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Belüftung des Kellers - So wird er richtig trocken!

Regeln für die von der Höhe der Luftfeuchte abhängige Belüftung eines Kellers, von Wasch- und Trockenräumen; automatische maschinelle Belüftung

#Übersicht

Kellerwand aus Ziegelmauerwerk mit charakteristischen Putz- und Ziegelabsprengungen
Kellerwand aus Ziegelmauerwerk mit charakteristischen Putz- und Ziegelabsprengungen
  • Der Wunsch nach trockenen Verhältnissen im Keller ist stark ausgeprägt.
  • Feuchteschäden in älteren Kellern gehören zu den häufigsten baulichen Mängeln in Wohnhäusern. Der Hauptgrund ist, dass ältere Keller niemals als trockene Baukonstruktion errichtet wurden.
  • Feuchte Kellerwände und Schimmelbefall sind bei intakten Sperrschichten überwiegend auf falsche Belüftung der Keller zurückzuführen.
  • Ein Keller darf nur dann gelüftet werden, wenn die zufließende Außenluft absolut gesehen weniger Wasserdampf pro m³ enthält als die abfließende Kellerluft. Diese Situation gibt es im Sommer sehr selten, im Winter und in den Nacht- und Morgenstunden aber häufig.

#Die besondere Situation Keller

#Die Raumtemperatur ungedämmter Keller

An den Seitenwänden und am Boden durch Erdreich eingeschlossene Keller ohne Wärmedämmung und ohne aktive Beheizung besitzen – über das Jahr betrachtet – eine relativ gleichmäßige Lufttemperatur zwischen 10 °C und 16 °C. Im fortgeschrittenen Sommer steigt die Temperatur wegen des sich erwärmenden Erdreiches und der Luftzufuhr etwas. Im fortgeschrittenen Winter liegen die Temperaturen in der Regel darunter, vor allem wenn richtig gelüftet wird.

Einfluss auf die Kellertemperatur haben

  • die Bauweise und Tiefe des Kellers,
  • die Wärmeleitfähigkeit des umgebenden Erdreiches,
  • die Höhe des Grundwasserspiegels bzw. der Grad der Durchfeuchtung des Erdreiches,
  • die Verdunstungsmöglichkeit von Wasser aus den Wänden und Böden, die dabei der Umgebung Wärme entziehen, und
  • die Art und die Häufigkeit der Belüftung der Kellerräume.

Damit spielen sowohl die Temperatur der Außenluft und deren Feuchtegehalt als auch die Häufigkeit der Luftwechsel und der Zeitpunkt des Luftaustausches eine Rolle.

Würde es sich nur um die Aufgabe der Einhaltung einer bestimmten Kellerlufttemperatur handeln (für die Aufbewahrung etwas kühler, im Hobbyraum etwas wärmer), schiene alles eine einfache Sache – wären da nicht auch die

  • mit der Außenluft eingeschleppte Feuchtigkeit,
  • aufsteigende Nässe über die Keller-Grundmauern,
  • Salzausblühungen und
  • Schimmelpilze.

#Die Luftfeuchtigkeit in Kellerräumen

Die Luftfeuchtigkeit musste für die traditionelle Aufgabe des Kellers, Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Möhren usw. lange Zeit frisch zu halten, hoch gehalten werden. Sie liegt daher häufig zwischen 70 und 80 %. Die Einhaltung einer bestimmten Art und Weise der Belüftung spielt bei diesen hohen Luftfeuchtigkeiten keine Rolle.

Für moderne Anwendungen wie die Nutzung als Hobbyräume, Besucherzimmer, Homeoffice etc. ist diese Luftfeuchtigkeit jedoch viel zu hoch. Es besteht der Wunsch nach trockenen und warmen Verhältnissen, was bei 21 °C eine Luftfeuchtigkeit von etwa 35 bis 55 % erfordert. Um die Raumluftfeuchte exakt zu ermitteln, benötigen wir ein Hygrometer. Ist kein Hygrometer zur Hand, weisen Wassertropfen an der Kaltwasserleitung darauf hin, dass die Luftfeuchtigkeit im Raum zu hoch ist. Wir können die Raumluftfeuchte beeinflussen, indem wir

  • die Temperatur im Keller durch Beheizung erhöhen oder/und
  • die Höhe der Luftfeuchtigkeit durch intelligente Lüftung ändern.

