Was Haustüren können sollten

Aufgaben von Haustüren, notwendige thermische Eigenschaften und Konstruktionsprinzipien, die bei Kauf und Einbau zu beachten sind.

Energetisch schwache Haustür in einem recht gut gedämmten Gebäude

Haustüren und Wohnungseingangstüren stellen ein Bindeglied zwischen dem Inneren einer Wohnung und der Umgebung dar. Sie sind zugleich Zugangsöffnung und Abschluss in beide Richtungen. Haustüren müssen den Sicherheitswünschen entsprechen und den nötigen Schallschutz ermöglichen. Sie müssen der Witterung und extrem unterschiedlichen Temperaturen und Luftfeuchtigkeitswerten standhalten. Dabei müssen sie formstabil und luftdicht bleiben. Eine bestimmte Feuerbeständigkeit ist zu garantieren. Die in den Normen verlangten Eigenschaften sind bei bis zu 200.000 Zyklen (Öffnen, Schließen) zu gewährleisten.

Sehr wichtig: Gute Wärmedämmung

In der kalten Jahreszeit kommt die Aufgabe hinzu, die Ebene zwischen beheizt und unbeheizt, zwischen warm und kalt so zu trennen, dass die Behaglichkeit nicht durch übermäßigen Wärmeabfluss, z.B. durch Zug, leidet. Wenn man verlangt, dass Haustüren etwa gleiche thermische Eigenschaften wie moderne Fenster (Uw–Wert von knapp unter 1) besitzen sollen, wird bei gleichzeitiger Berücksichtigung der mechanischen Aufgabenstellung deutlich, welche hohen Anforderungen an Haustüren gestellt werden.

Thermogramm einer Haustür mit sehr schwacher Dämmwirkung des Türblattes

Dass diese Anforderungen längst nicht bei allen Haustüren, bzw. allen Türdetails in die Praxis umgesetzt werden, zeigt sich an Hand von thermografischen Aufnahmen deutlich. Gegenüber Fenstern mit Drei-Scheiben-Wärmeschutzverglasung fallen Haustüren im gleichen Haus oftmals als schwächstes Glied deutlich zurück. Neben Türfüllungen aus Sandwichplatten mit geringer Stärke, Rahmenkonstruktionen mit Stahleinlagen, thermisch unzureichender Ausbildung des Bereiches der Türschwelle, sowie Luftundichtheiten sind vor allem Glaselemente in Haustüren als Verursacher für Wärmeverluste auszumachen.

Häufiger Schwachpunkt bei Haustüren: Glaselemente
Wärmebild einer verglasten Haustür und Fenster im Korridor

Auffällig ist, dass bei vielen Haustüren integrierte oder angesetzte Glaselemente eine geringere energetische Qualität besitzen, als die Fenster im gleichen Haus. Ich habe beobachtet, dass solche Glaselemente in und neben solchen Türen oftmals nur eine weniger gute Zweischeiben-Verglasung besitzen.

Wärmebild einer Haustür mit ergänzender, energetisch schwacher Festverglasung

Glaselemente in Haustüren werden zudem oft kleinteilig bzw. mit zahlreichen glasteilenden Sprossen ausgeführt, die durch den resultierenden, relativ langen Randverbund die Gesamt-Scheibenqualität verschlechtern. Auf der warmen Seite kommen diese Elemente dann infolge geringerer Oberflächentemperatur mit kondensierendem Wasserdampf aus der Raumluft in Berührung. Kondenswasser kann sich auf den Scheiben im Bereich der Abstandshalter bilden. Bei Holztüren ist dadurch eine langsam voran schreitende Zerstörung des Holzes möglich. Für Glaselemente ist daher nur Drei-Scheiben Wärmeschutzglas mit "warmer Kante" zu verwenden. Es sollten besser wenige große als viele kleinteilige Elemente ausgewählt werden. Zu den physikalischen Eigenschaften und Auswahlkriterien von Glaselementen finden Sie ausführliche Informationen hier auf dieser Seite im Abschnitt Energiesparende Fenster und Türen auswählen.

