Dachflächenfenster

Hinweise zur Auswahl, zum Einbau und zur Verschattung liegender Dachflächenfenster

Luftundichtheiten am Dachflächenfenster

Dachflächenfenster gewannen zu dem Zeitpunkt an Bedeutung, als der Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnzwecken begann. Während ein Lagerraum für kurze Zeit mit künstlichen Licht beleuchtet wurde, konnte ein für Wohnzwecke eingerichteter Raum ohne Tageslichteinfall nicht akzeptiert werden. Mit dem Ausbau von Dachgeschossen nahm aber nicht nur die Versorgung mit Tageslicht an Bedeutung zu. Einfluss auf die Konstruktion und Gestaltung von Dachflächenfenstern hatte auch ein möglichst geringer Wärmebedarf für die Beheizung und die Notwendigkeit zu lüften. Die anfangs eingebauten einfachen Holzrahmenkonstruktionen mit einer Glasscheibe wurden weiterentwickelt zu mehrscheibigen Konstruktionen mit raffinierten Wendebeschlägen. Die Entwicklung der Zweischeiben-Isolierverglasung (Thermopen) machte die Wärmeverluste kleiner, so dass sich ohne einen Anstieg des Heizenergieverbrauches die Flächen der Dachflächenfenster vergrößern konnten.

Mangelhafte Luftdichtheit (1) führt zu Energieverlusten und Kondensatschäden

Durch den höheren Lichteinfall verbesserte sich die Wohnqualität. Infolge der Weiterentwicklung der Materialien und Beschläge konnten die Fenster auch die Anforderungen an die Sicherheit erfüllen, die mit dem Ausbau von Dachgeschossen verbunden sind. Heute können liegende Dachflächenfenster übereinander und nebeneinander angeordnet und mit anderen, z.B. senkrecht stehenden Elementen kombiniert werden. Die bauphysikalischen Eigenschaften liegender Dachflächenfenster stehen den normal eingebauten Fenstern heute in nichts nach.

Liegende Dachflächenfenster können auch für schnellen Luftaustausch im Haus sorgen. Werden sie geöffnet, entweicht warme Raumluft infolge der Thermik. Frische, meist kühlere Luft, wird infolge des entstehenden Unterdrucks angesaugt. Bei diesem Vorgang wird auch gleich die Luftfeuchtigkeit reduziert. Trockene Luft erwärmt sich rascher, so dass der Heizenergiebedarf sinkt.

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass neu oder ersatzweise eingebaute Dachflächenfenster einen U-Wert von 1,4 W/m²K nicht überschreiten. Gesetzesgrundlage ist das Gebäudeenergiegesetz (GEG 2020). Je niedriger der U-Wert, desto geringer sind die Wärmeverluste.

Dachflächenfenster besitzen viele gute Eigenschaften, können aber auch Nachteile aufweisen. Mit zunehmender Fensterfläche steigt das Risiko der Überhitzung der Dachräume, wenn nicht äußere Verschattungseinrichtungen dagegenwirken. Ein weiterer Problemkreis ergibt sich aus der komplizierteren Montage. Im Mittelpunkt steht dabei der luftdichte Einbau.

Weit verbreitet: Mangelhafte Luftdichtheit

Einbaumängel (Luftleckagen) am untern und oberen Ende eines liegenden Dachflächenfensters

Verschattung von liegenden Dachflächenfenstern

Moderne, elektrisch angetriebene Außenjalousien sind erste Wahl für effektive Verschattung. Mit Hilfe von Einstrahlungssensoren und Windmessern kann eine Regelung für jede Situation die bestmögliche tageszeit-, witterungs- und einstrahlungsabhängige Entscheidung treffen. Damit kann Überhitzung auch bei längerer Abwesenheit ausgeschlossen werden.

Systeme, die im Scheibenzwischenraum integriert sind, kann ich deshalb nicht empfehlen, weil die Sonnenschutzbarriere von mindestens einer Scheibe schon mal überwunden ist. Noch weniger sinnvoll ist eine Verschattung auf der Innenseite, da es hier ein Großteil solarer Energie bis nach innen geschafft hat und nicht mehr "ausgeschaltet" werden kann. Das Fenster und die Verglasung erwärmen sich sehr stark. Damit wird viel Wärme an die Innenraumluft übergeben. Wer auch im Dachgeschoss behagliche Verhältnisse möchte, darf nur von außen verschatten.

Einbau liegender Dachflächenfenster am Beispiel

Für das Unterdach wurden 4 cm starke Holzfaserdämmplatten gewählt

Der Einbau liegender Dachflächenfenster ist durch den Laien möglich, aber wegen der Komplexität der Aufgabe und der Sicherheitsbedenken nicht zu empfehlen. Bei den folgenden Fotos handelt es sich um Arbeiten einer Zimmerei in Zusammenarbeit mit einer Dachdeckerei zur Fertigstellung eines neuen Anbaus. Vom Bauherren des Anbaus waren ein besonders niedriger Wärmebedarf (Niedrigenergiehausstandard) und gute Tageslichtverhältnisse gewünscht. Die räumlichen und baurechtlichen Verhältnisse ließen nur eine Kombination aus senkrechten Fenstern in den beiden Giebelseiten und einem Lichtband aus liegenden Dachflächenfenstern zu. Für das Unterdach wurden 4 cm starke Holzfaserdämmplatten gewählt, die eine gute Wärmedämmung über den Sparren ermöglichen. Sie vereinfachen den wärmebrückenarmen und luftdichten Einbau von liegenden Dachflächenfenstern.

Auf der Holzfaserdämmplatte werden die Dämmrahmen der liegenden Dachflächenfenster montiert und anschließend die Öffnungen herausgeschnitten. Die Dämmrahmen beseitigen den kritischen Bereich am Übergang vom Rahmen des Dachfensters zur Wärmedämmung des Daches und helfen dabei, Voraussetzungen für eine hohe Luftdichtheit zu schaffen.

Einsetzen und Befestigen der Fensterelemente vor der Verlegung der Eindeckrahmen

Herstellung eines luftdichten Einbaus

Das Luftdichtheitsband (Aufdruck Roto) muss mit der feuchtevariablen Dampfbremse verbunden werden
Die feuchtevariable Dampfbremse wird zur Herstellung der Luftdichtheit sorgfältig abgeklebt.

Und summa summarum?

  • Richten Sie liegende Dachflächenfenster wenn möglich nicht nach Süden aus.
  • Achten Sie bei der Auswahl auf möglichst niedrige Uw-Werte kleiner 1,4 W/m²K.
  • Wählen Sie eine außenliegende Verschattung, wenn möglich mit automatischer Regelung.
  • Lassen sie die Fenster von einem ausgewiesenen Spezialisten für Dachflächenfenster einbauen.
  • Lassen sie sich die luftdichte Einbauqualität bestätigen.