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Wärmedämmung: Was bringt sie wirklich?

Sinn und Funktionsweise der Wärmedämmung, Einteilung in Gruppen, U-Wert, die Vermeidung von Durchströmung des Dämmstoffes, Regeln für dessen Einbau und wirtschaftliche Aspekte

#Übersicht

Dämmung der Außenwand eines Kindergartens, Mineralwollestreifen als Brandriegel
Dämmung der Außenwand eines Kindergartens, Mineralwollestreifen als Brandriegel
  • Eine wirksame Wärmedämmung von Wänden, Decken, Böden, Fenstern und Türen verhindert, dass
    • kostbare Heizwärme aus beheizten Räumen nach außen entweicht oder dass
    • zuströmende Wärme aus solarer Strahlung Wohnräume unangenehm aufheizt.
  • Um eine wärmedämmende Wirkung zu erzielen, werden Materialien eingesetzt, die Wärme schlecht weiterleiten. Ihre Wärmeleitfähigkeit ist kleiner als 0,1 W/mK. Dazu gehören u.a. Holzfaserdämmstoffe, Mineralwolle oder Schaumpolystyrol.
  • Ohne ausreichende Dämmung der Hüllflächen (Wände, Fenster,...) ist es in unseren Breiten unmöglich, sich in den eigenen vier Wänden zu jeder Jahreszeit wirklich wohl und behaglich zu fühlen.

#Wie funktioniert Wärmedämmung?

anschaulich: Sie stehen im Winter draußen in der Kälte. Ohne warm haltende Kleidung verliert Ihr Körper schnell Wärme an die kalte Umgebung. Sie beginnen zu frieren. Ziehen Sie einen dicken Wollpullover an, bleibt die Körperwärme dort, wo sie hingehört – bei Ihnen. Der Pullover selbst erzeugt keine Wärme, er verhindert nur, dass Ihre eigene Wärme verloren geht. Vorausgesetzt, den Pullover bedeckt eine winddichte Jacke. Doch dazu später.

Vergleich der Baustoffdicken bei gleicher Dämmwirkung
Vergleich der Baustoffdicken bei gleicher wärmedämmender Wirkung

Genauso verhält es sich mit Ihrem Haus: Die Wärme aus den beheizten Räumen will ständig nach draußen entweichen – durch die Wände, durchs Dach, durch den Fußboden und durch die Fenster. Die Wärmedämmung ist wie der Pullover für Ihr Haus. Sie erzeugt keine Wärme, aber sie hält die Heizwärme dort, wo sie bleiben soll: in Ihren Wohnräumen. Vorausgesetzt, die Wärmedämmung kann nicht mit Luft durchströmt werden.

Das Geheimnis guter Dämmstoffe liegt in ihrer Struktur. Denken Sie an den dicken Wollpullover: Er wärmt nicht, weil die Wolle selbst warm ist, sondern weil erwärmte Luft zwischen den Fasern oder Federn in unzählige Hohlräume eingeschlossen ist und zur Ruhe kommt. Diese Luft wirkt wie ein Schutzschild gegen den Abtransport von Wärme nach außen.

Gepackte Struktur aus einzelnen Schaumkügelchen: Styropor der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 032
Gepackte Struktur aus einzelnen Schaumkügelchen: Styropor der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 032

Genauso verhalten sich auch Dämmstoffe im oder am Haus. Ob Mineralwolle, Styropor oder Holzfasern – alle haben eine gemeinsame Eigenschaft: Sie bestehen aus einem Gerüst mit vielen kleinen Hohlräumen, die mit Luft gefüllt sind.

anschaulich: Sie füllen einen Kaffee in eine dünne Porzellantasse, einen weiteren Kaffee in einen Thermobecher aus Styropor. Während der Kaffee in der heiß gewordenen Porzellantasse recht schnell abkühlt, bleibt der Kaffee im außen kühl bleibenden Thermobecher lange warm. Selbst die Crema eines Kaffees besteht aus vielen aufgeschäumten Luftporen, die die Abkühlung nach oben begrenzen. Je kleiner und zahlreicher diese Hohlräume sind, desto schlechter kann die Wärme hindurchwandern.

