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Nachträgliche Dämmung der Kelleraußenwand

14.11.2017 | 91 x | von: now | Kategorie: Keller und Bodenplatten | Druckansicht Druckansicht

Nachträgliche Dämmung der Kelleraußenwand
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Entscheidungsgrundlagen für eine nachträgliche Dämmung der Kelleraußenwand, Innen- oder Außendämmung, Dämmstoffe, Ausführung, Kosten

Zweifellos sind Thermogramme des Erdgeschosses mit Keller hilfreich. Es ist bei der Interpretation von Wärmebildern jedoch zu berücksichtigen, dass Kellerwände bei traditionellem Wandaufbau über dem Erdreich nahezu immer erhöhte Temperaturen anzeigen. Also Vorsicht und lassen Sie sich nichts einreden: Meist kann aus den Wärmebildern nicht abschließend die Notwendigkeit zur Wärmedämmung der Kelleraußenwand abgeleitet werden.

Erhöhte Temperatur der Kellerwand
Erhöhte Temperatur der Kellerwand
Dies hat verschiedene Gründe. Z.B. kann der scheinbar problematische Keller eine vergleichsweise hohe Kellertemperatur auch ohne aktive Beheizung besitzen. Als Ursache kommt z.B. eine Heizungsanlage in Frage, die sich in den Kelleräumen auf der thermografierten Hausseite befindet. Ebenfalls problematisch: Das Thermogramm entsteht an einem frostigen Abend, obwohl die Tagesmitteltemperaturen der Tage zuvor recht hoch waren. Auch in diesem Fall wird die Kellerwand verdächtig erscheinen. Hauptgrund aber ist die Tatsache, dass bei den meisten Häusern die Kellerwand viel schlechtere wärmetechnische Eigenschaften aufweist als der Wandaufbau der Wohnräume.

Ganz allgemein gilt: Wird ein Keller nicht aktiv beheizt, so gibt es keinen Grund, die Wärmedämmung der Kelleraußenwand zu verbessern. In diesem Fall sollte jedoch die untere Geschossdecke (Kellerdecke) untersucht und dort die Wärmedämmung ggf.verbessert werden (ausführliche Informationen dazu: Wärmegedämmte unterste Geschossdecke)

Kellerdämmung von außen
Kellerdämmung von außen
Werden aber einzelne Kellerräume oder das ganze Geschoss mehr oder weniger aktiv beheizt (Wohnräume, Wellness, Arbeitszimmer, Hobbyraum usw.), ist eine Dämmung nicht nur angebracht, sondern unter dem Behaglichkeitsaspekt unbedingt erforderlich. Ob diese besser von innen oder von außen zu montieren ist hängt von der Nutzungsart der Räume ab. Räume mit eher seltener Nutzung und Räume mit raschem Behaglichkeitsbedarf können zweckmäßig von innen gedämmt werden. Dagegen sollten Räume mit dauerhafter Nutzung – wenn die Möglichkeit besteht – besser von außen gedämmt werden. Allerdings ist die Montage einer Perimeterdämmung mit erheblichem Aufwand verbunden.

Kelleraußenwände zu dämmen macht also immer dann Sinn, wenn

  • Räume im Kellergeschoss dauerhaft beheizt werden
  • mit der Maßnahme gleichzeitig Sperrschichten (vertikal, horizontal) erneuert werden,
  • eine Drainage oder direkt am Haus verlaufende Grundleitungen eingebaut oder erneuert werden,
  • eine Außentreppe neu gestellt wird.

Wenn von Kelleraußenwänden gesprochen wird, ist zu beachten: Auch eine Kellertrennwand wird praktisch zur Außenwand, wenn nur ein oder zwei Räume aktiv beheizt werden. Wenn sich z.B. hinter einem Arbeitsraum im Keller das Lager für Eingewecktes befindet, ist auch die Wand zum Lager zu dämmen.

Treppenanlage vor schwach gedämmter Kellerwand
Treppenanlage vor schwach gedämmter Kellerwand
Nachträgliche Perimeterdämmung und separat gestellter Unterbau für Treppenanlage
Nachträgliche Perimeterdämmung und separat gestellter Unterbau für Treppenanlage

Innendämmung der Kelleraußenwand

Innendämmung eines Betonkellers
Innendämmung eines Betonkellers
Eine Innendämmung der Kelleraußenwände kommt in Frage, wenn Räume eine rasche Aufheizung benötigen. Die Ausführung und die verwendeten Materialien unterscheiden sich nicht von einer Innendämmung sonstiger Außenwände. Elementare Voraussetzung ist auch hier, dass die zu dämmende Wand trocken ist und für eine absehbare Zeit auch trocken bleibt. Es sollte also sicher sein, dass sowohl horizontale als auch vertikale Sperrschichten intakt sind. Ist dies nicht der Fall oder hat man begründete Zweifel, sollte ein Innendämmung nicht vor der Erneuerung vertikaler bzw. horizontaler Sperrschichten in Angriff genommen werden.

Eine weitere wichtige Regel bei Innendämmungen gilt für die Montage, die so erfolgen muss, dass der Dämmstoff nicht von Raumluft hinterströmt werden kann. Ausführliche Hinweise zur Ausführung der Innendämmung finden Sie im Artikel: Innendämmung von Außenwänden

Innendämmungen weisen immer ein gewisses Restrisiko infolge bestimmter Ausführungsmängel auf und meist bleiben einige Wärmebrücken. Ich empfehle daher bei Nutzungen, die zu einer hohen Raumluftfeuchte führen (Sauna, Dusche, Wellness), eine automatisch geregelte Lüftungsmöglichkeit vorzusehen. Als Führungsgröße kann die Luftfeuchtigkeit dienen, so dass beim Überschreiten eines kritischen Wertes die Abluftanlage in Betrieb geht und dann solange arbeitet, bis die Luftfeuchtigkeit auf ein Normalmaß von etwa 50 % zurückgegangen ist. Achten Sie darauf, dass die Frischluft von außen angesaugt wird und nicht über andere Kellerräume oder das Wohnhaus in die betreffenden Räume gelangt. Dazu besteht die Möglichkeit, Ventile in Fensterrahmen oder die Außenwand einzubauen. Hinweise zu Abluftanlagen finden Sie im Abschnitt Raumklima und frische Luft.

Außendämmung der Kelleraußenwand

Erneuerung der vertikalen Sperrschicht mit nachträglicher Wärmedämmung der Kelleraußenwand
Erneuerung der vertikalen Sperrschicht mit nachträglicher Wärmedämmung der Kelleraußenwand
Eine Außendämmung der Kelleraußenwand hat den Vorteil gegenüber einer Innendämmung, dass Wärmebrücken weitgehend vermieden werden können. Allerdings ist der Aufwand beträchtlich und die Maßnahme wirtschaftlich nur zu empfehlen, wenn ohnehin Schachtarbeiten (Sperrschichten, Drainage) anstehen.

Nachdem ggf. Sperrschichten erneuert wurden, wird der Dämmstoff  z.B. mit einem bitumenhaltigen Klebemörtel angebracht. Der Dämmstoff sollte – wenn möglich – bis zur Unterkante der Kelleraußenwand geführt werden. Das Anbringen der Dämmplatten in noch nicht getrocknete Abdichtungen ist zu vermeiden.

Geeignete Dämmstoffe für die Außendämmung

Auf die Außendämmung der Kellerwand, auch Perimeterdämmung genannt, wirkt

  • Erddruck, der durch Verkehrslasten erhöht sein kann,
  • Feuchtigkeit durch Sicker-, Stau- oder Grundwasser und
  • bis ca. 80 cm in der Tiefe Frost-Tau-Wechsel.

Diese Einflüsse stellen zusätzliche Anforderungen an die verwendbaren Dämmstoffe für Perimeterdämmungen.

Ansetzten der Perimeterdämmplatte mit bitumenhaltigem Kleber
Ansetzten der Perimeterdämmplatte mit bitumenhaltigem Kleber
Für Perimeterdämmungen sind speziell zugelassene Schaumkunststoffe im Handel, wie extrudiertes Schaumpolystyrol (XPS, ausführliche Dämmstoffbeschreibung hier) oder Glasschaum-Dämmplatten (ausführliche Dämmstoffbeschreibung hier). Geeignetes XPS  ist häufig eingefärbt (grün, rosa, blau).

Eine Perimeterdämmung darf nicht mit ähnlich aussehenden Drainage- oder Schutzplatten verwechselt werden. Deren Aufgabe besteht in der Ableitung von Wasser in die Drainageschicht bzw. im Schutz der Vertikalsperrung (z.B. gegen Steindruck).

Materialkosten

Bei einer nachträglichen äußeren Wärmedämmung der Kellerwand mit Styrodur muss bei einer Dämmstoffstärke von 100 mm mit Kosten von etwa 20 bis 25 € pro m² für das Material gerechnet werden. Dafür erhält man den Dämmstoff, Kleber und eine Bitumendickbeschichtung für die vertikale Sperrschicht. Der Aushub ist darin nicht enthalten.

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