Zuhause dicke Luft: Fühlen Sie sich im Freien besser?
Welche Schadstoffe kommen in der Atemluft des Innenraums vor, wie sind sie zu vermeiden bzw. wie kann man sich dagegen schützen?
#Übersicht

- Luftschadstoffe sind gasförmige Stoffe oder Partikel in der Atemluft. Sie können die Gesundheit belasten und sind teilweise vermeidbar.
- Besonders problematisch sind Feinstaub, Kohlenmonoxid, Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und flüchtige organische Verbindungen (VOC).
- VOC entstehen durch Schimmel, Pollen, Baumaterialien, Möbel, Farben, Reinigungsmittel, Bodenbeläge und Kleber. Kerzen und Öfen produzieren zusätzlich Feinstaub.
- Unbedenkliche Innenraumluft entspricht in der Regel der Qualität der Außenluft.
- Von außen dringen weitere Schadstoffe ein – etwa Feinstaub aus Verbrennungsprozessen und dem Verkehr.
#Raumluftqualität gestern und heute
Die Außenluft in Deutschland wird von Jahr zu Jahr besser. Aber wir verbringen den größten Teil unseres Lebens in Innenräumen. Umso merkwürdiger ist es, wenn Sie sich draußen besser fühlen als zu Hause. Was ist in der Wohnung anders?
Ich habe fast vierzig Jahre lang in hunderten Wohnungen gemessen. Zwei Parameter standen im Fokus: Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Das Ergebnis war eindeutig: Die meisten Räume wurden viel zu selten und zu wenig intensiv gelüftet. Ich gehe davon aus, dass deshalb auch die Konzentration von Luftschadstoffen in Innenräumen erheblich war und ist. Seit Einzelöfen verschwunden und dicht schließende Fenster eingebaut sind, funktioniert natürliche Selbstlüftung kaum noch.
Ausführlich in energytools.de: Früher war die Lüftung besser!
Als Luftschadstoff gilt alles, was Ihre Gesundheit beeinträchtigen kann. Selbst harmlose Stoffe werden zum Problem. Zu hohe Luftfeuchtigkeit fördert Schimmel. Zu viel Kohlendioxid verursacht Kopfschmerzen.
Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass Luftschadstoffe in Innenräumen Allergien begünstigen. Viele Forscher und Sachverständige sind überzeugt: Zahlreiche Gesundheitsstörungen und allergische Reaktionen gehen auf Inhaltsstoffe der Raumluft zurück oder werden durch sie verstärkt.
Unter dem Titel „Allergien auf dem Vormarsch" schreibt Dr. Oliver Larbolette, Freiburg, auf der Seite Spektrum.de, dass
…heute über 30 % der erwachsenen Bevölkerung in England und den USA an Heuschnupfen leiden, während diese Erkrankung dort noch vor 200 Jahren praktisch unbekannt war. Noch deutlicher ist der Trend bei Asthma. Hier hat sich die Zahl der Erkrankungen innerhalb der letzten 20 Jahre mehr als verdoppelt, so dass Asthma heute die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter ist. Interessanterweise ist der Zuwachs an Allergien jedoch nicht überall gleichmäßig, sondern steht in starker Abhängigkeit von Lebensart und Lebensraum. So sind z. B. Heuschnupfen und Asthma in ländlichen Gegenden von Afrika, Russland oder in Entwicklungsländern deutlich seltener als in entwickelten Industrieländern mit „westlichem" Lebensstil.
Fühlen Sie sich draußen wohler als zu Hause? Dann lohnt sich ein genauer Blick auf die Luft in Ihren eigenen vier Wänden. Die meisten Menschen ahnen nicht, wie viele belastende Stoffe dauerhaft in ihrer Raumluft stecken.

#Was steckt in der Atemluft?
Atemluft besteht hauptsächlich aus Stickstoff, Sauerstoff, dem Edelgas Argon und Wasserdampf. Auch Kohlenstoffdioxid ist enthalten. Es kommt zwar in geringen Mengen vor, ist für die Gesundheit aber keineswegs bedeutungslos.
Stickstoff wird beim Atmen nicht verwertet. Sauerstoff braucht der Körper für den Stoffwechsel. Dabei entsteht Kohlenstoffdioxid: In der Ausatemluft ist seine Konzentration etwa hundertmal so hoch wie in der eingeatmeten Luft. Zusätzlich bildet sich Wasser. Es wird als Wasserdampf über die Lunge abgegeben. So reguliert der Körper seine Temperatur und gibt Wärme ab.

