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Wärmegedämmte Bodenplatte

08.06.2018 | 301 x | von: now | Kategorie: Keller und Bodenplatten, Wärmebrücken | Druckansicht Druckansicht

Wärmegedämmte Bodenplatte
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Alles über die wärmegedämmte Bodenplatte, ihre Bedeutung, verwendbare Dämmstoffe und die Verlegung der Schalungselemente.

Im Gegensatz zur streifenförmigen Gründung mit und ohne Keller stellt die Bodenplatte eine Flachgründung eines Gebäudes dar.

Fertig betonierte und ausgeschalte Bodenplatten konventioneller Art
Fertig betonierte und ausgeschalte Bodenplatte konventioneller Art

Bodenplatten nehmen die Gebäudelasten auf und leiten sie möglichst gleichmäßig an das tragfähige Erdreich weiter. Damit werden ungleichmäßige Setzungen und somit auftretende Gebäudespannungen verhindert. Bauwerkslasten abtragende Bodenplatten werden in Stahlbeton hergestellt. Unterhalb dieser Bodenplatten ist eine kapillarbrechende Schicht eingebaut. Sie verhindert den Aufstieg von Bodenfeuchtigkeit.

Frostsicherheit der Bodenplatte

Die Forderung nach einer frostfreien Gründungssohle von Wohngebäuden ergibt sich aus der Erfahrung und fand seinen Niederschlag in der DIN 1054 “Baugrund” . Dort heißt es: “Die Sohlfläche der Gründung dauernd genutzter Bauwerke muss frostsicher sein. Sofern die Frostsicherheit nicht auf andere Weise nachgewiesen wird, muss der Abstand von der dem Frost ausgesetzten Fläche bis zur Sohlfläche der Gründung mindestens 0,80 m betragen”. In sehr kalten Regionen Deutschlands (Zonen mit niedrigerer Auslegungstemperatur als minus 12°C) muss die Frostgrenze tiefer, u.U. bis 1,20 m angesetzt werden. Allerdings gilt diese Aufgabenstellung nur unter der Voraussetzung, dass oberflächennahes Wasser unterhalb der Bodenplatte gefrieren könnte.

Die Frostsicherheit ist in der Regel auch gewährleistet, wenn eine so genannte Frostschürze ausgebildet wird. Die ungedämmte Bodenplatte wird dazu ringsum mit einer senkrechten Schürze aus Beton versehen, die gleichzeitig als Streifenfundament wirksam wird. Sie soll verhindern, dass Oberflächenwasser unter das Bauwerk läuft und im Winter zu Frostschäden führt. Bei Häusern ohne Kellergeschoss kann die Frostschürze durch eine entsprechend hohe Schotterpackung ersetzt werden, die durch eine Ringdrainage trocken gehalten wird. Die Drainage verhindert, dass sich die Schotterschicht mit Wasser voll saugen und bei Frost gefrieren kann.

Wärmegedämmte Bodenplatte

Wärmegedämmte Bodenplatten fußen auf einem kombinierten Dämm- und Schalungssystem. Die nach Plan vorgefertigten Schalungselemente für die Bodenplatte bestehen vollständig aus einem erdfeuchtebeständigen Dämmstoff (auf dem Foto Styrodur, grün). Sie werden nach einer Verlegevorschrift auf die kapillarbrechende Schicht aufgelegt, zusammengesteckt und verklebt. In die sich bildende Wanne wird anschließend die stahlbewehrte Bodenplatte gemäß Statik gegossen.

Fertiger Schalungsrand einer gedämmten Bodenplatte mit dem waagerecht nach außen geführten Frostschirm
Fertiger Schalungsrand einer gedämmten Bodenplatte mit dem waagerecht nach außen geführten Frostschirm

Baugrund und Schichtenaufbau unter der Bodenplatte bleiben ausreichend frostsicher, wenn in waagerechter Richtung ein so genannter Frostschirm ausgebildet wird. Dieser wird in einer Stärke von 30 bis 50 mm und aus dem gleichen Material wie die Dämmung bestehend waagerecht ausgeführt (wird von den Systemherstellern meist mit angeboten). Die Auslage wird nach der Klimazone bemessen und beträgt normalerweise etwa 50 cm. Neben zahlreichen Vorteilen, die eine gedämmte Bodenplatte ohne senkrechte Frostschürze aus Beton hat, bringt diese Lösung allerdings den Nachteil mit sich, dass bei nachträglichen Erdarbeiten am Gebäude der Frostschirm zerstört werden kann und eine Unterhöhlung der Bodenplatte möglich wird. Mit einer Frostschürze aus Beton lassen sich dagegen Grabungen am Gebäude (z.B. für die Einleitung eines Mediums) problemlos realisieren, ohne dass die Materialdichte unterhalb der Gründung beeinflusst wird.

