Wärmedämmung der Außenwand von innen
Übersicht

Mit einer Innendämmung werden Außenwände von der Raumseite aus gegen Wärmeverluste gedämmt, so dass eine erhöhte Oberflächentemperatur für optimale Behaglichkeit sorgt. Diese Art der Wärmedämmung bietet sich an bei einer raumweisen energetischen Modernisierung und/oder falls eine Außendämmung aus gestalterischen oder baurechtlichen Gründen nicht in Frage kommt. Bei der Ausführung der Innendämmung ist auf eine wärmebrückenarme, lückenlose und luftdichte Montage zu achten. An keiner Stelle der fertigen Dämmung darf der Dämmstoff durch Raumluft hinterströmt werden. Die Dämmstoffstärke beträgt idealerweise etwa 6 bis 8 cm. Eine Dampfsperre wird im allgemeinen nicht benötigt, jedoch verlangen einige Dämmstoffe eine feuchtevariable Dampfbremse. Die dampfbremsende Wirkung dieser Konstruktion darf im Mittel einen Wert von 2m (Diffusionswiderstand) nicht übersteigen, damit eine sommerliche Austrocknung zurück in den Raum möglich ist. Eine Innendämmung bleibt bei Einhaltung weniger Planungs- und Montageregeln praktisch bauschadensfrei und spart über Jahrzehnte hinweg erhebliche Heizkosten.
Leider hat die Innendämmung einen schlechten Ruf, da sie oft als möglicher Auslöser von Feuchte- und Schimmelschäden gesehen wird.
#Ist der schlechte Ruf der Innendämmung begründet?
Oft wurde in meiner aktiven Beratertätigkeit die Befürchtung geäußert, eine Dämmung, insbesondere aber die Dämmung von innen, lasse das Mauerwerk nicht mehr „atmen", sodass die Wand nass werden müsse. Folglich säße man nach einer solchen Dämmmaßnahme in einem sehr ungünstigen Raumklima, bei hoher Raumluftfeuchtigkeit und mit Schimmel an den Wänden. Hier stellt sich die Frage: Ist die Vorstellung von der Wandatmung überhaupt richtig und zeitgemäß? Handelt es sich nicht um eine schon seit Langem widerlegte unbewiesene Behauptung?
Meine Meinung: Die „atmende Außenwand" gibt es nicht. Eine geputzte Außenwand ist nicht luftdurchlässig.

ausführlich in energytools.de: Können Wände atmen?
In diesem Zusammenhang spielt die häufig angesprochene „Verlagerung des Taupunktes in der Wand" eine Rolle. Der Taupunkt ist für viele eine hilfreiche Vorstellung über den Ort in der Wand, an dem sich die Kondensation von Wasserdampf mit Tröpfchenbildung vollzieht. Eine Innendämmung würde diesen Vorgang auslösen und verstärken.
Tatsache ist: Beide kritischen Punkte haben mit der sogenannten Wasserdampfdiffusion zu tun.
- Wasserdampfdiffusion
- Die Wasserdampfdiffusion ist ein Vorgang, bei dem gasförmige Wasserdampfmoleküle in die Außenwand eines beheizten Raumes eindringen und weiter nach außen wandern. Ein Lufttransport ist damit nicht verbunden. Ursache dafür ist das physikalische Prinzip, dass ein Wanderungsantrieb von einem Ort hoher Konzentration hin zu einem Ort geringerer Konzentration ausgeht. Übersteigt die Anzahl der Wasserdampfmoleküle eine bestimmte Größe, ist eine Tröpfchenbildung möglich.
Bei einer beheizten Wohnung ist ein Wasserdampftransport eigentlich immer gegeben, da in einem Raum im Winter meist eine höhere Raumluftfeuchtigkeit (viele Wasserdampfmoleküle) besteht als draußen. Damit an einer bestimmten Stelle innerhalb der Wand Tröpfchen (Taupunkt!) gebildet werden können, braucht es eine Mindestmenge an Wasserdampfmolekülen. Diese Mindestmenge wird selten, aber bei sehr hoher Raumluftfeuchtigkeit doch hin und wieder erreicht. Eine Wand, beispielsweise aus Ziegelsteinen, Gasbeton, Kalksandsteinen oder Holz errichtet, kann daher eine erhöhte Materialfeuchte aufweisen. Kapillare Kräfte transportieren die Feuchtigkeit jedoch wieder an die beiden Wandoberflächen, wo sie wieder verdunstet. Es passiert nichts Kritisches.
Durch eine Innendämmung kann dieser Vorgang beeinflusst werden, indem der Ort der Tröpfchenbildung mehr zur Innenseite verschoben wird. Die geschilderten Ängste sind daher verständlich und nicht völlig unbegründet. Allerdings ist die Menge an Wasserdampfmolekülen bei normaler Raumnutzung so gering, dass auch der Einfluss der Innendämmung auf die Wasserdampfdiffusion sehr gering ist. Viel größer kann das Problem werden, wenn warme Raumluft hinter eine Innendämmung gelangen kann und Wasserdampfmoleküle auf der Außenwand oberflächlich kondensieren.


