Kerndämmung zweischaliger Wände, Hohlwandmauerwerk

Infos und Tipps zu zweischaligen Wänden mit Kerndämmung mit und ohne Luftschicht, Hinweise zur Sanierung von Hohlwandmauerwerk im Altbau mit Einblasdämmung.

#Zweischaliger Wandaufbau mit Kerndämmung ohne Belüftung

Kerndämmung ohne Belüftungsschicht

Bei einem Wandaufbau mit Kerndämmung befindet sich die wirksame Wärmedämmung in dem Raum zwischen zwei separat errichteten Mauern, der tragenden Innenschale und der dem Wetterschutz dienenden Außenschale. Die äußere Mauerschale wird daher mit besonders langlebigen, wasserabweisenden Materialien, wie z.B. hart gebrannten Ziegel (Klinker) ausgeführt. Sie wird durch Anker auf Abstand gehalten. Für die Innenschale werden normale oder, in neuerer Zeit, besser wärmedämmende Ziegel verwendet.

Zweischaliger Wandaufbau mit Dämmung aber ohne Luftschicht

#Zweischaliger Wandaufbau mit Luftschicht

Lange Zeit wurden zweischalige Konstruktionen meist mit einer zusätzlichen Luftschicht vor der Dämmung ausgeführt, wie im folgenden Bild deutlich wird.

Zweischaliger Wandaufbau mit 5 cm Mineralwolle und 4 cm Luftschicht Foto: KS-Industrie

Man glaubte, dass die Luftschicht zur Abfuhr von Feuchtigkeit aus der inneren Schale (plus Wärmedämmschicht) erforderlich sei. Dieser Belüftungsraum zwischen Dämmstoff und Außenschale wurde lange Zeit als bauphysikalisch notwendig und als besonders effizient und langlebig angesehen. Der Dämmstoff wird durch die von der Thermik angetriebene Luftbewegung jedoch durchströmt, was zu einer Reduzierung der Dämmleistung führt. Zweischalige Konstruktionen mit Luftschicht verschwenden nach heutigem Wissensstand daher Wärmedämmpotential.

Wird auf die Belüftung verzichtet, bringt dies keine bauphysikalischen Nachteile mit sich, im Gegenteil. Der gesamte zur Verfügung stehende Raum kann mit Dämmstoff verfüllt werden, was den U-Wert erheblich verbessert. Konstruktionen dieser Art sollten daher modernisiert werden. Möglich wäre das Einblasen von dafür zugelassenem Wärmedämmstoff. Dazu müssen die Belüftungsöffnungen verschlossen werden, was aber bei trockenen Wänden (funktionsfähige horizontale Sperrschicht) langfristig zu keinen Problemen führt.

Öffnungen zur Belüftung der Belüftungseben hinter der Dämmschicht (von innen)

Man erkennt solche Konstruktionen an den sichtbaren Einström- bzw. Ausströmöffnungen häufig im norddeutschen Raum. Die Einström-Öffnungen befinden sich meist an den Fußpunkten der äußeren Mauerwerksschale, unter den Fensterbänken und über den Fensterstürzen. Belüftete Wandkonstruktionen dieser Art wurden vor allem in den 70er und 80er Jahren gebaut. Die Dämmschicht zwischen den Mauerwerksschalen beträgt in der Regel 4 bis 6 cm, der Belüftungsraum hat ebenfalls eine tiefe von 4 bis 6 cm. Durch das nachträgliche Einblasen verbessert sich die Wärmedämmung um 70 bis 90%.

#Hohlwandmauerwerk modernisieren

Bei der beabsichtigten Modernisierung von Gebäuden trifft man in einigen Gegenden Deutschlands auf unbelüftetes, zweischaliges Hohlwandmauerwerk ohne Dämmschicht. Bei dieser Konstruktion sind zwei separate tragende Wände gemauert, die meist einen Abstand von etwa 6 cm haben. Zur Stabilitätsverbesserung wurden auch quer liegende Steine oder Metall-Anker in bestimmten Abständen eingezogen. Gelegentlich sind die Außenecken, immer aber Laibungen und Stürze vollständig ausgemauert.

