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Was eigentlich ist Heizungsluft?

02.10.2019 | von: fegonnow54 | Kategorie: Heizkörper, Kachelofen, Luftfeuchte, Luftqualität | Druckansicht Druckansicht

Was eigentlich ist Heizungsluft, wo bzw. wie entsteht sie, welche speziellen Eigenschaften besitzt sie – wenn es sie denn überhaupt gibt?

Ich habe eine Vorstellung, bin mir aber nicht sicher. Ich google. Ungefähr 384.000 Ergebnisse. Beim Blättern fällt mir auf, dass es auch nach etwa 10 Ergebnisseiten noch immer keinen Link zu einem Eintrag von Wikipedia gibt. Auch Erklärungen dazu von Heizungsbaufirmen, Ingenieurbüros, oder Hochschulen fehlen. Hinweise auf Normen, in denen der Begriff auftauchen würde? Fehlanzeige. Offenbar handelt es sich um einen Begriff, der in der Heizungstechnik, Behaglichkeitsplanung oder der Wissenschaft gar nicht benutzt wird. Warum taucht er dann so häufig in Zeitungen, Zeitschriften, Beratungsportalen zu Krankheiten, bei Online-Apotheken und Verkäufern von Luftbefeuchtern auf?

Plattenheizkörper mit Thermostatventil
Plattenheizkörper mit Thermostatventil

Auf dem Internet-Portal gutefrage.net z.B. antwortet ein User auf die Frage, was Heizungsluft sei: “Wenn du jetzt die Luft meinst, die entsteht wenn du deinen Raum durch die Heizung aufwärmst, dann ist es nicht so gut wenn du diese Luft die ganze Zeit einatmest, da sie sehr trocken ist und so dein Mundraum und deine Schleimhäute austrocknen.“

Hm. Aber das mache ich doch den ganzen Winter über: Luft einer beheizten Wohnung einatmen! Und warum soll die Heizungsluft trocken, genauer zu trocken sein? Was trocknet diese Luft? Und gibt es Heizungsarten, die mehr oder weniger trockene Luft verursachen?

Ich weiß, das meine Heizung (bei mir ist es eine Fußbodenheizung) weder mit trockener noch mit feuchter Luft funktioniert, denn ich habe sie selbst verlegt. Als ich mit dem Einbau der Heizung fertig war, habe ich Wasser ins Rohrsystem eingefüllt. Ich weiß auch, dass Luft im wasserführenden Heizungssystem ganz schlecht ist, denn erstens führt Luft zu Korrosion und zweitens stoppt sie den ungehinderten Wasserdurchfluss. Dann muss man entlüften. Was beim Entlüften herauskommt, kann schon irgendwie Heizungsluft sein, aber das ist natürlich viel zu wenig, um einen Raum mit Luft und Wärme zu füllen…

…die Luft, die entsteht, wenn du deinen Raum durch die Heizung aufwärmst…“

Also entsteht Heizungsluft durch die Heizungsanlage, durch Heizkörper? Gibt es auch Ventilatorluft, und Beleuchtungsluft, oder Büroluft? Ja, eine spezielle Büroluft

Kaffeemaschine im Büro

gibt es. Es ist eine Mischung aus Sauerstoff, Stickstoff, ein paar Edelgasen, wozu die enthaltenen menschlichen Ausdünstungen meist nicht gehören, mehr oder weniger viel Ozon vom Laserdrucker, ein paar Weichmachern, die den Kunststoffen und Bodenbelägen entweichen, Lösungsmitteln aus Farben und Klebern, sowie einer Priese Kaffeeduft. Aber Heizungsluft?

Nun, wenn ich über einen warmen Heizkörper die Hand halte, merke ich einen leichten Luftzug, etwas wie aufsteigende Wärme. Sichtbar wird dieser durch eine Kerze, deren Flamme im aufsteigenden Luftstrom zu tanzen beginnt. Ist das Heizungsluft? Stelle ich die Kerze vor den Heizkörper auf den Boden, sehe ich die Flamme ebenfalls tänzeln. Offenbar wird die über dem Heizkörper aufsteigende Luft am Boden vom Heizkörper angesaugt. Es muss eine Strömung geben, weil die warme Luft nach oben steigt und kühlere Luft hinter sich herzieht.

Bei einigen Heizungsanlagen mit Heizkörpern (Plattenheizkörper oder Radiatoren) ist die Strömung sogar so stark, dass die Gardinen wackeln, wenn welche da sind. Es handelt sich nach meiner Erfahrung dann um Heizungen mit hohen Heizkörpertemperaturen über 60°C, die, nebenbei bemerkt, nicht besonders sparsam sind. Solche Hochtemperaturheizungen verursachen auch eigentümliche Gerüche. Diese treten besonders zu Beginn der Heizperiode auf und kommen vom verschwelenden Staub, der sich auf Heizkörpern und Rohren abgesetzt hatte. Ist diese Heizungsluft gemeint?

Vielleicht. Aber warum konnte ich auch dann keine weiterführenden Einträge im Internet finden, wenn ich Staubverschwelung zusammen mit dem Begriff Heizungsluft suchen ließ? Möglicherweise stoße ich bei der Beschäftigung mit anderen Heizsystemen auf den Begriff Heizungsluft, also z.B. bei Heizungen, die in der Wand oder im Fußboden eingelassen sind, oder bei einem Kaminofen, einer elektrischen Nachtspeicherheizung oder einem Berliner Kachelofen?

