Dampfbremse und Diffusion

Praktische Bedeutung der Dampfbremse vor einer Wärmedämmschicht, Auswahl eines geeigneten Materials und ihre Verlegung.

Einige grundlegende Zusammenhänge zur Wasserdampfdiffusion und zu Dampfbremsen wurden bereits im Abschnitt "Problem: Wasserdampfdiffusion" des Kapitels "Behaglichkeit und Bauphysik" gegeben (link). Jetzt möchte ich mich der praktischen Bedeutung im ausgebauten Dachgeschoss zuwenden. Zunächst zu den Begriffen:

Dampfbremsen werden benötigt, um eine übermäßige Anreicherung von Wasserdampfmolekülen in Dämmschichten zu verhindern, da eine Durchfeuchtung die Dämmwirkung verringert und zu Bauschäden führen kann. Dampfbremsen moderner Bauart lassen eine Diffusion in beide Richtungen zu und können ihren Dampfdiffusionswiderstand dem tatsächlichen Bedingungen anpassen und sind daher sehr fehlertolerant. Dampfbremsen mit feuchtevariablen Eigenschaften werden daher bei zahlreichen gedämmten Konstruktionen (Innendämmung, Dachdämmung) benötigt und eingesetzt. Diese Dampfbremsen erfüllen heute auch gleichzeitig die Funktion einer Luftdichtheitsschicht.

Dampfsperren haben dagegen dafür zu sorgen, dass überhaupt keine Wasserdampfmoleküle in die gedämmte Konstruktion eindringen können. Eine vollständig dichte Dampfsperre ist nur mit größter Sorgfalt zu verlegen, weshalb auf der Baustelle nur sehr schwer realisierbar ist. Undichte oder "vergessene" Abschnitte können aber große Feuchtigkeitsschäden nach sich ziehen. Eingedrungene Feuchtigkeit findet kaum wieder wieder aus der Konstruktion heraus. Dampfsperren sollten in gedämmten Konstruktionen eines Wohnhauses mit normaler Nutzung daher nicht mehr verwendet werden. Gut wäre es, wenn der Begriff, der eine trügerische Sicherheit vorgaukelt, aus dem Sprachgebrauch auf Baustellen verschwinden würde.

Dampfbremsen mit feuchtevariablen Diffusionswiderstand, die in beiden Richtungen eine Dampfdiffusion zulassen sind immer dann einzusetzen, wenn zu erwarten ist, dass

  • große Mengen Wasserdampf (dauerhafte relative Feuchte von mehr als 55%) in die Dämmschicht eindiffundieren und und sich dort allmählich anreichern könnte,
  • infolge von frisch eingebautem feuchten Holz die Wasserdampfkonzentration in der Dämmebene ansteigen kann,
  • infolge von Undichtheiten im Unterdach Regen oder tauender Flugschnee in die Dämmschicht eindringen könnte,
  • durch Leckagen (Luftundichtheiten) stark wasserdampfhaltige Luft in die Konstruktion einströmen kann, aber nicht wieder „hinaus findet“.

Wird in all diesen Fällen die Rückdiffusion (auch Rücktrocknung genannt) zur warmen Wohnraumluft durch die Dampfbremse zu stark behindert, bleibt eine rasche Rücktrocknung aus. Da eine Feuchtebelastung durch die erwähnten Vorgänge nie ganz auszuschließen ist, stellt sich immer die Frage, ob die geplante Dampfbremse unter bestimmten Bedingungen eine Trocknung der Bauteilschichten zulässt. Ist das Trocknungsvermögen hoch genug, bleibt die Dämmschicht mit Dampfbremse bauschadensfrei.

#Trocknungsvermögen der eingesetzten Konstruktion mit Dampfbremse

Das Trocknungsvermögen einer gedämmten Konstruktion ist dann größer als die Feuchtebelastung, wenn die eingesetzte Dampfbremse „intelligent“ mit der Feuchtebelastung umgehen kann. Das wäre der Fall, wenn die dampfbremsende Wirkung immer dann abnimmt, wenn die Feuchtebelastung im Inneren der Konstruktion hoch ist bzw. immer dann zunimmt, wenn die die dampfbremsende Wirkung immer dann zunimmt, wenn die Wasserdampfbelastung außerhalb der Konstruktion höher ist.

Solche Dampfbremsen haben in Abhängigkeit von der Wasserdampfkonzentration adaptive Eigenschaften und sind im gedämmten Dachgeschoss optimal geeignet. Noch höher ist die Trocknungsreserve, wenn auch die äußere Begrenzung, d.h. das Unterdach (zur kalten Seite), diffusionsoffen ausgeführt wird.

Der Einsatz von Dampfsperren und Dampfbremsen mit konstant zu hohem Diffusionswiderstand ist wegen der nicht vorhandenen bzw. schwachen Rückdiffusionsmöglichkeit nicht empfehlenswert. Im gedämmten Dach und bei Innendämmungen sind solche Materialien absolut ungeeignet.

Eine Leckage (Schnitt, Verletzung auf der Baustelle u.a.) in der Dampfbremse führt zum massenhaften Eindringen von Wasserdampf

Idealerweise haben feuchtevariable bzw. adaptive Dampfbremsen auch Eigenschaften, die sie für die Aufgabe der Herstellung der Luftdichtheit der Konstruktion ertüchtigen. Das ist der Fall, wenn Dampfbremsabschnitte gut miteinander verklebt werden können (z.B. mit Hilfe von Klebstoffen oder mit sicheren Klebebändern). Dabei muss die Verklebung auch auf anderen Bauteilen, Putz- und Holzoberflächen, Kunststoffrohren, u.a.m., langfristig gut funktionieren. Diesbezüglich optimale Eigenschaften besitzen feuchtevariable Dampfbremsen, deren Oberflächen aus Papieren bzw. Baupappen bestehen. Für deren Verarbeitung gibt es zahlreiche geeignete Klebepasten, Dicht- und Klebebänder.

#Verarbeitung von Dämmstoffen im Winter

Bei der winterlichen Verarbeitung von Dämmstoffen in Außenbauteilen, wie z.B. in Dächern, ist darauf zu achten, die notwendige Dampfbremse direkt nach dem Einbau luftdicht zu verkleben. Dadurch wird eine Durchfeuchtung der Wärmedämmung und weiterer Bauteilschichten wegen der sonst möglichen Durchströmung mit Innenraumluft verhindert. Dies ist besonders bei gleichzeitiger Erhöhung der Baufeuchte (Innenputz, Nassestrich) auf Winterbaustellen zu beachten.

Weitere Aspekte zum Thema Wasserdampfdiffusion finden Sie in: Wasserdampfdiffusion

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