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Heizkörpernische dämmen

27.11.2017 | 543 x | von: now | Kategorie: Behaglichkeit, Heizkörper, Heizungsanlagen modernisieren, Innendämmung, Wände | Druckansicht Druckansicht

Heizkörpernische dämmen
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Die Heizkörpernische dämmen ist einfach, verlangt aber spezielle Dämmstoffe, eine sorgfältige Ausführung und weitere Maßnahmen.

Ein hoher Wärmeverlust entsteht in Bereichen der Außenwand dort, wo Heizkörper angebracht sind. Besonders hoch ist der Verlust durch die früher üblichen Heizkörpernischen. Die Außenwand ist in der Nische häufig von 48 cm bzw. 36 cm auf 24 cm reduziert. Damit konnten Heizkörper, die in der Nische angebracht sind, optisch „verschwinden“. Jedoch führt die Reduzierung der Wandstärke auch zu einer verringerten Wärmedämmung an der Stelle, wo wegen der Heizkörpertemperaturen eher das Gegenteil der Fall sein sollte.

Wirkung einer Heizkörpernische, aufgenommen mit einer Thermografiekamera
Wirkung einer Heizkörpernische, aufgenommen mit einer Thermografiekamera

Die Heizkörpernische stammt aus einer Zeit, wo vor allem ausladende Gussradiatoren angewendet wurden. Oftmals wurden die Heizkörper noch mit einer Verkleidung versehen, die mauerwerksbündig abschloss. Eine solche Verkleidung ist nachteilig, denn sie mindert die freie Konvektion und führt zu einer deutlichen Erhöhung der Oberflächentemperatur der Wand im Bereich der Nische. Zusätzlich wird die freie Konvektion durch eine sehr tiefe Fensterbank über dem Heizkörper so behindert, dass die Oberflächentemperaturen im Bereich der Nische weiter ansteigen. Die wirksame Heizleistung des Heizkörpers geht dadurch zurück. In der Folge muss die Vorlauftemperatur der Heizungsanlage erhöht werden, was eine weitere Erhöhung der Nischentemperatur zur Folge hat.

Mit Wärmebildern, die von einer Thermografiekamera aufgenommen werden, lassen sich die entstehenden Wärmeverluste gut darstellen. Mit einer örtlichen Innendämmung und der Entfernung von Verkleidungen bietet sich die Chance, den erheblichen Energieverlust solcher Bereiche (sehr warme, schlanke Außenwandabschnitte), deutlich zu verringern.