Problem: In zweischaligem Mauerwerk kommt es infolge Temperaturunterschieden zur Luftzirkulation im Zwischenraum

Die Einführung des Hohlwandmauerwerkes vor rund 100 Jahren folgte dem Gedanken, dass eine Luftschicht eine Verbesserung der Wärmedämmung der Wand bewirken würde. Herausgestellt hat sich jedoch später, dass die gewünschte Verbesserung von maximal 20% nur eintrat, wenn die Luftschicht sich weitgehend ruhig verhielt. In der kalten Jahreszeit ist die Luft im Spalt jedoch infolge der Temperaturunterschiede heftig in Bewegung, sodass eine Verbesserung der Wärmedämmung nicht eintritt. Bringt man nun jedoch die Luft durch das Einfüllen eines Dämmstoffes zur Ruhe, kann eine deutlich Verbesserung der Wärmedämmung der Wand beobachtet werden.

Untersuchung des Zustandes von Hohlwandmauerwerk mittels Endoskop Blick ins innere einer nicht gedämmten zweischaligen Wand aus Mauerziegeln

Die nachträgliche Kerndämmung, also das Befüllen des Hohlraumes, stellt in diesem Fall eine interessante Option dar. Mit Hilfe von einblasfähigen Dämmstoffen wird die unerwünschte Luftzirkulation im Hohlraum unterbunden, sodass sich der Wärmedurchgang verringert und die Oberflächentemperatur auf der Innenseite der Außenwand erhöht. Vor einer Auftragsvergabe ist der Hohlraum zu kontrollieren, ob wegen Bauschutt eine lückenlose Befüllung überhaupt möglich ist.

Lösung: Die Verfüllung des Hohlraumes mit einem geeigneten Dämmstoff stoppt die Luftzirkulation

Im Hygienischen Taschenbuch von Erwin von Esmarch, erschienen 1902 im Springer-Verlag Berlin, ist über Isolierluftschichten in massiven Mauern folgendes nachzulesen:

Vorteile: Wände sind wärmer im Winter, kühler im Sommer, trockener in jeder Jahreszeit. … Allerdings können sich diese Vorteile auch in Nachteile wandeln, wenn die Wände kühler werden als die isolierende Luft, deren Wasser sich dann abscheiden und die Wände wieder feucht machen kann. Ist dieses zu befürchten, müssen die Luftschichten mit schlecht wärmeleitenden Materialien ausgefüllt werden, zum Beispiel Kieselgur, Schlackenwolle, Korkabfälle.

Lückenloses Verfüllen von Hohlwandmauerwerk durch Einblasen eines Dämmstoffes

Das Verfüllen geschieht mittels Einblasen, um so auch die entlegeneren Wandabschnitte noch sicher zu erreichen. Als Dämmstoffe eignen sich einblasfähige Materialien, wie Mineralwollekügelchen, Perlite oder Blähglas (siehe auch Einblasfähige Dämmstoffe), die für die Anwendung eine Zulassung besitzen sollen. Ob sich die Wand selbst für diese Methode eignet, kann nur eine Endoskopie zeigen. Das Einblasen ist möglich, wenn

  • die Luftschicht in der Hohlwand durchgängig (d.h. nicht durch Binderziegel unterbrochen) ist;
  • nicht allzu viel Mörtel und Ziegelbruch am Boden der Wand liegt;
  • die innere und äußere Mauerschale auf einem trockenen Fundament stehen (funktionierende Sperrschicht);
  • die äußere Schale sicher Regen abweist;
  • die Luftschicht mindestens 4 cm breit ist.

