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Ich empfehle 35 bis 55 Prozent

08.10.2019 | von: fegonnow54 | Kategorie: Luftfeuchte und Kondensat, Luftqualität | Druckansicht Druckansicht

Unter gesundheitlichen Aspekten liegt der optimale Bereich der Raum-Luftfeuchtigkeit im Winter bei 35% bis 55% – und bei bauphysikalischer Betrachtung? 

Der angegebene Bereich deckt sich auch mit den Ergebnissen aus meinen Beobachtungen und Gutachten zu negativen bauphysikalischen Aspekten (Feuchtigkeitsniederschlag, Schimmelbildung).

Gut funktionierendes elektronisches Hygrometer mit Datenschreiber und Alarmfunktion
Gut funktionierendes elektronisches Hygrometer mit Datenschreiber und Alarmfunktion

Der obere Wert von 55% ist im Winterhalbjahr nur einzuhalten, wenn es einen ausreichenden Luftwechsel in der Wohnung gibt. Im Sommer und in der Übergangszeit können die Werte auch mal darüber, im Winter darunter liegen. Das ist kein Grund zur Panik, denn schon nach wenigen Tagen ist bei optimaler Be- und Entlüftung meist alles wieder im grünen Bereich.

Im Sommer besteht in normal trockenen und temperierten Räumen keine Gefahr von Feuchtigkeitsschäden oder Schimmelpilz. Denn es gibt in der wärmeren Jahreszeit keine nennenswerten Unterschiede der Temperatur innen und außen. Daher sind die Umgebungsflächen (Fenster, Wände) nicht so kalt, das Tauwasser auf den Oberfläche entstehen kann. Allerdings gibt es auch im Sommer Kondensatbildung, z.B. in Kellern. Hier sind es die im kühleren Erdreich stehenden Kellerwände, die eine Kondensation des Wasserdampfes der Raumluft hervorrufen können. Wer glaubt, dass sich die warme Sommerluft zur Trocknung von feuchten Kellerwänden eignet, irrt also. Geöffnete Kellerfenster tragen dazu bei, dass warme, aber eben auch meist ziemlich feuchte Luft in den kühlen Keller „verschleppt“ wird, so das auf den kühleren Kellerwänden Durchfeuchtung feststellbar wird. Besonders anschaulich ist der Kondensatausfall durch die Tröpfchenbildung auf der Kaltwasserleitung im Keller.

Schimmelbildung an einer massiven, ungedämmten Geschossdecke zum kalten Dachraum
Schimmelbildung an einer massiven, ungedämmten Geschossdecke zum kalten Dachraum

In der heutigen Wohnumgebung, mit dicht schließenden Fenstern und Zentralheizung, haben wir es im Winter tendenziell aber mit Luftfeuchtigkeitwerten zu tun, die meist deutlich über 55 % liegen, wie ich auf Grund eigener Langzeitmessungen in zahlreichen Wohnungen feststellen konnte. Daraus ergibt sich eine wichtige Schlussfolgerung: Wenn der Wert der Raum-Luftfeuchtigkeit im Winter tendenziell bei 60 % und darüber liegt, muss gehandelt werden um die relative Luftfeuchtigkeit abzusenken.

Durch zu hohe Luftfeuchtigkeitwerte jenseits der 55% entstehen negative Auswirkungen auf Behaglichkeit und Gesundheit. Insbesondere in älteren Wohngebäuden mit eher schwacher Wärmedämmung und einer großen Anzahl von Wärmebrücken bestehen potentielle Gefahren. So kann sich bei höheren Werten über 55% an Wärmebrücken kondensierende Feuchtigkeit niederschlagen. Auf Farben und Tapeten kann sich Schimmelpilz einstellen. Neben Geruchsbelästigungen (typisch: erdig, etwas nach faulenden Kartoffeln) sind gesundheitliche Gefahren durch Sporen und Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze möglich. Bei lang anhaltender Durchfeuchtung können zusätzliche Bauschäden durch Versalzung entstehen. Die Wärmedämmung der Wand verringert sich durch einen erhöhten Wasseranteil im Baustoff, so dass die Oberflächentemperaturen weiter sinken. Dies erhöht aber den Wärmestrahlungsaustausch mit dem menschlichen Körper, so dass es trotz einer Raumtemperatur um 21°C unbehaglich kühl wirkt.

Höhere Luftfeuchtigkeitswerte begünstigen auch die Lebensbedingungen der Hausstaubmilbe. Zwar stellt die Hausstaubmilbe selbst keine gesundheitliche Gefahr dar, jedoch können abgestorbene Körperteile der Milbe und Kot allergene Reaktionen hervorrufen.

An dieser Stelle kommen wir wieder mit der so genannten „trockenen Heizungsluft“ in Berührung. Der Glaube an diesen Mythos scheint die Ursache zu sein, das häufig zu spät und zu selten gelüftet wird. Aber spätestens mit dem Einbau einer Zentralheizung und dicht schließender Fenstern ist der Luftwechsel meist ganzjährig viel zu gering (siehe auch Lüftung: Wohnraumluft auswechseln!).

Achten Sie insbesondere im Schlafzimmer und im Bad auf die Einhaltung des angegebenen Höchstwertes. Denn in diesen Räumen haben wir es mit besonders kritischen Randbedingungen zu tun. Während die meisten Menschen im Schlafraum eine eher kühlere Temperatur bevorzugen, ist es in den Bädern doch häufig deutlich wärmer als im Rest der Wohnung. In beiden Fällen steigt bei Luftfeuchtigkeitswerten größer 55% die Gefahr, dass sich Kondensat bildet, Oberflächen durchfeuchten und Schimmelbildung einsetzt.

Eine abgesenkte Temperatur im Schlafraum verlangt, die Tür zur übrigen Wohnung geschlossen zu halten. Gelüftet wird in solchen Räumen mit dem zugehörigen Fenster, nicht aber durch das Offenlassen der Zimmertür. Sonst wird warme, aber eher feuchte Raumluft in den kühlen Schlafraum verschleppt, so dass sich Feuchtigkeit auf den gegenüber dem Rest der Wohnung kälteren Außenwänden, bzw. Fensterscheiben (Tröpfchenbildung zu erst am unteren Rand) niederschlagen kann (siehe auch Ein Tag im Leben als häuslicher Wassertropfen).

Eine höhere Temperatur, das Duschen und die Trocknung von Handtüchern und Wäsche im Bad führt im Bad zu einem höheren Feuchtegehalt der Raumluft als in anderen Räumen. Auch hier gilt: Häufiges Lüften über das Badfenster hilft Schäden vermeiden. Die Badtür sollte möglichst geschlossen bleiben. Hygrometer im Bad und im Schlafzimmer dienen der Entscheidungshilfe, ob gelüftet werden muss.

Mein Fazit: Alarmglocken sollten läuten, wenn die relative Luftfeuchtigkeit den Bereich von 35% nach unten bzw. 55 % nach oben verlässt. Es ist es hilfreich Hygrometer anzuschaffen, die beim Überschreiten der Grenzen einen Warnsignal, vorzugsweise ein optisches, aussenden. …weiterlesen

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