Aufsparrendämmung

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Alles zur Aufsparrendämmung, Aufbau, Materialien, Besonderheiten, Ausführung, Kosten, praktische Tipps

Wärmedämmung über den Sparren im Rahmen einer Sanierung (hier PU-Schaumplatten)
Wärmedämmung über den Sparren im Rahmen einer Sanierung (hier PU-Schaumplatten)

#Übersicht

  • Die Aufsparrendämmung ist eine Methode, die zur nachträglichen Wärmedämmung von bereits ausgebauten und beheizten Dachgeschossen angewendet wird.
  • Dabei wird oberhalb der Sparren eine geschlossene, wärmebrückenfreie Dämmschicht verlegt.
  • Sie stellt hohe Anforderungen an die Qualität der Dämmstoffe und Ausführung der Dämmschicht, insbesondere an deren Luftdichtheit.
  • Das GEG verlangt im Sanierungsbereich einen mit der Maßnahme einzuhaltenden U-Wert von 0,24 W/m²K, was einer Dämmstoffstärke von mindestens 14 bis 16 cm (gute Dämmeigenschaften des Dämmstoffes, WLG 0,035, Berücksichtigung der Sparrenanteile) entspricht. Soll eine staatliche Förderung (KfW) in Anspruch genommen werden, muss die Dämmung des Daches so ausgeführt werden, dass ein U-Wert von 0,14 W/m²K erzielt wird.
  • Die Kosten für eine Aufsparrendämmung liegen bei ca. 200 €/m². Ihre Wirtschaftlichkeit hängt daher stark davon ab, ob eine Dachneueindeckung ohnehin erforderlich ist.
  • Die Beschäftigung mit den Besonderheiten ist ratsam, da es häufig zu Ausführungsmängeln kommt.

#Prinzip der Ausführung einer Aufsparrendämmung

Prinzip der Ausführung einer Aufsparrendämmung, Variante 2, Abb.: EANRW
Montage der druckbelastbaren Aufsparrendämmung ohne Brettschalung
Montage der druckbelastbaren Aufsparrendämmung ohne Brettschalung
  1. Eine Variante besteht darin, an den Rändern speziell geformte druckbelastbare Dämmstoffe mit entsprechender Stärke und Länge direkt auf den Sparren zu montieren. Die Konterlattung zur Schaffung der Belüftungs- und Entwässerungsebene wird danach direkt auf den Dämmelementen aufgelegt und mit den darunterliegenden Sparren verschraubt. Eine Aufsparrendämmung ohne Brettschalung ist unabhängig von den Eigenschaften des Dämmstoffes nicht zu empfehlen, da die erforderliche luftdichtende feuchtevariable Dampfbremse dann nicht unter dem Dämmstoff angeordnet werden kann. Ohne diese Ebene ist aber eine hohe Luftdichtheit kaum möglich. Es entstehen keine Wärmebrücken, wenn druckbelastbare Dämmstoffe mit Nut-Feder-Profilierung, wie z. B. PU-Schaum- oder Holzfaserdämmplatten, verwendet werden. Ausnahmen bilden Schrauben und Durchdringungen, wie Schornsteine oder Dunstrohre. Wärmebilder von der Innenseite aufgenommen zeigen meist eine homogene unproblematische Temperaturverteilung.
  2. Eine zweite, besser geeignete Variante der Aufsparrendämmung nutzt eine Brettschalung, die auf den Sparren aufmontiert wird. Sie kann auch als eine hochwertige, von innen sichtbare Schalung ausgeführt werden. Die Brettschalung dient zunächst der Verlegung einer luftdichtenden Bahn, die gleichzeitig feuchteadaptive Dampfbremse ist. Sie sorgt einerseits dafür, dass warme Raumluft nicht in den Dämmstoff der Aufsparrendämmung gelangen kann. Andererseits begrenzt ihre dampfbremsende Wirkung die Diffusion von Wasserdampfmolekülen in den Dämmstoff. Die Luftdichtheits- und Dampfbremsbahn auf der Brettschalung lässt sowohl die Nutzung aller Plattendämmstoffe als auch die Nutzung von Weichfasermatten zu. OSB-Platten oder Holzmehrschichtplatten statt Brettschalung sind nicht geeignet, da sie die sommerliche Rücktrocknung aus der Dämmschicht infolge des erhöhten und nicht feuchteadaptiven Dampfdiffusionswiderstandes behindern. Geringfügige Wärmebrücken entstehen durch lastverteilende Holzbalken, wenn nicht druckbelastbare Dämmstoffe verwendet werden. Außerdem stellen Schornsteine, Dunstrohre und Schrauben Wärmebrücken dar. Wärmebilder von der Innenseite aufgenommen zeigen meist eine homogene unproblematische Temperaturverteilung.
Wärmebild eines Daches mit Aufsparrendämmung (raumseitige Sichtsparren)
Wärmebild eines Daches mit Aufsparrendämmung (raumseitige Sichtsparren)

