Fenster-Lüftung: Wann sollten Fenster geöffnet werden?
Über den richtigen Zeitpunkt der Lüftung, Faktoren wie Luftfeuchte, CO₂-Konzentration, Staub, VOC, Automatisierung des Lüftungsvorganges
#Übersicht

- Für eine Fenster-Lüftung ist der richtige Lüftungszeitpunkt erreicht, wenn eine unhygienische Luftqualität droht.
- Das ist dann der Fall, wenn
- die relative Luftfeuchte im Winter auf über 55 % steigt und/oder
- der CO₂-Anteil 1000 ppm und mehr erreicht und/oder
- die Feinstaubwerte die Tageshöchstwerte nach WHO überschreiten: für PM10 mehr als 20 µg/m³ (Mikrogramm pro m³), für PM2.5 mehr als 5 µg/m³.
- Für die Belastung durch Luftschadstoffe, wie die große Gruppe der flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) gibt es keine allgemeinen Grenzwerte. Verschiedene VOC haben jedoch eigene Grenzwerte.
#Lüften bei "verbrauchter" Luft
Bei der „verbrauchten" Luft handelt es sich um Raumluft, die gegenüber Frischluft einen erhöhten Anteil an Wasserdampf und Kohlendioxid besitzt. Ebenso erhöht sein kann die Menge der Feinstäube und der VOC, einen kritischen Mangel an Sauerstoff gibt es hingegen nicht. Neben Kohlendioxid und Wasserdampf kann die „verbrauchte" Luft auch weitere problematische Luftschadstoffe, wie bspw. Weichmacher aus Kunststoffen oder PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) aus Textilien enthalten, die besser nicht in der Atemluft anzutreffen wären. Anzustreben ist daher ein Luftwechsel, der situationsabhängig immer genügend Kohlendioxid, Wasserdampf, Feinstaub, Luftschadstoffe und VOC abführt und durch frische Außenluft ersetzt.
#Lüften, wenn es mit über 55 % zu feucht wird

Der Wasserdampfanteil der Raumluft (relative Luftfeuchte) ist eine wichtige Größe bei der Betrachtung der hygienischen Qualität. Die relative Luftfeuchte ist abhängig von der Nutzung (Wasserdampf durch Duschen, Waschen, Kochen, Atmung, Trocknung, Pflanzen, Aquarien usw.). Sie ist einfach zu messen. Optimal lässt sich dafür ein digitales Hygrometer mit Alarmfunktion nutzen. Richtig eingestellt, sollte es sich optisch oder akustisch melden, wenn 55 % überschritten werden. Dann heißt es: Fenster weit auf und wenn möglich Durchzug machen. Digitale Hygrometer sind preiswert für unter 20 € zu bekommen; mit Alarmfunktion sind sie etwas teurer. Sie dürfen in keiner Wohnung, in keinem kritischen Raum fehlen.
Ausführlich in energytools.de:
Die Höhe der relativen Luftfeuchte ist die einzige Eigenschaft der Atemluft, die eine Bewertung des Bauschadenspotenzials (feuchte Wände, Schimmelbildung) zulässt:
Ausführlich in energytools.de: Bauschäden und Schimmelpilz
Eine direkte gesundheitliche Bewertung lässt die Höhe der relativen Luftfeuchte nur bedingt zu.
Ausführlich in energytools.de: Gestörte Behaglichkeit
#Lüften in Abhängigkeit vom Kohlendioxidgehalt der Atemluft

Die Konzentration von Kohlenstoffdioxid (CO₂) im Raum ist ebenfalls überwiegend abhängig vom Aufenthalt und der Aktivität der Menschen. Der CO₂-Wert lässt sich auch recht einfach messen, die Messgeräte sind dafür aber teurer. Je nach Ausführung kosten sie zwischen 100 und 400 €. Beim Überschreiten der Marke von 1000 ppm (Parts per Million) muss gelüftet werden, denn dann beginnt der Bereich, der zu Konzentrationsmängeln und Kopfschmerzen führen kann.
Zur gesundheitlichen Bewertung von Kohlendioxid in der Innenraumluft verweist das Umweltbundesamt u. a. darauf, dass
„... Absenkungen der mittleren CO₂-Konzentration von 1300 ppm auf 900 ppm bzw. der mittleren CO₂-Spitzenkonzentration von 1700 auf 1100 ppm zu einer signifikanten Leistungssteigerung bei Schulkindern führen."
Um diese Zahlen richtig einzuordnen, muss man die normale Konzentration von CO₂ im Freien kennen. Sie beträgt etwa 400 ppm mit leicht steigender Tendenz. Ein ppm entspricht einem Molekül Kohlendioxid pro einer Million Luftmoleküle.
Die CO₂-Konzentration allein ist aber leider nicht aussagekräftig bezüglich des Bauschadenspotenzials. Eine Gesundheitsgefährdung ist mit zunehmender CO₂-Konzentration möglich und wahrscheinlich.
#Lüften, wenn zu viele Feinstäube in der Atemluft sind

