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Lüften lernen!

29.01.2020 | von: now | Kategorie: Lüften, Lüften lernen! | Druckansicht Druckansicht

Mehr über die Notwendigkeit, die aktive Be- und Entlüftung in Wohnräumen zu verbessern und wie dies die Selbstwahrnehmung verhindert

Frau vor offenem Fenster, Bild von FreePhotos auf Pixabay

Früher ging es doch auch! Diese Feststellung höre ich häufig, wenn Bewohner mit Feuchte- und Schimmelproblemen auf die Lüftung angesprochen werden. Ist denn ein scheinbar einfacher Vorgang heute wirklich so schwierig geworden? Funktionierte Lüftung gestern anders als heute? Oder ist es unsere Sparsamkeit, die die Probleme schafft? Sind gar die gedämmten und luftdichten Häuser schuld?

Lüften lernen ist leider kein Schulstoff. Kinder lernen dies von ihren Eltern. Und die wiederum… Und da Lüftung früher tatsächlich besser, automatischer als heute funktionierte, bestand auch kein Anlass dies als Lernaufgabe in den Stoff aufzunehmen. Aber was war anders?

Der Hauptteil des Luftwechsels vollzog sich im Winter ohne eigenes Zutun, ganz unbemerkt, immer. Frische Luft strömte  – zu den undichten Fugen der Fenster hinein. Verbrauchte Luft und Abgase zogen über andere undichte Fenster, Türen und über die Schornsteine der Öfen wieder hinaus. Das ergab eine im Winter hervorragend funktionierende Zwangslüftung.

Damit es nicht ganz so arg zog, wurden Tücher und Decken vor die Fenster- und Türfugen gelegt. Außerdem:

  • Es waren weniger Wasserdampfquellen vorhanden – es wurde seltener geduscht; Waschen und Trocknen fanden im Waschhaus und auf der Leine statt.
  • Verbaute Materialien wurden seltener versiegelt. So konnte z.B. Holz oder Kalkputz den Wasserdampf zwischenlagern.
  • Einscheibige Fenster mit schlechter Wärmedämmung wirkten wie Entfeuchter; weil die kondensierende Luftfeuchtigkeit zu Eisblumen gefror.
  • Eine Kondensatsammelrinne in den Fensterbrettern aus Holz sammelte abfließende Tropfen. Durch ein dünnes Röhrchen wurde das Wasser in den Kondensatsammelkästen am Fensterbrett geleitet.
  • Die hohen Oberflächentemperaturen der Einzelöfen führten zu einem vergrößerten Anteil Wärmestrahlung bei oftmals geringerer Lufttemperatur – kalte Außenwände profitierten davon.
  • Fenster wurden aus Erfahrung und Gewohnheit geöffnet, z.B. morgens nach dem Aufstehen, beim Kochen oder nach dem Baden. Eine Person war meist zu Hause und konnte die Fenster öffnen und schließen.
  • Gelüftet wurde auch, wenn irgend etwas nicht stimmte – Gerüche vom Kochen, Qualm beim Ofen anzünden…

Zentralheizungen, besonders die mit raumluftunabhängig betriebenem Heizkessel, sowie Türen und Fenster mit doppelt und dreifach liegenden Dichtungen, bringen die natürliche Be- und Entlüftung heute zum Erliegen. Teppiche aus synthetischen Fasern, raumhoch geflieste Bäder, kunststoffbeschichtete Möbel und Tapeten verringern die Flächen, die früher den Wasserdampf zwischen speichern konnten. Wellnessoasen in der kleinen Wohnung, subtropische Pflanzen und Aquarien führen zum Mehrfachen der Wasserdampfbelastung früherer Tage.

Mit dem Wegfall des natürlichen Lüftungsantriebs durch zunehmende Abdichtung sowie dem Zuwachs an Wasserdampfquellen verschlechtert sich die Raumluftqualität durch Anstieg der Raumluftfeuchtigkeit und der CO2-Konzentration. Durch die Zunahme von Emissionsquellen (z.B. Kunststoffe) werden außerdem mehr Luftschadstoffe freigesetzt.

Und das verlangt aktives Lüften als einen notwendigen Vorgang zu begreifen. Für die dabei erreichte Wirkung (Luftwechsel) spielt die Häufigkeit, die Dauer und die Intensität der Lüftung die entscheidende Rolle.

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