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Aufsparrendämmung – Ausführung, Kosten, praktische Tipps

14.11.2017 | 67 x | von: now | Kategorie: Aufsparrendämmung, Dächer | Druckansicht Druckansicht

Aufsparrendämmung – Ausführung, Kosten, praktische Tipps
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Alles zur Aufsparrendämmung, Aufbau, Materialien, Besonderheiten, Ausführung, Kosten, praktischeTipps

Die Aufsparrendämmung ist Methode zur Wärmedämmung von ausgebauten und beheizten Dachgeschossen. Ihre Wirtschaftlichkeit hängt davon ab, ob eine Dachneueindeckung ohnehin erforderlich ist. Die Aufsparrendämmung stellt besondere Anforderungen an die Ausführung der Dämmschicht, insbesondere an deren Luftdichtheit. Die Beschäftigung mit den Besonderheiten ist ratsam, da es häufig zu Ausführungsmängeln kommt.

Die Aufsparrendämmung verlangt bei Ersatz oder erstmaligem Einbau eine Dämmstoffstärke, die sich aus der Energieeinsparverordnung (EnEV) bzw. den staatlichen Förderbedingungen (KfW) ergibt. Die EnEV verlangt einen einzuhaltenen U-Wert von 0,24 W/m²K, was einer Dämmstoffstärke von mindestens 16 cm (gute Dämmeigenschaften des Dämmstoffes, WLG 0,035, Berücksichtigung der Sparrenanteile) entspricht. Wenn eine Förderung (KFW) in Anspruch genommen werden soll, muss der Dämmstoff im Steildach so stark sein, dass ein U-Wert von 0,14 W/m²K erzielt wird.

Aufsparrendämmung mit Holzfaserdämmplatte
Aufsparrendämmung mit Holzfaserdämmplatte
Bei der Aufsparrendämmung wird der Dämmstoff über den Sparren angeordnet. Die Konterlattung zur Schaffung der Belüftungs- und Entwässerungsebene wird direkt auf den Dämmstoff aufgebracht und mit den darunter liegenden Sparren verschraubt. Wärmebrücken durch Sparren entstehen also nicht – es wird bis auf die Ränder der Konstruktion (Traufkante, Giebel) eine durchgängige und lückenlose Wärmedämmschicht geschaffen.

Die Luftdichtheit muss vor der Auflage der Dämmplatten hergestellt sein. Dazu wird eine Luftdichheitsbahn auf der Schalung verlegt. An den Rändern der Aufsparrendämmung gibt es dabei einen kritischen Übergangsbereich zur Abseitenwand bzw. Traufe sowie zu den Giebelwänden. Dieser Übergangsbereich wird überwiegend durch eine prinzipiell empfehlenswerte Brettschalung gebildet, durch die die Luftdichtheitsbahn geführt werden muss. Wegen häufiger Ausführungsmängel kommt es hier oft zu Unterbrechungen der Luftdichtheitsebene.

Die Brettschalung selbst dient der Auflage des Dämmstoffes, so dass dieser sich nicht durch Eigengewicht oder Belastung durchbiegt. Denn der Dämmstoff muss während der Lebensdauer des Daches sich selbst, die gesamte Last aus Dachziegeln, Dachlatten und Konterlatten, in der Bauzeit die Dachdecker, im Winter ggf. erhebliche Schneemengen und den Winddruck abtragen. OSB-Platten oder Holzmehrschichtplatten sind dafür nicht so gut geeignet, da sie die sommerliche Rücktrocknung infolge des erhöhten und nicht feuchteadaptiven Dampfdiffusionswiderstandes behindern.

Geeignete Dämmstoffe für die Aufsparrendämmung

Als Dämmstoffe können in Abhängigkeit der Konstruktion alle zugelassenen Dämmstoffe verwendet werden. Dazu gehören vor allem

  • Polyurethanschaumplatten mit Nut und Feder oder Stufenfalz, beidseitig mit Aluminiumfolie kaschiert,
  • Großformatige Polystyrolschaumplatten mit Nut und Feder oder Stufenfalz, teilweise kaschiert,
  • Mineralfaserplatten mit und ohne aufgeklebter Unterspannbahn,
  • Holzfaserdämmplatten.

Die erforderliche Dämmstoffstärke ergibt sich aus den gesetzlichen Anforderungen bzw. den Fördervoraussetzungen. Dämmstoffe mit geringerer Wärmeleitfähigkeit benötigen eine geringere Aufbauhöhe. In der Aufzählung nimmt die erforderliche Dämmstoffstärke von oben nach unten zu.

Leichtere Dämmstoffe mit hoher Biegesteifigkeit, wie beidseitig kaschierte Polyurethanschaumplatten, haben bei sehr guter Dämmwirkung einen schwächeren Schallschutz. Wegen ihrer geringen Wärmespeicherkapazität heizen sich damit hergestellte Konstruktionen im Sommerhalbjahr auch rascher auf.

Überwiegend werden hoch wärmedämmende und biegesteife Dämmstoffe, wie z.B. Polyurethanschaum mit einer Wärmeleitfähigkeit um 0,025 W/mK, eingesetzt. Um die Förder-Forderungen der KfW (U-Wert ≤ 0,14 W/m²K) zu erfüllen, müssen PU-Schaumplatten 18 cm stark sein.

Besteht keine Einschränkung bezüglich der Höhe des gedämmten Daches können für die Aufdachdämmung auch Holzfaserdämmplatten verwendet werden. Durch die höhere Wärmeleitfähigkeit der Holzfaserdämmplatte (Lambda ca. 0,04 W/mK) muss, um die gleiche Wirkung wie mit PU-Schaum zu erzielen, mit einem etwa 40 % dickeren Aufbau gerechnet werden. Der Vorteil der Holzfaserplatten liegt vor allem in der höheren Dichte, was zu einem langsamerem Aufheizvorgang führt - die thermische Behaglichkeit im Sommer ist also besser. Bevor man sich für Holzfaserdämmplatten entscheidet, ist wegen des höheren Gewichtes ein Statik-Ingenieur zu Rate zu ziehen.
Aufsparrendämmung mit Holzfaserdämmplatten
Besteht keine Einschränkung bezüglich der Höhe des gedämmten Daches, können für die Aufdachdämmung auch Holzfaserdämmplatten verwendet werden. Durch die höhere Wärmeleitfähigkeit der Holzfaserdämmplatte (Lambda ca. 0,04 W/mK) muss, um die gleiche Wirkung wie mit PU-Schaum zu erzielen, mit einem etwa 40 % dickeren Aufbau gerechnet werden. Der Vorteil der Holzfaserplatten liegt vor allem in der höheren Dichte, was zu einem langsameren Aufheizvorgang führt – die thermische Behaglichkeit im Sommer ist also besser. Bevor man sich für Holzfaserdämmplatten entscheidet, ist wegen des höheren Gewichtes ein Statik-Ingenieur zu Rate zu ziehen. Ist die Entscheidung für Holzfaserdämmplatten gefallen, darf man sich auch über einen verbesserten Schallschutz freuen.

Im Sommer ist mit sehr hohen Temperaturen unter der Dacheindeckung zu rechnen, so dass es auch zu einer hohen thermischen Belastung der Aufsparrendämmung kommt. Infolgedessen kann es zu einer Längenausdehnung des Dämmstoffes kommen. Alle Anschlussdetails müssen die Längenausdehnung im Sommer und die Schrumpfung infolge niedriger Temperaturen aufnehmen können.

Beachten: Luftdichte Anschlüsse

Besondere Aufmerksamkeit benötigt die Erstellung einer luftdichten Ebene, die in der Regel durch eine diffusionsoffene Unterspannbahn gebildet wird. Ihre spätere Lage muss vor Ausführung der Brettschalung festgelegt werden. Beim Verlegen der Brettschalung von der Traufkante aus muss an entsprechender Stelle die Luftdichtheitsbahn durch die Schalung nach unten hindurchgeführt werden. So kann bei weiterem Dachausbau gesichert werden, dass die Luftdichtheitsbahn in die Luftdichteheitsebene der senkrechten Bauteile (Abseitenwand) luftdicht angeschlossen werden kann. Eine besondere Herausforderung stellen an dieser Stelle die Sparren dar, um die die von oben kommende Luftdichtheitsbahn luftdicht herumgeführt werden muss. Dieser Arbeitsschritt kann bei einer bereits vorhandenen Brettschalung nur dann umgesetzt werden, wenn die Schalung zumindest teilweise geöffnet wird.

Vor dem Aufbringen des Dämmstoffes ist bei einer Aufsparrendämmung die Dampfbremse bzw. Luftdichtheitsebene zu verlegen. Hierbei ist höchste Sorgfalt bei der Herstellung der luftdichten Anschlüsse und Verbindungen erforderlich.

Lage der Luftdichtheitsebene im Bereich der Traufe bzw. Abseitenwand, Quelle: luftdicht.info
Lage der Luftdichtheitsebene im Bereich der Traufe bzw. Abseitenwand, Quelle: luftdicht.info
Besonders zu beachten sind neben den Durchführungen zur Abseiten- und Giebelwand auch alle Durchdringungen wie Schornsteine, Dunstrohre, Dachflächenfenster etc..

Meiner Erfahrung nach wird bei den meisten Aufdachdämmungen an dieser Stelle nicht sorgfältig gearbeitet. Oftmals wissen die Ausführenden nichts von dieser Problematik, geschweige denn von den Technologien zu ihrer Vermeidung. Selbst mit Kenntnissen zur Bedeutung luftdichter Ausführung der Aufsparrendämmung scheitern viele an dieser Stelle wegen des Zeitdrucks auf der Baustelle. Die anspruchsvolle Schaffung luftdichter Konstruktionen dauert eben etwas länger.

Da die Luftdichtheitsebene nachträglich nicht repariert werden kann, sollte ein Luftdichtheitstest (Blower door, Wincon) nach Verlegung der Dampfbremse erfolgen, da die Luftdichtheit über die Bauschadensfreiheit der Wärmedämmkonstruktion entscheidet.

Gute und hilfreiche Darstellungen der Ausführung der verschiedenen Details zur Luftdichtung finden sich auf den Webseiten

Winddichtheit der Konstruktion

Die Winddichtheit der Konstruktion von außen wird bei luftundurchlässigen Dämmstoffen (z.B. PU-Schaum, Holzfaserdämmplatte) mittels Abklebungen an den Stößen gesichert. Bei einigen Produkten befinden sich Klebestreifen bereits an den Dämmelementen. Bei luftdurchlässigen Dämmstoffen wie z.B. Mineralwolle, muss eine Winddichtung über die Dämmstoffe aufgebracht werden, die gleichzeitig als regendichtes Unterdach wirksam wird.

Vorteile der Aufsparrendämmung

Reetdach: Eine Form der Aufsparrendämmung
Reetdach: Eine Form der Aufsparrendämmung
Die Aufsparrendämmung besitzt den Vorteil, dass bei Verwendung von druckbelastbaren Dämmstoffen (PU-Schaum, Holzfaserdämmplatten) die Wärmedämmung homogen und ohne Unterbrechungen (Sparren) verlegt werden kann.  Dadurch kann eine optimale, wärmebrückenarme Dämmwirkung erzielt werden. Außerdem kann während der Dämm- und Dachdeckerarbeiten das Dachgeschoss voll bewohnt bleiben.

Die Aufsparrendämmung schafft eine für den Wohnraum günstigere Raumhöhe und ermöglicht die Sichtbarkeit der Sparren. Für kleinere Dächer geringer Höhe ist die Aufsparrendämmung mitunter die Voraussetzung für einen sinnvollen Dachgeschossausbau.

Die Dämmung und die Dachlattung über einer „Brandwand“, z.B. bei Zweifamilienhäusern, müssen aus feuerfestem Material bestehen.

Kosten der Aufsparrendämmung

Bei einer Aufsparrendämmung muss im Sanierungsfall die Dacheindeckung vollständig abgenommen und anschließend neu eingedeckt werden. Da auch eine Schalung und die Luftdichtheitsebene auf den Sparren anzubringen ist, wird wegen der insgesamt hohen Kosten die Aufsparrendämmung vorwiegend bei neuen Dächern angewendet. Die Aufsparrendämmung ist eine Sache für den Fachhandwerker. Weil Eigenleistungen kaum möglich sind, können auch keine Einsparungen durch den Bauherren erwirtschaftet werden.

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