Da wir die Feinstaubbelastung mit einfachen Mitteln nicht messen können, müssen wir uns danach richten, was wir gerade machen oder gemacht haben. Zu sehr hohen Feinstaubemissionen kommt es beim Braten, bei Kerzenlicht, durch Rauchen oder Dampfen, bei Kaminfeuer, beim Saugen sowie durch verbrennenden Staub in offenen elektrischen Heizstrahlern. Nach oder bei jedem dieser Vorgänge sollte mit weit geöffneten Fenstern gelüftet werden.
Ausführlich in energytools.de: Staubgehalt
#Lüften bei Belastung mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC)
Eine präzise Bestimmung vorhandener VOC ist nur durch sehr teure elektronische Luftgüte-Messgeräte im Labor möglich. Im normalen Haushalt wird man daher von einigen typischen chemischen Gerüchen und Symptomen wie Kopfschmerzen, Reizungen der Nase, des Rachens bzw. des Halses sowie Augenreizungen ausgehen müssen:
- Schimmelwachstum → erdig, modrig, keimende Kartoffel, muffig, abgestanden, pilzig, süßlich-faulig; eine häufige Quelle ist der Kaffeesatz in Kaffeeautomaten
- neue Möbel → Formaldehyd, beim feuchten Auswischen; Quellen: verarbeitetes Holz, Lacke, mitteldichte Faserplatten, Kunststoffe oder Schaumstoffe, häufig Klebstoffe
- Bodenbeläge → Klebstoffe
- Farben → Lösungsmittel, Aceton
- Aromalämpchen mit Duftölen → Terpene, Aldehyde
Häufigeres Lüften wird manchmal unter dem Gesichtspunkt der intensiven Abfuhr von Luftschadstoffen wie VOC empfohlen. Der wirksamste Schutz ist primär jedoch nicht ein verstärkter Luftaustausch, sondern die Vermeidung und Beseitigung solcher Freisetzungsquellen.
Ausführlich in energytools.de: Fühlen Sie sich im Freien besser?
#Lüften aus Gewohnheit oder wenn die Möglichkeit besteht

Das Lüften aus Gewohnheit ist nicht zu kritisieren, wenn die Häufigkeit stimmt und es zu einem intensiven Luftwechsel kommt. Auf die Prüfung der Raumluftfeuchtigkeit mittels Hygrometer sollte man jedoch nicht verzichten. Im Winter sollten maximal 55 % eingehalten werden.
Zur Erinnerung: Gelüftet wird mit weit geöffneten Flügeln im Winterhalbjahr mindestens vier- bis fünfmal am Tag. Man wird sehen, dass die relative Luftfeuchtigkeit tendenziell nach jedem Lüftungsvorgang sinkt. Bei sehr niedrigen Außenlufttemperaturen vollzieht sich der Luftaustausch rascher als bei mildem Wetter, aber 5 bis 10 Minuten sollten es schon sein. Die eingeflossene, meist trockenere Kaltluft erwärmt sich rasch durch die Heizung und an warm gebliebenen Wänden, Decken, Fußböden und dem Mobiliar.
Im Sommerhalbjahr, in dem es kaum Temperaturunterschiede zwischen innen und außen gibt, funktioniert die Fensterlüftung eigentlich nur in der Nacht und bei Durchzug, wenn Wind geht. Im Sommer wird man 55 % nicht immer einhalten können, das ist aber auch nicht problematisch. Gerade im Sommer wäre eine mechanische Lüftungsanlage sinnvoll, weil sie für den nötigen Unterdruck sorgen kann, der den Luftwechsel herbeiführt.
Ausführlich in energytools.de: Einfache feuchtegesteuerte Lüftungsanlage.
#Automatisierung des Lüftungsvorganges
Der Lüftungsvorgang kann automatisiert werden durch den Einbau:
- einer einfachen Lüftungsanlage mit zentraler Abluft ohne Wärmerückgewinnung (Dauerlüftung mit Luftwechsel um 0,3)
- raumweiser Geräte zur Einzelraumlüftung mit und ohne Wärmerückgewinnung
- automatischer Fensteröffner (für Dachflächenfenster, automatisches Kippen)
- automatischer Lüfter in speziellen Räumen (Garagen, Keller, Souterrain-Wohnungen, Gästezimmer) mit Feuchtesteuerung
Gute Ergebnisse werden bei automatisierten Systemen mit hygrischen Sensoren bzw. Schaltern erzielt, also Schaltern, die bei einer einstellbaren Luftfeuchtigkeit von etwa 55–60 % einen Abluftventilator einschalten. Auch Konzepte, die Zuluftventile besitzen, deren Luftdurchsatz bei Dauerlüftung durch feuchteabhängige Ventilstellungen geregelt wird, funktionieren gut und auch bei Abwesenheit.
Um Trocknungswünsche zu bedienen (Keller, Garage), ist der Lüftungsvorgang nur dann anzustoßen, wenn die Luftfeuchtigkeit der Außenluft eine effektive Feuchteabfuhr ermöglicht. Dazu sind sowohl die Luftfeuchtigkeit als auch die Temperatur mittels Messfühler innen und außen zu messen. Eine Elektronik entscheidet dann, ob es sinnvoll ist, den Ventilator in Betrieb zu nehmen oder nicht. Diese automatisierte Lüftung ist vor allem für Keller und Garagen sinnvoll.
Ausführlich in energytools.de: Belüftung des Kellers.
In einem ausführlichen Gedankengang beschäftige ich mich mit dem Thema Luftfeuchtigkeit in „Böse, trockene Heizungsluft".
| Seitenaufrufe: 544Nutzen Sie gern die Kommentarfunktion für Ihre Fragen, Erfahrungen und Meinungen!
Kommentare
Noch keine Kommentare.
Kommentar hinterlassen