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Zuhause dicke Luft: Fühlen Sie sich im Freien besser?

Welche Schadstoffe kommen in der Atemluft des Innenraums vor, wie sind sie zu vermeiden bzw. wie kann man sich dagegen schützen?

#Übersicht

Luftverwirbelung sichtbar im Rauch; Abb. Rauch von Pixabay.com
Luftverwirbelung sichtbar im Rauch; Abb. Rauch von Pixabay.com
  • Luftschadstoffe sind in der Atemluft enthaltene gasförmige Stoffe oder Partikel, die gesundheitliche Auswirkungen haben können und teilweise vermeidbar sind.
  • Zu den Luftschadstoffen, die ein erhebliches Problem für die Gesundheit darstellen, gehören Feinstäube, Kohlenmonoxid, Ozon, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid sowie verschiedene flüchtige organische Ver- bindungen (VOC).
  • Luftschadstoffe wie VOC werden auch durch Emissionen bei biologischem Wachstum (Schimmel, Pollen) und durch Ausgasungen von Baumaterialien, Möbeln, Farben, Reinigungsmitteln, Bodenbelägen, Klebern u. a. m. sowie durch eigene Feinstaubproduktion (Kerzen, Öfen) freigesetzt.
  • Eine in Aufenthaltsräumen gesundheitlich unbedenkliche Innenraumluftqualität entspricht in der Regel der Außenluftqualität.
  • Darüber hinaus verursachen von außen zuströmende Feinstäube, z. B. aus Verbrennungsprozessen und dem Verkehr, eine Belastung der Atemluft.

Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens in Innenräumen, zumindest in der westlichen Kultur im Norden. Ist es da nicht höchst merkwürdig, wenn man sich im Freien besser fühlt? Worin besteht der Unterschied, was ist anders zu Hause? Und warum lassen viele Menschen überhaupt zu, sich, umgeben von Raumluft, unwohl zu fühlen?

Anhand von 10-tägigen Messungen der Luftfeuchtigkeit und Temperatur in hunderten Wohnungen (mit und ohne Feuchteschäden oder Schimmel) beobachtete ich über fast vierzig Jahre, dass Wohnräume viel zu selten und zu wenig intensiv gelüftet wurden. Daraus schlussfolgere ich, dass auch die Menge und Konzentration von Luftschadstoffen in Innenräumen wahrscheinlich erheblich war und ist. Eine natürliche Lüftung bzw. eine Selbstentlüftung ist nach dem Wegfall von Einzelöfen (Kaminzug) und dem Einbau dicht schließender Fenster nicht mehr möglich.

Ausführlich in energytools.de: Früher war die Lüftung besser!

Ich zähle zu den Luftschadstoffen alle Inhaltsstoffe der Atemluft, die das Potenzial haben, unsere Gesundheit zu beeinträchtigen. Daher werden auch an sich unverdächtige Stoffe zu Schadstoffen, wenn infolge einer hohen Raumluftfeuchte Schimmelbildung einsetzt oder die Kohlendioxid-Konzentration Kopfschmerzen verursacht.

Man darf aus dieser Entwicklung wohl ableiten, dass die in der Innenraumluft ggf. enthaltenen Luftschadstoffe auch einen Einfluss auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen haben können. Viele Forscher und Sachverständige sind davon überzeugt, dass eine Reihe von Gesundheitsstörungen und allergischen Reaktionen auf Inhaltsstoffe der Raumluft zurückzuführen sind bzw. diese verstärken.

Unter dem Titel „Allergien auf dem Vormarsch" schreibt Dr. Oliver Larbolette, Freiburg, auf der Seite Spektrum.de, dass

…heute über 30 % der erwachsenen Bevölkerung in England und den USA an Heuschnupfen leiden, während diese Erkrankung dort noch vor 200 Jahren praktisch unbekannt war. Noch deutlicher ist der Trend bei Asthma. Hier hat sich die Zahl der Erkrankungen innerhalb der letzten 20 Jahre mehr als verdoppelt, so dass Asthma heute die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter ist. Interessanterweise ist der Zuwachs an Allergien jedoch nicht überall gleichmäßig, sondern steht in starker Abhängigkeit von Lebensart und Lebensraum. So sind z. B. Heuschnupfen und Asthma in ländlichen Gegenden von Afrika, Russland oder in Entwicklungsländern deutlich seltener als in entwickelten Industrieländern mit „westlichem" Lebensstil.