Zahlreiche Luftporen (links Mineralschaum, rechts Crema) lassen kaum Wärmeleitung zu
Zahlreiche Luftporen (links Mineralschaum, rechts Crema) lassen kaum Wärmeleitung zu

#Warum muss der Dämmstoff trocken bleiben?

In den winzigen Hohlräumen des Dämmstoffs befindet sich nicht nur Luft, sondern auch etwas Wasserdampf. Das ist ganz normal und stellt sich von selbst ein, ähnlich wie die Luftfeuchtigkeit in einem Raum. Dieser Feuchtigkeitsgehalt hat aber Auswirkungen auf die Dämmleistung.

Das ist ein wichtiger Punkt: Je feuchter ein Dämmstoff wird, desto schlechter dämmt er. Das ist wie bei nasser Kleidung – ein nasser Pullover wärmt nicht mehr, sondern man friert darin. Deshalb ist es so wichtig, dass Dämmstoffe beim Einbau trocken sind und auch danach trocken bleiben.

Die einfache Regel lautet: Je trockener der Dämmstoff und je mehr kleine Luftkammern er hat, desto besser funktioniert er.

Wärmebild einer nur halbseitigen Dämmung eines Zweifamilienhauses (linke Haushälfte)
Wärmebild einer nur halbseitigen Dämmung eines Zweifamilienhauses (linke Haushälfte)

Das Wärmebild eines Zweifamilienhauses im Winter zeigt eindrucksvoll den Unterschied: Die linke Haushälfte wurde zusätzlich von außen gedämmt. Sie zeigt sich auf dem Wärmebild dunkler (kälter von außen). Das bedeutet, dass die Wärme nicht nach außen entweicht, sondern im Haus bleibt. Die rechte, ungedämmte Haushälfte leuchtet hell (warm von außen) – hier geht viel Heizwärme verloren.

#Warum darf keine Luft durch den Dämmstoff strömen?

Hier entscheidet sich, ob der Dämmstoff gut dämmt oder nicht. Erinnern Sie sich an den grob gestrickten Pullover im Wind? Genau das Problem haben wir auch beim Dämmen. Wenn Luft den Dämmstoff durchströmen kann, ist die ganze Dämmwirkung dahin.

Dämmstoff: dicht gepackte Struktur geschlossener Hohlräume mit einer äußeren luftdichten Hülle
Dämmstoff: dicht gepackte Struktur geschlossener Hohlräume mit einer äußeren luftdichten Hülle

Manche Dämmstoffe, wie Styropor oder eingeblasene Zellulosefasern, lassen von sich aus kaum Luft durch. Sie sind wie eine dichte Daunenjacke mit einer winddichten Hülle. Andere Dämmstoffe, wie Mineralwolle oder Schafwolle, verhalten sich eher wie ein lockerer Strickpullover – die Luft kann relativ leicht hindurch. Deshalb muss man diese Dämmstoffe so einbauen, dass keine Luft durchströmen kann.

Praxisbeispiel Dachgeschoss: Bei einem ausgebauten und beheizten Dachgeschoss muss verhindert werden, dass weder warme, feuchte Luft aus dem Wohnraum in die Dämmung eindringt, noch kalte Außenluft von außen durch die Dämmung strömt.

Die Folgen mangelhafter Luftdichtheit führen zu Bauschäden, erhöhen den Heizwärmebedarf und verschlechtern die Behaglichkeit, weil

  • Tauwasser kann im Dämmstoff ausfallen kann (Schimmelgefahr, Holzschäden),
  • warme Luft nach außen entweichen (Energieverlust) und
  • kalte Luft von außen eindringen kann (Zugerscheinungen).