Wärmebild einer Eingangstür mit energetisch schwachem Türblattrahmen und Glasteil

Hin und wieder finden sich auch Rahmen der Tür-Blätter, die energetisch schwächer ausgeführt sind, als das Türblatt selbst. Dies ist bei Kunststoff-Türen den mechanischen und sicherheitstechnischen Anforderungen geschuldet, da die aussteifenden Stahlprofile die Wärmedämmung verschlechtern.

Ebenfalls auffällig ist, dass viele Holz-Haustüren Dichtungsprobleme besitzen. Ich vermute, dass es sich um Verwerfungen der Türen handelt, die durch hohe Luftfeuchtigkeit, kondensierendes Wasser bzw. Wasserdampfdiffusion ausgelöst werden. Witterungseinflüsse von außen haben auch einen Einfluss. Haustüren aus Holz verlangen daher immer ein Vordach oder zumindest einen ausreichenden Dachüberstand. Einen hochwertigen Wärmeschutz kann eine einfache massive Holzhaustür nicht bieten. Dazu bedarf es ausgeklügelter Sandwichkonstruktionen (Kork, Holzfaser, PU-Schaum), wie sie in passivhaustauglichen Türkonstruktionen Verwendung finden.

Haustüren aus Kunststoff

Mit einer Haustür aus Kunststoff lassen sich Feuchtigkeits-Einflüsse aus der Witterung von außen und der Luftfeuchte von innen minimieren. Jedoch werden oft einfache, billige Haustüren mit relativ schlecht gedämmten Kunststoffprofilen und Füllungen realisiert, so dass lediglich U-Werte um 2 W/m²K erreicht werden. Ursache sind vor allem die Stahlprofile zur Stabilitätsverbesserung, Kunststoffprofile mit wenigen Kammern und zu dünne Sandwich-Einsätze. Bei solchen Türen kann es an Wärmebrücken so niedrige innere Oberflächentemperaturen geben, dass der Wasserdampf aus der Raumluft kondensiert. Zum Vergleich: Mit Dreischeiben-Verglasung erreichen bereits Standard-Fenster Uw-Werte um bzw. unter 1 W/m²K. Gut wärmegedämmte Konstruktionen haben eine Bautiefe ab 85 mm, die Profile besitzen wenigstens 6 Kammern. Verglasungen werden mindestens dreifach ausgeführt, Füllungen besitzen z.B. einen PU-Schaumkern mit einer Dicke größer 55 mm. Auf Stahlprofile wird zugunsten anderer stabilisierender Maßnahmen verzichtet. Mit solchen Eigenschaften versehene Haustüren erreichen Uw-Werte unter 0,8 W/m²K.

Briefkastenanlagen in Haustüren, Haustürschwellen

Wärmebild einer Haustür mit Luftundichtheiten an der Einwurfanlage und an der Tür oben

Durchdringungen, wie z.B. integrierte Briefkastenanlagen, bedeuten meist eine erhebliche Schwächung der wärmedämmenden Eigenschaften einer Hauseingangstür dar. Einwurfanlagen bedeuten zudem immer auch eine Schwächung des Luftdichtheitskonzeptes.

Thermisch getrennte Haustürschwellen sollten ebenfalls zur Norm werden. Wie zahlreiche Thermogramme von Haustüren zeigen, liegt hier noch vieles im argen. Aber auch dafür gibt es Lösungen. Schauen Sie sich die Zertifikatskriterien für Haustüren in Passivhäusern an, die sie hier finden.

Einbau von Haustüren

Der Einbau von Haustüren unterscheidet sich nicht wesentlich vom Einbau von Fenstern. Auch hier ist die Herstellung der Schlagregendichtheit von außen genauso wichtig, wie der luftdichte Einbau. Eine sogenannte RAL-Montage von Haustüren steht für den Einbau nach höchstem Standard. Sie steht für die Erfüllung der allgemein anerkannten Regeln und Techniken, so dass die

  • äußere Abdichtung garantiert wird. D.h., Feuchtigkeit darf von außen nicht ins Haus gelangen. Dichtbänder und der ggf. verwendete Montageschaum werden durch eine äußere wasserabweisende Abdeckung, z.B. diffusionsoffenem Gewebe, geschützt.
  • inneren Abdichtung garantiert wird. D.h., mögliche Wärmeverluste werden durch die Vermeidung von Wärmebrücken und die luftdichte Ausführung des Einbaus weitgehend reduziert

Link: Informationen zur RAL-Montage