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Wandbaustoffe

14.11.2017 | 10 x | von: now | Kategorie: Neubau, Wandbaustoffe, Wände, Wärmedämmung | Druckansicht Druckansicht

Wandbaustoffe
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Wandbaustoffe: Eigenschaften, Verhalten und Verarbeitung, Fertighausbau, Checkliste zur Auswahl der Bauweise 

Ein Eigenheim lässt sich auf unterschiedlichste Weise errichten. Stark zugenommen hat die Fertighausbauweise, bei der mit vorgefertigten Elementen Häuser errichtet werden. Meist sind es ganze Wände, hergestellt aus Holzständerwerk und Tafeln, aus denen sich innerhalb weniger Tage ein Haus errichten lässt. Doch dazu später mehr.

Für den traditionellen Hausbau, also die monolithische Massivbauweise, stehen zahlreiche Baustoffe zur Verfügung. Sie haben, um allen Anforderungen gerecht zu werden, zahlreiche Eigenschaften aufzuweisen. So sind bestimmte wärmedämmende Eigenschaften ebenso Pflicht, wie eine ausreichende Druckfestigkeit. Auch Anforderungen an den Schallschutz und den Brandschutz müssen eingehalten werden. Die Ergebnisse, die die Baustoffindustrie in diesem Zusammenhang vorzuweisen hat, sind hervorragend. Klassische Ziegelsteine sind nahezu verschwunden.

Neubau mit großformatigen Kalksandsteinen
Neubau mit großformatigen Kalksandsteinen
Statt ihrer sehen wir großformatige, leichtere Formate, wie z.B. Hochlochziegel, Porenbetonelemente oder ganze Wände, z.B. aus Liapor. Die früher übliche Bezeichnung Ziegelstein beschreibt die neuen Eigenschaften nicht mehr hinreichend genau. Insbesondere wärmetechnische Parameter wie die Wärmeleitfähigkeit und das Wärmespeichervermögen lassen sich aus einem modernen „Ziegelstein“ nicht mehr ableiten. Selbst eine Kennzeichnung des Mauerwerks in Baubeschreibungen oder Verkaufsanzeigen wie „gebaut mit wärmedämmenden Hochlochziegeln“ ist kaum noch als qualitatives Merkmal ausreichend. Denn in den letzten 30 Jahren hat sich, bei annähernd gleichem Aussehen der Baustoffe und Formate die Wärmeleitfähigkeit von Lambda = 0,21 W/mK auf 0,07 W/mK verringert.

Stein auf Stein

Steinverbände
Steinverbände, Abbildung: Lehrbuch für Maurer 1940
Grundsätzlich hat sich an der Bauweise mit massiven Wandbaustoffen, also Bauen im Verband der einzelnen Steine, aber nicht viel geändert.  Die Steine sind wegen der Forderung nach geringeren Produktionskosten und höherer Baugeschwindigkeit zwar größer geworden. Aber die prinzipielle Art und Weise der Verbindung der Steine untereinander hat sich nicht geändert. Nur die breite Mörtelfuge (Lagerfuge) ist durch eine dünne Klebefuge verdrängt worden. Und Stoßfugen werden heute kaum noch vermörtelt oder verklebt. Der wesentliche Fortschritt aber ist der, dass sich durch die Anhäufung von Poren im Stein die wärmedämmenden Eigenschaften verbessert haben.

Die gute Wärmedämmung moderner, massiver Wandbaustoffe beruht also vor allem auf den im Stein bzw. in den Füllstoffen eingeschlossenen Luftkammern.

Struktur Porenbeton
Struktur Porenbeton
Zusätzliche Hohlräume, die z.B. beim Pressvorgang der Rohlinge für Hochlochziegel eingearbeitet werden, verbessern die Dämmwirkung weiter. Und noch besser wird die Wärmedämmung, wenn die Hohlräume mit einem Dämmstoff, wie z.B. Perlite ausgefüllt werden, der die Luftbewegung stoppt.

