Zu trockene Luft: Ist der Staub schuld?
Trockene Luft, gesundheitliche Risiken hoher Staubbelastung, woher kommt der Staub, giftige Staubverschwelung, vermeidbare Staub-Quellen
#Übersicht

- Staubhaltige Luft reizt z. B. die Schleimhäute in Nase und Rachen und lässt uns die Luft als zu trocken erscheinen. Davon ist Wohnraumluft mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von kleiner 35 % betroffen.
- Je trockener die Wohnraumluft ist, umso mehr Staub schwebt in der Höhe und kann eingeatmet werden. Feuchte Luft ab etwa 35 % relative Luftfeuchtigkeit bindet den Staub und lässt ihn zu Boden sinken.
- Bestimmte lungengängige Feinstäube können bei geringer Biolöslichkeit schwere Krankheiten verursachen (z. B. ältere Mineralfasern, Asbest).
- Durch Staubverschwelung auf Öfen und Heizflächen mit hoher Oberflächentemperatur (oberhalb 60 °C) können toxische Gase freigesetzt werden (Luftschadstoffe).
- Die Größe der Staubpartikel hängt stark von der Luftfeuchtigkeit ab. Bei einer Luftfeuchtigkeit von größer 35 % ballen sich Staubpartikel zusammen, sinken zu Boden und können kaum noch eingeatmet werden.
#Risiken der Feinstaubbelastung der Innenraumluft
Vor allem der Gehalt von Feinstaub hat auf das Wohlbefinden Einfluss. Das Umweltbundesamt beschreibt die Mechanismen auf seiner Internetseite wie folgt:
„…Je kleiner die Staubpartikel sind, desto größer ist das Risiko zu erkranken, da sie aufgrund ihrer Größe tiefer in die Atemwege eindringen können als größere. Dadurch gelangen sie in Bereiche, von wo sie beim Ausatmen nicht wieder ausgeschieden werden. Ultrafeine Partikel können zudem über die Lungenbläschen bis in die Blutbahn vordringen und sich über das Blut im Körper verteilen. In den Lungenbläschen sind Atmung und Blutkreislauf funktionell und anatomisch sehr eng miteinander verbunden. Deshalb können Störungen des einen Systems − wie etwa entzündliche Veränderungen im Atemtrakt − auch das andere System, also Herz oder Kreislauf, beeinträchtigen". [Feinstaub in Innenräumen, www.umweltbundesamt.de]
Zum Feinstaub werden Partikel mit einem Durchmesser kleiner als 2,5 Mikrometer (= 0,0025 mm) gezählt. Das ist vergleichsweise etwa 20- bis 30-mal dünner als ein menschliches Haar. Feinstaub ist also eine unsichtbare Belastung.
Feinstaubpartikel können in der Luft schweben und gelangen so in die Atemwege. Dort können sie lange verbleiben und die Lunge schädigen. Allerdings weiß man, von Sonderfällen mit hoher Grobstaubbelastung abgesehen, derzeit noch recht wenig über konkrete Gesundheitsgefahren bei Feinstaubbelastungen in Innenräumen. Die Vermeidung hoher Feinstaubbelastungen dient also vor allem der Vorsorge.

Über 900 verschiedene chemische Verbindungen werden in der Innenraumluft gefunden. Einige können in Gebäuden 2- bis 5-mal stärker konzentriert sein als außerhalb.
#Häufige Staubquellen
| Feinstaub |
|---|
| Rauchen |
| Kerzen |
| Räucherstäbchen |
| Kaminöfen beim Nachlegen |
| Kochen und Braten ohne Deckel und ohne Dunstabzug |
| Abrieb von Textilien |
| Bürogeräte (Toner, Laserdrucker) |
| Ruß, auch Reifenabrieb (Verkehr) |
| Baustaub von mineralischen Materialien, Dämmstoffen, Kleber, Holzstaub |
| Grobstaub |
|---|
| Abrieb von Teppichen, Gardinen, Möbeln, Matratzen |
| Wäsche trocknen in der Wohnung |
| Kleidungsstücke |
| Haustiere |
| Papierstaub aus Büroanwendungen |
| Staubauswurf von elektrischen Trocknern |
| Asbeststäube aus älteren elektrischen Geräten, wie Nachtspeicheröfen |
| Hautschuppen und Haare |
| Insekten, Insektenkot, Milbenkot |
| faserbasierte Wärmedämmstoffe hinter nicht luftdicht verlegten Innendämmungen wie Mineralwolle, Zellulose, Baumwolle |

