energytools.de bauen-heizen-lüften   ›   Hausbau und Erneuerung   ›   Bauschäden und Schimmel   ›   Schimmel im Wohnraum   ›   Ab wann wächst Schimmel?

Ab wann wächst Schimmel: Diese Bedingungen braucht er

Unter welchen Voraussetzungen beginnen Schimmelpilze zu wachsen, wie hoch muss die Luftfeuchtigkeit sein und welche Ernährungsgrundlage bevorzugen sie? Licht brauchen sie keines.

#Übersicht

Schimmelbefall und Tauwasser auf einem Holzfenster
  • Schimmelwachstum: Beginnt ab einer Luftfeuchte von 80% – oft lange vor sichtbarem Tauwasser.
  • Nahrungsgrundlage: Pilzgeflechte bevorzugen Oberflächen mit hohem Anteil an Kohlenhydraten und Proteinen, z. B. Holzbestandteile oder Tapeten.
  • Wohlfühltemperatur: Die meisten Schimmelpilzarten wachsen optimal bei 12 °C bis 28 °C.

#Die dominierende Rolle der Luftfeuchtigkeit

Der wichtigste Faktor beim Schimmelwachstum ist Feuchtigkeit – vor allem die Feuchtigkeit der Raumluft. Der Mindestwert liegt bei etwa aw = 0,80. Das entspricht einer relativen Luftfeuchte von 80 % direkt über der Oberfläche, z. B. einer Tapete an einer Außenwand. Einige wenige Arten beginnen bereits bei 70 % mit der Sporenauskeimung.

So eine hohe Luftfeuchte entsteht, wenn sich die Raumluft an kalten Außenwandabschnitten oder Fensterlaibungen abkühlt. Den sogenannten Taupunkt – also Tröpfchenbildung auf oder im Baustoff – muss die Luft dafür nicht erreichen. Für die erste Ausbildung eines Pilz-Myzels ist keine feuchte Wand nötig. Diesen Punkt übersehen viele bei der Ursachensuche.

Schimmelbildung auf einer Gipskartonplatte nach Wasserrohrbruch
Schimmelbildung auf einer Gipskartonplatte nach Wasserrohrbruch

Natürlich entsteht Schimmel auch auf Baustoffen, die durch einen Rohrbruch oder Hochwasser längere Zeit durchfeuchtet wurden. Im Alltag ist jedoch meistens die Raumluftfeuchtigkeit der Auslöser. Sie überschreitet den Grenzwert von 80 %, sobald sie auf kühle Oberflächen trifft – verursacht durch Wärmebrücken.

Bis 55 % relative Luftfeuchte bleibt es in der Regel problemlos. Steigt der Wert auf 60 % oder mehr – gemessen in Raummitte –, führt das bei vorhandenen Wärmebrücken fast immer zu Schimmelbefall.

Die Schimmelpilzkurve (rot, 80%) zeigt den Beginn der feuchteabhängigen Entwicklung der meisten Schimmelpilze
Die Schimmelpilzkurve (rot, 80%) zeigt den Beginn der Entwicklung der meisten Schimmelpilze

Ein anschauliches Beispiel: Bei 22 °C Raumtemperatur und 11 g Wasser pro m³ Luft zeigt das Hygrometer 55 % relative Feuchte. Kühlt sich diese Luft an einer kalten Außenwandecke auf 16 °C ab, steigt die relative Feuchte dort auf 80 %. Der absolute Wassergehalt bleibt dabei unverändert bei 11 Gramm. In Raummitte zeigt das Hygrometer weiterhin 55 %.

Für das Wachstum von Schimmel in Wohnräumen ist eine messbare Durchfeuchtung von Putz oder Tapete nicht erforderlich. Die Schimmelaktivitätskurve (rote Linie) zeigt: Die meisten Arten beginnen bereits bei 80 % Luftfeuchte direkt über dem Untergrund zu wachsen.

Ausführlich bei energytools.de: Relative und absolute Luftfeuchtigkeit, Link: www.energytools.de/raumklima-und-frische-luft/luftqualitaet-und-luftwechselrate/boese-trockene-heizungsluft/relative-und-absolute-luftfeuchtigkeit

#Worauf wächst Schimmel besonders gut?

Neben der Mindestluftfeuchte von 80 % braucht Schimmel einen geeigneten Nährboden. Organische, kohlenstoffhaltige Oberflächen bieten diesen fast immer. Besonders anfällig sind Oberflächen mit hohem Anteil an Kohlenhydraten und Proteinen – etwa Holzbestandteile oder Tapeten.

Da weder flüssiges Wasser noch sichtbare Verfärbungen nötig sind, bleibt Schimmelbefall oft lange unentdeckt. Hinter Verkleidungen, unter Tapeten, hinter Schränken oder Scheuerleisten schaut niemand täglich nach. Schimmel wächst auch unter scheinbar sauberen Oberflächen: in kunstharzhaltigen Putzmörteln, Klebern oder in den Poren von Dämmstoffen. Weil das Myzel dabei noch keine farbigen Sporen bildet, lässt sich sein Vorhandensein nur im Labor nachweisen.

#Gute Nährstofflieferanten

  • Tapeten, Raufasertapeten, Kleister
  • Papier, Pappen, Gipskartonplatten
  • Holz und Holzwerkstoffe mit Bindemitteln oder Klebern wie Hartfaser-, OSB-, Span- und Sperrholzplatten
  • Hartfaserplatten für Schrankrückwände
  • Dispersions-, Latex-, Acryl- und geleimte Wandfarben
  • Kunstharzhaltige organische Putzmörtel, z. B. für Fliesenfugen
  • Klebstoffe für Bodenbeläge
  • Fugensilikon (Sanitärbereich, Fensterfugen)
  • Gummi, Dichtgummi (Fenster), verschiedene Folien
  • Textilien, Teppiche
  • Dämmstoffe wie Mineralwolle (mit organischen Anteilen, Bindemitteln und Hydrophobierungsmitteln) oder Schaumpolystyrol
  • Leder
  • Hausstaub
  • Stroh
  • Rückstände von Reinigungs- und Körperpflegemitteln wie Seife, Shampoo oder Duschgel (in Duschkabinen)
  • Rückstände von Kochdunst (Abzugshaube, Schränke, Wände)
  • Kaffeesatz

#Weniger gute Nährstofflieferanten

  • Unbehandelte Zellulosefasern zum Einblasen (laut Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts)
  • Naturbelassenes Holz

#Keine Nährstoffe bieten

  • Glas
  • Metalle
  • Glaswolle ohne Bindemittel
  • Schaumglas
  • Mineralschaum
  • Ziegelsteine
  • Natursteine wie Granit oder Basalt
  • Hartgebrannte Fliesen, Steinzeug, Keramik
  • PVC-Profile von Fenstern
| Seitenaufrufe: 1331
Frank Nowotka von Dipl.-Ing. Frank Nowotka,

Nutzen Sie gern die Kommentarfunktion für Ihre Fragen, Erfahrungen und Meinungen!

Kommentare

Bitte fassen Sie sich kurz, bleiben Sie sachlich und respektvoll. Kommentare, die Werbung, Links oder abfällige Äußerungen enthalten, werden gelöscht. Personenbezogene Daten, wie Namen, Email oder die IP-Adresse werden nicht gespeichert.

Noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen