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Sinn und Verarbeitung von Dämmkeilen

04.12.2017 | 663 x | von: now | Kategorie: Innendämmung, Wärmebrücken | Druckansicht Druckansicht

Sinn und Verarbeitung von Dämmkeilen
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Sinn und Verarbeitung der Dämmkeile als Ergänzung zur wärmebrückenarmen Ausführung von Innendämmungen.

Dämmkeile haben die Aufgabe, negative Wirkungen von Wärmebrücken bei Innendämmung an Anschlüssen (z.B. eingebundene Innenwand, Massivdecken) zu minimieren. Unter Fachleuten wird auch von Flankendämmung gesprochen. Durch den Einbau von Dämmkeilen wird die Wärmebrücke „verlängert“, so dass die Dämmleistung steigt. Mit Hilfe von Dämmkeilen werden die Flanken einer unterbrochenen Innendämmung in das Dämmsystem eingebunden, so dass kritische Oberflächentemperaturen im Randbereich vermieden werden.

Dämmkeile zur Vermeidung von Wärmebrücken an eingebundenen
Dämmkeile zur Vermeidung von Wärmebrücken an eingebundenen Innenwänden

Ich habe Dämmkeile mit gutem Erfolg bei zahlreichen Sanierungen mit Innendämmung eingesetzt. Leider finden sich meiner Meinung nach die so wichtigen Dämmkeile aus einem gut wärmedämmenden und preiswerten Material nicht im Sortiment der Baumärkte. Ein Anbieter aus der Schweiz (Korff, „Superwand DS“) bietet recht teure Keile aus PU-Schaum an, die beidseitig mit einem Alu-Papier-Verbund beschichtet sind. Dieses Material lässt sich gut zuschneiden und sehr gut verarbeiten. Wegen der geringen Wärmeleitfähigkeit von PU-Schaum bietet sich das Material besonders für Fenster- und Türlaibungen an, wo wenig Platz verfügbar ist.

Wo sind Dämmkeile zweckmäßig?

  1. Aufkleben von Dämmkeilen auf beide Außenwandabschnitte
    Aufkleben von Dämmkeilen auf beide Außenwandabschnitte

    In einer Außenwandecke berühren sich zwei Außenwandabschnitte und bilden bei schwach gedämmten Außenwänden eine starke Wärmebrücke, auf der häufig Schimmelbefall feststellbar ist. Nach der Entfernung des ggf. vorhandenen Schimmels (siehe Schimmel im Wohnraum) klebt man Dämmkeile in der gesamten Zimmerhöhe auf beide Wändabschnitte. Diese Maßnahme ist besonders zu empfehlen bei Hohlwandmauerwerk, auch nach dem Einbringen von Dämmstoff in den Hohlraum. Anschließend können die Dämmkeile übertapeziert werden.

  2. An der Unterseite von massiven Decken habe ich im Auflagerbereich häufiger Schimmelprobleme vorgefunden.
    Dämmkeil an der Unterseite der Geschaossdecke
    Dämmkeil an der Unterseite der Geschaossdecke
    Bautechnische Ursache war die Wärmebrücke, die durch die Auflage einer schwach gedämmten Geschossdecke auf der Außenwand entsteht (Alt- und Neubau!) . Die Dämmkeile werden hier an die Unterseite der Decke so in die Ecke geklebt, das der auslaufende Keil zum Raum hin zeigt. Wenn sorgfältig gearbeitet wird, ist der „Auftrag“ der durch den Keil entsteht unter der Deckentapete kaum zu erkennen.
  3. An der Innenseite der Außenwand unmittelbar unter der Decke befinden sich über den Fenstern Sturzträger, die oftmals aus Beton ohne weitere Dämmung bestehen. Im Obergeschoss findet sich an gleicher Stelle und ebenfalls meist schwach gedämmt je nach Bauweise der sogenannte Ringbalken oder Ringanker. Auch dort findet sich an der Innenseite häufig Schimmel.
    Dämmkeil (blau) in der Fensterlaibung
    Dämmkeil (blau) in der Fensterlaibung

    Ein Dämmkeil wird hier nach unten auslaufend, an der Decke beginnend, auf den betreffenden Wandabschnitt geklebt.

  4. In die inneren Laibungen von Fenstern und Türen gehören Dämmkeile, wenn die Außenwandwärmedämmung unzureichend ist. Dazu wird ein Kompriband auf den Fensterrahmen geklebt und ein Dämmkeil sofort in den Laibungsbereich geklebt und fixiert. Was nach innen übersteht wird abgeschnitten.
  5. Dämmkeile gehören auch an Innenwände, die in eine Außenwand eingebunden sind. Werden beide von der Innenwand getrennt Räume beheizt, sind auch die Dämmkeile beidseitig anzusetzen (siehe Abbildung weiter unten). Besonders wichtig ist der Einbau der Dämmkeile bei einer Innendämmung der Außenwand.