Die Staubverteilung im Raum ist im Winter u.a. abhängig von
- der Häufigkeit und Intensität der Lüftungsvorgänge,
- dem Vorhandensein von Luftundichtheiten im Haus/Wohnung,
- der Art der Wärmeverteilung (Heizkörper, Fußboden- oder Wandheizung),
- der Höhe der Heizwassertemperatur (Oberflächentemperatur des Heizkörpers) und der Konstruktion der Heizkörper (einfache gestreckte Platten oder viel Konvektion durch Schachtkonstruktion).
#Staubverschwelung durch Öfen und Heizkörper
Aufgewirbelter Staub lagert sich auf Heizkörpern, Kaminöfen, Kachelöfen, Nachtstrom-Speicherheizgeräten, Infrarot-Strahlungsheizungen, Heizstrahlern und Heizlüftern ab. Im Winter werden diese Oberflächen oder Heizwendeln warm bzw. heiß. Mit Staubverschwelung bezeichnet man das Ausgasen der Staubpartikel durch thermische Zersetzung ab etwa 55 °C. Exakter ausgedrückt handelt es sich bei der Verschwelung (oder Versengung) um eine unkontrollierte thermische Zersetzung (Pyrolyse) von Stäuben.
Bei elektrischen Heizkörpern mit glühenden Strahlern bzw. Wendeln verbrennt der Staub direkt und erzeugt Abgase. Ebenso kann Staub, der auf sehr heißen Rauchrohren liegt, verschwelen und verbrennen. Die Staubverschwelung bzw. Verbrennung ist ein Vorgang, der zu Beginn und während der Heizperiode stattfindet und den man deutlich riecht. Sichtbar wird die Staubverschwelung häufig durch die lokale Schwarzfärbung von Wänden hinter bzw. über den Heizgeräten.
Auch bei Heizkörpern einer Warmwasserheizung kommt es zu einer mehr oder weniger starken Staubverschwelung, die von der Oberflächentemperatur der Heizkörper abhängt. Betroffen sind vor allem kurze und hohe Heizkörper mit einer Vorlauftemperatur des Heizwassers von größer 55 °C. Diese Heizkörper entwickeln eine starke Konvektionsleistung (hohe Luftgeschwindigkeit über und unter dem Heizkörper), was oftmals an einem grau-schwarzen Belag auf der Wand oberhalb des Heizkörpers sichtbar wird.
Ausführlich in energytools.de: Behagliche Heiztechnik gegen Kaltluftfall
#Problematische Stoffe der Staubverschwelung
Bei der Staubverschwelung werden einige problematische Stoffe erzeugt. Dazu zählen:
- Kohlenstoffmonoxid (CO): Entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material
- Formaldehyd (CH₂O): aus Staub von Textilien, Teppichen oder Möbelabrieb
- Ruß (C): mikroskopisch kleine Partikel, die tief in die Lunge gelangen können
- Feinstaub aus Holzfeuerungen: bei unsachgemäßem Betrieb (zu stark gedrosselt, Sauerstoffmangel, feuchtes Holz)
- Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK, z. B. Benzo[a]pyren, als krebserregend geltend)
#Vermeidung der Staubverschwelung
Besonders großflächige und langgestreckte Heizkörper (praktisch überdimensionierte Heizkörper) können mit niedrigen Heizwassertemperaturen kleiner 50 °C betrieben werden. Bei ihren konsequenten Einsatz wird die Konvektion (Luftgeschwindigkeit) und damit die Staubverwirbelung reduziert. Außerdem ist eine Staubverschwelung ausgeschlossen. Diese „überdimensionierten" Heizkörper arbeiten auch effizient mit einer Wärmepumpe zusammen.
- Feuchte Reinigung der Heizkörper und Öfen vor Beginn der Heizperiode kann die starke Anfangsverschwelung verringern.
- Vermeiden Sie die Benutzung von elektrischen Heizgeräten oder Heizlüftern mit offener Heizwendel.
- Versuchen sie die Vorlauftemperatur Ihrer Heizungsanlage zu verringern. Wichtig ist hierbei ein hydraulischer Abgleich und die Neueinstellung der Heizkurve.
ausführlich in energytools.de: Hydraulischer Abgleich
#Staubvermeidung
Die Staubbelastung in der Innenraumluft ist in der Regel höher als in der Außenluft, was die Bedeutung einer hygienischen und kontrollierten Be- und Entlüftung unterstreicht. Der Staubgehalt der Raumluft, die Größe der Staubpartikel und die Staubverteilung im Raum können durch geeignete Maßnahmen beeinflusst werden:
- Vermeiden Sie stark Staub freisetzende und Staub sammelnde Bodenbeläge aus Kunst- und Naturfasern. Empfehlenswert sind hingegen Kokos- und Sisalbeläge, Linoleum bzw. oberflächenwarme Korkböden oder Holzdielungen, die auch gewischt werden können.
- Staubarm bleibt es auch mit wischbaren Bodenfliesen oder Steinzeugbelägen, wobei eine Fußbodentemperierung bzw. Fußbodenheizung wegen der Behaglichkeitseinbuße (kalte Oberflächen) sinnvoll ist.
- Regelmäßiges Wischen und Staubsaugen mit HEPA-Filter vorausgesetzt, kommen dem hygienischen Luftwechsel (Oft, 5 min Stoßlüftung) herausragende Bedeutung zu.
- Zentralstaubsauger haben den Vorteil, dass die feinstaubreiche Abluft nach draußen abgeführt wird.
#Die Empfindung von zu trockener Luft

Nach meiner Erfahrung ist die Staubbelastung dafür verantwortlich, dass wir von trockener Luft, Kratzen im Hals, usw. sprechen. Bei meinen Messungen der Luftfeuchte hunderter Wohnungen in 10-Tages-Intervallen wurde mir nur sehr selten eine Raumluftfeuchte unter 35 % angezeigt. Sehr häufig habe ich im Winterhalbjahr dagegen Luftfeuchtigkeiten von zum Teil deutlich über 55 % gemessen.

Eine niedrigere Luftfeuchtigkeit als etwa 35 % ist bei normaler Fensterlüftung auch bei sehr kalter, trockener Außenluft kaum erreichbar. Eine zusätzliche Luftbefeuchtung ist also meist nicht notwendig, schon gar nicht über Luftbefeuchter an Heizkörpern. Hiermit schafft man sich in guter Absicht in kürzester Zeit eine Zuchtstation für allerlei Keime. Die ansteigende Luftfeuchtigkeit erhöht außerdem die Gefahr einer Schimmelbildung auf kühlen Außenwandflächen.
Ausführlich in energytools.de:
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