Sie möchten lüften, um die Raumfeuchte zu senken – fragen sich aber, ob das bei diesem Wetter sinnvoll ist. Öffnen Sie das Fenster für 5 Minuten weit, wird die Raumluft vollständig ausgetauscht. Die eingeströmte Kaltluft erwärmt sich durch Heizung, Wände und Möbel rasch auf 20 °C. Die 0 °C kalte Außenluft enthält bei Regen (100 % Feuchte) nur etwa 5 g/m³ Wasser. Nach der Erwärmung zeigt das Hygrometer nur noch rund 30 % relative Feuchte. Trotz Regen ist die Raumluft nach dem Lüften trockener als vorher.

Aber woher kommt die Feuchtigkeit in der Raumluft überhaupt? Versetzen Sie sich einmal in einen Wassertropfen.

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Frank Nowotka von Dipl.-Ing. Frank Nowotka,

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