Warum gibt es also Schäden, die mit einer Innendämmung verbunden sind? Wurde der Aufbau einer Innendämmung aus den verschiedensten Gründen eventuell falsch verstanden und nach überholten Erkenntnissen umgesetzt? Tatsache ist, dass Planungs- und Ausführungsfehler Schadensbilder beeinflusst haben:
- Eng mit dem Thema Innendämmung verknüpft sind Begriffe wie Folie oder Dampfsperre. Sie verursachen bei vielen ein Unbehagen. Der Wunsch nach einem gesunden Raumklima verbiete es, Folien anzuwenden und irgendetwas zu sperren. Doch sind Dampfsperren oder Folien überhaupt erforderlich, am Ende sogar problematisch und gibt es da Alternativen? Die Vorstellung, dass Innendämmungen nur dann funktionieren, wenn das Eindringen von Wasserdampf in den Dämmstoff und die Wand nur durch eine absolut dampfdichte Schicht, einer Dampfsperre, verhindert wird, ist veraltet. Heute erledigen diese Aufgabe feuchtevariable Dampfbremsen, die auch die Möglichkeit der Rücktrocknung bieten. Einige Dämmstoffe brauchen selbst diese Dampfbremse nicht.

- Ebenso erwies sich die Vorstellung als falsch, dass der Dämmstoff hinterlüftet werden müsse. Im Gegenteil: An keiner Stelle der innen gedämmten Flächen, so lässt sich aus zahlreichen Schadensfällen und Versuchen ableiten, darf sich zwischen Dämmstoff und ursprünglicher Wand eine Strömung aus Raumluft aufbauen. In jedem Fall kommt es auf den luftdichten Einbau der Dämmmaterialien an.

