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Wärmegedämmtes Kaltdach oder Warmdach, Unterschiede, Ausführung

05.03.2020 | von: now | Kategorie: Dächer, Luftdichtheit

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Das wärmegedämmte Dach kann als Kaltdach oder Warmdach ausgeführt werden, was unterschiedliche Ausführungen der Dämmebene zur Folge hat. Die Anforderungen an die Luftdichtheit sind dagegen identisch.

intaktes Kaltdach ohne Dachgeschossausbau und ohne Dämmung
intaktes Kaltdach ohne Dachgeschossausbau und ohne Dämmung

Vom Kaltdach wird gesprochen, wenn unterhalb der Dachhaut (Ziegel, Bleche, Bitumenpappe o.ä.) mindestens noch eine belüftete Ebene liegt. In diesem Fall liegen Tragelemente (Sparren, Pfetten, Latten) ganz oder teilweise im Kaltbereich und können von der Außenluft mehr oder weniger allseitig gut umspült werden. Kaltdächer ohne Dämmschichten sind, wenn die Dachdeckung ihre Aufgabe erfüllt und die Belüftung mit Außenluft funktioniert, nahezu „unkaputtbar“. Man sieht es z.B. an Scheunen, deren Dachkonstruktionen sehr alt werden, sofern die Dacheindeckung instand gehalten wird.

Aber nicht nur Sattel- oder Walmdächer, auch Pult- oder Flachdächer können als Kaltdächer konzipiert sein. Dies ist dann der Fall, wenn die Tragkonstruktion der regenabweisenden Dachhaut (Ziegeleindeckung, Trapezblech, Dachpappe, Schiefer o.ä.) mit Außenluft unterlüftet wird und nicht identisch ist mit der obersten Geschossdecke.

Dachgeschossausbau im Kaltdach

ausgebautes Dachgeschoss, mit Zellulose gedaemmt
ausgebautes Dachgeschoss, mit Zellulose gedaemmt

Ist ein Dachgeschossausbau in Wohnraumqualität beabsichtigt, erweitert sich die Aufgabenstellung der Dachkonstruktion eines Kaltdaches. Sparren und andere Elemente müssen nun zusätzlich Dämmstoffe, eventuell liegende Dachflächenfenster und die raumseitige Verkleidung tragen. Gleichzeitig wird die „Belüftung“ der Tragkonstruktion (vornehmlich Hölzer) durch den Ausbau eingeschränkt. Sparren, Pfetten, Zangen usw. kommen nun u.U. mit einer von der Lüftungsweise abhängigen Raumluftfeuchtigkeit, statt mit vergleichsweise trockener und kühler Außenluft in Berührung. Werden hier Ausführungsfehler zugelassen, sind schwerwiegende Bauschäden möglich.

Die ursprünglichen bauphysikalischen Bedingungen eines Kaltdaches dürfen sich durch einen Wohnraumausbau nicht gravierend verändern. Die neue, stark veränderte Nutzungsart stellt daher hohe Ansprüche an die Ausführungsqualität des Dachausbaus. Dabei spielt die Herstellung einer (warm)luftdichten Wohnraumhülle gegenüber dem ursprünglichen Dachraum eine herausragende Rolle. Durch hohe Luftdichtheit können die durch Abkühlung verursachten Kondensatausschüttungen der nach außen drängende Luftströmung in der Dämmebene vermieden werden.

Warmdach

Einflüsse auf unbelüftete Warmdächer
Einflüsse auf unbelüftete Warmdächer

Bei einem Warmdach wird dagegen auf Belüftungsebenen ganz verzichtet. Oberhalb der Wärmedämmung liegt unmittelbar die regen- und schneedichte Dachhaut, z.B. eine Bitumenschweißbahn. Daher nennt man Warmdächer auch einschalige Dächer. Moderne Baustoffe und neue Erkenntnisse zur Bauphysik im Dachbereich haben die sichere Ausführung solcher Dächer erst möglich gemacht.

