Wissen:

Unterspannbahn, Unterdach, Vordeckung

14.11.2017 | 211 x | von: now | Kategorie: Dächer | Druckansicht Druckansicht

Unterspannbahn, Unterdach, Vordeckung
Artikel bewerten

Zur Rolle des Unterdaches, der Unterspannbahn bzw. der Vordeckung und zur Modernisierung der Dächer im Bestand

Dächer mit Dachziegeln werden seit einigen Jahrzehnten überwiegend trocken verlegt, also nicht mehr vermörtelt. Zur Verbesserung der Winddichtheit, zur Sicherheit gegen Flugschnee und als Schutz in der Phase Dacheindeckung bzw. Reparatur erhalten Wohnhäuser zumeist ein Unterdach.

Der typische Aufbau des Unterdaches mit Unterspannbahn

Sparrendach mit Unterspannbahn
Sparrendach mit Unterspannbahn
Die Abbildung zeigt den typischen Aufbau eines Unterdaches mit einer über den Sparren verlegten Unterspannbahn (grünlich). Mit den Konterlatten (senkrecht) wird die Unterspannbahn fixiert. Die Konterlatten mit einer Höhe von 3 bis 4 cm ermöglichen die Belüftung über dem Unterdach. Die Dachlatten sind horizontal auf den Konterlatten fixiert, um die trocken verlegten Dachziegel aufzunehmen. Die Konterlatten ermöglichen eine Belüftung der Ebene unter den Dachziegeln.

Ein Unterdach hat die Aufgabe, in der Bauphase und bei kurzzeitigen Dachöffnungen die Regendichtheit zu gewährleisten. Außerdem muss es Tauwasser von eingedrungenem Flugschnee sicher nach unten zur Rinne ableiten. Wird das Dachgeschoss ausgebaut und die Dachfläche mit einer Dämmung versehen, hat das Unterdach eine weitere Aufgabe zu erfüllen. Es muss nun auch noch eine winddichte Ebene gegenüber Dämmstoffen bilden, damit diese nicht mit Außenluft durchströmt werden. Bei Dachdämmungen, die eingeblasen werden, dient das Unterdach auch als verlorene Schalung.

Nicht nur feuchte Dämmschichten, auch solche, durch die der Wind fegt, haben kaum noch eine Wärme dämmende Wirkung.

Planung des Unterdaches

Holzfaserdämmplatten mit geringem Dampfdiffusionswiderstand
Holzfaserdämmplatten mit geringem Dampfdiffusionswiderstand
Wird das Dach komplett neu eingedeckt, kann vorher festgelegt werden, welche Eigenschaften das künftige Unterdach aufzuweisen hat. Wird nicht gedämmt, sind keine besonderen Anforderungen, außer der Dichtheit gegen Regen und Flugschnee, zu beachten. Dient das Unterdach jedoch auch als äußere Begrenzung einer Dachdämmung, muss ein möglichst niedriger Dampfdiffusionswiderstand der Unterspannbahn bzw. der Holzfaserdämmplatte eingehalten werden.

Die Höhe des Wasserdampf-Diffusionswiderstandes des Unterdaches informiert uns, ob und in welcher Menge Wasserdampfmoleküle durch die Schicht hindurch diffundieren können. Es ist anzustreben für das Unterdach ein Material einzusetzen, das dem je nach Konzentrationsgefälle wanderndem Wasserdampf nur einen geringen Widerstand entgegenbringt, Regen oder Feuchtigkeit aus tauendem Flugschnee aber nicht eindringen lässt. Unterspannbahnen bzw. Holzfaserdämmplatten müssen winddicht verlegt werden.

Auswahlkriterium für das Material ist also der Wasserdampf-Diffusionswiderstand bzw. die so genannte Dampfdiffusionswiderstandszahl, für die der griechische Buchstabe µ (my) steht. Sie sollte den dimensionslosen Wert von 5 nicht übersteigen. In der Praxis wird der Entscheider aber eher mit dem Wert der äquivalenten Luftschichtdicke, dem sd-Wert konfrontiert. Bei diesem fließt neben dem µ auch die Schichtdicke des Materials ein. Übliche Werte für diffusionsoffene Unterspannbahnen bzw. Unterdachplatten aus Holzfasern liegen zwischen 0,02 m bis 0,5 m (Meter). Je kleiner der Wert ist, umso weniger Widerstand (umso besser, umso teurer) wird den Wasserdampfmolekülen auf dem Weg nach draußen entgegen gesetzt. Auf der sicheren Seite bewegt man sich, wenn eine äquivalente Luftschichtdicke (sd-Wert des Materials) von kleiner 0,05 m eingehalten wird. Das ist ein materialspezifischer Wert, der im Angebot des Dachdeckers Erwähnung finden sollte.

Unterdach aus Holzfaserdämmplatten
Unterdeckung aus Holzfaserdämmplatten
Das Foto zeigt ein modernes Unterdach aus diffusionsoffenen Holzfaserdämmplatten, sowie die Konter- und Dachlattung. Überwiegend wurden und werden für Unterdächer jedoch sogenannte Unterspannbahnen und in geringerer Menge Brettschalungen mit Vordeckung verwendet.