- Mit dem Einbau neuer, sehr dicht schließender Fenster und dem Wegfall von Einzelofenheizungen verringert sich der Luftaustausch so erheblich, dass tatsächlich eine verschlechterte Luftqualität und höhere Raumluftfeuchten messbar werden. Gelüftet werden muss also mit und ohne Dämmung über die weit geöffneten Fenster beziehungsweise eine Lüftungsanlage. Mit anderen Worten: Die Innendämmung hat auf die Luftqualität im gedämmten Raum kaum Einfluss.
Wird eine Innendämmung nach den praktischen Erfahrungen und Konstruktionsempfehlungen der letzten Jahre sorgfältig ausgeführt, sind Bauschäden ausgeschlossen.
#Wann ist eine Innendämmung sinnvoll?
Die Innendämmung ist immer dann erste Wahl, wenn
- eine Außendämmung aus gestalterischen (Fachwerk, Jugendstil, Denkmal) oder baurechtlichen (Grenzabstände) Gründen nicht infrage kommt (oftmals hat die Rückseite von denkmalgeschützten Häusern keinerlei Schmuckgestaltung und kann hier mit einer Außendämmung versehen werden);
- die Fassade noch sehr gut erhalten ist oder erhalten werden soll;
- der Dachüberstand zu klein ist für eine Außendämmung;
- Gebäudefluchten eingehalten werden müssen;
- der oder die Räume, die gedämmt werden sollen, nur zeitweise beheizt werden sollen (Homeoffice, Hobbyraum, Gästezimmer, Kirche, Versammlungsräume, Werkstatt, Sporträume, Turnhallen usw.);
- man nachträglich trockene Kellerräume zu Wohnräumen umgestalten möchte;
- Raum für Raum in Eigenleistung wärmegedämmt werden soll;
- Mieter in Absprache mit dem Vermieter Dämmmaßnahmen in Eigenregie vornehmen wollen;
- einzelne Wandflächen wegen geringer Wärmedämmung unbehaglich kalt sind (z. B. auch Innenwände zu Treppenhäusern);
- infolge des Zuschnitts eines Raumes für Möbelstücke (z. B. Küchenzeile) nur eine Aufstellung vor einer schlecht gedämmten Außenwand infrage kommt;
- Schimmelschäden nachhaltig beseitigt werden sollen.
Von einer Dämmung von innen ist jedoch abzusehen:
- bei feuchten Wänden infolge aufsteigender Nässe, solange die Ursache nicht beseitigt ist (Stichwort Mauerwerkstrockenlegung);
- bei starker Schlagregenbelastung einer nicht mehr ausreichend wasserabweisenden Konstruktion (Fachwerk, absandender Putz, bröckelnder Fugenmörtel bei Klinkerfassaden o. Ä.);
- wenn die Raumluftfeuchtigkeit im Winter nicht auf durchschnittlich 55 % begrenzt werden kann.
Kann die Ursache für durchfeuchtete Wände nicht beseitigt werden, ist auf der ungedämmten Wand (aus gestalterischen Gründen) raumseitig besser ein Sanierputz beziehungsweise Salzspeicherputz aufzutragen, der die Wasserdampfabgabe nicht behindert. Eine dämmende Alternative auf feuchten Wänden stellt unter bestimmten Bedingungen eine Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten dar.

#Welche Wände können, welche sollten gedämmt werden?
Gedämmt werden können und sollten alle Außenwände sowie Innenwände gegen unbeheizte Räume (z. B. Treppenhäuser), deren Wärmedämmvermögen unzureichend und wo eine Dämmung von außen nicht möglich ist. Das gilt mindestens für alle
- vor dem Jahr 1982, dem Start der 1. Wärmeschutzverordnung in den westlichen und
- bis 1990 in den östlichen Bundesländern geplanten und errichteten Häuser.

Außenbauteile dieser Häuser haben in aller Regel eine nach heutigen Gesichtspunkten viel zu geringe wärmedämmende Wirkung. Die Oberflächentemperatur ist daher zu niedrig. Regelmäßig wurden aus Ziegelmauerwerk (Normalziegel, keine Hochlochziegel!) bestehende Wände mit einer Dicke von 24 cm bis 48 cm errichtet. Sie verlieren gegenüber heute üblichen Wandkonstruktionen vier- bis achtmal so viel Wärme. Das gilt auch für 50 cm und mehr starke Wände, die aus ungebrannten Lehmziegeln oder aus Natursteinen bestehen oder die im Stampflehmbau errichtet wurden.

