Was hilft im Winter bei zu trockener Raumluft?
Was hilft im Winter bei zu trockener Raumluft?
Die vermutete Höhe der Luftfeuchte ist meist unzutreffend; Messwerte eines Hygrometers sind wichtig; Möglichkeiten zur Erhöhung der Luftfeuchte

Nach meiner Erfahrung, die ich durch viele Messreihen in privaten Haushalten gesammelt habe, liegt die subjektive Einschätzung über die tatsächliche Höhe der Raum-Luftfeuchtigkeit sehr oft weit daneben. Tendenziell wird eher eine zu trockene Luft angenommen, was aber durch Messwerte innerhalb eines 10-Tages-Intervalls häufig nicht bestätigt wird. Sehr oft liegt die gemessene Luftfeuchtigkeit in Wohnungen mit Zentralheizungen und dicht schließenden Fenstern eher im feuchten oder zu feuchten Bereich. Die Aufzeichnungen zeigen, dass in diesen Fällen zu selten oder falsch gelüftet wird.
Natürlich gibt es auch Wohnungen, in denen die Luftfeuchtigkeit unter 35 % liegt. Im normalen häuslichen Umfeld gibt es jedoch nur sehr selten eine Situation, in der eine zusätzliche Befeuchtung der Luft wirklich notwendig wäre. Nur wenn ein gut funktionierendes Hygrometer über mehrere Tage hinweg Werte unter 35 % anzeigt, kann eine Befeuchtung in Betracht gezogen werden.
- Um die Atemluft im Notfall zu befeuchten, reicht es, in dem betreffenden Raum Wäsche zu trocknen.
- Im Bad sollten die nach dem Duschen aufgehängten Handtücher in den meisten Fällen reichen, da die Befeuchtungsintensität wegen der großen Oberfläche der Wäschestücke recht hoch ist.

Die Feuchtigkeit kommt in beiden Fällen durch Verdunstung von Wasser aus frisch gewaschener Wäsche bzw. Handtüchern in die Raumluft, sodass kaum Keime mit übertragen werden. Das ist – wie wir später sehen werden – von großer Bedeutung. Außerdem brauchen Sie dafür kein neues technisches Gerät, das Anschaffungs-, Wartungs- und Stromkosten verursacht und so auch wieder Zeit stehlen könnte. Beobachten Sie dabei aber immer das Hygrometer im Raum, damit Sie im Winter nicht für längere Zeit über das Ziel von 35 bis 55 % Raumluftfeuchte hinausschießen.
Anhaltspunkte für trockene Luft, falls kein Hygrometer zur Verfügung steht, sind
- elektrische Entladungen, wie sie z. B. beim Aufstehen aus der Sitzgruppe oder beim Kleidungswechsel bei Vorhandensein von Kunstfasern auftreten können
- schwebender Staub, der im Sonnenstrahl sichtbar wird
- Die aus dem Kühlschrank genommene Getränkeflasche beschlägt nicht.
- Fensterscheiben beschlagen von außen nicht, wenn das Fenster weit geöffnet wird.
Ob die zugrunde liegende Raumluftfeuchte dabei unter 35 % liegt, lässt sich nur durch ein Hygrometer präzise ermitteln.
Bitte beachten Sie auch: Trockene Luft vom Staubgehalt abhängig?
#Die negative Rolle der Wasserverdunster