#Luftdichte Anschlüsse bei Aufsparrendämmung mit Brettschalung

Markierung 2: Luftundichtheiten im Bereich der Kehlbalken bzw. Zangen
Markierung 2: Luftundichtheiten im Bereich der Kehlbalken bzw. Zangen

Eine hohe Luftdichtheit vermeidet feuchtebedingten Bauschäden im gedämmten Dach. Besondere Aufmerksamkeit benötigt bei einer Aufsparrendämmung daher die Erstellung einer luftdichten Ebene, die in der Regel durch eine spezielle Luftdichtheitsbahn (gleichzeitig feuchteadaptive Dampfbremse) gebildet wird. Die spätere Lage dieser Luftdichtheitsbahn muss vor Ausführung der Brettschalung festgelegt werden. Beim Verlegen der Brettschalung von der Traufkante aus muss an entsprechender Stelle die Luftdichtheitsbahn durch die Schalung nach unten hindurchgeführt werden. Hier kann z. B. die Verbindung zur Luftdichtheitsbahn der senkrechten Bauteile (Abseitenwände) luftdicht hergestellt werden.

Auch an der obersten Geschossdecke des ausgebauten Dachgeschosses muss die Bahn nach innen geführt werden, um sie mit einer horizontal angeordneten Dampfbremse verbinden zu können. Eine besondere Herausforderung stellen die Dachsparren dar, um die herum die Luftdichtheitsbahn bzw. Dampfbremse luftdicht geführt werden muss. Am Ortgang wird die Luftdichtheitsbahn am besten bis zur Unterseite der überstehenden Brettschalung herum geführt und an der Hauswand längs verklebt. Besonders zu beachten sind neben den Durchführungen zur Abseiten- und eventuell zur Giebelwand auch alle Durchdringungen wie Schornsteine, Dunstrohre, Dachflächenfenster etc.

Abklebung der Luftdichtheitsbahn unmittelbar über der Brettschalung, Abb. pro clima
Abklebung der Luftdichtheitsbahn unmittelbar über der Brettschalung, Abb. pro clima

Meiner Erfahrung nach wird bei Aufsparrendämmungen bezüglich der Luftdichtheit meist nicht sorgfältig gearbeitet. Oftmals wissen die Ausführenden nichts von dieser Problematik, geschweige denn von den Technologien zur Vermeidung von Luftundichtheiten. Selbst mit Kenntnissen zur Bedeutung luftdichter Ausführung der Aufsparrendämmung scheitern viele an dieser Stelle wegen des Zeitdrucks auf der Baustelle. Die anspruchsvolle Schaffung luftdichter Konstruktionen dauert eben etwas länger.

