Dämmkeile in der Innendämmung
Alles über Dämmkeile für wärmebrückenarme Innendämmungen, die Wohnraumschimmel und feuchte Stellen verhindern; Anfertigung, praktische Hinweise zur Auswahl und Montage

Dämmkeile bestehen immer aus einem gut wärmedämmenden Baustoff verschiedenster Art. Der keilförmige Streifen unterschiedlicher Länge hat eine Breite von 30 bis 50 cm. An der dicksten Stelle misst der Dämmkeil etwa 30 bis 40mm und läuft je nach Material auf etwa 5 mm aus. Mit dem Begriff Dämmkeil wird auch ein wärmedämmendes Bauelement für den Randbereich von Flachdachdämmungen bezeichnet, das aber andere Abmessungen und eine andere Aufgabe hat.
Dämmkeile haben die Aufgabe, negative Wirkungen von Wärmebrücken zu minimieren. Solche problematischen Wärmebrücken entstehen bei schwach gedämmten Außenbauteilen in speziellen Bereichen, wie
- in einer vertikalen Raumecke, wo zwei Außenwände im rechten Winkel aufeinander treffen;
- in den vertikalen Raumecken, die durch eine in einer Außenwand eingebundene Innenwand beidseitig entstehen;
- im horizontalen Eckbereich, der durch die Auflage einer massiven Geschossdecke auf die Außenwand gebildet wird.
Die Wärmebrücken an den genannten Stellen verursachen häufig
- dunklere Bereiche, die durch anhaftenden Staub entstehen oder/und
- Schimmelbefall, wenn die Oberflächenfeuchtigkeit einen bestimmten Wert überschreitet.

Durch den Einbau von Dämmkeilen nimmt die Dämmleistung des Bereiches zu und lässt so die Oberflächentemperaturen über dem Dämmkeilen im Eckbereich ansteigen. Die Temperatur an der Oberfläche der Dämmkeile steigt soweit an, dass sich kein Tauwasserniederschlag bilden kann. Diese Wirkung ist sowohl bei einem alleinigen Einbau von Dämmkeilen als auch bei der Kombination mit einer Innendämmung zu beobachten. Der Einbau von Dämmkeilen als Ergänzung einer Innendämmung wird oft auch als Flankendämmung bezeichnet, womit die Aufgabenstellung der "Verlängerung" der Wärmebrücke beschrieben wird. So soll der Dämmkeil verhindern, dass sich der Wärmeabfluss über einen kurzen Weg (rote Pfeile) vollzieht, was sehr niedrige Oberflächentemperaturen im Eckbereich zur Folge haben würde.

#Wo sind Dämmkeile zweckmäßig?



In einer Außenwandecke berühren sich zwei Außenwandabschnitte und bilden bei schwach gedämmten Außenwänden eine starke Wärmebrücke, auf der häufig Schimmelbefall feststellbar ist. Nach der Entfernung des ggf. vorhandenen Schimmels (siehe Schimmel im Wohnraum) klebt man Dämmkeile in der gesamten Zimmerhöhe auf beide Wändabschnitte. Diese Maßnahme ist besonders zu empfehlen bei Hohlwandmauerwerk, und zwar auch dann, wenn zuvor die Hohlwand mit einem Dämmstoff verfüllt wurde. Anschließend können die Dämmkeile tapeziert werden.

An der Unterseite von massiven Decken habe ich im Auflagerbereich häufiger Schimmelprobleme vorgefunden. Bautechnische Ursache ist die Wärmebrücke, die durch die Auflage einer schwach gedämmten Geschossdecke auf der ebenfalls schwach gedämmten Außenwand entsteht (Alt- und Neubau!). Die Dämmkeile werden hier an die Unterseite der Decke so in die Ecke geklebt, dass der auslaufende Keil zum Raum hin zeigt. Wenn sorgfältig gearbeitet wird, ist der „Auftrag“ der durch den Keil entsteht unter der Deckentapete kaum zu erkennen.

In die inneren Laibungen von Fenstern und Türen gehören Dämmkeile, wenn die Außenwandwärmedämmung unzureichend ist. Dazu wird ein Kompriband auf den Fensterrahmen geklebt und ein Dämmkeil sofort in den Laibungsbereich geklebt und fixiert. Was nach innen übersteht, wird abgeschnitten.

Dämmkeile gehören auch an Innenwände, die in eine Außenwand eingebunden sind. Werden beide von der Innenwand getrennte Räume beheizt, sind auch die Dämmkeile beidseitig anzusetzen. Dabei sind immer erst die Dämmkeile in die Ecken zu kleben, danach ist die Gipskartonverbundplatte anzusetzen. Man kann die Gipskartonplatte, wenn der Dämmstoff dies zulässt, vorher etwas anschrägen oder/und nach dem Aushärten des Klebers den entstehenden Zwischenraum mit PU-Schaum füllen. Die abgebildete Schicht aus einem speziellen Material (Papier-Alu-Papier-Folie, etwa 0,3 mm stark) dient der Erhöhung der Oberflächentemperatur durch Wärmeleitung am auslaufenden Keil (+10 cm) und wird empfohlen.
#Dämmkeile selbst anfertigen

Ich habe mir Dämmkeile für einige Sanierungsobjekte in den erforderlichen Abmessungen aus Schaumpolystyrol mittels eines Schneidwerkzeuges für Außenwanddämmungen (Heizdraht) selbst gefertigt. Besonders gut eignet sich dichteres Schaumpolystyrol mit einer Rohdichte von 20 bis 30 kg/m³ (Schaumpolystyrol für druckbelastete Anwendungen). Diese einfachen, aber völlig ausreichenden Dämmkeile aus Schaumpolystyrol sind äußerst preiswert selbst anzufertigen und gut zu verarbeiten. Bei größeren Stückzahlen empfiehlt es sich, einen Dienstleister zu beauftragen die Keile zu schneiden, was immer noch sehr preiswert ist. Die erforderlichen Abmessungen betragen mindestens etwa 500mm x 30mm auf 5mm auslaufend.
#Verarbeitung

Vor dem Ansetzen der Dämmkeile wird die Wand gründlich von Schimmel bzw. von Tapete und Farbe befreit. Aktiver Schimmebefall ist z.B. mit Wasserstoffperoxid abzutöten (siehe auch Schimmelbeseitigung).