Intelligente Lüftung bedeutet in diesem Fall, dass nur dann gelüftet werden darf, wenn die absolute Luftfeuchte der Außenluft (in g/m³) geringer ist als die absolute Luftfeuchte der Kellerluft.

#Hygrometer im Keller

Um einen Eindruck über die aktuelle relative Luftfeuchtigkeit zu erhalten, ist es angebracht, im Keller ein Hygrometer mit integrierter Temperaturanzeige aufzuhängen. Ein Hygrometer ist ein Messgerät, das die momentane relative Luftfeuchtigkeit am Aufstellort in % anzeigt. Relativ ist dieser Wert deshalb, weil der angezeigte Wert von der Temperatur der Kellerluft abhängig ist. Das bedeutet: Steigt die Temperatur der Kellerluft ohne Luftaustausch, sinkt die angezeigte relative Luftfeuchtigkeit. Sinkt die Lufttemperatur dagegen, steigt die relative Luftfeuchtigkeit. Hilfreich sind elektronische Alarmhygrometer mit einem einstellbaren Alarmwert.

Ausführlich in energytools.de: Hilfreiche Hygrometer.

#Bauschäden in Kellerräumen

Zahlreiche Kellerwände, die ich in meiner Beratungstätigkeit in Augenschein nehmen durfte, waren durchfeuchtet, hatten Schimmelschäden und Putzabsprengungen durch Versalzung der Kellerwände. An den Kaltwasserleitungen hingen oft Wassertropfen, ein muffiger Geruch durchzog die Kellerräume. Woher kommen diese Erscheinungen und wie lassen sie sich vermeiden?

#Salzausblühungen mit Putzabsprengungen

Salzausblühungen innen auf der Kelleraußenwand
Salzausblühungen innen auf der Kelleraußenwand

Salzausblühungen und Putzabsprengungen stehen nicht ursächlich mit eventuellen Fehlern bei der Be- und Entlüftung in Verbindung. Die Be- und Entlüftung hat aber Einfluss auf die Beschleunigung dieser Vorgänge oder auch eine bremsende Wirkung.

Salzausblühungen mit Putzabsprengungen haben ihre Hauptursache in einer vorausgegangenen Salzbelastung des Kellermauerwerkes. Die häufigsten Ursachen dafür sind

  • eine fehlende oder defekte horizontale bzw. vertikale Sperrschicht,
  • der Verbau von bereits mit Salz belasteten Steinen (z. B. aus ehemaligen Stallungen) und
  • selbst verschuldete Versalzungen durch die Nutzung von Streusalz rund ums Haus.

Ausführlich in energytools.de: Feuchte Wände

Schadensbild durch Mängel in der vertikalen und horizontalen Sperrschicht
Schadensbild durch Mängel in der vertikalen und horizontalen Sperrschicht

#Schimmelbildung in Kellerräumen

Schimmelbildung ist fast immer direkt auf Fehler bei der Art und Weise der Be- und Entlüftung zurückzuführen, wenn die Sperrschichten intakt sind. Sie kann allerdings auch im Zusammenhang mit fehlenden oder defekten Sperrschichten auftreten und Salzausblühungen und Putzabsprengungen überlagern.

Für die Ansiedlung von Schimmelpilzen sind spezielle Bedingungen erforderlich:

Schimmel hinter einem Heizkörper im Keller, der nie benutzt wurde
Schimmel hinter einem Heizkörper im Keller, der nie benutzt wurde
  1. So siedelt Schimmel in Kellerräumen überwiegend auf Oberflächen, die aus einer organischen (kohlenstoffhaltigen) Substanz bestehen und deren pH-Wert unter 10 liegt. Das trifft z. B. zu auf den Anstrich mit weißen Dispersionsfarben, die nur für trockene Wohnräume geeignet sind. Wird die Kellerwand dagegen mit einer reinen Kalkschlämme („Stallkalken") oder Silikatfarbe (auf Wasserglasbasis) gestrichen, liegt der pH-Wert deutlich höher als 10. Die Schimmelbildung ist auf solchen Oberflächen wesentlich erschwert oder unmöglich. Zuvor müssen Altanstriche entfernt werden.