Die besondere Konstruktion wärmegedämmter Bodenplatten führt zu einen wichtigen Vorteil gegenüber traditionell hergestellten Bodenplatten:

Fertig verlegte Schalung für die wärmegedämmte Bodenplatte
Fertig verlegte Schalung für die wärmegedämmte Bodenplatte

Der Fußpunkt der Außen- und Innenwände ist praktisch wärmebrückenfrei und von einer Wärmedämmung rundherumeingeschlossen. Wärmegedämmte Bodenplatten sollten daher meiner Meinung nach die Regelausführung von Ein- und kleineren Mehrfamilienhäusern werden. Bei Passivhäusern, also Gebäuden mit optimaler Dämmung, sind sie ohnehin Voraussetzung dafür, dass nur ein minimaler Wärmebedarf besteht.

Besonders empfehlenswert bei zweischaligen Wandkonstruktionen

Vorbereitung des Aufbaus einer zweischaligen Wandkonstruktion mit Kalk-Sand-Stein und WDVS
Vorbereitung des Aufbaus einer zweischaligen Wandkonstruktion mit Kalk-Sand-Stein und WDVS

Eine wärmegedämmte Bodenplatte spielt Ihre Vorteile besonders dann aus, wenn auch eine von außen gedämmte Außenwandkonstruktion (tragende Wand plus außen aufgebrachte Dämmschicht) gewählt wird. Durch den lückenlosen Übergang der Dämmung der Bodenplatte in die Dämmschicht der Wand entsteht eine wärmebrückenfreie Konstruktion vom Erdreich bis zur obersten Geschossdecke bzw. der Dachhaut. Das Resultat ist eine gleichmäßig temperierte Wandoberfläche mit geringen Wärmeverlusten bei optimaler Behaglichkeit. Schimmelbildung ist bei sorgfältiger, wärmebrückenfreier Verarbeitung ausgeschlossen.

Geeignete Dämmstoffe

Der Dämmstoff unterhalb einer Bodenplatte muss mehrere wichtige Eigenschaften besitzen. Zunächst muss der Dämmstoff eine Festigkeit aufweisen, die es ermöglicht, die gesamte Last des Gebäudes über die Fläche auf das Erdreich abzutragen. Es bedarf daher eines ausreichend langzeitstabilen, druckfesten Dämmstoffes. Dieser muss darüber hinaus unempfindlich gegenüber Bodenfeuchtigkeit und chemischen Inhaltsstoffen aus dem Erdreich sein.

Angelieferte, vorgefertigte Dämmelemente aus Styrodur
Angelieferte, vorgefertigte Dämmelemente aus Styrodur

Solche Eigenschaften besitzen nur wenige Dämmstoffe. Schaumglas und extrudiertes Schaumpolystyrol (XPS) gehören dazu. Die Hersteller sollten für den speziellen Anwendungsfall eine Zulassung des deutschen Instituts für Bautechnik vorlegen können. XPS bzw. Polystyrol-Hartschaum ist ein geschlossenzelliges Material grüner, blauer oder violetter Färbung mit einer Dichte von mehr als 30 kg/m³, wenn es für die Dämmung unterhalb von Bodenplatten geeignet sein soll. Die Wärmeleitfähigkeit des Materials liegt bei etwa 0,035 W/mK. Die Druckfestigkeit sollte mindestens 300 kPa betragen.

Achtung: Einige am Markt vertriebene Dämmstoffe für Bodenplatten bestehen lediglich aus expandiertem Polystyrol (EPS) und besitzen keine oder nur einschränkende Zulassungen.

Ausschau halten sollte der Hauserbauer auch nach dem Passivhauszertifikat für die gedämmte Bodenplatte. Mit einem solchen Zertifikat auf das Gesamtsystem und die entsprechende Dämmstoffstärke liegt man auch im weniger ambitionierten Niedrigenergiehausbau auf der sicheren Seite.

Welche Dämmstoffstärke wird empfohlen?

Eine passivhaustaugliche Bodenplatte hat eine Dämmstoffstärke von wenigstens 25 cm, wenn XPS zum Einsatz kommt. Der so erreichte U-Wert der Konstruktion liegt bei 0,13 W/m²K. Keinerlei Abstriche an die Dämmstoffstärke sollte man im Bereich der seitlichen Auslage und des Frostschirmes machen. Der Einbau mehrlagiger Platten des selben Dämmstoffes ist möglich und bringt Vorteile durch die im Versatz verlegten Elemente.

Schaumglasplatten sind ein weniger gebräuchliches Material für gedämmte Bodenplatten, eignen sich aber gleichermaßen. Die Kosten liegen über den Systemen aus XPS. Zu nennen wäre das dampfdichte System mit foamglas-Platten und perisave-Elementen der Deutschen Foamglas AG.