Der mineralische Kleber wird dann nach Vorschrift angerührt. Bevor der Kleber vollflächig mit einem Zahnspachtel (Zähnung 6 – 8 mm) aufgetragen wird, sollte der für die Klebung vorgesehene Keil probehalber trocken in die Ecke eingeschoben werden. In der Regel muss nun noch ein etwa 1 cm schmaler Streifen vom rechten Winkel abgeschnitten werden, da Raumecken nicht exakt rechtwinklig, sondern eher rundlich ausgeputzt sind.



Dämmkeile sind immer vollflächig anzukleben und müssen dicht gestoßen werden. Das vorsichtige Andrücken mit der Teigrolle lässt in der Regel Klebemörtel herausquellen. An den Stößen ist dieser mit einem Spachtel abzuziehen, damit es nicht zu Wärmebrücken kommt. Keinesfalls darf Kleber in offene Stöße eingespachtelt werden. Herausquellender Kleber kann sofort zum Glattspachteln der auslaufenden Kante des Dämmkeiles genutzt werden. Offene Stöße können nach dem Ankleben mit Bauschaum verfüllt werden und sind sauber zu egalisieren.
Beim Ankleben der Dämmkeile an der massiven Geschossdecke wird genauso vorgegangen. Wenn es eine glatte Fläche gibt, hält die Platte mit dem Kleber ohne weitere Hilfsmittel an der Decke.
Bilden Außenwände Raumecken, werden die Keile im Winkel von 45 Grad auf Gehrung geschnitten. Sollte sich ein Spalt zwischen den Keilen auftun, wird mit PU-Schaum vorsichtig nachgeschäumt und nach dem Aushärten der vorquellende Schaum abgeschnitten.

Die Wand rechts im Bild wird anschließend mit einer vollständigen Innendämmung versehen.

#Mein Fazit
- Dämmkeile sind eine wichtige Maßnahme gegen aufkommenden Schimmel in kühlen Raumecken, Laibungen, massiven Decken (Auflager!) und bei einbindenden Innenwänden
- Dämmkeile helfen kritische Oberflächentemperaturen im Eckbereich von Außenwänden zu vermeiden.
- Dämmkeile können auch ohne Innendämmung verarbeitet werden.
- Bei einer Innendämmung sollten Dämmkeile immer als flankierende Maßnahme angewendet werden.
- Die Art der verwendeten Dämmstoffe ist für den Erfolg nicht ausschlaggebend.
#Angebote für Dämmkeile
In der Datei Marktübersicht habe ich die gegenwärtig angebotenen Dämmkeile ohne Bewertung für Sie zusammengestellt.
#Fragen und Antworten zu Dämmkeilen
Frage: Nach intensiver Recherche bin ich auf Ihre sehr informative Internetseite gestoßen. Ich muss in meiner Küche durch Verlegung der Elektroleitungen an der Decke eine Trockenbaudecke einziehen. Die Küche wird durch 2 Außenwände begrenzt. An einer Seite (Osten) existiert eine auskragende Balkonplatte (Beton), an deren Kante innen ich infolge der Trockenbaumaßnahme eine Dämmung anbringen möchte. Mein Fokus fiel auf die von Ihnen beschriebenen Dämmkeile, bei der Materialwahl habe ich mich für Multipor entschieden. Muss für diese Maßnahme die senkrechte Wand nach unten ebenfalls gedämmt werden? Reicht eine Dämmungstiefe von 500 mm aus? Sollte die sich seitlich anschließende Außenwand (ohne Balkon, aber Nordseite) ebenfalls einen Dämmkeil erhalten? Der Dämmkeil hat die Abmessungen b 390 x t 500 x h 60/20, die Trockenbaudecke soll aber eine minimale Abhänghöhe von ca. 45 mm erhalten. Spricht (außer dem erhöhten Aufwand) etwas dagegen, die breite Seite des Dämmkeils an diese Höhe anzupassen?
Antwort: Ich empfehle neben der Decke auch die senkrechte Raumecke zwischen der Ost- und der Nordwand jeweils mit Dämmkeilen zu dämmen. Noch besser wäre es natürlich die gesamte Nord- und Ostwand mit einer Innendämmung zu versehen, was aber einen erheblichen Eingriff in Ihre Küchengestaltung bedeuten würde. Bevor Sie beginnen, sollten Sie die Genehmigung des Vermieters einholen. Eine Dämmungstiefe von 500 mm reicht aus, wenn die Dämmkeile vor allem die Schimmelgefahr an der Decke bzw. in der senkrechten Raumecke bannen sollen. Wenn es sich vermeiden lässt, sollten Sie die Abmessungen der Dämmkeile so belassen. Ziel ist es mit den eingesetzten Dämmkeilen die Oberflächentemperatur in Raumecken so zu erhöhen, dass die relative Luftfeuchte unmittelbar über dem Dämmstoff nicht über etwa 75 % steigt.