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Praxis: Belüftung einer Garage - schwierig, aber machbar!

Wie erfolgt die Lüftung einer feuchten Garage? Welche Hilfsmittel und automatisierten Lösungen gibt es?

#Übersicht

Eine freistehende Fertigteil-Garage wird abgeladen und aufgestellt
Eine freistehende Fertigteil-Garage wird abgeladen und aufgestellt
  • In geschlossenen Garagen ohne ausreichende Lüftungsmöglichkeiten kann es dauerhaft zu feucht werden.
  • In der Übergangszeit und im Winter kann die Luftfeuchtigkeit sehr hohe Werte annehmen, wenn regennasse oder verschneite Autos abgestellt werden und das Garagentor verschlossen wird.
  • Die hohe Luftfeuchtigkeit kann dem Auto und gelagerten Gegenständen durch Korrosion und Schimmelbildung zusetzen.
  • Je nach Bauweise der Garage, also freistehend oder in das Haus integriert, kann auch die Bausubstanz der Garage durch Kondensatbildung an kalten Oberflächen oder durch aufsteigende Nässe infolge Kapillarwirkung Schaden nehmen.
  • Besonders in Gegenden, wo im Winter häufig mit Salz gegen Schnee und Eis vorgegangen wird, kann es bei einer Bauweise auf Basis von geputzten Ziegel- oder Kalksandsteinen zu Salzausblühungen mit Putzabsprengungen kommen.

#Woran erkenne ich, dass die Garagenluft zu feucht ist?

  • In der Garage sollte ein elektronisches Hygrometer aufgestellt werden. Im Winter sollte in der Garage eine relative Luftfeuchte von 35 bis 55 % angezeigt werden.
  • Höhere Werte weisen auf ein Schimmelrisiko an der Bausubstanz hin. Das Rostrisiko am Auto steigt.
  • Ist kein Hygrometer zur Hand, können folgende Erscheinungen auf zu feuchte Luft hinweisen:
    • Kondensattröpfchen sammeln sich am unteren Teil der Verglasung, wenn die Garage ein Fenster hat.
    • Kondensattröpfchen sammeln sich unten am untersten Element eines Sektionaltores.
    • Werkzeuge fangen an zu rosten.
    • Schubladen in hölzernen Schränken klemmen.
    • Schimmelbildung hat eingesetzt (Raumecken, meist unten).
    • Modriger Geruch nach verfaulenden Kartoffeln.
    • Wasser am Boden (Regen, Schnee) will nicht trocknen.
Vier Lüftungspilze (80mm) auf einer Doppelgarage sind immer noch zu wenig
Vier Lüftungspilze (80mm) auf einer Doppelgarage sind immer noch zu wenig

#Maßnahmen gegen zu hohe Luftfeuchtigkeit

Um im Winter hohe Raumluftfeuchten größer 55 % zu vermeiden, sollte vor allem der Eintrag von Regenwasser und schmelzendem Schnee reduziert werden.

  • Lassen Sie regennasse Autos möglichst vor der Garage stehen, bis der größte Teil des Spritzwassers aus den Radhäusern und dem Unterboden abgetropft ist.
  • Wenn die Straßen verschneit sind, sollte vor der Einfahrt in die Garage möglichst viel vom anhaftenden Schnee abgefegt bzw. abgeschlagen werden. Das verringert auch den Salzeintrag auf den Garagenboden.
  • Legen Sie eine Plane auf dem Garagenboden aus, die an den Rändern eine Wulst aufweist (Auffangwanne). Das verhindert den Ablauf des Wassers vom Auto bis an die Umfassungswände. Das gesammelte Wasser kann nach dem Herausfahren mittels breitem Rakel aus der Garage herausgeschoben werden. Auch ein seitlich mit einer Dreiecksleiste leicht aufgekanteter Fußbodenbelag erfüllt diesen Zweck.

#Konstruktive Voraussetzungen für wirksame Belüftung

Um übermäßig vorhandene (Luft-)Feuchtigkeit aus der Garage zu bekommen,

  1. kann die Temperatur in der Garage erhöht oder/und
  2. muss der Luftaustausch dann erfolgen, wenn die Außenluft eine geringere absolute Feuchtigkeit besitzt als die Innenluft.