Die Konzentration der meisten Luftgase ist weltweit ähnlich. Wasserdampf verhält sich anders. In der Arktis ist kaum Wasserdampf in der Luft. In subtropischen Regionen ist die Luft warm und gesättigt – fast wie in einem Dampfbad. Die Temperatur beeinflusst den Wasserdampfgehalt der Luft also deutlich.
#Welche Schadstoffe finden wir in Wohnräumen?
Viele Stoffe in der Raumluft werden erst ab einer bestimmten Konzentration zum Problem:
- Biozide gegen Algen, Pilze, Bakterien und Insekten – etwa in Mücken- oder Ameisensprays (z. B. Permethrin)
- Holzschutzmittel in Dach- und Deckenbalken sowie Dachlatten – ältere Mittel wie PCP, DDT oder Lindan sowie Geruchsstoffe wie Hexanal und Terpene aus OSB-Platten
- Lösungsmittel in Farben, Lacken, Klebstoffen und Reinigungsmitteln
- Geruchsstoffe aus Seifen, Kosmetika, Waschmitteln, Weichspülern und Reinigungsmitteln
- Feinstaub, Kohlenmonoxid, Stickoxide, Formaldehyd, Benzol, Blausäure und viele weitere Stoffe aus Tabakrauch
- Geruchsstoffe, Formaldehyd, Acetaldehyd, Acrolein und problematische Metalle aus E-Zigaretten
- Konservierungsstoffe wie Formaldehyd – etwa in Möbeln und Kosmetika
- Weichmacher wie Phthalate aus PVC-Böden, Kinderspielzeug, Kunststoffmöbeln und Vinyl-Tapeten
- Bromierte Flammschutzmittel in Kunststoffen für Computer und Fernseher – z. B. HBCD oder TCEP
- Stabilisatoren wie Organozinnverbindungen in Fenster- und Türrahmen aus Kunststoff
- PFAS aus Textilien, Teppichen, Antihaftpfannen, Kaffeebechern und Outdoorjacken
- Verbrennungsabgase – z. B. Stickoxide und Kohlenmonoxid aus Gasherden, Kerzen, Kaminöfen und offenen Kaminen
- Gasförmige Stoffe aus Staubverschwelung auf heißen Oberflächen wie Kaminöfen oder elektrischen Heizkörpern
- Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen in Verbindung mit Bakterien – z. B. Aflatoxine
- Tonerpartikel und Ozon aus Laserdruckern
- Duftstoffe zur Geruchsüberdeckung – z. B. Lufterfrischer, Duftlampen, Räucherstäbchen und Aromaprodukte
- Bakterien aus Aufwischlappen
- Keime, Pestizide und Schimmelpilzgifte in Gewürzen aus Nicht-EU-Ländern
- Radon aus dem Erdreich in bestimmten Regionen
- Gerüche aus Restmüll- und Komposteimern
- Schimmel in Kaffeemaschinen
- Behältnisse für Wertstoffe („Grüner Punkt")
- Menschliche Ausdünstungen
- und vieles mehr
Hinzu kommen Schadstoffe, die beim Lüften von außen hereinkommen:
- Stickoxide und Ruß aus Verkehr und Heizungen
- Feinstaub aus Reifenabrieb und Holzheizungen
- Ozon bei starker Sonneneinstrahlung
- Schwefeldioxid aus der Verbrennung von Heizöl
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#Wie vermeiden Sie Luftschadstoffe?
- Viele Belastungen lassen sich durch konsequenten Verzicht vermeiden. Setzen Sie bei Bauprodukten ausschließlich auf Produkte mit dem Blauen Engel. Lassen Sie sich die vollständige Inhaltsstoffdeklaration aller Baumaterialien zeigen.
- Geruchs- und Duftstoffe lassen sich durch Verbrauchsvermeidung weitgehend eliminieren.
- Auf lösungsmittelhaltige Farben und Reinigungsmittel können Sie vollständig verzichten.
- Überdecken Sie schlechte Raumluft nicht mit Duftstoffen. Beseitigen Sie die Ursachen, lüften Sie regelmäßig und reinigen Sie die Wohnung gründlich.
- Erkrankungen, die mit Luftschadstoffen zusammenhängen, gehören in die Hände der Umweltmedizin. Niedergelassene Ärzte mit dieser Zusatzqualifikation nennen Ihnen die Landesärztekammern. Auch die umweltmedizinischen Beratungsstellen der Gesundheitsämter helfen weiter.
- Auf viele Materialien, die Schadstoffe abgeben, können Sie ganz verzichten.
- Bestehen Sie für alle Stoffe, die ins Haus kommen, auf einer vollständigen Inhaltsstoffdeklaration – ähnlich wie bei Lebensmitteln. Im Zweifel: nicht kaufen, nicht verwenden. Alternativen gibt es fast immer.
- Regelmäßiges und ausreichendes Lüften ist die wichtigste Maßnahme gegen Luftschadstoffe in Innenräumen.
Umweltmedizinische Beratungsstellen
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