Ausführlich in energytools.de: Schimmel im Wohnraum

  1. Die Schimmelbildung setzt außerdem eine bestimmte Höhe der relativen Luftfeuchtigkeit voraus. Einige im Haus vorkommende Schimmelarten benötigen nur 80 % relative Feuchte unmittelbar über der Wachstumsoberfläche. Dieser Wert ist in älteren, meist schwach belüfteten Kellern oft gegeben. In der Verringerung hoher Raumluftfeuchtigkeit durch intelligente Be- und Entlüftung liegt daher der entscheidende Ansatz zur Schaffung einer schimmelfeindlichen Umgebung.

Ausführlich in energytools.de:

Die Be- und Entlüftung von Kellern mit Schimmelbefall hat sowohl das Ziel, die Luftfeuchtigkeit der Kellerluft zu begrenzen, als auch die langfristige Durchfeuchtung von Mauern, Putzen, gelagerten Materialien u. a. m. zu verhindern.

#Lüftung zur Absenkung der relativen Luftfeuchtigkeit im Sommer

Verschiedene Hygrometer in meinem Büro, rechts auch mit Temperaturanzeige
Verschiedene Hygrometer in meinem Büro, rechts auch mit Temperaturanzeige

Beispiel: Nehmen wir an, dass in einem nach außen ungedämmten Kellerraum mit Betonboden im Sommer die Anzeige des Hygrometers auf 80 % steht. Die Kellerlufttemperatur liegt bei 15 °C. Das Kellerfenster zum Garten in diesem Raum ist geschlossen, die Innentür schließt einigermaßen dicht. Ein Luftaustausch mit der Außenluft ist fast ausgeschlossen.

Gibt es keine Feuchtequellen im Raum, würde sich die Anzeige auf dem Hygrometer über mehrere Tage nicht nennenswert ändern. Temperatur und Luftfeuchte blieben etwa konstant. Allerdings stört uns die hohe Raumluftfeuchtigkeit, denn an der im Kellerraum von außen hineingeführten Kaltwasserleitung hängen Wassertropfen – und es gibt Schimmel.

Die erste Reaktion wäre vermutlich: Fenster auf. Eine Öffnung des Fensters zum Lüften kann die Situation jetzt erheblich verändern, aber in welche Richtung? Wird die Luftfeuchtigkeit im Kellerraum durch die warme Sommerluft wirklich sinken oder eher ansteigen?

Würde die Außenlufttemperatur ebenfalls 15 °C betragen und die relative Luftfeuchte der Außenluft auch bei 80 % läge, kann der Luftaustausch durch das geöffnete Kellerfenster rein feuchtetechnisch nichts bringen. Die Kellerluft wird nicht trockener, die Tropfen an der Kaltwasserleitung bleiben.

Wäre die Außenluft jedoch wärmer, sagen wir 25 °C bei einer relativen Luftfeuchte von 60 %, könnte der Luftaustausch zu einer Trocknung der Kellerraumluft führen – oder?

Verwirrung stiftet hier der Begriff der relativen Luftfeuchte, deren Höhe das Hygrometer anzeigt. Denn ob eine Trocknung der Kellerluft möglich wäre, kann uns nur die absolute Luftfeuchte sagen:

15 °C / 80 % relative Feuchte ==> Die Luft hat eine absolute Feuchte von 10,24 g/m³ 25 °C / 60 % relative Feuchte ==> Die Luft hat eine absolute Feuchte von 13,80 g/m³

Die wärmere Außenluft hat zwar eine niedrigere relative Luftfeuchte (60 %), aber eine hohe absolute Luftfeuchte (13,80 g/m³). Sie bringt also mehr Wasser in den Keller als vorhanden ist (10,24 g/m³).

Ohne ein zusätzlich außen angebrachtes Hygrometer ist es also unmöglich abzuschätzen, ob die Außenluft im Vergleich zur Kellerraumluft befeuchtend oder eher trocknend wirkt.