Lage der Luftdichtheits-/Dampfbremsbahn bei einer Aufsparrendämmung mit Drempel

Gute und hilfreiche Darstellungen der Ausführung der verschiedenen Details zur Luftdichtung finden Sie auf der Webseite https://www.flib.de/publikationen/10_ldk/FLiB-Luftdichtheitskonzept.pdf

Da die Luftdichtheitsebene nachträglich nicht repariert werden kann, sollte ein Luftdichtheitstest (Blower Door, Wincon) nach Verlegung der Dampfbremse erfolgen, da die Luftdichtheit über die Bauschadensfreiheit der Wärmedämmkonstruktion entscheidet.

#Winddichtheit der Konstruktion

Die Winddichtheit der Aufsparrendämmung von außen wird bei luftundurchlässigen Dämmstoffen (z. B. PU-Schaum, Holzfaserdämmplatte, Schaumpolystyrol) mittels Abklebungen an den Stößen gesichert. Bei einigen Produkten befinden sich Klebestreifen bereits beidseitig an den Dämmelementen. Bei luftdurchlässigen Dämmstoffen wie z. B. Mineralwolle muss eine Winddichtung über die Dämmstoffe aufgebracht werden, die gleichzeitig als regendichtes Unterdach wirksam wird. Hochverdichtete Mineralwolleplatten werden auch mit einem aufkaschiertem Gewebe angeboten, das die Funktion des regen- und winddichten Unterdaches hat. Auch bei diesen Platten sind integrierte Klebestreifen beidseitig verfügbar.

#Thermische Belastung

Bei hoher Sonneneinstrahlung ist mit sehr hohen Temperaturen unter der Dacheindeckung zu rechnen, sodass es auch zu einer hohen thermischen Belastung der Elemente der Aufsparrendämmung kommt. Infolgedessen kann es zu einer Längenausdehnung des Dämmstoffes kommen. Alle Anschlussdetails müssen die Längenausdehnung im Sommer und die Schrumpfung infolge niedriger Temperaturen aufnehmen können.

#Besonderheiten der Aufsparrendämmung

Die Dämmung und die Dachlattung über einer „Brandwand", z. B. bei Zweifamilienhäusern, müssen aus feuerfestem Material bestehen.

#Geeignete Dämmstoffe für die Aufsparrendämmung

Als Dämmstoffe können in Abhängigkeit von der Konstruktion alle zugelassenen Dämmstoffe verwendet werden. Dazu gehören:

  • Polyurethanschaumplatten (PU bzw. PIR) mit Nut und Feder oder Stufenfalz, beidseitig mit Aluminiumfolie kaschiert, teilweise mit zusätzlicher Polymerbitumenbahn als Unterdeckung und Abklebungen integriert, Wärmleitfähigkeit 0,023 bis 0,030 W/mK, brennbar
  • Polystyrolschaumplatten EPS, mit Nut und Feder oder Stufenfalz, teilweise kaschiert, geringer Schallschutz, preiswert, Wärmleitfähigkeit 0,031 bis 0,035 W/mK, brennbar, teilweise mit Recyclat
  • Mineralfaserplatten, verdichtete Fasern, mit und ohne aufgeklebter Unterspannbahn sd-Wert < 0,1 m, Schallschutz gut, Wärmleitfähigkeit 0,033 bis 0,036 W/mK, nicht brennbar
  • Holzfaserdämmplatten mit Nut und Feder, meist nachhaltig, sehr guter Schallschutz, beste Wärmespeicherkapazität, begünstigt hohe thermische Behaglichkeit im Winter wie im Sommer, Wärmleitfähigkeit um 0,038 W/mK, brennbar

Dämmstoffe mit geringerer Wärmeleitfähigkeit benötigen eine geringere Aufbauhöhe. Um die gesetzlichen Anforderungen (GEG) zu erreichen, sind je nach Dämmstoff wenigstens 12 bis 16 cm erforderlich. Um die Förder-Anforderungen der KfW (U-Wert ≤ 0,14 W/m²K) zu erfüllen, müssen bspw. PU-Schaumplatten mindestens 18 cm stark sein. In der Aufzählung nimmt die erforderliche Dämmstoffstärke von oben nach unten zu. Unterschiedliche Dämmstoffe und ihre Einbauhöhen können Sie mit dem Dämmstoffdickenrechner von energytools.de vergleichen.

