Wandbaustoffe Empfehlungen

Kriterien und Tipps für die Auswahl der Wandbaustoffe für das Eigenheim, Checkliste

  • Der Bauwillige muss entscheiden, ob ein monolithischer Wandaufbau (also eine Steinart, Putz, sonst nix) oder ein Wandaufbau unter Beteiligung mehrerer spezieller, funktionaler Schichten oder Bauteile (Tragfähigkeit, Schallschutz, Wärmeschutz, Wetterschutz u.a.) gewählt wird. Der Vorteil der Spezialisierung besteht darin, das die Akteure auf der Baustelle ihre Spezialdisziplin beherrschen, schnell und umsichtig arbeiten und meist hohe Qualität bringen.
  • Mit einem Wandaufbau aus verschiedenen Komponenten (Tragwerk z.B. Holz, Wärmedämmstoff, z.B. Zellulosedämmung) gelingt es bei vergleichbarer Wandstärke, eine höherwertige Wärmedämmung (U-Wert kleiner 0,15 W/m²K) zu erzielen. Passivhäuser sind mit rein monolithischem Wandaufbau bei akzeptabler Wandstärke ohne Wärmebrücken kaum zu errichten.
  • Eine gute Wärmedämmung ist die Voraussetzung für thermische Behaglichkeit, Schimmelfreiheit und geringe Brennstoff- bzw. Energiekosten. In Anbetracht der Lebensdauer eines Hauses und zu erwartender Kostenentwicklungen ist ein U-Wert aller Hüllflächen (Wand, Fenster, Decken, Dach, Bodenplatte bzw. Keller) deutlich unter den Mindestanforderungen des Gesetzgebers anzustreben.
  • Eine hohe Speichermasse (Wärmekapazität) wirkt sich günstig auf die Reduzierung von Temperaturschwankungen im Raum aus, die durch Witterungseinflüsse hervorgerufen werden (Sonneneinstrahlung, niedrige Lufttemperaturen). Durch eine möglichst hohe Masse aller den Raum bildenden Bauteile wird eine die Behaglichkeit förderliche thermische Trägheit erreicht. Die hohe Speichermasse steht jedoch im Widerspruch zu sehr guten Dämmeigenschaften. Das spricht für zwei- bzw. mehrschalige Aufbauten mit außenliegender Dämmung und einer schweren, massiven Wand hoher Dichte der Steine (z.B. Kalksand-Steine).
  • Wandbaustoffe sollten den Aufbau luftdichter Konstruktionen leicht ermöglichen (geschlossene Kammern, nur Poren). Wände mit einem geschlossenen Innenputz bzw. einer konstruktiven Luftdichtheitsebene (z.B. abgeklebte OSB-Platten im Fertighausbau) sind von Vorteil. Flächen unter den Sohlbänken, unter Jalousiekästen, im Bereich der Steckdosen und anderen Installationen sind stofflicherseits bereits geschlossen (Porenbeton, Kalksand-Stein). Ein äußerer winddichtender Putz auf WDVS ist in diesem Zusammenhang als effizienter einzuschätzen, als eine gedämmte Wand mit hinterlüfteter Fassade, bei der die Dämmstoffe mit Außenluft umspült werden. Die Aufhängung der hinterlüfteten Fassade bringt weitere Wärmebrücken ein.
  • Diffusionsoffene und sorptionsfähige Wandbaustoffe sind geschlossenen bzw. wenig diffusionsaktiven Wandbaustoffen vorzuziehen, da sonst die Gefahr lokaler Feuchtigkeitsanreicherungen steigt. So genannte „Atmende Wände“ gibt es bei keinem der möglichen Wandaufbauten, auch nicht bei Wänden mit klassischen Ziegeln.
  • Wenig Wärmebrücken zulassende Wandkonstruktionen, sind bezogen auf die praktisch immer auftretenden Verarbeitungsmängel von Vorteil. Das spricht besonders für zweischalige Systeme, wo Tragschicht und Dämmung getrennt errichtet werden.
  • Monolithische Wandkonstruktion bieten einen hervorragenden Brandschutz, was aber auch bei zweischaligen Systemen mit außen liegender Dämmung auf Basis von Mineralwolle der Fall ist.
  • Der Feuchtigkeitsschutz der Wandbaustoffe (eindringende Feuchte von außen) ist bei allen bekannten Wandkonstruktionen und bei Beachtung der technischen Regeln kein Problem. Der Kondensatschutz (kondensierende Feuchtigkeit infolge Wasserdampfdiffusion) ist bei Einhaltung zulässiger Grenzen maximaler Raumluftfeuchtigkeit und minimierter Wärmebrücken bei allen Wandsystemen unproblematisch.
  • Wandkonstruktionen sind auch nach einer möglichen Änderung oder Hinzufügung bezogen auf den Zuschnitt der Wohnung zu beurteilen. Hierbei schneiden vorgefertigte Systeme (z.B. Holzständerwerk) – wenn es sich um die Veränderung von Außenwänden handelt – weniger gut ab.