Der Einbau von Wärmedämmung im Dachgeschoss (z.B. als Zwischensparrendämmung) macht also aus einem Kaltdach noch kein Warmdach. Sofern über der Dämmebene mindestens noch eine Belüftungsebene eingerichtet ist, die die Luft- und Wasserdampfabfuhr ermöglicht bleibt ein Kaltdach ein Kaltdach. Auch Dächer mit Aufsparrendämmung bleiben im Grunde Kaltdächer, sofern nicht über der Dämmschicht unmittelbar eine Dachhaut (Kunststoff-, Bitumenschweißbahn) aufgebracht ist.

Belüftung im Kaltdach

Belüftung am Kaltdach hat u.a. das Ziel bei eventuell von außen oder innen eingedrungener Feuchtigkeit eine rasche Trocknung der Dachkonstruktion zu ermöglichen. Innerhalb der Dachkonstruktion reagieren folgende Bereiche auf Durchfeuchtung empfindlich:

  • Unmittelbar unter den Dachziegeln sind die Dachlatten, die Konterlatten, das Unterdach selbst, sowie die Sparren und Pfetten gegen eindringende Feuchtigkeit durch Regen und Flugschnee zu schützen.
  • Oberhalb, zwischen oder unter den Sparren ist ein ggf. vorhandener Dämmstoff und die begrenzenden Elemente (Sparren, Schalung, Unterdach usw.) gegen eindringendes Wasser von außen und gegen Tauwasser (Wasserdampf) von innen zu schützen.
  • Außerdem müssen eingebaute Hölzer austrocknen können, da man immer mit einer recht hohen Einbaufeuchte von frisch verbautem Holz rechnen muss.
Schnitt durch einen Dachaufbau mit diffusionsoffenem Unterdach
Schnitt durch einen Dachaufbau mit diffusionsoffenem Unterdach

Ist ein so genanntes Unterdach eingebaut (Unterspannbahn oder z.B. eine Holzfaserdämmplatte o.ä.), liegt die erste Belüftungsebene zwischen der Unterseite der Eindeckung (Dachziegel o.ä.) und der Oberseite des Unterdaches. Diese Belüftungsebene ist unverzichtbar zur Trockenhaltung der Dach- und Konterlatten, der Oberseite der Sparren und des Unterdaches selbst. Ebenso unverzichtbar ist dieser belüftete Bereich bei allen Arten der Dachdämmung zum Abtransport von Wasserdampf, der infolge von Diffusionsprozessen durch eine ggf. vorhandene Dämmung (hier Zwischensparrendämmung) an der Oberseite des Unterdaches austritt.

Funktionsfähige Belüftungsebene

Funktionsfähig ist eine solche Belüftungsebene, wenn der freie Lüftungsquerschnitt ausreichend dimensioniert ist. Als Faustregel gilt, dass die Höhe der Konterlatte, also etwa 30 bis 40 mm, bei Dächern auf Ein- und Zweifamilienhäusern einen ausreichenden Belüftungsquerschnitt sichert. Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit der Belüftungsebene ist die Möglichkeit der ungehinderten Einströmung von Kaltluft an der Traufe und die Abströmung über den First bzw. spezielle Lüftungsziegel (exakte Dimensionierung nach DIN 4108).

Belüftung auf der Oberseite der Dämmschicht
Belüftung auf der Oberseite der Dämmschicht

Eine zweite Belüftungsebene kann zwischen der Unterseite des Unterdaches und der Oberseite der Dämmschicht eingebaut werden. Diese Belüftungsebene hat die Aufgabe eine Durchfeuchtung des Wärmedämmstoffes zu verhindern, indem eingedrungener Wasserdampf durch die Luftbewegung oberhalb der Dämmung bzw. unterhalb des Unterdaches abgeführt wird. Voraussetzung für die zuverlässige Funktion sind ausreichend bemessene Lufteintritts- und Austrittsöffnungen, was in der Praxis nicht immer sichergestellt werden kann. Diese Lösung wurde viele Jahre als die Konstruktion schlechthin angesehen. Jedoch ist sie mit dem Aufkommen von Unterdachkonstruktionen mit extrem diffusionsoffenen Eigenschaften nicht mehr sinnvoll und für die Dämmwirkung kontraproduktiv.