Leichtere Dämmstoffe mit hoher Biegesteifigkeit, wie beidseitig kaschierte Polyurethanschaumplatten, haben bei sehr guter Dämmwirkung einen schwächeren Schallschutz. Wegen ihrer geringen Wärmespeicherkapazität heizen sich damit hergestellte Konstruktionen im Sommerhalbjahr auch rascher auf.

#Aufsparrendämmung mit Holzfaserdämmplatten

Besteht keine Einschränkung bezüglich der Höhe des gedämmten Daches, können für die Aufdachdämmung auch Holzfaserdämmplatten verwendet werden. Durch die gegenüber PU-Schaum etwas höhere Wärmeleitfähigkeit der Holzfaserdämmplatte (Lambda ca. 0,04 W/mK) muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen, mit einem etwa 40 % dickeren Aufbau gerechnet werden. Der Vorteil der Holzfaserplatten liegt aber vor allem in der höheren Dichte, was zu einem langsameren Aufheizvorgang führt – die thermische Behaglichkeit im Sommer ist also besser. Bevor man sich für Holzfaserdämmplatten entscheidet, ist wegen des hohen Gewichtes ein Statik-Ingenieur zu Rate zu ziehen. Ist die Entscheidung für Holzfaserdämmplatten gefallen, darf man sich auch über einen verbesserten Schallschutz freuen.

#Kosten der Aufsparrendämmung

  • Bei einer Aufsparrendämmung muss im Sanierungsfall die Dacheindeckung vollständig abgenommen und anschließend neu eingedeckt werden.
  • Da auch eine Schalung und die Luftdichtheitsebene auf den Sparren anzubringen ist, wird wegen der insgesamt hohen Kosten die Aufsparrendämmung vorwiegend bei neuen Dächern angewendet.
  • Es muss mit Kosten von 200 € pro m² gerechnet werden.
  • Die Aufsparrendämmung ist eine Sache für den Fachhandwerker. Weil Eigenleistungen kaum möglich sind, können auch keine Einsparungen durch den Bauherren erwirtschaftet werden.

#Vorteile der Aufsparrendämmung

Das Reetdach ist eine Art Aufsparrendämmung
  • Bei Verwendung von druckbelastbaren Dämmstoffen (PU-Schaum, Holzfaserdämmplatten) erfolgt die Wärmedämmung homogen und ohne Wärmebrücken (Sparren).
  • Das Holzständerwerk des Dachstuhles liegt unter der Dämmschicht, wodurch hohe Temperaturbelastungen davon wegfallen.
  • Während der Dämm- und Dachdeckerarbeiten kann das Dachgeschoss voll bewohnt bleiben.
  • Die Aufsparrendämmung schafft eine für den Wohnraum im Dachgeschoss günstigere Raumhöhe und ermöglicht die Sichtbarkeit der Sparren und der Brettschalung von innen.
  • Für kleinere Dächer geringer Höhe ist die Aufsparrendämmung mitunter die Voraussetzung für einen sinnvollen Dachgeschossausbau.

#Nachteile der Aufsparrendämmung

  • Hohe Kosten;
  • Nicht sinnvoll, wenn das Dachgeschoss nicht ausgebaut und beheizt wird;
  • Die Dacheindeckung muss bei Sanierungen komplett abgedeckt werden.
  • Die Arbeiten sind kompliziert und aufwendig, insbesondere die Erfüllung der Forderung nach Luftdichtheit.
  • Das Risiko von Baufehlern ist groß, eine Reparatur sehr aufwendig.
  • Eigenleistung ist nicht möglich.
  • Dachflächenfenster müssen eventuell versetzt werden.
  • Die Höhenveränderung verursacht zahlreiche Nebenarbeiten (Anschluss zum Nachbarn in Reihenhäusern, Regenrinnen und Fallrohre, Dunstrohre).
  • Eventuell Genehmigungsverfahren

Autor: now