Ob es sinnvoll ist, die Außenluft zur Lüftung der Kellerluft heranzuziehen, kann einer einfachen Tabelle entnommen werden. Dazu müssen die relativen Luftfeuchten (Hygrometer) und Innen- wie Außentemperaturen bekannt sein.

Ausführlich in energytools.de: zur Thematik der relativen und absoluten Luftfeuchte, Tabellen

Aus diesem Beispiel geht hervor, dass die Lüftung von Kellerräumen im Sommer bei hohen Temperaturen und dann meist hohen Werten der absoluten Luftfeuchte immer riskant ist.

#Hinweise zum Lüften mit Fenstern wenn kein Hygrometer zur Hand ist

  1. Liegt die Außenlufttemperatur nur geringfügig über der Kellerlufttemperatur (bis etwa 5 Grad), ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass die zufließende Außenluft einen Trocknungseffekt hat. Häufig ist dies
  • ausgangs des Frühlings oder
  • früh morgens (der Tau ist „gefallen") oder
  • bei trockenem Ostwind der Fall.
  1. Ist die Außenluft deutlich (mehr als 5 Grad) wärmer als die Kellerluft und hat sie wetterbedingt einen hohen Wasserdampfanteil, sollte nicht bzw. nur für wenige Minuten gelüftet werden. Das geschieht am besten mehrmals am Tag kurz quer.
  • Angezeigt wird eine für die Belüftung wenig geeignete Situation auch dadurch, dass z. B. Trittstufen einer massiven Treppe im Außenbereich ohne Regen feucht werden. Der Grund: Warme, feuchte Luft streicht über noch kühle Trittstufen und verliert dabei kondensierenden Wasserdampf. Dieser Vorgang spielt sich natürlich auch an den Kellerwänden ab, wenn sie mit warmer, meist feuchter Luft in Berührung kommen. Dies führt zu einer hohen Oberflächenfeuchtigkeit, was ein Wachstumskriterium für Schimmel erfüllt.
  • Besonders hohe Feuchtewerte besitzt die Außenluft bei sogenanntem schwülwarmem Wetter, in einer Regen- oder Gewittersituation, in der Nähe von Gewässern und oft auch bei vorherrschenden Westwinden.
  1. Der häufig gegebene Hinweis, Keller im Sommer nur nachts zu lüften, ist in seiner Ausschließlichkeit nicht zielführend. Für tropische Nächte ist die Aussage sogar komplett falsch. Natürlich kommt es in der Nacht zu einer Absenkung der Lufttemperatur. Dadurch steigt aber zunächst nur die relative Luftfeuchtigkeit. Erst wenn die Nachtluft die Taupunkttemperatur unterschreitet (die relative Luftfeuchtigkeit beträgt dann 100 %, Tau „fällt" auf Wiesen, Spinnennetze, Autoscheiben usw.), kommt es wegen des Wasserverlustes zu einer Trocknung der Außenluft. Das ist, wenn es denn überhaupt eintritt, erst in den frühen Morgenstunden der Fall. Um diese Phase auszunutzen, ist eine automatisierte maschinelle Kellerbelüftung von Vorteil, die einen Luftaustausch durch Starten des Ventilators nur dann vornehmen, wenn der Vorgang tatsächlich mit einer Trocknung verbunden wäre. Die Kosten einer solchen Anlage liegen ohne Montage bei 400 bis 600 €.

Ausführlich in energytools.de: Der merkwürdige Taupunkt

#Maschinelle Kellerbelüftung mit Hilfe der Taupunktanalyse

Kellerlüftung mit Taupunktsteuerung, Zustand Lüfter aus
Kellerlüftung mit Taupunktsteuerung, Zustand Lüfter aus

Da der richtige Zeitpunkt zum Austausch der Kellerluft stark wetter- und tageszeitabhängig ist, wäre eine automatisiert ablaufende Be- und Entlüftung von Kellerräumen (auch Räumen zum Wäschetrocknen, Waschräumen etc.) wünschenswert. In einer solchen Anlage erfassen Sensoren die Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte innen wie außen. Die Elektronik wertet diese Daten aus und gibt das Signal zum Luftaustausch durch einen Ventilator nur dann, wenn die Außenluft absolut weniger Wasserdampf enthält als die Kellerluft. Eine solche, im Prinzip einfache Lüftungsanlage ermittelt den optimalen Lüftungszeitpunkt und die Dauer unabhängig von Tag und Nacht, Winter und Sommer. Die richtige Planung einer solchen Anlage berücksichtigt auch die erforderliche Lüftungsrichtung und schließt eine Luftströmung von „feuchten Räumen" hin zu „trockenen Räumen" aus.