Fühlen Sie sich im Freien also besser als zu Hause? Dann sollten Sie sich mit den möglichen Schadstoffen in der Wohnraumluft beschäftigen! Die meisten werden nicht wissen, wie viele und oftmals problematische Stoffe sich in der Raumluft der eigenen vier Wände aufhalten – und zwar gleichzeitig und über lange Zeit.

Luftvolumenstrom bei verschiedenen Stellungen eines Fensters
Luftvolumenstrom bei verschiedenen Stellungen eines Fensters

#Was ist in der Atemluft drin?

Unsere Umgebungs- bzw. Atemluft hat zahlreiche Bestandteile. Im Wesentlichen besteht sie aber aus den chemischen Elementen Stickstoff und Sauerstoff, dem Edelgas Argon sowie Wasserdampf. Das arg in Verruf gekommene Kohlenstoffdioxid ist ebenfalls enthalten, nimmt aber nur einen sehr kleinen Anteil in der Umgebungsluft ein. Es ist für die Gesundheit allerdings nicht minder bedeutsam.

Der Stickstoff der Atemluft bleibt „unbenutzt", aber ein Teil des eingeatmeten Sauerstoffs wird in unserem Körper für den Stoffwechsel benötigt. Als Stoffwechselendprodukt dieses Vorgangs entsteht Kohlenstoffdioxid, dessen Anteil in der Ausatemluft etwa 100-mal so hoch ist wie in der Einatemluft. Außerdem bildet sich beim Stoffwechsel Wasser, das in der Lunge als Wasserdampf der Ausatemluft beigemengt wird. Dieser Vorgang dient vor allem der Temperaturregulierung des Körpers, denn mit der feuchtwarmen Ausatemluft verliert der Körper auch Energie (Wärme).

Anatomie des Atmungssystems, Quelle pixabay.com
Anatomie des Atmungssystems, Quelle pixabay.com

Während die Konzentration der in der Luft enthaltenen Gase an verschiedenen Orten der Erde und bei unterschiedlichen Temperaturen etwa gleich ist, zeigt der Wasserdampf ein ganz anderes Verhalten. So befindet sich in der arktischen Luft meist nur sehr wenig Wasserdampf, während es z. B. in subtropischen Regionen unserer Erde richtig nass zugehen kann. Hier ist die Luft warm und wie in einem Dampfbad vollgepackt mit Wasserdampfmolekülen. Es liegt also nahe, einen Einfluss der Lufttemperatur auf das Verhalten von Wasserdampf zu vermuten.

#Welche Luftschadstoffe finden wir in Wohnräumen?

Wir finden in der Atemluft zahlreiche Bestandteile, die ab einer bestimmten Konzentration zu Luftschadstoffen werden:

