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Kann auch Luft gesättigt sein?

08.10.2019 | von: fegonnow54 | Kategorie: Allgemein | Druckansicht Druckansicht

Luft kann mit Wasserdampf gesättigt sein – ein temperaturabhängiger Zustand, bei dem sich die maximale Zahl von Dampfmolekülen gasförmig in der Luft aufhält.

Hier nun bringen wir den Begriff Sättigung ins Spiel. Wer satt ist, mag nicht mehr. So verhält sich auch unsere Umgebungsluft: Sie nimmt nicht beliebig viel Wasser als Wasserdampf auf. Wie viel es sein kann, ist abhängig von der Temperatur der Luft. Warme Luft kann viel Wasserdampf aufnehmen bzw. enthalten, kalte Luft nur wenig.

tröpfchenförmiger Wasserdampf in der Raumluft
tröpfchenförmiger Wasserdampf in der Raumluft

Wenn die maximale Aufnahmefähigkeit bei einer bestimmten Lufttemperatur erreicht wird, sagen die Experten, ist die Luft mit Wasserdampf gesättigt. Mehr geht nicht. Unsere Ausatemluft ist immer nahezu gesättigt, weil sie bei etwa 33°C eine Wasserdampfmenge von etwa 32 Gramm Wasser pro m³ transportiert (maximal sind es 36 g). Kühlt sich die fast gesättigte Ausatemluft auf Raumtemperatur ab, entsteht Kondensat (ein anderes Wort für Tauwasser), welches sich wegen der geringen Menge aber meist rasch wieder verflüchtigen kann.

Die Luft in unseren Wohnräumen ist im Gegensatz zur Ausatemluft in der Regel nicht annähernd gesättigt. Sie könnte also bis zu der von der Lufttemperatur abhängigen Sättigungsgrenze weiteres Wasser als Wasserdampf aufnehmen. Es entstünden damit jedoch zunehmend Bedingungen, die sowohl das Wohlfühlklima als auch die Bedingungen für bauschadensfreies Wohnen negativ beeinflussen.

Wir fühlen uns nicht wohl, wenn die Temperaturregulation des menschlichen Körpers beeinträchtigt ist. Das ist dann der Fall, wenn der Wasserdampfanteil in der Luft sehr hoch ist (Schwüle!). Hierbei kann die beim Ausatmen mitgeführte Energie nicht optimal von der Umgebungsluft aufgenommen werden. So ist es auch beim Schwitzen, einer Art Temperaturregulation durch Wasserverdunstung. Dabei macht sich der Körper zu nutze, dass beim Verdunsten von Wasser der Haut Wärme entzogen wird. Kann das verdunstete Wasser in der Nähe der Sättigungsgrenze jedoch nicht mehr durch die Umgebungsluft aufgenommen werden, funktioniert die Körpertemperaturregelung nicht mehr.

Tauwasser am unteren Rand einer Fensterverglasung
Tauwasser am unteren Rand einer Fensterverglasung

Bei einem hohen Wasserdampfgehalt nahe der Sättigungsgrenze wird aber auch jede Wärmebrücke in den vier Wänden zum Problem. Wärmebrücken (umgangssprachlich auch Kältebrücken genannt) sind Bereiche der Baukonstruktion, die wegen schwächerer Wärmedämmung kühler sind als die Umgebung. Auf Wärmebrücken können sich Wassertröpfchen infolge Taupunktunterschreitung bilden. Dass ist gut in einer Saunaumgebung oder einem Dampfbad zu beobachten. Dort wo sich Tröpfchen bilden, sind die Oberflächen etwas kälter. Im Wohnraum zeigen sich eine Tröpfchenbildung z.B. am unteren Rand der Fensterscheibe. Weniger gut beobachten kann man die Tröpfchenbildung in Fensterlaibungen oder auf schwach gedämmten Sturzträgern, wobei die nachfolgend einsetzende Schimmelpilzbildung wiederum meist gut zu sehen ist. Infolge einer Durchfeuchtung der Außenwände sinkt die Wärmedämmung der Wandbaustoffe, so dass zur Aufrechterhaltung einer gewünschten Temperatur intensiver geheizt werden muss – ein Teufelskreis.

Mein Fazit: Die Luft ist gesättigt, wenn sich ständig Wasserdampfmoleküle zu Wassertröpfchen verbinden, und im gleichen Moment auch wieder voneinander lösen und verdunsten. Das geschieht durch Abkühlung der Luft über verhältnismäßig kalten Oberflächen. Raumluft mit einem hohen Wasserdampfanteil verschlechtert die Temperaturreglung des menschlichen Körpers. Bei schwacher Wärmedämmung, besonders an Wärmebrücken, erhöht sich außerdem die Gefahr der Schimmelbildung, der Heizwärmebedarf steigt. Damit die Heizkosten nicht ausufern und das Wohnraumklima gesund und behaglich bleibt, darf die Wasserdampfmenge in der Raumluft nicht zu hoch ausfallen….weiterlesen

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