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Luftfeuchte im Wohnraum: Ich empfehle 35 % bis 55 %

Bauschaden- und schimmelpilzfreies, gesundes Wohnen im Winter: Untere Grenze in beheizten Räumen 35 %, obere Grenze bei etwa 55 %

#Übersicht

Gut funktionierendes elektronisches Hygrometer mit Datenschreiber und Alarmfunktion
Gut funktionierendes elektronisches Hygrometer mit Datenschreiber und Alarmfunktion
  • Der optimale Bereich der Raumluftfeuchte liegt im Winterhalbjahr zwischen 35 % und 55 %.
  • Der Bereich unter etwa 35 % ist im Winter erreichbar, wenn es einen hohen Luftwechsel in den beheizten Räumen gibt und wenn die Außenluft sehr kalt und trocken ist.
  • Der Bereich oberhalb etwa 55 % wird im Winterhalbjahr in beheizten Räumen häufig erreicht, wenn die Luftwechsel gering sind und die Außenluft eher mild und feucht ist.
  • Wird zu selten oder falsch gelüftet, kann die Raumluftfeuchte im Winter auch Werte von 65, 70 und mehr % annehmen. Sind bei diesen Bedingungen die Hüllflächen deutlich kühler als die Raumluft, besteht die Gefahr der Kondensatbildung, die Durchfeuchtungen verursacht und Schimmelwachstum ermöglicht.

Heutiges Wohnen ist gekennzeichnet durch dichtschließende Fenster und Zentralheizungen. Um Heizkosten zu sparen, werden die Luftwechsel reduziert. Daher haben wir es im Winter mit tendenziell höheren Luftfeuchtigkeitswerten zu tun, die oftmals deutlich über 55 % liegen. Das habe ich durch viele Langzeitmessungen feststellen können. Bei Luftfeuchtigkeitswerten jenseits der 55 % nehmen im Winter potenzielle Gefahren für Durchfeuchtung und Schimmelbildung zu. Insbesondere ältere Wohngebäude mit schwacher Wärmedämmung und einer großen Anzahl von Wärmebrücken sind davon betroffen.

Auf Wärmebrücken (Bereiche abgesenkter Temperaturen) schlägt sich kondensierende Feuchtigkeit nieder, auf Farben und Tapeten kann sich Schimmelpilz einstellen. Das hat negative Auswirkungen auf Behaglichkeit und Gesundheit. Neben Geruchsbelästigungen (typisch: erdig, etwas nach faulenden Kartoffeln) entstehen gesundheitliche Gefahren durch Sporen und Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze. Bei lang anhaltender Durchfeuchtung können zusätzliche Bauschäden durch Versalzung entstehen. Die Wärmedämmung der Wand verringert sich durch einen erhöhten Wasseranteil im Baustoff, sodass die Oberflächentemperaturen weiter sinken. Dies erhöht aber den Wärmestrahlungsaustausch mit dem menschlichen Körper, sodass es trotz einer Raumtemperatur um 21 °C unbehaglich kühl wirkt.

Höhere Luftfeuchtigkeitswerte als 55 % begünstigen auch die Lebensbedingungen der Hausstaubmilbe. Zwar stellt die Hausstaubmilbe selbst keine gesundheitliche Gefahr dar, jedoch können abgestorbene Körperteile der Milbe und ihr Kot allergene Reaktionen hervorrufen.

#Besonders kritisch: Schlafraum und Bad

Schimmel in der Außenwandecke eines Schlafraumes
Schimmel in der Außenwandecke eines Schlafraumes

Achten Sie insbesondere im Schlafzimmer und im Bad auf die Einhaltung des angegebenen Höchstwertes von 55 %. Denn in diesen Räumen haben wir es mit besonders kritischen Randbedingungen zu tun. Während die meisten Menschen im Schlafraum eine eher kühlere Temperatur bevorzugen, ist es in den Bädern doch häufig deutlich wärmer als im Rest der Wohnung. In beiden Fällen steigt bei Luftfeuchtigkeitswerten größer 55 % die Gefahr, dass sich Kondensat bildet, Oberflächen durchfeuchten und Schimmelbildung einsetzt.