Kellerlüftung mit Taupunktsteuerung, Zustand Lüfter an
Kellerlüftung mit Taupunktsteuerung, Zustand Lüfter an

#Absenkung der relativen Luftfeuchtigkeit im Winter

Im Winter haben wir es in der Regel mit einer Situation zu tun, bei der der Wasserdampfgehalt der kühleren Außenluft deutlich niedriger ist als der der Kellerluft. Zwar entspricht diese Tatsache nicht ganz unserer Erwartung, unserem Gefühl. Denn wir wissen, dass bei warmer Luft die Wäsche schneller trocknet als bei kalter Luft. Daraus schlussfolgern wir, dass wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann als kalte Luft. Und aus der Physik wissen wir, dass kühlere Luft prinzipiell weniger Wasserdampf aufnehmen kann als wärmere. Daher enthält zuströmende kühle Außenluft meist weniger Wasserdampf als die wärmere Kellerluft, selbst wenn es draußen regnet. Somit hätte die zuströmende Außenluft ein Trocknungspotenzial, das besonders hoch wäre, wenn es gelingt, die zuströmende Luft noch zu erwärmen. Passiert das? Anfangs ja. Sie erwärmt sich am Boden, der Decke, den Innen- und Außenwänden des Kellerraumes.

Wie verhält es sich aber, wenn die zuströmende kühle Außenluft den Keller so weit ausgekühlt hat, dass kein Temperaturunterschied mehr feststellbar ist? Dann ist das Trocknungspotenzial erschöpft. Auch wenn wir weiterhin die Fenster offen lassen, wird es nicht trockener. Der häufig ausgesprochene Hinweis, im Winter den Keller ausgiebig zu lüften, ist also zumindest mit Vorsicht zu behandeln.

Wie bei der sommerlichen Be- und Entlüftung können uns Hygrometer auch im Winter helfen, den Vorgang zu beobachten und zu verstehen. Wir werden dabei sehen, dass unter winterlichen Bedingungen die Dauerbelüftung des Kellers wenig Sinn macht. Der Keller kühlt als Ganzes nur zunehmend aus. Das erhöht das Risiko, dass sich bei Zustrom wärmerer Luft Kondensat an den nun abgekühlten Oberflächen bildet. Das aber kann Schimmelwachstum hervorrufen.

Die Belüftung des Kellers im Winter ist unter dem Trocknungsaspekt nur dann sinnvoll, wenn die zufließende Außenluft ein Trocknungspotenzial besitzt. Das ist meist der Fall. Um den Trocknungsprozess aber über längere Zeit aufrechtzuerhalten, muss sich die zufließende Außenluft an den wärmeren Kellerwänden, Fußböden und Decken erwärmen können (oder es muss geheizt werden). Wenn aber wegen der zunehmenden Abkühlung der Wände, Decken und Fußböden eine weitere Erwärmung ausgeschlossen ist, muss der Lüftungsvorgang so lange unterbrochen werden, bis die Temperatur im Keller wieder so weit angestiegen ist, dass eine Trocknung, also eine Aufnahme von Wasserdampf, möglich wird. Es ist nahezu ausgeschlossen, diese Wenn-dann-Beziehung lediglich mit zwei Hygro-/Thermometern und einem eisernen Lüftungsregime zu realisieren. Der sichere Weg ist auch hier der Einbau einer Lüftungsanlage mit Taupunktanalyse.

