Bau- und Dämmstoffe
Bau- und Dämmstoffe für energiesparendes und nachhaltiges Bauen, Qualitätssicherung, Auswahlkriterien, Einsetzbarkeit
Im Gegensatz zur Überschaubarkeit von Baustoffen auf Baustellen vergangener Zeiten haben wir es heute mit einer stetig wachsenden Zahl von unterschiedlichen Baustoffen und Technologien zu tun. Manche Handwerker kommen da ganz schön ins Schwitzen angesichts der Vielzahl detaillierter Verarbeitungsvorschriften. Die allermeisten jedoch scheinen ganz „cool“ zu bleiben – vor allem jene, die nach dem Motto arbeiten: „Das haben wir schon immer so gemacht, und da könnte ja jeder kommen“.

Wird bei dieser Herangehensweise modernes, hochspezialisiertes Material falsch verbaut, gehen mitunter Eigenschaften verloren oder versprochene Einsparungen treten nicht ein. Eine unzureichend geplante oder/und fehlerhaft angebrachte Wärmedämmung an der Außenwand führt dann eben nicht, wie gewünscht, zur Vermeidung von Schimmel, sondern kann diesen erst auslösen.
Ich glaube, dass Baudamen und -herren sich die Situation zu einem erheblichen Teil selbst zuschreiben müssen. Geiz ist auf der Baustelle eben nicht geil. Denn wer am Ende den billigsten Anbieter beauftragt, muss oftmals verdeckte Ausführungsmängel in Kauf nehmen. Aber auch der teure Anbieter ist nicht automatisch der bessere. Daher ist es für beide Seiten hilfreich, wenn Auftraggeber ihre Ansprüche an die handwerkliche Leistung genau formulieren können und sich darüber hinaus mit den verwendeten Materialien und Technologien in den Grundzügen auskennen.
Ich wurde oft belächelt, wenn ich zum Erstkontakt bei Handwerkern mit Plänen, Skizzen, Arbeitsanweisungen oder Verarbeitungsvorschriften auf der Baustelle erschienen bin. Wenn aber klar wurde, dass ich mich als Auftraggeber mit der Sache beschäftigt habe, wenn ich bereit bin, Erfahrungen der Handwerker mit einzubeziehen und dann gemeinsam festgelegt wird, wie eine Sache ausgeführt werden muss, dann klappte es auch meist.

#Nicht nur Energieeinsparung der Bau- und Dämmstoffe beachten
Um ein geeignetes Material auszuwählen bzw. für die Leistungserbringung auszuschreiben, benötigt der Auftraggeber Informationen über die wesentlichen Eigenschaften und das Verhalten unter bestimmten Bedingungen. Für einen Dämmstoff sind beispielsweise nicht nur die Wärmeleitfähigkeit von Bedeutung, sondern auch die Verarbeitung, die Voraussetzungen für das Einbringen und das Verhalten bei wechselnden Luftfeuchtigkeiten oder unterschiedlichen Temperaturen. Von Bedeutung sind weiterhin Aspekte wie die Schadstofffreiheit, sowohl beim Einbau als auch im eingebauten Zustand, die Veränderung der Eigenschaften bei Durchströmung mit Raumluft oder Außenluft, das Brandverhalten und die Recyclingfähigkeit. Und neben der realisierbaren Behaglichkeit im Sommer wie im Winter spielt auch der Schallschutz eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt ist der Systempreis ein wichtiges Entscheidungskriterium und nicht nur der Quadratmeterpreis für das Material.
Im Kapitel Bau- und Dämmstoffe beschäftige ich mich daher mit Materialien, die nach meiner Erfahrung für energiesparendes und behagliches Bauen von Bedeutung sind.
#Normen und Gesetze
- Das wichtigste Gesetz im Zusammenhang mit dem Bau und der Modernisierung von Wohn- und Nichtwohngebäuden ist das Gebäudeenergiegesetz (GEG 2024). Es regelt die Einsparung von Energie durch einzuhaltende bauliche Eckwerte und die Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden. Den Wortlaut des Gesetzes finden Sie hier (Link)
- Die methodische Planung und Bilanzierung des Energiebedarfes von Wohn- als auch Nichtwohngebäuden ist verpflichtend gemäß der DIN V 18599 vorzunehmen.
- Die Erstellung von öffentlich-rechtlichen Nachweisen und Energieausweisen nach DIN 4108-6 ist seit dem 01.01.2024 nicht mehr möglich.
#Zulassung von Bau- und Dämmstoffen, Kennzeichnung
Bau- und Dämmstoffe dürfen für Neubau und Modernisierung nur dann eingesetzt werden, wenn sie bauaufsichtlich zugelassen sind. Grundlage für die Anforderungen an die einzelnen Bau- und Dämmstoffe sind die jeweiligen Stoffnormen. Gibt es für ein Produkt keine Stoffnorm, muss die Eignung durch eine bauphysikalische Zulassung beim Deutschen Institut für Bautechnik in Berlin nachgewiesen werden.
Zur Sicherstellung der Eigenschaften der Bau- und Dämmstoffe ist eine Güteüberwachung bei der Produktion vorgeschrieben.

Hersteller von Bau- und Wärmedämmstoffen sind verpflichtet, für die Produkte bestimmte Mindestangaben auf der Verpackung anzugeben. Diese Angaben sind auch Bestandteil der Datenblätter der bauaufsichtlichen Zulassung. Folgende Angaben müssen z.B. ersichtlich sein:
- Wärmeleitfähigkeit
- Anwendungstyp
- Baustoffklasse
- Hersteller
- Güteüberwachungsstelle
- Wasserdampfdiffusionswiderstandzahl µ
#CE-Kennzeichen
Das CE-Kennzeichen ist auf der Verpackung auch zu finden, es handelt sich dabei aber nicht um ein Prüf- oder Qualitätszeichen für das Baumaterial. Es zeigt aber die Konformität des Produktes mit den geltenden EU-Richtlinien an. Damit erklärt der Hersteller des Produktes eigenverantwortlich, dass Anforderungen europäischer Richtlinien erfüllt sind. Ohne CE-Kennzeichen darf innerhalb der Europäischen Union kein Produkt in Umlauf gebracht werden.
#Schallschutz
Ziel des Schallschutzes ist der Schutz der Menschen in Aufenthaltsräumen gegen Geräusche
- aus anderen Räumen (Sprache, Musik, Trittschall durch Gehen, Stühlerücken, Haushaltgeräte, usw.),
- aus haustechnischen Anlagen (Waschmaschinen, Trockner, Heizungspumpen, Thermostatventile, Brenner, Gebläse, Ventilatoren, Fahrstühle, usw.) und
- von außen (Verkehrslärm, Gewerbe).
Im Wesentlichen geht es dabei um Maßnahmen gegen Luftschall- und Trittschallübertragung. Im Haus ist der Schallschutz in hohem Maße abhängig von der Masse des Baumaterials. Je dichter der Baustoff ist, umso höher ist der Schallschutz, der erzielt werden kann. Andererseits benötigen Maßnahmen zu Verringerung der Schallübertragung (Trittschalldämmung) Stoffe die ähnliche Eigenschaften besitzen wie Wärmedämmstoffe.