#Wichtig: Innen luftdicht, außen winddicht

Winddichter Einbau von außen, luftdichter Einbau von innen sichert eine hohe Dämmleistung
Winddichter Einbau von außen, luftdichter Einbau von innen sichert eine hohe Dämmleistung

Eine hohe Luft- und Winddichtheit wird erreicht durch die Verlegung

  • luftdichter Gewebe oder spezieller Pappen (auch Dampfbremse genannt) auf der Innenseite und
  • winddichter Bahnen (auch Unterspannbahn genannt) auf der Außenseite.

Denken Sie an eine Daunenjacke mit einem winddichten Außenstoff – ohne diesen Stoff würde der Wind durch die Daunen pfeifen, und Sie würden frieren.

Gelb-rote Bereiche auf der Dachfläche zeigen den Austritt warmer Luft
Gelb-rote Bereiche auf der Dachfläche zeigen den Austritt warmer Luft

Alle Dämmstoffe müssen luftdicht eingebaut werden. Stöße, Ecken, Überlappungen, Durchdringungen, Risse oder Anschlüsse zum Mauerwerk führen zu Luftdurchlässigkeiten, die die Wirkung der Wärmedämmung verschlechtern und Bauschäden verursachen. In der Praxis betrifft dies nahezu den gesamten gedämmten Dachbereich. Hohe Luftdichtheit ist hier erforderlich, um

  • die Gefahr einer Tauwasserbildung im Dämmstoff zu bannen und
  • die Einströmung von Fasern und Luftschadstoffen in den Innenraum zu verhindern.
Alle Leckagen (Dachgeschoss) werden durch luftdichtes Abkleben unterbunden.
Alle Leckagen (Dachgeschoss) werden durch luftdichtes Abkleben unterbunden.

ausführlich in energytools.de: Herstellung luftdichter Konstruktionen

#Verschiedene Dämmstoffe im Vergleich

Als Dämmstoffe gelten alle Materialien, die Wärme schlechter weiterleiten als ein bestimmter Grenzwert. Dieser liegt bei 0,1 W/mK (Das ist die physikalische Einheit, ausgesprochen „Watt pro Meter und Kelvin", das müssen Sie sich aber nicht merken). Zum Vergleich: Nadelholz liegt mit 0,13 knapp darüber und zählt daher noch nicht als Dämmstoff, auch wenn es im Vergleich zu Beton recht gut dämmt.

Gut dämmende Holzfaserdämmplatten als Unterdach unter der Lattung
Gut dämmende Holzfaserdämmplatten als Unterdach unter der Lattung

Die Dämmstoffe werden in Gruppen eingeteilt, ähnlich wie Schulnoten. Diese Gruppen heißen Wärmeleitfähigkeitsgruppen, abgekürzt WLG. Wenn Sie im Baumarkt Styropor mit der Bezeichnung WLG 035 sehen, bedeutet das: Dieser Dämmstoff hat eine Wärmeleitfähigkeit von etwa 0,035 W/mK. Daneben könnte eine Holzfaserdämmplatte stehen, die der WLG 045 zugeordnet ist. Je kleiner die WLG-Zahl, desto besser dämmt das Material. Das sollten Sie sich als wichtige Entscheidungshilfe merken.

Polystyrol-Hartschaum ist ein guter Dämmstoff der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 035
Polystyrol-Hartschaum ist ein guter Dämmstoff der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 035

Besonders gute Dämmstoffe wie Polyurethan-Schaum schaffen einen WLG-Wert von 025. Sie können sich das wie verschiedene Thermoskannen vorstellen: Alle halten den Kaffee warm, aber manche besser als andere. Am allerbesten wäre ein Vakuum, also ein luftleerer Raum, aber das lässt sich in der Baupraxis nur schwer umsetzen und ist sehr teuer.

