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Fühlen Sie sich im Freien besser als zu Hause?

17.10.2019 | von: fegonnow54 | Kategorie: Fensterlüftung, Lüften lernen!, Luftqualität, Luftschadstoffe, Schimmel | Druckansicht Druckansicht

Welche Luftschadstoffe im Innenraum vorkommen, wie sie vermieden werden bzw. wie man sich dagegen schützen kann.

Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens in Innenräumen, zumindest in der westlichen Kultur im Norden. Ist es dann nicht höchst merkwürdig, wenn man sich im Freien besser als zu Hause in geschlossenen Räumen fühlt? Worin besteht der Unterschied, was ist anders zu Hause? Und warum lassen viele Menschen überhaupt zu, sich, umgeben von Raumluft, unwohl zu fühlen?

Rauch, Bild von Free-Photos auf pixabay.com
Rauch, Bild von Free-Photos auf pixabay.com

Dass die Innenraumluft frei von Stoffen sein sollte, die möglicherweise unsere Gesundheit beeinträchtigen, ist eine elementare Forderung. Da ich jedoch aufgrund meiner Messungen in hunderten Wohnungen eine Tendenz zur Verringerung der Luftwechselrate in Wohnungen beobachten konnte, schlussfolgere ich, dass wahrscheinlich die Anzahl und Konzentration von Luftschadstoffen in den letzten 30 Jahren in Innenräumen zugenommen hat.

Ich zähle zu den Luftschadstoffen in diesem Zusammenhang alle Inhaltsstoffe der Luft, mit denen wir mittel- oder unmittelbar durch die Wohnraumluft in Kontakt kommen, und die dass Potential haben, unsere Gesundheit zu beeinträchtigen. Daher werden auch an sich unverdächtige Stoffe, wie z.B. Kohlendioxid und Wasserdampf zu Schadstoffen, wenn sie ab einer bestimmten Konzentration zu Problemen führen können. Also dann, wenn in Folge ihrer Anwesenheit Schimmelbildung einsetzt oder zu hohe Konzentrationen zu Kopfschmerzen und Unbehaglichkeit führen.

Unter dem Titel “Allergien auf dem Vormarsch” schreibt Dr. Oliver Larbolette, Freiburg, auf der Seite Spektrum.de, dass “…heute über 30 % der erwachsenen Bevölkerung in England und den USA an Heuschnupfen leiden, während diese Erkrankung dort noch vor 200 Jahren praktisch unbekannt war. Noch deutlicher ist der Trend bei Asthma. Hier hat sich die Zahl der Erkrankungen innerhalb der letzten 20 Jahre mehr als verdoppelt, so dass Asthma heute die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter ist. Interessanterweise ist der Zuwachs an Allergien jedoch nicht überall gleichmäßig, sondern steht in starker Abhängigkeit von Lebensart und Lebensraum. So sind z.B. Heuschnupfen und Asthma in ländlichen Gegenden von Afrika, Russland oder von Entwicklungsländern deutlich seltener als in entwickelten Industrieländern mit „westlichem“ Lebensstil.”

Man darf wohl aus dieser Entwicklung ableiten, dass die Qualität der Innenraumluft und ihre ggf. enthaltenen Luftschadstoffe einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen haben kann. Viele Forscher und Sachverständige sind daher davon überzeugt, dass eine Reihe von Gesundheitsstörungen und allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe der Raumluft, mikrobielle Ursachen und Schimmelpilzgifte zurückzuführen sind bzw. diese verstärken. Fühlen Sie sich im Freien besser als zu Hause? Dann sollten Sie sich mit den möglichen Schadstoffen in der Wohnraumluft beschäftigen!

Nun, ich denke, dass die meisten nicht einmal ahnen, geschweige denn wissen, wie viele und oftmals problematische Stoffe sich in der Raumluft der eigenen vier Wänden aufhalten. Und zwar zeitgleich und lange.