Auch Bodenplattenaufbauten mit Schaumglasschotter sind möglich. Allerdings darf nicht unbeachtet bleiben, dass die für Schotter angegebenen Dämmwerte nur für das trockene Material gelten. Schaumglasschotter unter der Bodenplatte kann bei bestimmten Bedingungen jedoch auch nass werden, wodurch die Wärmeleitfähigkeit steigt, die Wärmedämmung also nachlässt.

Ausführung der wärmegedämmten Bodenplatte (Beispiel)

Nivelierung einer kapillarbrechenden Schicht
Nivelierung einer kapillarbrechenden Schicht

Vorbereitung: Die Vorbereitung unterscheidet sich nicht von den Arbeitsschritten für eine nicht gedämmte Bodenplatte. Ein Splittbett als Sauberkeitsschicht und Nivellierebene sorgt für einen ebenen Unterbau. Die Tragschicht wird gemäß den Anforderungen an den Baugrund und den Angaben des Statikers aufgeschüttet. Randabstellung: Die Anordnung und Verlegung der Randelemente erfolgt nach einem für jedes Objekt speziell gefertigten Verlegeplans auf dem ebenen Unterbau. In den Bildern sind spezielle Randelemente mit Frostschirm (nach EN ISO 13793) nach außen zu sehen. Damit lässt sich eine kostenintensive senkrechte Gründung bis zur Frosttiefe vermeiden. Der Frostschirm ist werksseitig am Randelement angebracht.

zeitweises Fixieren der Eckelemente, ausgerichtet nach Schnurgerüst
zeitweises Fixieren der Eckelemente, ausgerichtet nach Schnurgerüst

Eckausbildungen: Im Bausatz passgenau vorgefertigte und nummerierte Eckelemente gewährleisten auch bei gegliederten Gebäudegrundrissen ein millimetergenaues Verlegen der Randelemente. Das erste Eckelement wird an der Schur ausgerichtet und mittels Eisen für die Dauer der Bodenplattenerstellung fixiert.

Einsetzen der Feder in das Folgeelement
Einsetzen der Feder in das Folgeelement

Verklebung: Die folgenden Elemente werden an den Stößen und im Stufenfalz mit einem speziellen Kleber eingestrichen. Anschließend wird eine Feder in die Nut eingeschoben und das nächste Element angesteckt. Die Frostschürze wird nicht verklebt, damit Sickerwasser ungehindert ablaufen kann.
Der Kleber besitzt die Eigenschaft aufzuschäumen, so dass kleinere Fugen geschlossen werden. Sind die Fugen zu groß, können mittels mitgeliefertem Spezialschaum Hohlräume geschlossen werden.

Die erste Lage der Styrodurplatten wird ausgelegt
Die erste Lage der Styrodurplatten wird ausgelegt

Erste Lage: Die Styrodur® C Platten (hier 10 cm) mit allseitigem Stufenfalz werden in der ersten Dämmlage im schleppenden Verband verlegt. Der Verlegebeginn und die Verlegerichtung erfolgen nach objektbezogenen Montageplänen.
Zweite Lage: Die zweite Dämmlage in der Horizontalen (hier nochmals 10 cm) wird fugenversetzt zur ersten Plattenlage eingebaut, stirnseitig mit der Randabsteifung verklebt und mit speziellen Kunststoffnägeln fixiert. Die bereits fertig zugeschnittenen Randabsteifungen (hier 20 cm) werden ebenfalls verklebt und genagelt.
Für breitere Hohlräume wird ein entsprechend großes Ergänzungstück geschnitten und mit Kleber versehen eingefügt. Schmalere Spalten werden mit Schaum ausgefüllt. Aussparungen oder Durchdringungen werden nach den baulichen Anforderungen und örtlichen Gegebenheiten ausgeschnitten. Spezial-PU-Schaum dichtet verbleibende Hohlräume ab. Am Ende steht eine exakt bemessene, wärmebrückenfreie Schalung für die Bodenplatte.

Verlegung des Fundamenterders

Wird die Dämmung sowohl an den Wänden als auch unter der Bodenplatte verlegt, ist die erforderliche Erdfühligkeit der Bodenplatte nicht mehr gegeben. Im Gegensatz zu einem in der Bodenplatte ohne Dämmungen eingelassenen Erder kann die Ableitung von Fehlerströmen, der Potentialausgleich und der Schutz gegenüber Blitzeinschlägen wegen der isolierenden Eigenschaften der Dämmstoffe nicht mehr erfolgen. Der Fundamenterder muss daher als Ringerder unter der Bodenplatte im Erdreich oder in der Sauberkeitsschicht mindestens im Raster von 10 x 10 Meter verlegt werden (nach DIN 18014). Für den Potentialausgleich bei Blitzschutzsystemen ist ein zusätzlicher Rund- oder Bandstahl (empf. Maschennetz ≤ 20 m x 20 m) zu verlegen.

Eine Darstellung der Verlegung einer gedämmten Bodenplatte mit Frostschürze sehen Sie hier:

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