#Lüftung von Wasch- und Trockenräumen

Beim Wäschetrocknen in Kellerräumen ist zu unterscheiden, ob es sich um gedämmte, trockene Kelleraußenwände oder um feuchte, ungedämmte Wände handelt. In eher feuchten Räumen sollte das Wäschetrocknen unterbleiben oder nur dann erfolgen, wenn eine Lüftungsanlage mit Taupunktanalyse vorhanden ist. In solchen Räumen sollte außerdem eine Möglichkeit der aktiven Beheizung bestehen, da der Trocknungsvorgang dadurch beschleunigt wird.

Trockene und gedämmte Kellerräume haben meist erhöhte Luft- und Oberflächentemperaturen der Raumumschließungsflächen. Tauwasserbildung auf den Oberflächen ist dann kaum möglich. Diese Räume können zum Wäschetrocknen verwendet werden, wobei es vorteilhaft ist, wenn sie mindestens zwei gegenüberliegende Fenster zur Querlüftung besitzen. Wenn möglich, sollte häufig, kurz aber intensiv mit weit geöffneten Fenstern gelüftet werden. In Phasen, in denen keine Wäsche getrocknet wird, sollte so gelüftet werden, wie in den Hinweisen zur Sommer-/Winterbelüftung beschrieben. Die Tür zum Trockenraum sollte luftdicht schließen, damit keine „Auswanderung" feuchter Luft in andere Kellerräume oder den Wohnbereich ermöglicht wird. Auch hier ist zur Beschleunigung des Trocknungsvorganges eine aktive Beheizungsmöglichkeit mit Heizkörper empfehlenswert, die bei Nutzung geringere Betriebskosten verursacht als ein elektrischer Wäschetrockner. Eine Lüftungsanlage mit Taupunktsteuerung ist nicht zwingend erforderlich, kann aber, z. B. bei nur einem Fenster, den Trocknungsvorgang deutlich beschleunigen.

#Putze und Anstriche in Kellern und Trockenräumen

Bei Reparaturen und Modernisierungsmaßnahmen müssen die baulichen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Das Ziel der Maßnahmen muss realistisch an die Voraussetzungen angepasst werden. So wird es kaum möglich sein, feuchte Kellerräume mit Salzausblühungen ohne Reparatur der vertikalen und horizontalen Sperrschichten so zu modernisieren, dass zusätzlicher Wohnraum entsteht. Das Ziel, schimmelfreie Wände zu haben, ist aber unter fast allen Voraussetzungen realistisch. Eine wichtige Entscheidung wird mit der Wahl des Grundputzes und des Anstrichsystems getroffen.

Schimmelbefall in einer Kellerwohnung
Schimmelbefall in einer Kellerwohnung

Stark salzende und absandende Bereiche können mit einem Sanierputz (auch Salzspeicherputz genannt) repariert werden. Dazu habe ich ausführlich im Beitrag Bauschäden geschrieben.

  • In Altbaukellern bis in die 1960er-Jahre mit Feuchtigkeits- und Schimmelproblemen sollten keine bindemittelreichen Kunstharzdispersionen, Acrylfarben, Latexfarben oder Leimfarben verwendet werden. Ihr pH-Wert liegt unter 10, was zahlreiche Schimmelpilzarten zum Wachstum animiert. Außerdem verlieren mit einem solchen Anstrich unverputzte, ungestrichene oder traditionell gekalkte Wände ihre Diffusionsoffenheit und Kapillarität.
  • Bei modernen Kellern mit Sperrschichten und Außendämmungen ist eine spezielle Kellerfarbe nicht erforderlich.
  • Allerdings gibt es auch bei neuzeitlichen Kellern Wärmebrücken, die wegen Konstruktionsfehlern oder Baumängeln Schimmelprobleme bereiten können. Besteht keine Möglichkeit, die Baumängel fachgerecht zu beseitigen, lassen Sie auch hier die Finger von Dispersionsfarben.
  • Bei allen problematischen Oberflächen und nach der Anbringung von Salzspeicherputzen verwenden Sie bindemittel- und zusatzstofffreie Silikat- oder Kalkfarben. Diese sind unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und hinterlassen eine Oberfläche mit einem hohen pH-Wert über 10. Die Farben sollten keine organischen Bestandteile enthalten und stellen dann keine Nahrungsgrundlage für Schimmelpilze dar.
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Frank Nowotka von Dipl.-Ing. Frank Nowotka,

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