Die wärmedämmende Wirkung der befüllten Wand wird sich in etwa verdoppeln. Für die Behaglichkeit bedeutet dies einen Anstieg der Oberflächentemperatur auf der Innenseite bei – 5°C Außentemperatur von etwa 12°C auf 17°C. Die Oberflächentemperatur erhöht sich jedoch nicht auf allen Abschnitten des nachträglich gedämmten Hohlwandmauerwerkes, da einige Wärmebrücken bleiben.

Wurden z.B. die Außenwandecken vollständig ausgemauert, fehlt nach dem Ausblasen dort die Dämmung. Ähnliches gilt für die Fenster- und Türlaibungen, sowie für die Sturzträger. Trotz dieser an einen kleinen Teil der Wand bleibenden Wärmebrücken ist die Befüllung des Hohlraumes eine effiziente Möglichkeit zur Verbesserung der Behaglichkeit und zur Verringerung des Heizenergiebedarfes um etwa 20%. Zumal sich die Maßnahme einfach und preisgünstig realisieren lässt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mir sind keine Schadensfälle bekannt, die auf nachträgliche Kerndämmung zurückgehen. Frostschäden wurden nicht beobachtet. Zwar werden, wie bereits dargestellt, durch die Maßnahme nicht alle Wärmebrücken beseitigt, sie werden jedoch auch nicht verstärkt, wie einige Bauleute behaupten. Belüftungs- bzw. Entwässerungsöffnungen „stören nicht“. Sie sollten jedoch verschlossen werden.

#Was schließt eine nachträgliche Kerndämmung aus?

  • Wände, die von unten wegen einer defekten horizontalen Sperrschicht durchfeuchtet sind, sollten nicht gedämmt, sondern zunächst trocken gelegt werden.
  • Putz- bzw. Verfugungsmängel sind zuerst auszubessern.
  • Risse sollten bei fehlendem Regenschutz (Sichtmauerwerk) neu verfugt werden.

#Überprüfung des Ausgangs- bzw. des Resultates der Modernisierung

Typisches Wärmebild eines Hohlwandmauerwerkes ohne Füllung

Für einen „Vorher-nachher-Vergleich“ kann die Gebäudethermografie gute Dienste leisten. Mit Hilfe dieser Methode kann der Ausgangszustand bezüglich der Wärmeverluste (Thermografie von außen) und der inneren Oberflächentemperaturen (Thermografie von innen) gut bestimmt werden. Für die Bearbeitung der Wärmebilder und deren Interpretation sind jedoch reichlich Übung nötig. Helfen kann dem Bauherren auch ein versierter Energieberater, der z.B. den Hohlraum endoskopiert, und der aus den Wandparametern (Steinart, Wärmeleitfähigkeit, Flächen) die Verbesserungsmöglichkeit ausrechnet.

#Gibt es Vorschriften für die Dämmung von Hohlwandmauerwek

Nach dem Gebäueenergiegesetz (GEG 2020) „…ist ein Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,045 W/(m·K) einzuhalten, soweit Dämm-Materialien in Hohlräume eingeblasen…“ werden. Die oben erwähnten Materialien sind also geeignet. Ob eine solche Maßnahme förderfähig ist, kann bei der Förderbank KfW nachgefragt werden.

#Mein Fazit

  • Kerndämmungen können sowohl im Neubau als auch im Altbau einen akzeptablen Beitrag zur Verbesserung der Behaglichkeit und zur Minderung des Heizenergieverbrauches leisten.
  • Vor allem bei der Modernisierung besitzt die Kerndämmung Nachteile gegenüber einer von außen angebrachten Dämmung. So lassen sich eine Reihe von Wärmebrücken nicht ganz vermeiden.
  • Bei der Modernisierung ist damit zu rechnen, das die Gebäudeecken massiv ausgemauert sind. Außerdem stellen Sturzträger, Laibungen und Brüstungsaufbauten Wärmebrücken dar.
  • Grundsätzlich überwiegen aber die Vorteile gegenüber ungedämmten hohlwand-Mauerwerk, sofern grundlegende Ausführungsdetails eingehalten werden.
Autor: now