Nachträgliche Wärmedämmung von Heizkörpernischen

Prinzip: Wärmestrom nach drußen
Prinzip: Wärmestrom nach draußen
Die Heizkörpernische dämmen ist eine einfache, aber wichtige Maßnahme zur Eindämmung von Wärmeverlusten, die durch folgende Maßnahmen beseitigt oder verringert werden können:
  1. Eine vollständige Dämmung der Nische erfolgt bis zur Vorderkante der Wand. Der (eventuell modernisierte) Heizkörper wird mittels neuer Konsolen davor montiert. Die (eventuell neue) Fensterbank endet nun, von oben betrachtet,  vor dem Heizkörper und behindert so die freie Konvektion des Heizkörpers nicht mehr.
  2. Sehr tiefe Heizkörpernischen können auch nur teilweise gedämmt werden, so dass die Nische kleiner wird. Wenn möglich erfolgt die Dämmung aber einschließlich der linken und rechten Laibung. Durch die Auswahl eines flacheren Heizkörpers kann dieser teilweise in der Nische verbleiben. Eventuell kann auch die alte Fensterbank verbleiben, sofern sie die freie Konvektion des Heizkörpers nicht behindert.
    Heizkörpernische dämmen
    Heizkörpernische dämmen
  3. Kann der Heizkörper nicht abgebaut werden, sollte der Wandabschnitt hinter dem Heizkörper (auch wenn keine oder nur eine Heizkörpernische mit geringer Tiefe vorhanden ist) mit einen wärmedämmenden Verbundwerkstoff (Dämmung plus wärmereflektierende Folie, Alufolie) gedämmt werden. Man wird ausprobieren müssen, mit welchen biegsamen Materialien man zurechtkommt. Für diesen Anwendungsfall eignen sich auch Weichschäume aus PUR (Schaumgummi) oder PE (Polyethylen). Bezüglich der Dämmstoffstärke gilt hier das Motto: Viel hilft viel.
  4. Eine Dämmung des Wandabschnittes hinter dem Heizkörper (wenn keine oder nur einen gering tiefe Heizkörpernische vorhanden ist) sollte durch einen Dämmstoff mit einer Stärke > 3 cm erfolgen, wenn der Heizkörper neu montiert werden kann.
  5. Es empfiehlt sich das zusätzliche Anbringen eines Keiles aus Dämmstoff unterhalb des Fensterbrettes, um ein leichteres „herausrutschen“ der erwärmten Luft nach oben zu ermöglichen und gleichzeitig die Auflagemöglichkeit der Fensterbank zu verbessern. Einen solchen Keil, z.B. aus Styropor, wird man sich selbst anfertigen müssen (siehe Dämmkeile für die Innendämmung, oder zweckentfremdete Keile aus dem Bereich Flachdachdämmung).
  6. Die Dämmstoffstärke ist nach den Gegebenheiten auszuwählen, sollte jedoch 3 cm nicht unterschreiten. Grundsätzlich gilt: Je stärker der Dämmstoff ausgeführt wird, um so wirksamer ist die Maßnahme. Eine „Überdämmung“ gibt es nicht.
  7. Zu den nutzbaren Dämmstoffen, die jeweils unterschiedliche konstruktive Ausführungen erfordern, zählen Mineralschaum (kleben, putzen), Styropor (kleben, putzen oder Verbund), Mineralwolle (Holzkonstruktion, Gipskarton), Holzfaserdämmstoffe (kleben, putzen), Zellulose (Holzkonstruktion, Gipskartonplatte) u. a..
  8. Die Verwendung von Folien bzw. Dampfbremsen, gleich welcher Art, ist bei der Anwendung von Schaumkunststoffen zur Dämmung der Heizkörpernische nicht erforderlich. Bei mattenartigen Faserdämmstoffen mit geringem Dampfdiffusionswiderstand (Mineralwolle, Baumwolle o.ä.) ist die Verlegung einer feuchtevariablen Dampfbremse jedoch anzuraten. Das Material wird über den mattenartigen Dämmstoff (warme Seite) verlegt und mittels speziellen Klebebändern an den Rändern der Konstruktion dichtschließend angebracht. Dicht schließend (schwierig!) ist auch der eventuell vorhanden Durchgang für die Konsolen auszuführen. Die bessere Lösung ist in diesem Fall eine Konstruktion mit Ständerwerk (siehe Ausführung von Innendämmungen)
  9. Wichtig ist bei jedem Dämmstoff die luftdichte Ausführung der Konstruktion. Das bedeutet, dass die Dämmschicht an keiner Stelle von Raumluft hinterströmt werden kann.
In allen Fällen kann nach der Dämmung der Nischen die durchschnittliche Vorlauftemperatur des Heizungsystems um mehre Grad abgesenkt werden. Das verbessert die Behaglichkeit und verringert den Wärmeverbrauch.