Eine abgesenkte Temperatur im Schlafraum verlangt, die Tür zur übrigen Wohnung geschlossen zu halten. Gelüftet wird in kühleren Räumen mit dem zugehörigen Fenster, nicht aber durch das Offenlassen der Zimmertür. Das würde nur warme, aber eher feuchte Raumluft in den kühlen Schlafraum verschleppen (siehe auch Ein Tag im Leben als häuslicher Wassertropfen).

Eine höhere Temperatur, das Duschen und die Trocknung von Handtüchern und Wäsche im Bad führen im Bad zu einem erhöhten Feuchtegehalt der Raumluft. Auch hier gilt: Häufiges Lüften über das Badfenster hilft, Schäden zu vermeiden. Die Badtür sollte möglichst geschlossen bleiben. Hygrometer im Bad und im Schlafzimmer dienen der Entscheidungshilfe, ob gelüftet werden muss.

#Luftfeuchtigkeit im Sommer

Der optimale Bereich der Raumluftfeuchte liegt im Sommerhalbjahr zwischen 45 % und 65 %.

Im Sommer ist eine Raumluftfeuchte von unter 45 % kaum erreichbar. Raumluftfeuchten von 55 und mehr % dagegen sind die Regel, da die hohen Lufttemperaturen dazu führen, dass in der Luft sehr viel Wasserdampf lösbar ist. Kurzeitig gemessene Werte über 65 % sind kein Grund zur Panik, denn schon nach wenigen Tagen ist bei optimaler Nachtlüftung meist alles wieder im grünen Bereich.

Im Sommer besteht in normal trockenen Wohnräumen keine nennenswerte Gefahr von Feuchtigkeitsschäden durch Kondensat. Das liegt an den geringen Temperaturunterschieden zwischen innen und außen. Die Hüllflächen (Fenster, Wände) sind nicht so kalt, dass Tauwasser auf den Oberflächen entstehen kann. Allerdings hört das Schimmelpilzwachstum nicht auf, da Schimmelpilze nicht auf flüssiges Wasser angewiesen sind.

ausführlich in energytools.de: Wachstumsvoraussetzungen für Schimmelpilz

#Besonders kritisch: Keller und Souterrain-Wohnungen

Bauschaden wegen kapillar aufsteigender Feuchte mit Salztransport

Allerdings gibt es auch im Sommer Kondensatbildung, z. B. in Kellern oder Souterrain-Wohnungen. Hier sind es die im kühleren Erdreich stehenden Kellerwände, die eine Kondensation des Wasserdampfes der Raumluft ermöglichen können. Wer glaubt, dass sich die warme Sommerluft zur Trocknung von feuchten Kellerwänden oder Wänden der Souterrain-Wohnung eignet, irrt also. Geöffnete Kellerfenster tragen dazu bei, dass warme, aber eben auch meist ziemlich feuchte Luft in den kühlen Keller „verschleppt" wird, sodass auf den kühleren Kellerwänden Durchfeuchtung feststellbar wird. Besonders anschaulich ist der Kondensatausfall durch die Tröpfchenbildung auf der Kaltwasserleitung im Keller.

ausführlich in energytools.de: Kellerlüftung

Schimmelschaden durch einen Rohrbruch im Sommer
Schimmelschaden durch einen Rohrbruch im Sommer

Bei Bauteilen, die aufgrund von Kapillarität und fehlenden Sperrschichten von aufsteigender Feuchte betroffen sind, können sich auch im Sommer Bauschäden ausbilden und neues Schimmelwachstum ist möglich. Auch das defekte Fallrohr oder eine Leckage im Abwasserohr können die angrenzenden Bauteile eines Wohnraumes so durchfeuchten, dass Schimmelwachstum nicht nur möglich ist, sondern auch besonders heftig ausfällt. Ein solches Schadensbild wird jedoch nicht primär durch eine hohe Raumluftfeuchte hervorgerufen. Sie kann den Schaden jedoch vorantreiben.

An dieser Stelle kommen wir mit der sogenannten „trockenen Heizungsluft" in Berührung. Der Glaube an diesen Mythos scheint die Ursache zu sein, dass im Winter häufig zu spät und zu selten gelüftet wird. Spätestens mit dem Einbau einer Zentralheizung und dicht schließender Fenster ist der Luftwechsel meist ganzjährig viel zu gering.

ausführlich in energytools.de: Wohnraumluft auswechseln!

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| Autor: now

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