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Kaltes Wasser aus dem Warmwasserhahn?

14.11.2017 | 117 x | von: now | Kategorie: Warmwasserbereitung, Zirkulation | Druckansicht Druckansicht

Kaltes Wasser aus dem Warmwasserhahn?
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Erfahren sie, wie eine Einrichtung zur Zirkulation von Warmwasser funktioniert, wie sie geplant wird und welchen Nutzen sie hat.

Sie kennen das Problem: Man dreht den Warmwasserhahn auf und statt des erwarteten warmen Wassers kommt einige Sekunden nur kaltes Wasser. Sie ärgern sich über das weglaufende, ungenutzte Wasser, und es kommt Ihnen so vor, als wären es etliche Liter.

Die Ursache ist klar: Liegen die Wasserhähne relativ weit vom Warmwasserspeicher einer Zentralheizungsanlage entfernt, kühlt das in den Verbindungsleitungen stehende Warmwasser zwischen zwei Entnahmen mehr oder weniger ab. Dieses abgekühlte Wasser muss erst aus der Leitung verdrängt werden, ehe warmes Wasser nach fließen kann. Wie viel Wasser weglaufen muss, hängt vom dem Rohrmaterial, dem Rohrdurchmesser und der Länge ab, und kann nachstehender Tabelle entnommen werden.

Beispiel: Bei einer 5 m langen Warmwasserleitung mit einem Durchmesser von 18 mm “steht” etwa ein Liter Wasser in der Leitung.

Außendurchmesser eines Kupferrohres mal Wanddicke in mmRohrlänge pro Liter in mLiter pro Meter RohrlängeVergleichs-menge, etwa
10,0 x 119,90,05übervolles Schnapsglas
12,0 x 112,740,078zwei Doppelte
15,0 x 17,530,13knapp volle Kaffeetasse
18,0 x 150,2volles Wasserglas
22,0 x 13,190,31Büchse Cola

Außerdem wird das nachströmende warme Wasser auch das Rohr erwärmen, so dass noch eine Materialabhängigkeit hinzukommt. Während Kupferrohr viel Wärme entzieht, ist der Einfluss von Kunststoffrohren geringer.

Möglichkeiten, diese Probleme zu umgehen oder zu beseitigen, bestehen

  • im Einbau einer Zirkulationsleitung mit Pumpe;
  • im Anbringen einer elektrischen Begleitheizung;
  • im Einbau von elektrischen Nacherwärmungsgeräten (ähnlich einem Durchlauferhitzer);
  • im Einbau von Heizgerät und Warmwasserspeicher bzw. Durchlauferhitzer in den beheizten Bereich des Hauses, z.B. im Bad
  • in der Konzentration der Zapfstellen nahe dem Warmwasserbereiter und dem Einzelanschluss der Zapfstellen vom Speicher (d.h. strahlenförmige Verrohrung der Warmwasserleitungen bei geringem Querschnitt);
  • in der Dezentralisierung (Warmwasserbereiter direkt an den Zapfstellen).

Von Anfang an lässt sich durch gute Planung der Einbau der einen oder anderen Zusatzeinrichtung vermeiden. Denn alle Hilfsmittel verursachen einen mehr oder weniger großen finanziellen Aufwand bei der Anschaffung und während des Betriebes.

Ich empfehle die entsprechende haustechnische Planung zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu beginnen. Bereits bei der Raumzuordnung – also der Grundrissplanung bei einem Neubau – ist der Aufstellort des Warmwasserspeichers von möglichst kurzen Rohrleitungen abhängig zu machen. Dabei sind zu den Wasserhähnen Küche und Zähneputzen die kürzesten Rohrleitungen vorzusehen.

Ist die Raumanordnung im Bestand nicht veränderbar oder ergibt sich aus der Architektur des Hauses keine sinnvolle Zuordnung, prüft man zunächst, ob es möglich ist, eine Zirkulation mit Leitung und Pumpe einzubauen.

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