Die goldene Regel für die Baustelle lautet: Wählen Sie für jede Aufgabe einen Dämmstoff mit möglichst guter Dämmwirkung (also kleiner WLG-Zahl), der sich für den jeweiligen Einsatzort (Dach, Boden, Außenwand) eignet und dabei nicht zu teuer ist.

#Was passiert mit dem Wasserdampf?

In jedem Wohnraum entsteht Wasserdampf – beim Kochen, Duschen, Wischen, sogar beim Atmen. Dieser Wasserdampf ist unsichtbar. Er will sich überall hin gleichmäßig verteilen (stellen Sie sich einen Tropfen Tinte im Wasserglas vor). Er wandert dabei auch durch Bauteile nach draußen, wenn dort die Dampfkonzentration geringer ist. Das ist im Winter meist der Fall. Diesen Vorgang nennt man Wasserdampfdiffusion. Der im Raum verbleibende Wasserdampf wird durch die relative Raumluftfeuchtigkeit charakterisiert, deren Wert am Hygrometer abgelesen werden kann.

Die verschiedenen Baustoffe und Dämmstoffe bremsen diesen Wasserdampf unterschiedlich stark. Das wird mit dem sogenannten µ-Wert (sprich: mü-Wert) beschrieben. Stellen Sie sich verschiedene Siebe vor: Ein grobes Sieb lässt viel durch, ein feines Sieb bremst stark.

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl verschiedener wichtiger Dämmstoffe
Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl verschiedener wichtiger Dämmstoffe

Mineralwolle hat einen µ-Wert von 1 – sie verhält sich also wie Luft und lässt den Wasserdampf praktisch ungehindert durch. Styropor hat einen µ-Wert von etwa 20 – es bremst den Wasserdampf also 20-mal stärker als Mineralwolle. Nadelholz liegt bei 40 und bremst noch stärker.

ausführlich in energytools.de: Wasserdampfdiffusion

Eine Begrenzung der Wasserdampfmenge ist erforderlich, da ein zu viel davon feuchtigkeitsbedingte oberflächliche Bauschäden (Schimmel) verursachen kann. Besonders problematisch wird es, wenn sehr viel Wasserdampf in gedämmte Bauteile eindringen kann. Kann der Wasserdampf nicht mehr ausreichend schnell aus dem Bauteil entweichen, wird die Dämmung nass, es schimmelt und Holz beginnt zu faulen.

Praktische Bedeutung hat der µ-Wert vor allem bei der Auswahl von Dämmstoffen für Innendämmungen. Denn der mehr oder weniger ausgeprägte Wasserdampftransport hat Auswirkungen auf die Frage, ob eine Dampfbremse in der Konstruktion notwendig ist oder nicht.

ausführlich in energytools.de:Luftdichtheit und Dampfbremse in Innendämmungen

#Wie viel Wärme kann ein Dämmstoff speichern?

Die Dämmwirkung eines Baustoffs ist wichtig, aber auch die Fähigkeit, Wärme zu speichern, ist unter bestimmten Gesichtspunkten bedeutsam. Das ist wie bei verschiedenen Töpfen: Ein dicker Gusseisentopf speichert viel Wärme und gibt sie langsam ab. Ein dünner Blechtopf reagiert sofort auf Temperaturänderungen.

Spezifische Wärmekapazität wichtiger Dämmstoffe
Spezifische Wärmekapazität wichtiger Dämmstoffe

Diese Eigenschaft nennt sich Wärmekapazität. Mineralwolle kann nur wenig Wärme speichern – sie reagiert schnell auf Temperaturänderungen. Holz- und Zellulosefasern sind die Dämmstoffe mit dem höchsten Wärmespeichervermögen.

Das macht sich besonders im Sommer bemerkbar. Stellen Sie sich ein Dachzimmer vor, das von der Sonne aufgeheizt wird. Mit Mineralwolle wird es relativ schnell warm im Raum. Mit Holzfasern als Dämmstoff dauert es viel länger, bis die Hitze durchkommt – und oft hat sich die Außenseite schon wieder abgekühlt, bevor die Wärme innen ankommt. Das nennt man Phasenverschiebung.