  • Biozide, das sind Mittel gegen Algen, Pilze, Bakterien, Insekten u. a., z. B. auch im Mücken- oder Ameisenspray (Permethrin);
  • Holzschutzmittel in Holzkonstruktionen, z. B. Dachbalken, Deckenbalken, Dachlatten (ältere Biozide wie PCP, DDT, Lindan) und Geruchsstoffe (z. B. Hexanal, Terpene bei OSB-Platten);
  • Lösungsmittel in Farben, Lacken, Klebstoffen, Reinigungsmitteln;
  • Geruchsstoffe aus Seifen, Körperpflegemitteln, Kosmetika, Waschmitteln, Weichspülern, Reinigungsmitteln u. a.;
  • Feinstaub, Kohlenmonoxid, Stickoxide, Formaldehyd, Benzol, Blausäure und sehr viele weitere Stoffe beim Rauchen;
  • Geruchsstoffe, Formaldehyd, Acetaldehyd, Acrolein sowie verschiedene problematische Metalle beim Vapen;
  • Konservierungsstoffe (Formaldehyd, z. B. aus Mobiliar, Kosmetik);
  • Weichmacher wie Phthalate, z. B. aus PVC-Fußbodenbelägen, Kinderspielzeug (China), Kunststoffmöbeln und Beschichtungen (Vinyl-Tapeten);
  • bromierte Flammschutzmittel in Kunststoffen (für Computer und Fernsehgeräte), z. B. Verbindungen wie HBCD oder Phosphorsäureester TCEP;
  • Stabilisatoren in Kunststoffen (wie Organozinnverbindungen, DBT), z. B. in Kunststoffrahmen von Fenstern und Türen;
  • Ewigkeitschemikalien PFAS aus Ausdünstungen von Gegenständen und Materialien in Innenräumen (z. B. Textilien, Teppiche, Antihaftbeschichtung von Pfannen, Beschichtung von Kaffeebechern, Outdoorjacken);
  • Bestandteile der Abgase aus Verbrennungsprozessen (z. B. Stickstoffoxide, Kohlenmonoxid aus Gasherden, atmosphärischer Verbrennung, Kerzen, Kaminöfen, offenen Kaminen mit Gasverbrennung);
  • gasförmige Stoffe aus der Staubverschwelung auf heißen Oberflächen (wie z. B. Kaminöfen, elektrische Heizkörper);
  • Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen in Symbiose mit verschiedenen Bakterien, z. B. Aflatoxine;
  • Tonerpartikel und Ausgasungen wie Ozon beim Drucken und Fixieren bei Laserdruckern;
  • Geruchsstoffe zur Maskierung anderer Gerüche (Wunderbaum, Raumspray, Duftlampen, Räucherstäbchen, „Aromatherapie"-Produkte);
  • Ausdünstungen aus Aufwischlappen (Bakterien);
  • Gewürze aus Ländern außerhalb der EU enthalten oft Keime, Pestizide und Schimmelpilzgifte;
  • Radon-Quellen (aus dem Erdreich in bestimmten Regionen);
  • Geruchsbelastungen aus Restmüll- und Komposteimern;
  • schimmelnder Kaffeesatz in Kaffeeautomaten;
  • Behältnisse für „Grüner Punkt";
  • menschliche Ausdünstungen, Pupse;
  • u. v. a. m.

Dazu kommen Luftschadstoffe, die von außen „hereingelüftet" werden, wie:

  • Stickoxide und Ruß aus dem Straßenverkehr und Heizungen;
  • Feinstaub aus Reifenabrieb und Holzheizungen;
  • Ozon bei starker Sonneinstrahlung;
  • Schwefeldioxid aus der Verbrennung von Heizöl.

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#Mein Fazit

  • Zahlreiche Belastungen können durch konsequente Nichtanwendung vermieden werden. Für die vier Wände empfiehlt es sich, ausschließlich auf Bauprodukte zu setzen, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind. Lassen Sie sich auch die Volldeklaration der Inhaltsstoffe von Baumaterialien zeigen.
  • Belastungen aus Geruchs- und Duftstoffen lassen sich weitgehend durch Verbrauchsvermeidung beseitigen.
  • Auf lösungsmittelhaltige Farben und Reinigungsmittel kann ganz verzichtet werden.
  • Schlechte Innenraumluft sollte nicht mit Duftstoffen überdeckt werden. Besser ist es, die Quellen unangenehmer Gerüche zu beseitigen, die Wohnung regelmäßig zu lüften und zu reinigen.
  • Erkrankungen zu erkennen, die mit Luftschadstoffen im Zusammenhang stehen, ist eine Sache der Umweltmedizin. Auskunft über niedergelassene Ärzte mit dieser Zusatzqualifikation geben die Landesärztekammern. Hinweise geben auch die umweltmedizinischen Beratungsstellen der Gesundheitsämter.
  • Auf eine sehr große Zahl von Materialien, die Luftschadstoffe absondern, kann ganz verzichtet werden.
  • Für alle Stoffe, die ins Haus kommen, sollte eine Volldeklaration aller Inhaltsstoffe eingesehen werden (wie bei Lebensmitteln). Bei geringstem Verdacht sollte auf Kauf und Anwendung verzichtet werden. Alternativen gibt es meistens.
  • Eine ausreichende Lüftung der Räume steht bei der Reduzierung von Luftschadstoffen im Vordergrund.

Umweltmedizinische Beratungsstellen

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| Autor: now

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