Heizkörpernische dämmen: am besten vollständig

verkleideter Heizkörper in Nische
verkleideter Heizkörper in Nische
Es ist zweckmäßig, wenn die gesamte Heizkörpernische mit Dämmstoff zugesetzt wird. Fehler kann man dabei kaum machen, sofern Wärmebrücken konstruktiv und bei der Verarbeitung vermieden werden. Auf luftdichte Montage der Dämmstoffe ist aber zu achten. Als Material können biegesteife Dämmstoffe Verwendung finden, da man hierbei keine Unterkonstruktion benötigt. Es ist allerdings die Befestigungsmöglichkeit des Heizkörpers an Konsolen zu klären. Verbundplatten (z.B. Gipskarton und Styropor lassen eventuell die Montage eines leichteren Plattenheizkörpers auch ohne Unterkonstruktion zu. Eine stabilere Konstruktion wird erreicht wenn eine Verbundplatte aus Holzwerkstoff (OSB-Platte, Spanplatte) und Styropor  verwendet wird. Gussradiatoren benötigen dagegen neue Konsolen – mitunter lässt sich auch eine Verlängerung an die vorhanden Konsolen anschweißen oder es muss eine Aufständerung vom Boden aus vorgenommen werden.
Vollständige Dämmung der Heizkörpernische
Vollständige Dämmung der Heizkörpernische
Biegesteife Dämmstoffe lassen sich auch gut verputzen. Dazu muss der Dämmstoff ca. 1,5 cm vor der vorderen Putzkante enden. An den Anschlüssen links und rechts sollte der Putz des Wandmauerwerkes etwa 10 cm breit abgeschlagen werden. In den Putz ist ein Armierungsgewebe einzulegen, um eine Rissbildung mit eventuell möglichen Luftundichtheiten zu vermeiden. Ist die Heizkörpernische sehr tief (>30 cm), kann man auch nach dem Prinzip der Kerndämmung (siehe Sanierung mit Hohlwanddämmung) die Nische zusetzen. Als Füllstoff eignet sich ein schüttfähiger mineralischer Dämmstoff, z.B. Perlite.
Mit einer Unterkonstruktion aus Kanthölzern und einem raumseitigen Abschluss aus Gipskarton oder Gipsfaserplatten lassen sich für die Wärmedämmung auch Mineralwolle- oder Glasfasermatten einsetzen. Eine baubiologische Alternative stellen Filze bzw. Matten aus Zellulose, Flachs, Baumwolle, Hanf, Wolle, o.ä. dar.  Bei diesen Dämmstoffen empfehle ich den Einsatz einer feuchtevariablen Dampfbremse zwischen Dämmstoff und raumseitigem Abschluss (z.B. einer Gipskartonplatte).

Ausmauern der Nische?

Schnitt: Zusetzen der Heizkörpernische
Schnitt: Zusetzen der Heizkörpernische
Die Heizkörpernische zu dämmen ist auch mit Porenbeton oder porosierten Ziegeln prinzipiell möglich, bietet aber ein ungünstiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Die wärmedämmende Wirkung solcher Steine liegt im günstigsten Fall nur bei etwa der Hälfte der oben erwähnten Wärmedämmstoffe der Wärmeleitfähigkeit 0,04 (bei gleicher Schichtstärke). Dagegen eignet sich ein spezieller Porenbeton mit der Bezeichnung Mineralschaum sehr gut und ist ähnlich einfach wie Porenbeton zu verarbeiten. Die Wärmeleitfähigkeit des für Innen- und Außendämmungen entwickelten Baustoffes Mineralschaum beträgt 0,045 W/mK. Die sichere Befestigung von Heizkörpern ist mit Standkonsolen oder speziellen Dübeln möglich.
 

Einsatz von Kalzium-Silikat-Platten

Die Dämmung von Heizkörpernischen mit Kalzium-Silikat-Platten ist möglich, bringt aber gegenüber Styropor, Mineralwolle, Holzfaserdämmplatte oder Zellulose bei gleicher Stärke eine deutlich geringere Dämmwirkung. Das Preis-Leistungsverhältnis ist schlecht, da die Platten bei akzeptabler Wärmedämmung sehr teuer sind. Der oft hervorgehobene Vorteil, nachdem es bei Kalzium-Silikatplatten (Steckbrief) nur ein sehr geringes Schimmelrisiko gibt, ist prinzipiell richtig, denn diese besitzen einen für das Schimmelwachstum ungünstig hohen pH-Wert. Für Heizkörpernischen spielt dieser Vorteil aber keine Rolle, da es infolge erhöhter Oberflächentemperaturen in der Nähe eines Heizkörpers ohnehin keine Schimmelgefahr gibt. Es sei denn, es wird nicht geheizt. Aber dann wäre auch die Dämmung der Nische vergleichsweise sinnlos.
 