Prinzip der Phasenverschiebung durch eine gedämmte Konstruktion
Prinzip der Phasenverschiebung durch eine gedämmte Konstruktion

Im Winter ist eine hohe Wärmespeicherung übrigens nicht immer vorteilhaft. Wenn Sie ein Gästezimmer haben, das nur am Wochenende genutzt wird, heizt sich ein Raum mit viel speichernder Masse nur langsam auf. Ein leichter, z. B. von innen gedämmter Raum wird dagegen schnell warm.

#Was bedeutet eigentlich dieser U-Wert?

Der U-Wert ist so etwas wie ein Zeugnis für Ihre Wände, Fenster und Dächer. Er sagt aus, wie viel Wärme in einer bestimmten Zeit durch ein Bauteil nach draußen verschwindet.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten zwei Töpfe mit heißem Wasser: einen aus dünnem Blech und einen mit zwei Blechen, die einen luftgefüllten Hohlraum einschließen, ähnlich wie bei einer einfachen Thermoskanne. Beim Blechtopf können Sie die Wärme außen sofort spüren – er hat sozusagen einen schlechten, also hohen U-Wert. Der isolierte Topf bleibt außen kühl, weil die Wärme innen bleibt – er hat einen guten, niedrigen U-Wert.

Aus de Beispiel kann Folgendes abgeleitet werden: Ein großer U-Wert bedeutet schlechte Dämmung. Es geht viel Wärme verloren, die Innenseite einer Außenwand bleibt trotz Heizung kalt, und Sie fühlen sich unbehaglich. Ein kleiner U-Wert bedeutet gute Dämmung. Es geht wenig Wärme verloren, die Innenseite der Wand wird warm, und Sie fühlen sich wohl.

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine alte, ungedämmte Ziegelwand, vor 1984 errichtet, hat einen U-Wert von etwa 1,3. Die Innenseite dieser Wand erreicht im Winter bei minus 5 °C nur eine Oberflächentemperatur von etwa 13,1 Grad – kein Wunder, dass man sich unwohl fühlt! Bringen Sie eine 8 Zentimeter dicke Dämmung an der Innenseite an, sinkt der U-Wert auf etwa 0,4, und die Wandinnenseite wird etwa 18,2 Grad warm. Jetzt fühlt sich der Raum gemütlich an.

links: Schnitt durch eine 40 cm Ziegelwand, rechts mit Innendämmung 8 cm
links: Schnitt durch eine 40 cm Ziegelwand, rechts mit Innendämmung 8 cm
U-Werte und Oberflächentemperaturen verschiedener Bauteile nach Alter
U-Werte und Oberflächentemperaturen verschiedener Bauteile nach Alter

#Die fünf goldenen Regeln für gute Dämmung

Eine Wärmedämmung funktioniert optimal, wenn Sie fünf einfache Regeln beachten:

  1. Viel hilft viel: Je dicker der Dämmstoff, desto besser. Sechs Zentimeter sind gut, zwölf Zentimeter sind besser. Das ist wie mit Decken im Bett – eine dicke Decke wärmt mehr als eine dünne.
  2. Keine Lücken lassen: Wenn zwischen den Dämmplatten Spalten bleiben, ist das wie ein Loch im Pullover – ein Teil der Wirkung ist dahin. Jede Ritze, jede Fuge muss dicht sein.
  3. Luftdicht einbauen: Keine Luft darf durch den Dämmstoff strömen können, weder von innen noch von außen.
  4. Keine Luftzirkulation zulassen: Zwischen Dämmstoff und Wand darf kein Hohlraum entstehen, in dem Luft zirkulieren kann.
  5. Trocken halten: Der Dämmstoff darf nicht feucht werden. Deshalb braucht man bei bestimmten Dämmstoffen eine feuchtevariable Dampfbremse auf der Innenseite, die den Wasserdampf etwas bremst, die Konstruktion aber nicht komplett abdichtet.

