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Heizung und Modernisierung

14.11.2017 | 32 x | von: now | Kategorie: Allgemeines, Heizen | Druckansicht Druckansicht

Heizung und Modernisierung
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Eine Heizung benötigen wir in unseren Breiten in jedem Haus. Auch einem Passivhaus muss, wenn auch nur wenig, Wärme zugeführt werden.

Sowohl Neubauten als auch in die Jahre gekommene Immobilien benötigen eine Heizungsanlage. Nur welche? Was muss die Anlage können? Welcher Brennstoff ist der Richtige? Muss es überhaupt ein Brennstoff – wie Gas, Öl, Holz oder Kohle – sein? Wäre nicht eine Wärmepumpe, eine Brennstoffzelle, ein Block-Heiz-Kraftwerk das Richtige?

Wandheizungselement im Thermogramm
Wandheizungselement im Thermogramm
Eins ist klar: Mit verbesserten Wärmedämmwerten der baulichen Hülle steigt die Behaglichkeit. Gleichzeitig sinkt der Wärmebedarf. Eine moderne Heizung hat zudem einen hohen Wirkungsgrad. Sie kommt daher mit einer immer kleiner werdenden Brennstoff- bzw. Energiemenge aus. Das freut dene Hausbesitzer Jahr für Jahr.

Für die Höhe der Investition in die Heizungsanlage spielt der verringerte Wärmebedarf jedoch so gut wie keine Rolle. Unterschiedliche Kesselleistungen und das sonstige Drumherum wirken sich kaum auf den Kaufpreis aus. Und auf der Suche nach Alternativen (Wärmepumpe, Brennstoffzelle, Pelletheizung) finden wir Anlagenkosten, die oft sogar höher liegen. Warum sollte man für eine Heizungsanlage, die nur einen geringen Wärmebedarf bedienen muss, soviel Geld ausgeben?

Beispiel: Modernisierung der Heizung

Schauen wir uns folgendes Beispiel an: Das 130 m² Wohnfläche umfassende Eigenheim aus den 70er Jahren wird mit Heizöl beheizt. Der durchschnittliche Jahresverbrauch beträgt 2400 Liter. Es soll energetisch umfassend modernisiert werden. Neue Fenster, eine Außendämmung und eine zusätzliche Aufsparrendämmung sind vorgesehen. Durch diese Maßnahmen sinkt der berechnete Wärmebedarf von bisher 19.000 kWh auf knapp unter 10.000 kWh.

veralteter Standard-Heizkessel einer Öl-Heizung
veralteter Standard-Heizkessel einer Öl-Heizung
Eine Erneuerung der mitlerweile störungsanfälligen Heizung steht ebenfalls an – als Alternative zum Heizöl wird die Beheizung mit Pellets in Erwägung gezogen. Für diesen Umbau (Heizkessel, Abgassystem, Pelletlager und Austragung, Entsorgung Öltanks) werden 20 T€ veranschlagt. Bei einer theoretischen Nutzungsdauer von 20 Jahren entspricht dies einem überschlägigen Kapitalaufwand von 1000 € im Jahr (ohne Kapitalverzinsung). Eine Modernisierung der bestehenden Öl-Heizung (neuer Brennwertkessel, Abgassystem) würde 10000 € kosten, was einem Kapitalaufwand von 500 € im Jahr entspricht.

Der durch die Energiesparmaßnahmen theoretisch verringerte Ölverbrauch von anfangs 2400 Liter auf etwa 1200 Liter pro Jahr würde einer Ersparnis bei den Brennstoffkosten von 840 € entsprechen, wenn ein Preis von 0,70 € pro Liter zugrunde gelegt wird. Zusammen mit den Kapitalkosten von etwa 500 € pro Jahr ergeben sich jährliche Heizkosten von 1340 €. Da die Jahreskosten (Kapitalaufwand) der Pelletheizung bei 1000 € liegen, dürften bei gleich bleibender jährlicher Belastung die Pellets maximal 340 € im Jahr kosten. Dies ist aber nach dem Preisstand 2017 (ca. 240 € pro Tonne Pellets, Bedarf pro Jahr etwa 2,6 Tonnen) nicht möglich (624 €). Preissteigerungen sind dabei nicht berücksichtigt, da ein Ausblick in die Zukunft kaum möglich ist. Ebenso wenig finden unterschiedliche Wartungskosten, Schornsteinfegergebühren und andere Betriebsnebenkosten (z.B. Stromkosten) die jährlich zusätzlich auftreten, bei diesem sehr einfach gehaltenen Beispiel Berücksichtigung.

Es zeigt sich aber prinzipiell, dass mit verringertem Energiebedarf zwar der Anteil der Kosten für Brennstoffe sinkt, der Anteil der Anlagen-Kosten jedoch prozentual steigt. Sollen Energiesparmaßnahmen also wirklich zu einer Kostenentlastung führen, muss der Kapitalaufwand für neue Heiz- und Anlagentechnik unbedingt mit berücksichtigt werden. Das gilt streng genommen auch für den Aufwand im baulichen Bereich, der, würde er nur aus Energiespargründen getätigt, oftmals nicht wirtschaftlich wäre.

Es liegt auf der Hand, dass der nach einer wärmetechnischen Modernisierung (zur Verbesserung der Behaglichkeit, Beseitigung von Schimmelrisiko, Energieeinsparung) kleiner werdende Bedarf an Brennstoffen nicht durch eine kapitalintensive Heizungsanlage gedeckt werden sollte. Das gilt auch für den Neubau eines Niedrigenergiehauses. Ich habe mich bei meinem neuen Wohnhaus (2011) daher für eine einfache Heizungsanlage mit kleinem Gas-Brennwertkessel entschieden.

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