Im Bestand wird der Ausbauende allerdings das nehmen müssen, was da ist. Somit stellt sich die Frage, welche Eigenschaften die vorhandene Vordeckung besitzt. Leider steht der Wert meist nicht auf der vorgefundenen Unterdeckung oder ist auf andere Weise erkennbar. In der Praxis finden wir Unterspannbahnen aus speziellem wasserabweisenden Gewebeflies (mit einem sd-Wert unter 0,05 m), aber auch armierte Folien mit deutlich geringerer Diffusionsfähigkeit (sd-Werte von 10m bis 100m).

Zur Dämmung vorgesehenes Dach mit einer einer dafür ungeeigneten Unterspannbahn (hoher sd-Wert)
Zur Dämmung vorgesehenes Dach mit einer einer dafür ungeeigneten Unterspannbahn (hoher sd-Wert)
Als Faustregel gilt, dass Vordeckungen aus Folien aller Art, die vor dem Jahr 2000 verlegt worden sind,  z.B. nur in Ausnahmefällen ausreichend diffusionsoffene Eigenschaften aufweisen. Letztere sind für eine Dämmung zwischen den Sparren nur dann unproblematisch, wenn entweder ein Luftspalt zwischen Dämmstoff und Folie verbleibt und/oder eine feuchtevariable Dampfbremse zum Einsatz kommt. In jedem Fall muss das gedämmte Dach eine hohe Luftdichtheit aufweisen.

Das Unterdach aus Holzfaserdämmplatten

Verlegung von Holzfaserdämmplatten
Verlegung von Holzfaserdämmplatten
Eine gut funktionierende Lösung für das Unterdach im Neubau und bei der Dachsanierung ist der Einsatz von wasserabweisenden Holzfaserdämmplatten. Die hydrophobierende Wirkung wird durch den Zusatz von Latex, Naturharz, Paraffin u.a. Zusatzstoffen erzielt. Die Platten sind ausreichend diffusionsoffen und durch ein Nut-Feder-System an den Stößen entsprechend winddicht. Eine aussagekräftiges Video zur Verarbeitung von Holzfaserdämmplatten finden Sie hier: [embedyt] https://www.youtube.com/watch?v=eoAErJRlwDw[/embedyt]

Ab etwa 22 mm Stärke sind die Platten ausreichend biegesteif, flattern nicht im Wind und können als verlorene Schalung genutzt werden, wenn Dämmstoffe eingeblasen werden.  Ab etwa 40 mm Stärke haben sie je nach Zulassung auch aussteifende Wirkung, so dass dann Windrispenbänder o.ä. nicht erforderlich sind.

Bei Stärken unter 4 cm besteht die Gefahr, dass die Nut-Feder-Verbindungen der Holzfaser-Dämmplatten vom Dachdecker aufgetreten werden.
Bei Stärken unter 4 cm besteht die Gefahr, dass die Nut-Feder-Verbindungen der Holzfaser-Dämmplatten vom Dachdecker aufgetreten werden.
Ich empfehle Stärken ab 4cm auch deshalb, weil die Nut-Feder-Verbindungen beim Laufen auf den Dachlatten nicht mehr durchgetreten werden können.

Dächer mit einer Unterdeckung aus Holzfaserdämmplatten weisen eine hohe Winddichtheit und einen messbar verbesserten Schallschutz aufgrund poröser Plattenstruktur mit hohem Flächengewicht auf. Während der Bauzeit können Holzfaserdämmplatten als Behelfsdeckung mehrere Wochen lang dem Wetter standhalten. Ein weiterer Vorteil: Holzfaserdämmplatten überdecken den Sparren und bilden ein Art zusätzlicher Aufdachdämmung. Dadurch verbessert sich der U-Wert (er wird kleiner), was einen verringerten Wärmebedarf zur Folge hat. Auch der sommerliche Wärmeschutz lässt sich sehen, weil die vergleichsweise hohe Masse der Holzfaserdämmplatte zu einen verlangsamten Wärmetransport von außen nach innen führt.

Gegen die Unterdächer aus Holzfaserdämmplatten können Zellulose oder Holzfasern als Dämmstoff zwischen den Sparren eingeblasen werden. Ein Luftraum ist unnötig. Unterdächer aus Holzfaserdämmplatten werden daher zunehmend eingesetzt. Alles in allem besitzen Unterdeckungen aus Holzfaserdämmplatten hervorragende Eigenschaften.

Verlegung des Unterdaches aus Brettschalung, über die eine Bitumenbahn verlegt wird
Verlegung des Unterdaches aus Brettschalung, über die eine Bitumenbahn verlegt wird
In Gegenden mit häufigen Wetterkapriolen, hohen Windlasten und viel Flugschnee wurden bzw. werden auch Brettschalungen oder OSB-Platten verlegt, die mit Bitumenpappe bzw. ähnlichen Bahnen versehen sind. Bei diesen Vordeckungen sind die Eigenschaften nicht ersichtlich und gehen auch oftmals nicht aus den Rechnungen hervor. Aus Sicherheitsgründen sollte dann von einer Vordeckung ausgegangen werden, die als nicht diffusionsoffen anzusehen ist. Der Einbau einer Wärmedämmung im Dach (Dachausbau) bedarf dann einer besonders sorgfältigen Planung und Überwachung das Baugeschehens. Vor allem hat dies Konsequenzen für die Auswahl der auf der warmen Seite der Konstruktion geeigneten Luftdichtheitsebene (Dampfbremse). Hier ist unbedingt der luftdichte Einbau einer Dampfbremse mit feuchtevariablen Eigenschaften angezeigt.

 

Schreiben Sie einen Kommentar