Austausch der Heizkörper

Eine weitere Möglichkeit, die Wärmeverluste von Heizkörpern in Nischen zu mindern, ist der Austausch der vorhandenen Heizkörper gegen solche mit verringerter hinterer Abstrahlung. Dazu zählen rückseitig gedämmte Heizplatten und Heizkörper, bei denen zunächst die vordere Platte durchströmt wird und danach erst die hintere (bespielsweise bei den Heizkörpern X-Therm von Kermi).

Heizkörperverkleidungen

Heizkörperverkleidung und sehr tiefe Fensterbank
Heizkörperverkleidung und sehr tiefe Fensterbank

Gerne wurden in der Vergangenheit Heizkörper in Heizkörpernischen mit Holz oder Keramik verkleidet. Doch diese „Einhausung“ vergrößerte nicht nur den Wärmeverlust, sondern verschlechterte auch die Behaglichkeit, verringerte die Aufheizgeschwindigkeit und war ein Staubfänger. In Mietwohnungen erhöhen sich die Heizkosten u. U. dramatisch, da es innerhalb der Einhausung bzw. durch die Verkleidung zu einem Wärmestau kommt. Durch geminderte Zirkulation erhöht sich die Oberflächentemperatur der Heizkörper, was die Zahl der Verbrauchseinheiten bei Heizkostenverteilern steigen lässt. Diese Verkleidungen sollten also in jedem Falle demontiert werden.

Mögliche Gefahren der Dämmmaßnahme

Hier und da wird auf die Gefahr einer möglichen Schimmelbildung durch vom Laien durchgeführte Dämmmaßnahmen von innen verwiesen. Nach meiner Beobachtung tritt Schimmelbildung im Bereich von Heizkörpernischen jedoch nicht mit Dämmung, sondern gerade wegen fehlender Dämmung sowie nicht oder nur gelegentlich betriebener Heizkörper auf. Diese Beobachtung habe ich in selten oder gar nicht aktiv beheizten Schlafräumen sogar häufiger gemacht. Und hierbei ist nicht einmal eine Nische mit ihrer verringerten Wärmedämmung erforderlich. Denn auch hinter kalt bleibenden Heizkörpern normal starker Wände ist die Wandoberflächentemperatur im Winter so niedrig, dass bei tendenziell höherer Raumluftfeuchte Schimmelbildung möglich ist.

Meine Erfahrung ist: Wird die Konstruktion so ausgeführt, dass die Dämmstoffe nicht mit Raumluft hinter- bzw. durchströmt werden können, gibt es auch keine durch die Dämmung ausgelöste Schimmelbildung. Das ist meine Beobachtung unabhängig vom verwendeten Dämmstoff. Warnen möchte ich vor so genannten Belüftungsöffnungen oder Konstruktion, mit denen der Dämmstoff gezielt hinterlüftet wird. Ebenso möchte ich davor warnen eine so genannte Dampfsperre aus PE-Folie einzubauen. Die erwähnten feuchtevariablen Dampfbremsen haben mit einer PE-Folien nichts zu tun, denn sie können ihre bremsende Wirkung auf den Wasserdampfdurchgang nach Bedarf anpassen. 

Fazit

Sofern vor allem auf die Luftdichtheit des eingebauten Dämmstoffes geachtet wird, ist die sichere Funktion der Dämmung der Heizkörpernische kein Hexenwerk. Sie kann bei Beachtung weniger Regeln vom Heimwerker ausgeführt werden. Lediglich bei der Verwendung von mattenartigen Dämmstoffen ist der luftdichte Einbau einer Dampfbremse mit feuchtevariablen Eigenschaften erforderlich. Die Dämmmaßnahme ist preiswert zu realisieren und führt zu einer Behaglichkeitsverbesserung bei verringertem Wärmeverbrauch. Einen noch höheren Zuwachs an Thermischer Behaglichkeit erhält der Nutzer, wenn die Dämmung der Heizkörpernische mit einer Innendämmung der gesamten Außenwand verbunden wird.

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