Bei einer Garage ist eine Erhöhung der Lufttemperatur eventuell durch aktive Beheizung möglich. Da ein Trocknungsprozess nur erfolgreich verläuft, wenn die erwärmte, mit Wasserdampf angereicherte Luft weggelüftet wird, kann allerdings ein erheblicher Energieverbrauch die Folge sein.

Freistehende Garagen, die sich nur durch Sonneneinstrahlung, über wärmere Außenluft oder den Boden (erhöhte Erdreichtemperatur) erwärmen, sollten mindestens zwei Lüftungskamine mit einem Durchmesser von 100 mm, besser 150 mm, am höchsten und hintersten Punkt der Garage besitzen. Dann kann ein eingerichteter Lüftungsschlitz mittels leicht hochgefahrenem Garagentor oder infolge von Zuluftöffnungen in Flügeltüren oder Garagenwänden zu einer mehr oder weniger stetigen Dauerbelüftung führen. Besonders stark wird der Antrieb zur Belüftung, wenn der noch warme Motor zu einer Erhöhung der Lufttemperatur beiträgt. Das hat aber nur Sinn, wenn es sich bei der zuströmenden Luft um kühlere, daher meist trockenere Außenluft handelt. Trockenere Außenluft hat man im Winter häufig – im Sommer dagegen nur etwa gegen 3:00 bis 5:00 Uhr in der Früh, wenn der Tau gefallen ist. Sonst wird die eingerichtete Lüftungsart eher zu einer Befeuchtung der Garagenluft führen.

Die natürliche Be- und Entlüftung funktioniert nur bei deutlichen Temperaturunterschieden und durch Druckunterschiede (Wind). An vielen Tagen im Jahr funktioniert die natürliche Lüftung nur unzureichend. Ist Strom verfügbar, sollte der Einbau einer automatisch funktionierenden maschinellen Lüftung geprüft werden.

Bei einer im Wohnhaus integrierten Garage (Keller, Anbau) kommt es durch Wärmeleitung über angrenzende Bauteile (Decke, Erdgeschosswände) tendenziell zu einer passiven Beheizung der Garage, die auch aktiv (Heizkörper) unterstützt werden kann. Vom übrigen Haus getrennte Lüftungsmöglichkeiten gibt es außer in mit Fenstern ausgestatteten integrierten Garagen allerdings kaum. Eine funktionierende Belüftung, die von Temperatur- oder Druckunterschieden angetrieben wird, ist selten. Vermieden werden muss die Lüftung in Richtung des Wohnungszuganges. Ich empfehle den Einbau einer automatisch arbeitenden maschinellen Lüftung, die nach dem Taupunkt gesteuert wird.

Die Vorschriften zur Lüftung in Garagen legen die länderspezifischen Garagenverordnungen fest, jedoch gibt es beispielsweise in Rheinland-Pfalz nur Vorschriften zur Lüftung von Mittel- und Großgaragen.

#Der richtige Zeitpunkt für die Belüftung

Um eine deutliche Verminderung der Raumluftfeuchtigkeit zu erzielen, müssen sowohl aktiv als auch passiv erwärmte Garagen zum richtigen Zeitpunkt belüftet werden. Dabei sollte rasch ein möglichst vollständiger Luftwechsel erreicht werden. Der richtige Zeitpunkt des Luftwechsels hängt von der aktuellen Luftfeuchtigkeit außerhalb der Garage und der erreichten Lufttemperatur in der Garage ab. Ähnlich wie bei einer effizienten Kellerlüftung muss die Außenluftfeuchte niedriger sein als die Garagenluftfeuchte. Das ist meist in den frühen Morgenstunden der Fall, wenn die Außenlufttemperatur am niedrigsten und im Sommer der Tau gefallen ist. Bei voll geöffneter Garagentür wird die wärmere, feuchte Garagenluft gegen trockenere Kaltluft aus dem Außenbereich getauscht. Dieser Vorgang funktioniert auch, wenn es draußen regnet, aber kühler ist. Es ist aber nicht sinnvoll, diesen Vorgang auf mehrere Stunden auszudehnen. Die Trocknung der Garage und der Garagenluft ist effektiver, wenn Belüftungsvorgänge häufiger, aber kurz (5 bis 10 Minuten) ausgeführt werden.