Bei Steinen mit den Ausgangsstoffen aus Ton bzw. Lehm werden die Hohlräume beim Brennvorgang geschaffen. Bei kalt härtenden Ausgangsmassen (z.B. Porenbeton) entstehen die Kammern mit Hilfe von Zusätzen, die Luftporen bilden.

Wärmebrücke Mörtel bei mit Hochlochziegeln errichteter Außenwand
Wärmebrücke Mörtel bei mit Hochlochziegeln errichteter Außenwand

Der in der Energieeinsparverordnung (EnEV) geforderte U-Wert für erstmalig errichtete bzw. erneuerte Außenwände von Wohnhäusern (<=0,24 W/m²K) ist mit diesen Wandbaustoffen in klassischen Wandstärken von 36 cm rein rechnerisch erreichbar. Da wir es in der Praxis jedoch niemals mit einer ungestörten Wand zu tun haben, verschlechtern Wärmebrücken wie Sturzträger, Ringbalken, Mörtelfugen, Rollladenkästen u.a.m. den praktisch erreichbaren Wert mitunter erheblich. Daher empfehle ich immer eine zusätzliche, außen angebrachte  Wärmedämmung, z.B. aus Mineralwolle oder Holzfaserdämmplatten, die geputzt wird. Bei einer solchen Aufwertung der monolithischen Bauweise werden keine gedämmten (und teuren) Spezialbauelemente, wie gedämmte Sturzträger, U-Schalen für Ringbalken usw. benötigt. Gebaut werden kann mit preiswerteren und weniger anspruchsvollen Steinen.

Holzständerwerk und Fertigbau

Holzständerbauweise, auf der Baustelle errichtet
Holzständerbauweise, auf der Baustelle errichtet

Bei Wandkonstruktionen aus Holzständerwerk o.ä. werden die gewünschten Eigenschaften durch die Kombination verschiedener Baustoffe geschaffen. Die tragende Aufgaben übernehmen Holzbalken, Bretter und Holzwerkstoffplatten. Die Hohlräume sind mit einem Dämmstoff wie Mineralwolle oder Zelluloseflocken ausgefüllt. Abgeschlossen werden die Elemente, die bereits in Werkhallen vorgefertigt werden, mit Gipskartonplatten nach innen und meist mit geputzten Dämmstoffen nach außen. Während Außenwände und die Dächer in der Regel eine recht gute Wärmedämmung aufweisen, werden bei der Bodenplatte bzw. dem Keller, die bauseitig zu stellen sind, oftmals Abstriche zugelassen. Die Behaglichkeit ist in solchen Häusern dennoch recht hoch, sofern auf Luftdichtheit und Wärmebrückenarmut geachtet wird.

Bei Fertighäusern in Block-Bohlen-Bauweise ist die Wärmedämmung innen angebracht. Der Vorteil der Fertigbauweise besteht darin, dass die konstruktiven Grundelemente meist in einer trockenen Produktionshalle vorgefertigt werden. Dadurch ist die Fehlerhäufigkeit bei der Ausführung geringer, der Witterungseinfluss ist auf die Montagezeit begrenzt. Allerdings ist die Montage der fertigen Teilelemente nicht immer fehlerfrei. Häufiger kommt es zu Schäden durch Regen während der Montage (Schimmelbildung wegen Durchfeuchtung) und zu Luftundichtheiten, wenn die Elemente nicht luftdicht abgeklebt werden bzw. nicht abgeklebt werden können.

Für behagliches Wohnen in einem gesunden Raumklima ist ein optimales Zusammenspiel von Mauersteinen, Dämmstoffen, Mörtel, Putzen, Hölzern, Holzwerkstoffen, Farben u.a.m. erforderlich. Die Ziele, wie hohe innere Oberflächentemperaturen, geringer Wärmeverbrauch, Schadstoff- und Schimmelfreiheit, lassen sich nur mit Baukonstruktionen erzielen, die aus wohngesunden Baumaterialien bestehen, ein gutes Feuchteverhalten aufweisen und eine hohe Wärmedämmung besitzen.

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