Dämmkeile selbst anfertigen

Selbst geschnittene Dämmkeile aus Styropor
Selbst geschnittene Dämmkeile aus Styropor

Ich habe mir Dämmkeile für einige Sanierungsobjekte in den erforderlichen Abmessungen aus Schaumpolystyrol mittels eines Schneidwerkzeuges  für Außenwanddämmungen (Heizdraht) selbst gefertigt. Besonders gut eignet sich dichteres Schaumpolystyrol mit einer Rohdichte von 20 bis 30 kg/m³ (Schaumpolystyrol für druckbelastete Anwendungen). Diese einfachen, aber völlig ausreichenden Dämmkeile aus Schaumpolystyrol sind äußerst preiswert selbst anzufertigen und gut zu verarbeiten. Bei größeren Stückzahlen empfiehlt es sich einen Dienstleister zu beauftragen die Keile zu schneiden, was immer noch sehr preiswert ist. Die erforderlichen Abmessungen betragen mindestens etwa 350mm x 35mm auf 3mm auslaufend.

Für ein Innendämmsystem aus Mineralschaum werden Dämmkeile in den Abmessungen 390mm x 60/20mm angeboten. In beiden Fällen muss der auslaufende Keil beigespachtelt werden.

Dämmkeile helfen, z.B. in Fenster- oder Türlaibungen oder in Außenecken eingesetzt, auch ohne eine vollständige Innendämmung auszuführen, kritische Oberflächentemperaturen zu vermeiden.

Ausführung der Innenecke einer Innendämmung mit Verbundplatten
Ausführung der Innenecke einer Innendämmung mit Verbundplatten

Immer erst die Dämmkeile in die Ecken kleben, danach die Gipskartonverbundplatte ansetzen. Man kann die Gipskartonplatte vorher etwas anschrägen oder/und nach dem Aushärten des Klebers den entstehenden Zwischenraum mit PU-Schaum füllen.

Wichtig: Bei vollständiger Innendämmung der Außenwand sollte bei massiven Geschossdecken immer auch ein Dämmkeil unter der Decke eingeklebt werden.

Die abgebildete Schicht aus einem speziellen Material (Papier-Alu-Papier-Folie, etwa 0,3 mm stark) dient der Erhöhung der Oberflächentemperatur durch Wärmeleitung am auslaufenden Keil (+10 cm) und wird empfohlen.

Verarbeitung von Dämmkeilen

Vor dem Ansetzen der Dämmkeile wird die Wand gründlich von Schimmel bzw. von Tapete und Farbe befreit. Der mineralische Kleber wird dann nach Vorschrift angerührt.

Auftrag des mineralischen Klebers mittels Zahnspachtel
Auftrag des mineralischen Klebers mittels Zahnspachtel

Bevor der Kleber vollflächig mit einem Zahnspachtel (Zähnung 6 – 8 mm) aufgetragen wird, sollte der für die Klebung vorgesehene Keil probehalber trocken in die Ecke eingeschoben werden. In der Regel muss nun noch ein etwa 1 cm schmaler Streifen vom rechten Winkel abgeschnitten werden, da Raumecken nicht exakt rechtwinklig, sondern eher rundlich ausgeputzt sind.

Ansetzen eines Dämmkeiles und Anpressen mittels Teigrolle
Ansetzen eines Dämmkeiles und Anpressen mittels Teigrolle

Dämmkeile sind immer vollflächig anzukleben und müssen dicht gestoßen werden. Offene Stöße können nach dem Ankleben mit Bauschaum verfüllt werden und sind sauber zu egalisieren. Herausquellender Kleber kann sofort zum Glattspachteln der auslaufenden Kante des Dämmkeiles genutzt werden. Keinesfalls darf aber Kleber oder Spachtelmasse in offene Stöße eingespachtelt werden.

Ansetzen eines Dämmkeiles an der Decke

Beim Ankleben der Dämmkeile an der massiven Geschossdecke geht man genauso vor. Wenn es eine glatte Fläche gibt, hält die Platte mit dem Kleber ohne weitere Hilfsmittel an der Decke.

Anpressen des Dämmkeiles an der Decke
Anpressen des Dämmkeiles an der Decke

Das vorsichtige Andrücken mit der Teigrolle lässt in der Regel Klebemörtel herausquellen. An den Stößen ist dieser mit einem Spachtel abzuziehen, damit es nicht zu Wärmebrücken kommt.

Ausführung an der Außenecke der Decke

Bilden Außenwände Raumecken werden die Keile im Winkel von 45 Grad auf Gehrung geschnitten. Sollte sich ein Spalt zwischen den Keilen auftun, wird mit PU-Schaum vorsichtig nachgeschäumt und nach dem Aushärten der vorquellende Schaum abgeschnitten.

Fertig mit Dämmkeilen gedämmte Außenecke und Decke
Fertig mit Dämmkeilen gedämmte Außenecke und Decke

Wenn die Dämmkeile gesetzt sind und der Kleber abgebunden hat, kann mit dem Ankleben der Verbundplatten für die Innendämmung der Außenwandflächen begonnen werden.

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