#Wie viel Heizenergie können Sie tatsächlich sparen?

Sorgfältig gedämmte Haus-Bauteile verbessern die Behaglichkeit, beseitigen das Feuchte- und Schimmelrisiko und sparen beim Heizenergieverbrauch. Anders ausgedrückt: Man fühlt sich wohl in einem gut gedämmten Haus, ist durch Schimmel keinen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt und reduziert die Energiekosten.

Es gibt zahlreiche Hausbesitzer und Mieter, die anderer Meinung sind. Dämmung lässt die Wand nicht atmen und sie führt zu Schimmelbildung. Sogar der eine oder andere Experte vertritt diese Meinung, die sich aber mit meinen praktischen Erfahrungen beißt. Nicht nachvollziehbar ist, dass gegenwärtig viele nach einer Wärmepumpe Ausschau halten, aber dabei die passive Energieeinsparung aus den Augen verlieren. Dabei muss eine Luft-Wasser-Wärmepumpe annähernd die gleiche Wärmemenge wie z. B. der ersetzte Gaskessel bereitstellen. Denn am Bedarf nach Wärme hat sich unabhängig von deren Erzeugung nichts geändert. Also: Nur durch die Verbesserung der Eigenschaften der baulichen Hülle wird der Wärmebedarf dauerhaft verringert.

Doch wie viel Dämmung braucht das Haus? Macht es Sinn, sich mit 6 cm Dämmstoffstärke zufrieden zu geben? Kann man noch mehr sparen? Oder sind gar 20 cm angesagt? Und gibt es dabei keine bauphysikalischen Grenzen? Eine in der Energieberatung oft gestellte Frage lautet: Wie viel Geld für Wärmedämmung spart wie viel Energie – und ist das dann auch wirtschaftlich? Um darauf eine vernünftige Antwort zu geben, sind folgende einfache überschlägige Berechnungen hilfreich:

  • Energieeinsparung in % = 1 – (U-Wert des Bauteils (hinterher) / U-Wert des Bauteils (vorher))
  • Einsparung in Liter Öl oder m³ Erdgas = 10 mal (U-Wert des Bauteils (vorher) minus U-Wert des Bauteils (hinterher))

Die angegebenen U-Werte in folgender Übersicht werden der besseren Übersichtlichkeit wegen ohne die Einheit W/m²K angegeben.