Viele im Handel angebotene Wasserverdunster zur Erhöhung der Raum-Luftfeuchtigkeit funktionieren, indem Wasser über eine größere Fläche geleitet wird und dort, unterstützt durch ein Gebläse, verdunstet. Fatal ist, dass die Belastung der verdunsteten Luft durch Keime aller Art erheblich sein kann, insbesondere wenn die Hygienehinweise zur Wartung der Geräte nicht beachtet werden. Vor allem der rechtzeitige regelmäßige Wasserwechsel ist einzuhalten. Solche Wasserverdunster werden übrigens auch als „Klimaanlagen" verkauft, um im Sommer die Raumtemperatur abzusenken. Man nutzt hier die Erkenntnis, dass verdunstendes Wasser der Umgebung Wärme entzieht. Abgesehen von einer zweifelhaften Funktion dürfte hierbei die Keimbelastung noch höher ausfallen.
Ein anderes Verfahren zur Luftbefeuchtung, welches auf Wasserverdampfung beruht (Kochen!), zeigt eine vergleichsweise geringe Belastung. Hier sorgt die hohe Verdampfertemperatur für eine Abtötung der allermeisten Keime. Jedoch erhöht sich die Stromrechnung.
Auch von Zimmerspringbrunnen ist abzuraten:
„Denn sie produzieren sogenannte Aerosole. Das sind flüssige Schwebeteilchen, die mit dem Atem bis zu den Lungenbläschen gelangen können. Auf diese Weise transportieren sie unter Umständen Allergene oder Keime tief in die Lunge, falls sich im Brunnen entsprechende Erreger gebildet haben. „Zimmerspringbrunnenalveolitis" nennen Fachleute die möglicherweise resultierende Krankheit, bei der sich die Lungenbläschen entzünden. Sie geht mit Atemnot, Husten, Fieber und Schüttelfrost einher." [Dr. med. Roland Mühlbauer, Apothekenrundschau, 2016]
Eine ebensolche Wirkung rufen auch Luftbefeuchter hervor, die eine Wasserzerstäubung mittels Ultraschall vornehmen. Hierbei ist eine Infektion, z. B. mit Legionellen, möglich, da noch feinere lungengängige Aerosole in die Luft abgegeben werden.
„Gefahr droht vor allem dann, wenn sie nicht ausreichend gereinigt werden, sodass sich Pilze und Bakterien ansiedeln können." [Dr. med. Roland Mühlbauer, Apothekenrundschau, 2016]
Und auf der Webseite der „Lungenärzte im Netz" heißt es:
„Luftbefeuchter und Zimmerbrunnen können zu Lungenerkrankungen führen: Verschiedenste Keime können sich in stehendem Wasser ansiedeln und die sogenannte Befeuchterlunge hervorrufen, bei der es zu einer allergisch bedingten Entzündung der Lungenbläschen kommt (exogen allergische Alveolitis)." Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) … hin [https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/luftbefeuchter-und-zimmerbrunnen-koennen-zu-lungenerkrankungen-fuehren/]
Bei Geräten zur sogenannten Luftwäsche mit Befeuchtungsfunktion wird die Atemluft über große Flächen geleitet, sodass ein Wasserfilm entsteht. Staub, Pollen, Rauchpartikel und andere Luftbestandteile sollen durch das Wasser gebunden und in einen Wassertank geleitet werden. Aber das in den Geräten befindliche Wasser wird durch die „Waschfunktion" verunreinigt, weshalb Hersteller zu einem speziellen Hygienemittel raten. Eine „Luftwäsche mit Luftbefeuchtung" für die Atemluft ist meiner Meinung nach für den häuslichen Gebrauch nicht erforderlich. Sie macht die Luft nicht wirklich gesünder. Bei Missachtung der Hygienevorschriften kann der gewünschte positive Beitrag sogar ins Gegenteil umschlagen. Außerdem sind die Kosten, sowohl für die Anschaffung als auch für den Betrieb, recht hoch. Zwar geht von den Geräten keine Aerosolgefahr aus, aber wenn man in seiner Wohnung auf möglichst wenig Staub achtet und Schadstoffemissionen (Rauch, Lösungsmittel usw.) weitgehend vermeidet, ist unsere Atemluft eigentlich o. k.

Auch die mit Wasser gefüllten Gefäße an Heizkörpern oder Schälchen mit Wasser auf dem Heizkörper stellen ein Risiko dar, denn hiermit schafft man sich in guter Absicht in kürzester Zeit eine warme Zuchtstation für allerlei Keime. Allerdings verdunstet das Wasser nur, es bilden sich keine lungengängigen Aerosole. Bei Heizungsanlagen mit Heizkostenabrechnung führt die Abdeckung der Oberfläche zu höheren Oberflächentemperaturen, was die Heizkostenerfassung verfälscht (vergrößert).
#Weitere Maßnahmen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen
- Pflanzen können durch Wasserabgabe der Blätter und Wasserverdunstung des Gießwassers ein feuchteres Klima erzeugen, jedoch ist Pflanzenerde häufig mit Schimmelpilzen belastet.
- Die Badezimmertür nach dem Duschen offen zu lassen, führt zur Verschleppung von feuchter Luft in andere Räume, was für kühlere Räume (z. B. das Schlafzimmer) nicht erwünscht ist, da Bauschäden und Schimmelbefall möglich sind.
- Das Öffnen der Fenster zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit ist im Winter dann nicht sinnvoll, wenn draußen strenger Frost herrscht. In der Regel wird die Luft im gelüfteten Raum noch trockener.
- Aquarien leisten einen Beitrag, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Da Aquarien dauerhaft aufgestellt werden, ist deren Feuchtigkeitsabgabe aber als kontinuierlich anzusehen. Es ergibt sich daher eher ein Beitrag zu überhöhter Luftfeuchtigkeit, wie ich bei Hausbesuchen und durch Messungen feststellen konnte.
Die zusätzliche Luftbefeuchtung mit verschiedenen Methoden ist riskant, da oftmals lungengängige Aerosole mit teils erheblicher Keimbelastung entstehen.
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