Als besonders „räuberisch" in Sachen Wärmeklau erweisen sich Mauerwerke aus schweren und harten Natursteinen sowie Klinker-, Kalksand- und Betonsteinen. Auch ungedämmte geputzte oder ungeputzte Fachwerkwände mit 14 bis 20 cm Dicke verursachen hohe Verluste.
Eine sorgfältige Innendämmung von Fachwerkwänden führt zu verbesserter Behaglichkeit, bringt erhebliche Einsparungen und verringert bei luftdichter Ausführung sogar die Gefahr einer feuchtebedingten Zerstörung von Holzbalken (siehe auch Dämmung von Fachwerkwänden)
Dies gilt auch für die nachträgliche Innendämmung von Fertigteilhäusern älterer Bauart.
#Welche baulichen Voraussetzungen müssen für eine Innendämmung erfüllt sein?
Vor der Durchführung einer Innendämmung müssen wichtige Bedingungen geprüft werden:
- Gibt es aufsteigende Feuchte? Jede Art von Modernisierung sollte gesundes Wohnen ermöglichen, was bei aufsteigender Feuchte ausgeschlossen ist. Aufsteigende Feuchte ist also in jedem Fall vor einer Innendämmung zu beseitigen (ausführlich bei energytools.de Mauerwerkstrockenlegung)
- Ist die Fassade der zu dämmenden Wand mit einer Schlagregenbeanspruchung konfrontiert? In jedem Fall ist vor der Dämmmaßnahme dafür zu sorgen, dass die Schlagregenbeanspruchung nicht zu einer Durchfeuchtung des Mauerwerks führt. Die Fassade muss wasserabweisende Eigenschaften aufweisen. Besonderes Augenmerk ist hierbei auf Sichtfachwerk zu legen.
- Gibt es Durchfeuchtungen, die auf Lecks aus Dachrinnen, Fallrohren, Abwasserleitungen, Heizungsrohren oder Wasserleitungen zurückzuführen sind? Die Ursachen dieser Durchfeuchtungen von Mauerwerk sind selbstverständlich ebenfalls vor einer Dämmmaßnahme von innen abzustellen.
- Gibt es Oberflächenbeschichtungen wie Ölfarben oder Fliesen, die die Wasserdampfdiffusion negativ beeinflussen? Solche Beschichtungen müssen entfernt werden.
#Verbessert eine Innendämmung die Behaglichkeit im Winter?
Eine Dämmung von innen führt im Winter zwar zu einer deutlichen Temperaturabsenkung im Wandquerschnitt der bisherigen Wand. Gleichzeitig kommt es aber auch zu einem starken Anstieg der Temperatur an der inneren, gedämmten Wandoberfläche, wie folgendes Beispiel zu einer 36,5 cm starken Normalziegelwand (Baujahr etwa 1975) zeigt.

Bei -5 °C Außentemperatur und 20 °C Raumtemperatur beträgt die innere Oberflächentemperatur ohne Dämmung nur 13,4 °C. In Eckbereichen eines Raumes liegt die Temperatur unmittelbar über der Oberfläche der Wand sogar deutlich darunter, sodass es dort bereits bei einer als normal geltenden Raumluftfeuchtigkeit von 60 % zur Schimmelbildung kommen kann. Wird die Wand jedoch mit 8 cm Dämmstoff von innen gedämmt, erhöht sich die innere Oberflächentemperatur auf 17,9 °C. Sie liegt damit nur noch um 2,1 Grad unter der Lufttemperatur des Raumes. In den Raumecken sollten Dämmkeile verlegt werden (ausführlich in energytools.de: Dämmkeile).

- Diese Anhebung der inneren Wandoberflächentemperatur stoppt die Abkühlung der Raumluft an der Wand. Sie „fällt" dadurch nicht mehr vor der Wand herunter (kalte Luft ist schwerer als warme Luft!). Es kommt kaum noch zu Zugerscheinungen am Boden („kalte Füße") und im Außenwandbereich der Räume („kalter Luftzug im Nacken").
- Die erhöhte Temperatur der Wandoberfläche mindert den Entzug von Strahlungswärme des menschlichen Körpers (etwa 33 °C!) merklich.
- Außerdem sinkt die Gefahr der Bildung von Schimmelpilzen, weil der schimmelpilzkritische Luftfeuchtewert von 80 % unmittelbar über der Wandoberfläche nicht mehr erreicht wird.