Ausgangskonstruktion Beschreibung
Klassisches Ziegelmauerwerk mit VollziegelnKlassisches Ziegelmauerwerk mit Vollziegeln Klassisches Ziegelmauerwerk mit Vollziegeln, 60er-Jahre, 30 cm Wandstärke, mit Betondecke 15 cm. Der U-Wert der Wand liegt bei etwa 1,3 bis 1,5. Die mögliche Einsparung in % errechnet sich so: Einsparung = 1 – (U-Wert des Bauteils (hinterher) / U-Wert des Bauteils (vorher))
Innendämmung 6 cm
Mit einer Innendämmung von nur 6 cmMit einer Innendämmung von nur 6 cm Beispiel 1: Mit einer Innendämmung von nur 6 cm verbessert sich der U-Wert der Wand auf ca. 0,89. Rechenweg für die Einsparung = 1 – (0,89 / 1,5) = 0,41. Die Energieeinsparung beträgt 41 %, bezogen auf die vorher von der Außenwand verursachten Verluste. Um die damit verbundene Einsparung von Brennstoffen überschlägig zu bestimmen, rechne ich: Einsparung an Brennstoff = 10 x (1,5 – 0,89) = 6,1 (Liter bzw. Kubikmeter). Die Einsparung bezieht sich auf einen Quadratmeter der jeweiligen Bauteilfläche (in diesem Fall die Außenwand) und ein Jahr. Bei einer gedämmten Außenwandfläche von 100 m² ergibt sich somit eine Reduzierung des Verbrauchs von ca.: 6,1 mal 100 m² = 610 Liter Öl bzw. Kubikmeter Erdgas im Jahr.
Außendämmung 6 cm
Mit einer Außendämmung von nur 6 cmMit einer Außendämmung von nur 6 cm Beispiel 2: Mit einer Außendämmung von nur 6 cm verbessert sich der U-Wert der Wand auf ca. 0,46. Rechenweg für die Einsparung = 1 – (0,46 / 1,5) = 0,69. Die Energieeinsparung beträgt 69 %, bezogen auf die vorher von der Außenwand verursachten Verluste. Einsparung an Brennstoff = 10 x (1,5 – 0,46) = 10,4 (Liter bzw. Kubikmeter). Die Einsparung bezieht sich auf einen Quadratmeter der jeweiligen Bauteilfläche (in diesem Fall die Außenwand) und ein Jahr. Bei einer gedämmten Außenwandfläche von 100 m² ergibt sich somit eine Reduzierung des Verbrauchs von ca.: 10,4 mal 100 m² = 1040 Liter bzw. Kubikmeter.
Außendämmung 12 cm
Mit einer Außendämmung von 12 cmMit einer Außendämmung von 12 cm Beispiel 3: Mit einer Außendämmung von 12 cm verbessert sich der U-Wert der Wand auf ca. 0,3. Rechenweg für die Einsparung = 1 – (0,3 / 1,5) = 0,80. Die Energieeinsparung beträgt 80 %, bezogen auf die vorher von der Außenwand verursachten Verluste. Einsparung an Brennstoff = 10 x (1,5 – 0,3) = 12 (Liter bzw. Kubikmeter). Die Einsparung bezieht sich auf einen Quadratmeter der jeweiligen Bauteilfläche (in diesem Fall die Außenwand) und ein Jahr. Bei einer gedämmten Außenwandfläche von 100 m² ergibt sich somit eine Reduzierung des Verbrauchs von ca.: 12 mal 100 m² = 1200 Liter bzw. Kubikmeter im Jahr.

Die Lektion daraus: Jeder Zentimeter Dämmung hilft, aber die größten Sprünge macht man am Anfang. Von null auf sechs Zentimeter ist ein riesiger Fortschritt. Von sechs auf zwölf ist immer noch sehr lohnend. Von zwölf auf achtzehn wird der Gewinn kleiner, ist aber bei günstigen Dämmstoffen immer noch sinnvoll.

#Wie ermittle ich die erforderliche Dämmschichtdicke?

Die Dämmwirkung einer wärmedämmenden Schicht hängt sowohl von ihrem Material als auch von dessen Einbaustärke ab. Unterschiedliche Dämmstoffe werden in Wärmeleitfähigkeitsgruppen eingeteilt. Die Wirkung eines schwächer dämmenden Materials kann durch eine höhere Einbaustärke ausgeglichen werden – und umgekehrt.

Dazu sind ausreichend genaue, überschlägige Berechnungen hilfreich.

  1. Um die ungefähre Dämmschichtdicke zu ermitteln, wenn ein bestimmter U-Wert gewünscht und der Dämmstoff (Wärmeleitfähigkeitsgruppe WLG) bekannt ist, rechne ich:

--> Erforderliche Dämmschichtdicke ≈ 0,WLG / gewünschter U-Wert

--> Die erforderliche Dämmschichtdicke des Dämmstoffs in Metern entspricht etwa der Wärmeleitfähigkeitsgruppe (0,WLG) geteilt durch den gewünschten U-Wert.

Beispiel: Betrachten wir eine 36 cm starke Hauswand aus Ziegeln der 60er-Jahre. Eine solche Wand hat einen ungefähren U-Wert von 1,5. Ein deutlich besserer U-Wert von etwa 0,3 soll mit einer Dämmung aus Schaumpolystyrol (WLG 035) erreicht werden. Welche Dämmstoffstärke ist erforderlich?

