Schimmel nachhaltig beseitigen: Praxisfälle
Fälle aus der Praxis zeigen Planungs- und Ausführungsfehler – also bauliche Mängel, die Schimmelbefall begünstigen. Die Beispiele helfen Ihnen, eigene Fälle einzuordnen.
#Fall 1: Schimmelbefall an einer Außenwand

#Ursachenermittlung

Die Wohnung bewohnen zwei Erwachsene. Bei der Begehung betrug die Raumtemperatur 22 °C, die Außentemperatur –2 °C, die relative Luftfeuchte 58 %. Das Luftvolumen der Wohnung beträgt rund 156 m³. Die Wände sind überwiegend mit geweißter Raufasertapete tapeziert.
Bei der Begehung zeigte sich starker Schimmelbefall im Wohnraum. Betroffen war ein etwa 15 bis 20 cm breiter Streifen auf der Außenwand. Er lag direkt am senkrechten Rahmenprofil einer Festverglasung zum Balkon. Die Oberflächentemperaturen im Schadensbereich lagen zwischen 10 und 13 °C.
Im Grundriss wurde der befallene Bereich magentafarben markiert. Dabei wird deutlich: Der Planer hat eine schwerwiegende Wärmebrücke übersehen. Sie verläuft von der Innenseite der Außenwand bis zu ihrer Stirnseite an der Außenluft.

Die Wärmebrücke wirkt auf einem sehr kurzen Weg. Zwischen der Ecke im markierten Bereich und der Außenseite des Wandstumpfes (Hochlochziegel) liegen nur etwa 6 cm. Das erklärt die sehr niedrigen Oberflächentemperaturen an der Innenseite.
#Schadensbehebung: Bauliche Mängel beseitigen

Die Wärmebrücke lässt sich ohne Rückbau des Fensterrahmens beheben. Eine kaschierte Wärmedämmplatte (türkises Rechteck) gleicht sie aus. Die Dämmstoffstärke – zum Beispiel XPS-Extruderschaum – sollte mindestens 3 cm betragen. Von außen angebracht, schließt die Platte den schmalen Scheibenbereich. Dieser Bereich bringt den Bewohnern ohnehin keinen Nutzen. Zugleich überdeckt die Platte teilweise den Eckrahmen der Verglasung – das erhöht dort die Bauteiltemperatur.
#Fall 2: Schimmelbefall im Schlafzimmer – Fensterlaibung

#Ursachenermittlung

Die Wohnung bewohnen zwei Erwachsene und ein Kleinkind. Bei der Begehung betrug die Raumtemperatur 17 °C, die Außentemperatur –3 °C, die relative Luftfeuchte im Schlafzimmer 54 %. Das Luftvolumen der Wohnung beträgt rund 146 m³. Die Wände sind überwiegend mit geweißter Raufasertapete tapeziert.
Bei der Begehung zeigte sich starker Schimmelbefall im Bereich der Fensterlaibung im Schlafzimmer. Die niedrigste Oberflächentemperatur lag in der Ecke bei 6,5 °C. Die Oberfläche war spürbar durchfeuchtet.
In allen untersuchten Wohnungen derselben Anlage waren die Fensterlaibungen ein Problem. Die Oberflächentemperaturen waren so niedrig, dass sich bei normaler Luftfeuchte nicht nur kritische Oberflächenfeuchte zeigte – es bildete sich bereits Kondenswasser. Die Ursachen waren vielfältig:
- Der Rahmenanschluss zur Außenwand entsprach nicht der Planung.
- Die Fuge zwischen Fensterrahmen und Laibungsmauerwerk war weder luftdicht noch gedämmt – nur mit Mörtel verschlossen.
- Die Fugen wiesen Risse auf, durch die Zugluft spürbar war.
- Die Fensterbänke waren entgegen der Planung nicht unterdämmt.
- Die Hohlkammern der Hochlochziegel direkt unter der Fensterbank waren nicht luftdicht verschlossen.
- Nach Ausbau der Fensterbank war kalte Luftströmung von außen spürbar.
- Die Montage war nur punktuell mit PU-Schaum erfolgt.

#Schadensbehebung: Bauliche Mängel beseitigen
Unter wirtschaftlichen und konstruktiven Gesichtspunkten wurde folgender Maßnahmenplan vorgeschlagen:
- Alle Fensterlaibungen der Wohnanlage nachträglich mit mindestens 15 mm starken Wärmedämmplatten dämmen (Begrenzung durch Fensterbänder).
- Als Dämmmaterial ein hochwirksames Produkt mit einer Wärmeleitfähigkeit Lambda kleiner 0,03 verwenden – zum Beispiel Polystyrol-Extruderschaum oder PUR-Schaumplatten mit Putzträgerbeschichtung und Armierungsgewebe (z. B. Wedi-Platten).
- Den Anschluss zum Fensterrahmen mit einem Quellband (Kompriband) ausführen.
- Die Fuge dauerhaft elastisch mit einem fungiziden Material abdichten.
- Fensterbänke ohne Unterdämmung ausbauen, die Hohlkammern der Ziegel oben luftdicht verschließen und die Fensterbänke anschließend wieder einsetzen (siehe Foto unten).

#Fall 3: Schimmelbefall in einer Außenwandecke

Die Wohnung bewohnen zwei Erwachsene. Bei der Begehung betrug die Raumtemperatur 21 °C, die Außentemperatur –4 °C, die relative Luftfeuchte im Wohnraum 59 %. Das Luftvolumen der Wohnung beträgt rund 180 m³. Die Wände sind überwiegend mit geweißter Raufasertapete tapeziert. Bei der Begehung zeigte sich starker Schimmelbefall in einer Außenwandecke des Wohnraums. Die niedrigste Oberflächentemperatur lag in der Ecke bei 8,6 °C.
#Ursachenermittlung

Der Schimmelbefall trat in regelmäßigen Abständen von unten nach oben auf. Das Maß entsprach etwa der Ziegelhöhe von 25 cm. Der verwendete Fugenmörtel zwischen den Steinen hat vermutlich die punktuellen Wärmebrücken verursacht.
#Schadensbehebung
Dem Vermieter wurde empfohlen, die Wärmebrücke in der Raumecke mit innen angebrachten Dämmkeilen auszugleichen.
Ausführlich bei energytools.de: Dämmkeile in der Innendämmung, Link: www.energytools.de/hausbau-und-erneuerung/bauteile-und-konstruktionen/waermegedaemmte-aussenwaende/aussenwanddaemmung-von-innen/daemmkeile-in-der-innendaemmung
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