Zwischensparrendämmung ohne Belüftungseben über dem Dämmstoff
Zwischensparrendämmung ohne Belüftungseben über dem Dämmstoff

Von einer Vollsparrendämmung ohne Belüftung wird gesprochen, wenn auf die Belüftungsebene zwischen Unterdach und Wärmedämmstoff verzichtet wird. Das ist immer dann die richtige Konstruktion, wenn ein Unterdach mit extrem diffusionsoffenen Eigenschaften verfügbar und auf der warmen Seite der Dämmschicht eine luftdicht verlegte Dampfbremse eingebaut ist. Das Weglassen der Belüftungsebene hat den Vorteil, dass alle lockeren Dämmstoffe (mattenartige, Holzweichfaser, Mineralwolle u.ä.) nicht mit kalter Luft durchströmt werden, wodurch deren Dämmvermögen nicht gemindert wird. Außerdem kann ohne konstruktive Eingriffe die Dämmstoffstärke erhöht werden. Wie bei der belüfteten Variante, ist auf hohe Luftdichtheit an der Warmseite zu achten.

Wärmedämmung mit Belüftung

  • Vorteile, Einsatz: bei diffusionsdichteren Unterdächern und bei raumseitig fehlender Luftdichtheitsebene Wärmedämmung möglich, 
  • Nachteile, Grenzen: Kaltluftdurchströmung lockerer Dämmschichten ist möglich, dadurch Verringerung der Dämmwirkung;  bei Unterbrechungen der Belüftung durch Schornsteine, Dachflächenfenster, Gauben o.ä. kann man sich nicht auf die Belüftung verlassen

Wärmedämmung ohne Belüftung

  • Vorteile, Einsatz: gesamte Sparrenhöhe steht für die Wärmedämmung zur Verfügung; Wärme dämmende Wirkung lockerer Dämmstoffe (Mineralwolle, Wolle, Baumwolle) wird, da keine Luftdurchströmung, nicht verringert
  • Nachteile, Grenzen: bei diffusionsdichteren Unterdächern (unbekannte Diffusionswiderstände von Unterspannbahnen, Holz- und Bitumenschichten muss eine feuchtevariable Dampfbremse auf der warmen Seite eingebaut sein damit die Rücktrocknung funktioniert

Fazit für die Praxis

Mit modernen Baumaterialien, wie feuchtevariablen Dampfbremsen, ist sowohl bei Neubau als auch bei der Sanierung ein Dachaufbau ohne Belüftung des gedämmten Bereiches möglich und sinnvoll. 

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8 Gedanken zu „Wärmegedämmtes Kaltdach oder Warmdach, Unterschiede, Ausführung“

    • Bei einem Kaltdach sollte die Wärmedämmung auf die oberste Geschossdecke aufgelegt werden. Eine zusätzliche Dämmung der Dachschrägen, die den unbeheizten (weil unbewohnten) Raum oberhalb der obersten Geschossdecke einhausen, macht keinen Sinn.

  1. Guten Tag

    Sehr spannender Artikel, danke für Ihre Arbeit.
    Ich baue gerade mein Elternhaus um und hätte gerne die obere Etage geöffnet bis zum Dach.
    Die Dachkonstruktion sieht wie folg aus.
    Ziegel, Unterkonstruktion mit Dachlatten und dann eine ein Spannplatte, Pawatex oder was auch immer das ist. Ein paar mm stark.
    Zu was für einem Vorgehen würden Sie mir raten?

    Freundliche Grüsse
    Beat

    Antworten
    • Ich rate Ihnen dazu, die Expertise eines Bauingenieurbüros in Anspruch zu nehmen. So wie ich Sie verstanden habe, greifen Sie auch in die Statik des Gebäudes ein. Die Ausführung der Wärmedämmung der Dachebene muss auf jeden Fall luftdicht ausgeführt werden (Luftdichtheitstest rechtzeitig durchführen lassen). Als resultierende Dämmstoffstärke sollten Sie wenigstens 25 cm erreichen, was etwa einem U-Wert von 0,16 W/m²K entspricht. Hierzu werden Sie vermutlich die Sparrenhöhe des Daches verstärken müssen. Bei einer eventuell notwendig werdenden Neueindeckung, sollte eine zusätzlich eine Aufsparrendämmung, z.B. aus Holzfaserdämmplatten, ins Auge gefasst werden. Der Dämmstoff im Dach sollte möglichst viel Masse mitbringen (z.B. Zelluloseflocken), um eine hohe thermische Trägheit zu erreichen (im Sommer dauert es länger bis sich der Raum aufheizt).

