Praxis Fenstererneuerung: Lüftungsgewohnheiten müssen sich ändern!
Die Erneuerung von Fenstern verbessert die thermische Behaglichkeit, die neue Dichtheit bremst den Luftaustausch, das Schimmelrisiko steigt.
#Übersicht

- Wenn neue Fenster nach energiesparenden Kriterien ausgewählt und richtig eingebaut sind, ist eine deutliche Verbesserung der Behaglichkeit zu spüren.
- Hauptursache ist die sich auf dem Glas einstellende höhere Oberflächentemperatur und eine Verringerung der Zug- und Fallluft.
Bei minus 10 °C Außen- und 20 °C Rauminnentemperatur stieg die mittlere Oberflächentemperatur seit Anfang der 80er-Jahre von etwa 9,9 °C auf heute etwa 17,5 °C (Dreifachverglasung). In der Nähe der Fenster fühlt es sich also nicht mehr so kühl wie früher an. Gleichzeitig ist der Luftdurchsatz durch die dichten Fensterkonstruktionen mit mehreren Dichtungen drastisch zurückgegangen. Messungen der Raumluftfeuchte zeigen eine Zunahme nach Modernisierungen.
#Sind Falzlüfter hilfreich?
Werden in Fenstern Falzlüfter für Abschnitte der Dichtung eingebaut, ist eine leichte Verbesserung des Grund-Luftwechsels beobachtbar. Bei sehr starkem Wind schließen kleine Klappen, sodass kein erhöhter Luftzug spürbar ist. Jedoch funktionieren Falzlüfter nur zufriedenstellend:
- bei Druckunterschieden (Wind) oder/und in Kombination mit einem dauerhaft laufenden Abluftventilator (Bad/Küche);
- wenn im Raum ein Kaminofen aufgestellt ist, dessen Schornstein für Unterdruck im Raum sorgt;
- wenn alle Fenster in der Wohnung in gegenüberliegenden Himmelsrichtungen damit ausgerüstet sind;
- wenn die Türen geöffnet bleiben bzw. einen Lüftungsspalt aufweisen. Dabei kann es aber zur Verschleppung von feuchtebelasteter Luft, z. B. aus Küche oder Bad, in den kühleren Schlafraum kommen, was die Schimmelbildung begünstigt;
- bei einem stabilen Luftzug, da die Anströmung von Fensterprofilen bei diskontinuierlich zufließender Kaltluft auf der Raumseite zu sehr kalten Oberflächen führen kann, auf denen sich Kondenswasser absetzen kann.
Eine nutzungsabhängige Be- und Entlüftung ist mit Falzlüftern nicht möglich. Mehrere Stoßlüftungen oder ein dauerhafter Unterdruck durch einen Abluftventilator sind für eine akzeptable Luftqualität also trotzdem erforderlich.
Bessere Lösung: Eine nutzungsabhängige Be- und Entlüftung erzielt man mit einer Abluftanlage und in den Räumen angeordneten Zuluftventilen, deren Luftdurchsatz von der Luftfeuchte im Raum abhängig ist.
Ausführlich in energytools.de: Einfache feuchtegesteuerte Lüftungsanlage
#Moderne Fenster zeigen keine erhöhte Raumluftfeuchte mehr an

Es kommt kaum noch zum Beschlagen der Scheiben auf der Innenseite, schon gar nicht sehen wir im Winter bizarre Eisblumen. Dass diese Vorgänge eine zumindest zeitweise „Herausnahme" der, sagen wir aktiven Luftfeuchtigkeit waren, zeigt der Einbau von Kondensatsammelkästen vor die inneren Fensterbretter noch vor 100 Jahren. So lesen wir im Brockhaus Konversationslexikon von 1894:
„Sind keine Doppelfenster vorhanden, so ist das durch den Unterschied der inneren und äußeren Temperatur erzeugte Schwitzwasser abzuleiten. Das kann geschehen durch eine im oder auf dem Fensterbrett angebrachte Sammelrinne, mit einem zweiseitigen Gefälle nach der Mitte, von welcher aus das Schwitzwasser durch eine kleine Zinkröhre nach einem herausziehbaren Zinkblechkasten unter dem Fensterbrett oder direkt nach der Wasserschräge gebildeten Oberfläche der Sohlbank abgeleitet wird."

Stattdessen kommt es bei hochwertigen Dreifachverglasungen zum Beschlagen der Scheiben von außen, wenn wir die Fenster weit öffnen und die warm-feuchte Wohnraumluft nach außen drängt.
Vielleicht ist die Tatsache, dass wir kondensierte Feuchtigkeit kaum noch auf Fensterscheiben zu sehen bekommen, der Grund, warum viele Menschen glauben, dass die Luft in zentral geheizten Wohnungen trockener geworden ist. Aber ist das so?
Ausführlich in energytools.de: Böse, trockene Heizungsluft?
Da im Winter aber erfahrungsgemäß eine recht hohe Luftfeuchte vorhanden ist, „sucht" sich die Raumluft sozusagen andere Oberflächen zur Kondensation. Diese Flächen sind vor allem Wärmebrücken in den Wohnräumen, also Bauteile, die eine schwächere Wärmedämmung aufweisen und daher oberflächlich kälter sind (z. B. Raumecken). Aus der oben abgebildeten Tabelle entnehmen wir, dass die Wand eines Hauses, Baujahr vor 1984, unter winterlichen Bedingungen nur eine Oberflächentemperatur von 14,5 °C aufweist, das gerade modernisierte Fenster inzwischen jedoch 17,5 °C. Fatal ist, dass wir die kondensierende Feuchtigkeit auf den nicht durchsichtigen Wänden nicht sehen und oft leider erst, wenn es zu spät ist, die Folgen in Form von Wohnraumschimmel präsentiert bekommen.
Ausführlich in energytools.de: Lüften lernen
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