Natürliche Lüftung: Früher war die Lüftung besser? Wirklich?
Unter heutigen Wohnbedingungen funktioniert natürliche Lüftung nicht mehr. Sie muss durch maschinelles, zumindest aber aktives Lüften ersetzt werden.
#Übersicht

- Die natürliche Lüftung (auch als passive oder freie Lüftung bezeichnet) beruht auf dem Prinzip der Thermik und auf Druckunterschieden infolge Wind.
- Thermik entsteht, wenn warme Luft wegen ihres geringeren Gewichtes aufsteigt und im Haus nach oben hin entweicht (durch offene oder undichte Fenster, Leckagen, Bodenluken, Schornsteine). Kühle Luft strömt infolge des entstehenden Unterdrucks von unten nach (Fugen, Spalten, Briefschlitze).
- Thermik ist auch bei Vorhandensein von Schornsteinen zu beobachten, so dass die im Schonstein aufstrebende Luft für Unterdruck und nachströmende Frischluft sorgt. Das funktioniert sowohl bei beheizten Öfen als auch ohne Beheizung.
- Thermik ist auch das Funktionsprinzip von Schachtlüftungen ("Berliner Lüftung"), die keinen Ventilatorantrieb haben.
- Druckunterschiede im Haus entstehen durch Wind, der auf der angeströmten Seite zu Überdruck und Infiltration von Außenluft führt. Auf der windabgewandten Seite entsteht Unterdruck, so dass die Luft wieder "abgesaugt" wird und nach draußen entweicht.
- Voraussetzung ist in jedem Fall, das genügend Querschnitte vorhanden sind, damit Luft ein- und ausströmen kann.
#Wie war es früher?
Früher war wohl nicht alles, aber der Luftaustausch war wirklich besser. Wir konnten uns wenigstens im Winterhalbjahr, also wenn die Temperaturunterschiede groß waren, auf die freie Lüftung meist verlassen.

Der Grund: Luftdichtheit war vor 40 und mehr Jahren noch ein Fremdwort. Häufig gab es in allen Räumen Einzelöfen mit Schornsteinanschluss. Es kam zu einem entsprechenden Zug über den Schornstein. Die Rahmen einglasiger Fenster und der Türen waren schmal, die Dichtungsfläche klein, Dichtungsgummis gab es kaum. In einigen Gegenden Deutschlands (z.B. in Berlin) wurden Häuser mit einer Schachtentlüftung gebaut, wo das Bad und die Küche angeschlossen waren. So hatte die Luft, abhängig von der Witterung (Temperatur, Wind, Luftdruck), der geografischen Lage der Wohnung (Windlasten), der Gebäudehöhe und -geometrie sowie der Bauweise (luftdicht oder nicht), relativ leichtes Spiel, durchs Haus zu fegen.

Bei diesen Verhältnissen war ein fünf- bis zehnfacher Luftwechsel pro Stunde keine Seltenheit. Da war deutlich mehr Selbstentlüftung als für die Hygiene notwendig. Und so pendelte sich der Brennstoffverbrauch für Raumheizung bei hohen Werten ein.
ausführlich in energytools.de: Luftqualität-Luftaustausch

Heute haben wir es mit überwiegend luftdichten Gebäuden zu tun in denen
- Fenster und Türen mit Zwei- und Dreifachverglasung, stärkeren Rahmen, mehr Dichtungsfläche, mehreren breiten Dichtungsgummis und luftdichtem Einbau kaum eine Fugenlüftung zulassen;
- Zentralheizungen in raumluftunabhängiger Betriebsweise oder Wärmepumpen betrieben werden, die keinen Schornsteinanschluss in jedem Raum benötigen und nicht mehr für den erforderlichen Unterdruck sorgen;
- Bauteile mit Dämmschichten aus bauphysikalischen Gründen (sinnvoll!) luftdicht ausgeführt werden.
#Vor- und Nachteile der natürlichen, freien Lüftung
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| kein Stromverbrauch, absolut energieeffizient, kostengünstig, keine Betriebskosten für Lüfter | wetterabhängig, funktioniert bei geringen Temperaturunterschieden, z.B. im Sommer nicht, auch keine Funktion bei Windstille |
| geräuschlos, keine störenden Ventilatorengeräusche. | Keine Wärmerückgewinnung möglich |
| wartungsarm: Keine Filterwechsel, keine Motorendefekte. | keine gefilterte Luft: Staub, Pollen und Lärm dringen leichter nach drinnen. |
| keine Bedienelemente und Steuerungen | Eingeschränkte Steuerung: Luftwechselraten lassen sich nur schwer regulieren, keine Nutzerabhängigkeit, zufällig. |
| Luftwechsel und Luftqualität in Altbauten meist hoch | Luftwechsel häufig zu hoch, Behaglichkeitsdefizite durch Zugluft möglich |
#Moderne Wohnungen ohne Lüftungsanlage
Der natürliche Luftwechsel vergangener Zeiten funktioniert nicht mehr und bricht auf Werte unter 0,1 pro Stunde ein. Das bedeutet, dass in zehn Stunden die Luft ohne aktive Lüftung mit den Fenstern lediglich einmal ausgetauscht wird! Folge: Die Luftqualität ist deutlich schlechter als früher, zumal heute wahrscheinlich viele Luftschadstoffe enthalten sind. Die Luftfeuchtigkeit ist durch den geringen Luftaustausch tendenziell ebenfalls höher. Die Gefahr der Schimmelbildung ist latent vorhanden.
Für den Neubau ist die Anfertigung eines Lüftungskonzeptes nach Norm DIN 1946-6 vorgeschrieben. Darin wird untersucht, ob bei dem geplanten Luft-Volumen ein ausreichender hygieneorientierte Luftwechsel stattfinden kann oder ob mit einer mechanischen Lüftungsanlage nachgeholfen werden muss.
Ist das Haus luftdicht gebaut, ist ein natürlicher Luftwechsel auf gefordertem Hygieneniveau eigentlich nicht erreichbar.
Die Forderung nach Luftdichtheit neuer Häuser hat aber mehrere Aspekte. Häufig wird ausschließlich der geringere Heizwärmebedarf als Begründung herangezogen. Bedeutungsvoller ist nach meinem Verständnis die mit der Dichtheit verbunden Verringerung von Bauschäden im ausgebauten Dachgeschoss (Schimmelbildung, absaufende Dämmschichten) sowie eine höhere thermische Behaglichkeit.
ausführlich in energytools.de:
#Moderne Wohnungen mit Lüftungsanlage
Einfache Wohnungslüftungsanlagen können auf einen bestimmten Luftwechsel eingestellt werden oder regeln diesen automatisch. Ein zentraler Abluftventilator saugt die Luft aus Bad/Küche ab und fördert sie nach außen. Durch den entstehenden leichten Unterdruck kommt Frischluft durch Ventile in die Wohnräume. Ist der Luftdurchsatz dieser Zuluftventile abhängig von der Luftfeuchte im Wohnraum, besteht für die geregelte Zuluftmenge eine Abhängigkeit von der Raumnutzung (Raumnutzung, Anwesenheit, Tätigkeit führt zur Erhöhung der Luftfeuchte).
ausführlich in energytools.de:
| Seitenaufrufe: 739
Kommentare
Noch keine Kommentare.
Kommentar hinterlassen