Schauen wir uns Analysen gasförmiger Luftschadstoffe in Raumluft an, kommen folgende Emittenten dafür in Frage:

  • Biozide, das sind Mittel gegen Algen, Pilze, Bakterien, Insekten u.a., z.B. auch im Mücken- oder Ameisenspray (Permethrin);
  • Holzschutzmittel in Holzkonstruktionen, z.B. Dachbalken, Deckenbalken, Dachlatten, (ältere, wie PCP, DDT, Lindan) und Geruchsstoffe (z.B. Hexanal, Terpene bei OSB-Platten);
  • Lösungsmittel aus Farben, Lacken, Klebstoffen, Reinigungsmitteln;
  • Geruchsstoffe aus Seifen, Körperpflegemitteln, Waschmitteln, Weichspülern, u.a.;
  • Konservierungsstoffe (Formaldehyd, z.B. aus Mobiliar);
  • Weichmacher, wie Phthalate, z.B. aus PVC-Fußbodenbelägen, Kinderspielzeug, Kunststoffmöbeln und Beschichtungen (Vinyl-Tapeten);
  • bromierte Flammenschutzmittel in Kunststoffen (für Computer und Fernsehgeräte), z.B. Verbindungen wie HBCD oder Phosphorsäureesther TCEP;
  • Stabilisatoren in Kunststoffen (wie Organozinnverbindungen, DBT), z.B. Kunststoffrahmen von Fenstern und Türen;
  • Bestandteile der Abgase aus der Verbrennungsprozessen (z.B. Stickstoffoxide, Kohlenmonoxid aus Gasherden, atmosphärische Verbrennung, Kerzen, Kaminöfen, offene Kamine mit Gasfeuer);
  • Gasförmige Stoffe aus der Staubverschwelung auf heißen Oberflächen (wie z.B. Kaminöfen, elektrische Heizkörper);
  • Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen in Symbiose mit verschiedenen Bakterien, z.B. Aflatoxine;
  • Ozon, z.B. aus Laserdruckern;
  • Tonerpartikel und Ausgasungen von Tonermaterial beim Fixieren;
  • Duftstoffe aus Waschmitteln, Seifen, Kosmetika, Reinigungsmittel, u.a.;
  • Geruchsstoffe zur Maskierung anderer Gerüche (Wunderbaum, Raumspray, Duftlampen, Räucherstäbchen, „Aromatherapie“-Produkte);
  • Ausdünstungen aus Aufwischlappen (Bakterien);
  • Gewürze;
  • Radon-Quellen (aus dem Erdreich in bestimmten Regionen);
  • Geruchsbelastungen aus Müll- und Komposteimern, schimmelnder Kaffeesatz in Kaffeautomaten, Behältnisse für „Grüner Punkt“;
  • Menschliche Ausdünstungen, Pupse;
  • u.v.a.m.

Zahlreiche Belastungen können durch konsequente Nichtanwendung vermieden werden. Für die vier Wände empfiehlt es sich ausschließlich auf Bauprodukte zu setzen, die mit dem blauen Engel gekennzeichnet sind. Lassen Sie sich auch die Volldeklaration der Inhaltsstoffe von Baumaterialien zeigen.

Belastungen aus Geruchs- und Duftstoffen lassen sich weitgehend durch Verbrauchsvermeidung bzw. -minderung beseitigen. Auf lösungsmittelhaltige Farben und Reinigungsmittel kann ebenso ganz verzichtet werden, wie auf Holzschutzmittel im Innenbereich. Schlechte Innenraumluft sollte auch nicht mit Duftstoffen überdeckt werden. Besser ist es, die Quellen unangenehmen Geruchs zu beseitigen, die Wohnung regelmäßig zu lüften und zu reinigen.

Umweltbedingte Erkrankungen zu erkennen ist eine Sache der Umweltmedizin. Auskunft über niedergelassene Ärzte mit dieser Zusatzqualifikation geben die Landesärztekammern. Hinweise geben auch die umweltmedizinischen Beratungsstellen der Gesundheitsämter.

Mein Fazit: Auf eine sehr große Zahl von Materialien, die Luftschadstoffe absondern, kann ganz verzichtet werden. Für alle Stoffe die ins Haus kommen, sollte eine Volldeklaration aller Inhaltsstoffe angeschaut werden. Bei geringstem Verdacht sollte auf Kauf und Anwendung verzichtet werden. Alternativen gibt es meistens. Eine ausreichende Lüftung der Räume steht bei der Minderung des Einflusses von Luftschadstoffen im Vordergrund.

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