Thermogramm eines Teiles der Fußbodenheizung
Thermogramm eines Teiles der Fußbodenheizung

Bei Flächenheizungen mit Rohrleitungen in der Wand oder im Fußboden ist die Oberflächentemperatur bzw. Berührungstemperatur meist niedrig und übersteigt kaum 30°C. Hier ist eine Staubverschwelung ausgeschlossen. Also gibt es hier auch keine Heizungsluft? Dagegen hat ein Kaminofen oberflächlich durchaus 80°C und auf dem Rauchrohr kann schon eine Temperatur von 200°C herrschen. Eine Staubverschwelung, die bei mehr als 60 °C beginnt, ist hier zumindest beim Anheizen unumgänglich.

Aha. Heizungsluft gleich Ofenluft? Oder stehen vielleicht Rauchrohr und Schornstein mit dem Begriff Heizungsluft in Verbindung? Wie ich von meinem strengen Schornsteinfeger weiß, darf kein Abgas, kein Rauch aus der Verbrennung in den Wohnraum entweichen, sonst bekomme ich eine Rauchvergiftung. Auslöser ist das Kohlenstoffmonoxid. Entsteht viel davon bei der Verbrennung und gelangt es in den Raum, kann es mich umhauen. Viel Kohlenstoffmonoxid, abgekürzt CO, entsteht, wenn zu wenig Sauerstoff, also Luft für die Verbrennung, an die Flammen im Ofen kommt. Und das ist häufig dann der Fall, wenn Fenster und Türen so dicht schließen, dass keine frische Luft von außen nachströmen kann.

Heißes Abgas ist viel leichter als 20° warme Raumluft, so dass es im Ofen nach oben steigt und über das Rauchrohr in den Schornstein „auswandert“. Da das Abgas abströmt, kommt es zu einem Sog mit der Wirkung, dass Verbrennungsluft aus dem Aufstellraum des Ofens angesaugt wird. Es gibt demnach einen Druckausgleich, der jedoch nur dann in erforderlichem Maße stattfindet, wenn frische Luft nachströmen kann. Aber sehr dichte Fenster und Türen können dies verhindern. In der Folge verläuft der chemische Vorgang der Verbrennung nicht optimal. Mit anderen Worten: Es entsteht weniger Kohlenstoffdioxid, abgekürzt CO2, als bei optimaler Verbrennung entstehen könnte. Dabei entsteht aber auch weniger Wärme, als der Brennstoff zu spenden in der Lage ist. Aber mit „Heizungsluft“ hat das alles wohl nichts zu tun. Ich merke mir aber, dass ich mir das mit den dichten Fenstern zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal genauer anschauen muss.

Ältere Kachelofenluftheizung in einem Abrisshaus (Bild von Peter H. auf pixabay.com)
Ältere Kachelofenluftheizung in einem Abrisshaus (Bild von Peter H. auf pixabay.com)

Mir kommt noch eine weitere Heizungsart in den Sinn, bei der warme Luft im Haus verteilt wird. Bei einer Kachelofen-Luftheizung wird ein Heizeinsatz aus Stahl befeuert, der die ihn umgebende Luft erwärmt. Durch Kanäle kann die erwärmte Luft auch in verschiedene Etagen über dem Aufstellort transportiert werden. Sie strömt dort aus Öffnungen, die verstellbare Klappen für die Regelung besitzen. Heizungsluft? Sicher gibt es auch bei diesem Heizungssystem eine Staubverschwelung, in den Schächten und Kanälen wird sich ein Menge Staub absetzen. Abgesehen davon weiß ich, dass sich solche Heizungen meist schlecht regulieren lassen. Außerdem tritt die erwärmte Luft aus einem Schachtsystem, dass meist in der Mitte des Hauses angeordnet ist. So richtig behaglich wird es mit einer solchen Heizung in Fensternähe also wohl kaum. Aber trockene Heizungsluft? Wodurch sollte die Luft getrocknet werden? Die am Heizeinsatz vorbeiströmende Raumluft erwärmt sich lediglich, sie wird dort weder befeuchtet noch trockener gemacht.

Mein Fazit: Eine Heizungsanlage, egal welche, kann eine spezielle Heizungsluft, wenn von der Staubverschwelung mal abgesehen wird, nicht entstehen lassen. Sie kann die vorhandene Raumluft unabhängig vom Heizungssystem nur erwärmen und in Bewegung bringen. Auch die Dinge, wie Wände, Fußboden, Möbel usw. werden durch Berührung mit der erwärmten Luft und durch die Wärmestrahlung der Heizflächen allmählich wärmer, die Oberflächentemperatur erhöht sich. Das kann ich fühlen und das zeigen mir meine Thermometer verlässlich an. Es gibt aber keine Einrichtungen in einer normalen Heizungsanlage, die der Raumluft Feuchtigkeit zu- oder von ihr abführt. Keine der vielen verschiedenen Heizungsarten hat z.B. eine Kondensatsammelschale, wie z.B. der Wäschetrockner – wenn man von einer außen aufgestellten Luft-Wasser-Wärmepumpe für Heizzwecke absieht. Auch einen Wasseranschluss zur Befeuchtung der Raumluft gibt es nicht. Eine Heizungsanlage kann also die Raumluft weder trockener noch feuchter machen. Warum aber gibt es dann spezielle Messinstrumente, genannt Hygrometer, die unterschiedliche Werte anzeigen? Ich möchte herausfinden, was es damit auf sich hat, und ob ich den Feuchtegrad der Luft aktiv beeinflussen kann. …weiterlesen

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