  2. Ich habe einen Flachdachbau ( Bungalow)
    mit Kaltdach und Bitum was ich jetzt Neu belegen will.
    Nûtzt es was wenn ich eine Isolierung aufbringe bevor neu mit Bitumen belegt wird?Erreiche ich damit einen guten U Wert sogar einen der förderwürdig ist , glaube der müsste bei 0,14 liegen, oder ist das nur Schönfärberei??
    Sollte ich das mache bräuchte ich auch sicher eine neue Attika??
    Danke im Voraus für die Nachricht.
    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten
    • Ein Kaltdach ist dadurch gekennzeichnet, dass die wasserführende Dachhaut (hier Bitumenbahn) nicht direkt an die oberste Geschossdecke anschließt. Statt dessen liegt dazwischen eine belüfteter flacher Dachraum. Die wirksamste Wärmedämmung wäre in einem solchen Fall eine zusätzliche Wärmedämmung auf der obersten Geschossdecke. Wenn es sich hierbei z.B. um eine Betondecke oder eine Brettbinderkonstruktion handelt wäre das Aufblasen von Zelluloseflocken oder Holzfasern eine gute Möglichkeit. Mögliche staatliche Förderungen entnehmen Sie bitte den Bedingungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude.

  3. Hallo Herr Zwick, wenn ich sie recht verstehe, haben Sie auf die begehbare Seite der obersten Geschossdecke eine Dämmschicht von 20 cm Dicke (Styrodur) verlegt. Darauf liegt eine Spanplatte. Eine weitere Verbesserung des Dämmwertes mittels zusätzlicher Dämmschichten ist zwar möglich und bauphysikalisch unschädlich, jedoch wird die damit verbundene Heizenergieeinsparung nur noch gering ausfallen. Dass es oberhalb der Spanplatten im Winter kalt wird (und kälter wird als vor der Aufbringung der Styrodurplatten) ist ein gutes Zeichen – die Wärmedämmung funktioniert. Horizontale Luftbewegungen im Kaltdachbereich sind unschädlich. Sollten sich allerdings irgendwo Wassertropfen bilden oder Wasserflecken auftreten spricht dies für eine vertikale Luftströmung durch die oberste Geschossdecke von unten nach oben (von beheizten Räumen in den Kaltdachbereich hinein) oder durch andere Leckagen (Treppen, Türen Klappen, Schornstein und andere Durchdringungen). Dann wird es Zeit sich mit dem Thema Luftdichtheit zu beschäftigen. Beste Grüße

    Antworten
  4. Hallo Herr Nowotka,
    Vielen Dank für Ihr Engagement mit dem Sie dieses Forum betreiben.
    Es hilft sicherlich tausende Bauherren sich zu Informieren.
    Zu meinem Problem: Ich besitze ein Einfamilienhaus mit einem Kaltdach.
    Das Haus hat normale Dachziegel und auf Sparren sind Platten verlegt die sehen aus wie eine Rückwand eines Kleiderschrankes. Mit einem Fliegengitter (Ungeziefer Schutz) ist die Durchlüftung des Dachstuhls gewährleistet. Der Bühnen Boden ist bedekt mit 20 cm Styrodur und Spanplatten. Auf der Bühne ist kalt ist ja immer ein Luftzug. Jetzt habe ich 6 cm starken Styrodur auf diese Gitter verlegt damit es nicht so Durchzieht und kalt ist. Leider bei starkem Wind wird dies immer zur Seite geschoben. Jetzt wär vieleicht noch eine Möglichkeit Dämmfüllung welche ich in Säcke füllen und dies drauf zu legen.
    Halten Sie dies für sinnvoll bezogen auf Energie Einsparung oder sinnlos.
    Es es nicht gut diese Styroporplatten im Winter auf diese Gitter zu legen?
    Für Ihre Hilfe bedanke ich mich im Voraus.
    Mit freundlichen Grüße
    Eduard Zwick

    Antworten

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