In einer Garage ohne Fenster und Türen bzw. ohne einen Abluftkamin ist eine wirksame Be- und Entlüftung nur möglich durch das täglich mehrmalige Öffnen des Garagentores. Das leichte Öffnen zur Schaffung eines dauerhaften Lüftungsschlitzes ist nahezu wirkungslos, wenn es keine Abluftöffnungen, wie z. B. einen Unterdruck schaffenden Abluftkamin, in der Garage gibt.

Auch ein Fenster in der Garage, das bei geschlossenem Garagentor auf Kipp gestellt wird, erzielt nur einen sehr langsamen Luftwechsel. Aber hier kann der Luftaustausch beschleunigt werden, wenn das Garagentor leicht geöffnet wird oder Lüftungsschlitze im Tor oder der Garagenwand eingebaut werden. Lösungen mit Abluftkaminen an der höchsten Stelle der Garage funktionieren besser.

Bei der Suche nach einem geeigneten Ort für zusätzliche Lüftungsöffnungen in Bodennähe sollte auch die vorherrschende Windrichtung beachtet werden, die bei der Belüftung unterstützen kann.

Ich empfehle, in der Garage ein elektronisches Hygrometer, möglichst mit optischer Warnfunktion, aufzuhängen. Der Zielbereich sollte im Winter bei maximal 55 % relativer Luftfeuchte enden. Im Sommer wird dieser Wert häufig überschritten, da wegen der hohen Temperaturen auch die Feuchtelast sehr hoch werden kann. Das ist aber meist kein Problem, weil tagsüber bei freistehenden Garagen auch Wände, Decke und Fußboden der Garage eine ähnlich hohe Temperatur wie die Außenluft aufweisen und daher kein Kondensat entstehen kann.

Bei im Kellergeschoss integrierten oder in den Berg gebauten Garagen kann es vor allem im Frühsommer auch zur sogenannten Sommerkondensation kommen. Warme Außenluft kommt mit (noch) kühleren Wandabschnitten der Garage in Berührung, wodurch die sich abkühlende Außenluft überschüssige Feuchtigkeit verliert und Kondensat auf den Wänden hinterlässt. Solche Garagen sollten nur am frühen Morgen und eventuell am späten Abend, wenn schon Tauwasser gefallen ist, belüftet werden. Das ist aber unzumutbar, weshalb es besser ist, sich mit automatisiert lüftenden maschinellen Anlagen zu beschäftigen.

#Automatische Be- und Entlüftungsanlagen

Ein besonders rascher und effizienter Luftwechsel wird erreicht, wenn ein Ventilator in die erwähnten Abluftkamine eingebaut wird (Rohrentlüfter). Besonders effizient arbeiten diese Systeme, wenn eine elektronische Regelung entscheidet, ob es sich lohnt, die Garage wegen feuchter Innenluft zu lüften (siehe auch Kellerlüftung). Dazu ermittelt das Steuergerät die Höhe der Luftfeuchte und Temperatur der Außenluft mittels Sensoren. Gleichzeitig werden auch die entsprechenden Parameter der Garagenluft ermittelt und entschieden, ob und wie lange der Ventilator in Betrieb gehen muss. Auch hier sind Zuluftöffnungen (Lüftungsschlitze im Garagentor, in der Wand) erforderlich. Es ist auch möglich, den Ventilator mittels Zeitschaltuhr zu steuern, sodass er zu den dafür geeigneten Zeiten morgens und abends für eine gewisse Zeit in Betrieb geht. Hier müssen aber Abstriche an der Lüftungs- bzw. Trocknungsqualität in Kauf genommen werden.

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| Autor: now

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