Rechenweg: Erforderliche Dämmschichtdicke ≈ 0,035 / 0,3 = 0,116 m = 12 cm

Für diese überschlägige Berechnung kann der U-Wert der bisherigen Konstruktion, z. B. einer 36 cm starken älteren Ziegelwand aus Vollsteinen (U-Wert ca. 1,5), unberücksichtigt bleiben, wenn dieser nur geringen Einfluss auf das Ergebnis hat. Das ist immer dann der Fall, wenn der durch eine zusätzliche Dämmung gewünschte U-Wert klein gegenüber der bisherigen ungedämmten Konstruktion ist.

  1. Um die Dämmschichtdicke eines Bauteils zu ermitteln, das bei gleichem U-Wert mit verschiedenen Dämmstoffen errichtet wird, berechne ich eine vergleichbare Dämmschichtdicke.

Ich benutze dazu wieder die bekannte Näherungsformel:

--> Vergleichbare Dämmschichtdicke ≈ 0,WLG / bekannter U-Wert

Beispiel: Die Dämmung im ausgebauten Dachgeschoss soll einen U-Wert von ca. 0,15 W/m²K haben. Ich kann zwischen a: Mineralwollematten (WLG 035) und b: eingeblasenen Holzfasern (WLG 040) wählen.

Rechenweg a: Vergleichbare Dämmschichtdicke ≈ 0,035 / 0,15 = 0,233 m Rechenweg b: Vergleichbare Dämmschichtdicke ≈ 0,040 / 0,15 = 0,266 m

ausführlich in energytools.de: Dämmschichtdickenrechner

#Mein Fazit

  • Wärmedämmung ist eine der klügsten Investitionen, die Sie in Ihr Haus stecken können. Sie hält ein Leben lang, oft fünfzig Jahre und länger, ohne nennenswerte Pflege oder Wartung. Die ersten Dämmungen aus Schaumkunststoffen aus den 1960er-Jahren funktionieren heute noch einwandfrei.
  • Wärmedämmung verringert nicht nur Ihre Heizkosten, sondern verbessert vor allem Ihr Wohlbefinden. Warme Wandoberflächen bedeuten Behaglichkeit. Sie verhindern Schimmel, weil nirgendwo kalte, feuchte Ecken entstehen. Und Sie sparen Jahr für Jahr Heizwärme, die Sie gar nicht erst erzeugen müssen.
  • Im Vergleich zu einer neuen Heizung hat Dämmung einen entscheidenden Vorteil: Eine Heizung muss nach fünfzehn bis zwanzig Jahren ersetzt werden, braucht Wartung, Strom und/oder Brennstoff. Dämmung funktioniert ohne Energie und ist kostenlos, sobald sie einmal eingebaut ist. Bei guter Qualität der Wärmedämmung wirkt die Verringerung des Wärmeabflusses so lange, wie die Dämmwirkung nicht nachlässt.
  • Nach heutigem Kenntnisstand verlieren richtig eingebaute Dämmstoffe niemals ihre Dämmwirkung. Solange wird der durch die Heizung zu deckende Heizwärmebedarf entsprechend niedriger sein.
  • Viele Menschen suchen gerade nach einer Wärmepumpe als Lösung für ihre Heizungsprobleme. Das ist nicht falsch, aber ohne gute Dämmung muss auch die Wärmepumpe genauso viel Wärme erzeugen wie der alte Kessel. Nur die Dämmung senkt den tatsächlichen Wärmebedarf dauerhaft.
  • Die Investition in Wärmedämmung ist nachhaltiger als die Investition in Technik. Das ist die zentrale Botschaft. Dämmen Sie gut, und Sie brauchen weniger Heizung. Dämmen Sie schlecht, und keine noch so moderne Heizung wird Ihre Energiekosten wirklich senken oder für echte Behaglichkeit sorgen.
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| Autor: fnow

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